Durchhalten und Chancen wahrnehmen!

Silicon Surfer: WaveFont ist eine Technologie und Darstellungsweise mit der Eigenschaften der Stimme und Emotionen automatisch und intuitiv in Untertiteln dargestellt werden

Stellen Sie sich und das Startup Silicon Surfer doch kurz unseren Lesern vor!
Ich bin Tim, der Geschäftsführer von Silicon Surfer. Mit WaveFont habe ich eine neue Technologie und Darstellungsweise entwickelt, mit der Eigenschaften der Stimme (z.B. Betonung, Geschwindigkeit, Pausen) und Emotionen automatisch und intuitiv in Untertiteln dargestellt werden. Vor allem für Hörgeschädigte bringt die Untertitelung einen Mehrwert zu der herkömmlichen Darstellungsweise, weil sie Informationen aus der Stimme erhalten, von denen sie vorher komplett oder zum Teil ausgeschlossen waren. Aber auch Menschen, die Sprachen lernen, profitieren von der intuitiven Darstellungsweise der Aussprache.

Wie ist die Idee zu Silicon Surfer entstanden?
Zusammen mit einem Professor für Interaktive Medien und einem Typographie-Experten hatte ich mich mit der Thematik beschäftigt, wie sich die neuen technologischen Möglichkeiten, die sich durch den schnellen Fortschritt in der IT ergeben, auch auf Schrift auswirken können. Wir begannen Experimente durchzuführen, um Schrift in Echtzeit an die spezifischen Anforderungen des Lesers automatisch anzupassen. Durch den Vergleich von gesprochener und geschriebener Sprache kamen wir auf die Idee, Informationen der gesprochenen Sprache wie z.B. Lautstärke im Schriftbild direkt darzustellen – WaveFont war geboren.

Basierend auf der von uns entwickelten Technologie, die basierend auf dem Sprachsignal Text in WaveFont generiert und anzeigt, führten wir Analysen in Bezug auf Akzeptanz, Informationsgewinn und Vermarktung durch. Die Ergebnisse der Analysen und das Feedback waren sehr positiv und wir gewannen verschiedene Startup-Wettbewerbe, weshalb ich beschloss, WaveFont weiterzuentwickeln und auf dem Markt zu bringen. Weitere Umfragen, u.a. bei deutschen Gehörlosenverbänden und –vereinen zeigten, dass eine Nachfrage speziell nach Untertiteln in WaveFont existiert. Daher biete ich den Service an, dass jeder, der einen Film produziert, dafür WaveFont-Untertitel erhalten und somit einen Teil zur Barrierefreiheit, Inklusion und Integration beitragen kann. Das ist besonders interessant für Fernsehsender, Filmproduzenten, Video-On-Demand-Anbieter, Mediathek-Betreiber, Werbe-Agenturen und Social Media Netzwerke, da die erhöhten Zuschauerzahlen mit WaveFont-Untertiteln zu höheren Marktanteilen führen. Der Professor und der Typographie-Experte unterstützen mich auch heute noch bei der Weiterentwicklung der Technologie und der Umsetzung von WaveFont-Untertiteln.

Welche Vision steckt hinter WaveFont?
Während sich Bild und Ton weiterentwickelt haben, gab es keine Weiterentwicklung bei der Schrift: Bewegtbilder wurden zunächst in schwarz-weiß dargestellt, dann in Farbe und mittlerweile in 3D Stereo. Beim Ton gab es zuerst Mono-, dann Stereo- und mittlerweile Surround-Sound. Durch diese Entwicklungen wurden mehr Informationen übertragen. Bei der Schrift ist es jedoch genau umgekehrt: Druckbuchstaben haben die Handschrift ersetzt. Dabei gingen Informationen verloren wie Geschlecht und Emotion des Schreibers.

Die Technologie und Darstellungsweise WaveFont bietet eine Lösung, die den Informationsverlust in herkömmlicher Schrift überwindet: WaveFont formatiert die Schrift so, wie etwas gesprochen oder gelesen wird. Wenn jemand spricht, können mit WaveFont Lautstärke, Geschwindigkeit und sogar Tonhöhe assoziativ dargestellt werden, z.B., wenn jemand lauter spricht, wird die Schrift dicker, wenn jemand schneller spricht, schmaler. Laut unserer Studie ergeben sich die folgenden Vorteile:

Betonungen und Geschwindigkeit werden veranschaulicht.
Spracheigenschaften und Sprechstil einer Person werden reflektiert und im Text von den Lesern wiedererkannt.
Im Gegensatz zum herkömmlichen Einsatz von Schrift kann sich der Leser deutlich besser vorstellen, wie etwas gesprochen oder gemeint ist.

Als Ersatz für herkömmliche Untertitel sehen wir einen erheblichen Mehrwert für Schwerhörige und Gehörlose sowie ausländische Mitbürger: Insbesondere können schwerhörige und gehörlose Menschen von WaveFont profitieren, da sie durch unsere Technologie Zugang zu Informationen haben, von denen sie bisher ausgeschlossen waren. Denn nicht alle Informationen sind aus dem Kino-/Fernsehbild plus herkömmliche Untertitel ersichtlich. Für die Themen Integration und Inklusion ausländischer Mitbürger ist WaveFont ebenfalls interessant. Der Lerneffekt kann erhöht werden, indem Betonung, Akzentuierung und Pausen aus der Sprache, in der Schrift abgebildet werden und so die Information über zwei „Kanäle“ bereitgestellt werden. So schreibt Professor Gregory Zobel von der Western Oregon University (Assistant Professor of Educational Technology) über unsere Technologie in seinem Blog: “Hope that we see more of this type of work—and maybe some of it will enter the realm of captions. Yes!“.

WaveFont hat aber auch das Potential, das Leseerlebnis bei Büchern und Untertiteln zu revolutionieren, weil somit auch persönliche Eigenschaften und Emotionen der Stimme im Schriftbild abgebildet werden können. Dadurch wirkt der Text eigenständiger und lebendiger, weckt Neugier und der Leser wird tiefer in die Narration hineingezogen.

Von der Idee bis zum Start, was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Auf der technischen Seite: Für die Entwicklung der Software, die WaveFont erzeugt, war die Implementierung komplexer Algorithmen aus verschiedenen Bereichen der Sprachtechnologie und der Typographie notwendig. Da für vorhandene Schriften nur eine begrenzte Anzahl an Schnitten existiert, ist keine Abbildung der kontinuierlichen Charaktereigenschaften der Stimme auf die Schriftparameter möglich. Daher mussten wir zusätzlich sowohl eine eigene neue Font-Familie als auch unser eigenes Font Processing Tool entwickeln, das für eine kontinuierliche Interpolation sorgt.

Eine andere große Herausforderung ist die Finanzierung: Zunächst war die Entwicklung eigenfinanziert. Verschiedene Finanzierungsförderungen wurden nicht genehmigt, weil das Produkt nicht weit genug entwickelt war. Momentan erhalte ich den Gründungszuschuss – die staatliche Transferleistung zur Förderung einer Existenzgründung. Für die weitere Finanzierung habe ich eine Crowdfunding-Kampagne bei Startnext mit einem Fundingziel von 10.000€ gestartet, die bis zum 5. August läuft. Die Kampagne ist an die Mikrocrowd der baden-württembergischen L-Bank gebunden. Bei Erreichen der Crowdfunding-Ziels wird die L-Bank ein Kredit von 10.000€ bereitstellen.

Daher unterstützt mich bei meiner Crowdfunding-Kampagne Jeder Euro zählt, um dem Funding-Ziel näher zu kommen. Außerdem möchte ich Pilotprojekte starten, bei denen ich für erste Filme WaveFont-Untertitel liefere. Dafür könnt ihr euch auch bei mir melden.

Wer ist die Zielgruppe von WaveFont?
Die erhöhten Zuschauerzahlen mit WaveFont-Untertiteln führen für Fernsehsender, Filmproduzenten, Video-On-Demand-Anbieter, Mediathek-Betreiber, Werbe-Agenturen und Social Media Netzwerke zu höheren Marktanteilen. Denn mit herkömmlichen Untertiteln liefern Produzenten Hörgeschädigten, Sprachenlernenden und auch hörenden Zuschauern bei ausgeschaltetem Ton nur ein eingeschränktes Erlebnis. Dadurch erreichen sie höhere Werbeeinnahmen und Image-Gewinn, da sie mehr unternehmen für die Themen Barrierefreiheit, Inklusion und Integration als bisher, sowie höhere Verkaufszahlen von Filmen durch einschaltbare WaveFont-Untertitelung.

Silicon Surfer WaveFont Untertitel EmotionenWie funktioniert  WaveFont?
Ausgangspunkt für unser Verfahren zur Erzeugung von Text in WaveFont ist die gesprochene Sprache. Diese liegt bereits digital in einer Datei vor (z.B. bei einem Film) oder wird über ein Mikrofon aufgenommen.

Die Aussprache der Sätze, Wörter und einzelnen Buchstaben wird dann analysiert. Derzeit werden Geschwindigkeit und Lautstärke ausgewertet und in Zahlenwerte umgewandelt.

Im nächsten Schritt werden diese Werte auf die Schriftformatierung adaptiert. Zum Beispiel resultiert ein laut gesprochenes Wort in einer fetten Schrift, die mehr visuelle Aufmerksamkeit erzeugt. Ein sehr langsames gesprochenes Wort, das man mit einer langsamen ausgeführten Geste wie in Zeitlupe vergleichen könnte, erzeugt breitere Buchstaben. Breite Buchstaben bilden breitere Wörter und „verlängern“ die Zeit, die man zum Lesen braucht. Auch andere visuelle Darstellungsweisen oder Spracheigenschaften sind denkbar, die spezielle Zielgruppen von Lesern berücksichtigen.

Welche Vorteile bietet WaveFont? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?
Der große Zuspruch für die WaveFont-Untertitel bei den Konsumenten zeigt, dass die B2B-Kunden (Fernsehsender, Filmproduzenten, Video-On-Demand-Anbieter, Mediathek-Betreiber, Werbe-Agenturen und Social Media Netzwerke) mit WaveFont-Untertiteln die folgenden Mehrwerte erreichen:

höhere Einschaltquoten von dieser Zielgruppe,
höhere Marktanteile,
dadurch höhere Werbeeinnahmen,
Image-Gewinn,
da sie mehr unternehmen für die Themen Barrierefreiheit, Inklusion und Integration als bisher,
da sie den gehörlosen Zuschauern Informationen (aus der Stimme) liefern, von denen die meisten bisher ausgeschlossen waren und
da sie damit speziell auf die Wünsche dieser Zuschauer eingehen,
höhere Verkaufszahlen von Filmen durch einschaltbare WaveFont-Untertitelung.
Das alles führt zu einem höheren Umsatz für diese Einrichtungen.

WaveFont, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Ich starte erste Kampagnen, um die neue Art des Filmelebnisses und unsere Services bekannt zu machen. Dabei publiziere ich u.a. in den Sozialen Medien und in Zeitungen. So gibt es seit kurzem eine Facebook-Präsenz und eine Instagram-Präsenz .

Momentan setze ich noch einzelne Videos aus YouTube in deutscher und englischer Sprache um. Dieses Angebot möchte ich schrittweise ausbauen. Mein Ziel ist es, diesen Service für verschiedene Portale mit einem riesigen Angebot für viele andere Sprachen anzubieten, damit Menschen weltweit profitieren können.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
An sich, an das Produkt und an das Unternehmen glauben.
Sich in die Kunden hineinversetzen und den Markt kennenlernen.
Durchhalten und Chancen wahrnehmen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Tim Schlippe für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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