So schnell wie möglich mit Menschen sprechen, die eine Ahnung von der Materie haben

SHADES TOURS organisiert Vorträge, Touren und Aktivitäten zum Thema Obdachlosigkeit in Wien

Stellen Sie sich und das Startup Unternehmen SHADES TOURS doch kurz unseren Lesern vor!
SHADES TOURS organisiert Vorträge, Touren und Aktivitäten zum Thema Obdachlosigkeit in Wien. In Kooperation mit den Wiener Sozialeinrichtungen werden diese hauptsächlich an Schüler (Volksschule bis Oberstufe), Erwachsene und Unternehmen angeboten. Das Besondere hierbei ist, dass unsere Dienstleistungen von Obdachlosen selbst geführt bzw. moderiert werden und ihnen so ein Einkommen, eine Motivation, Selbstvertrauen und Zeit den steinigen Weg aus der Obdachlosigkeit zu gehen ermöglichen.

Wie ist die Idee von SHADES TOURS entstanden?
Ich war auf der Suche nach Social Tourism Business Konzepten in Europa und habe einfach recherchiert. Ziemlich schnell stieß ich auf das Tourenkonzept „Touren geführt von Obdachlosen“. Dieses Konzept existiert bereits in sehr vielen unterschiedlichen europäischen Städten. Ich habe mir vier Projekte angesehen und mir dann überlegt, wie ich die Touren in Wien implementieren könnte.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Wahrscheinlich auch ein wichtiger Grund, warum ich mich für SHADES TOURS entschieden habe war, dass es kein großes Investment benötigte. Ich musste kein Lokal mieten, keine Maschinen kaufen, etc. Mein Investment war vor allem Zeit und Arbeitskraft. Finanzielle Absicherung hatte ich, da ich bereits aus meiner vorherigen Tätigkeit Geld gespart hatte.

Eine weitaus größere Herausforderung war es, sich anfänglich mit Freunden und Familienmitgliedern bezüglich meiner Geschäftsidee auszutauschen. Da bekam ich nur sehr selten positives Feedback. „Das funktioniert doch nicht!“, „Damit kannst du kein Geld verdienen“, „Wen soll denn das interessieren?!“ „Bleib doch lieber bei einem guten 9-to-5-Job!“ und „Obdachlose wollen doch gar nicht arbeiten!“ …

Auch hier merkte ich, dass Branchenfremde meine Idee weder verstehen noch nachvollziehen konnten. Also musste ich mit den Leuten sprechen, die sich auskennen. Den Sozialarbeitern, den Einrichtungsleitern und den GeschäftsführerInnen der unterschiedlichen NGOs, die in diesem Bereich aktiv sind. Und tatsächlich.. ich stieß auf Interesse und Kooperationsbereitschaft. Aber auch hier galt es, Vertrauen aufzubauen.

Wie hat sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt?
Gegründet habe ich im Oktober 2015 und sind mit der ersten Presse-Welle (Januar 2016) operativ geworden. Im Ersten Jahr durften wir 1.800 Menschen auf unseren Touren und Aktivitäten begrüßen, haben gemeinsam für 2.500 Obdachlose gekocht und drei meiner Guides haben es aus der Obdachlosigkeit geschafft. Unsere Buchungszahlen steigen rapid an, sodass ich davon ausgehen kann, dass wir mit SHADES TOURS auf dem besten Weg sind.

Wer ist die Zielgruppe von SHADES TOURS?
Gebucht werden wir von interessierten Einzelpersonen, die entweder in Wien leben oder gerade zu Besuch sind, Gruppen (zum Beispiel Vereine oder Unternehmen, die mit ihren Mitgliedern oder Mitarbeitern einen Ausflug planen) und ganz besonders stark werden wir von Schulen und Studenten gebucht.

© SHADES TOURS ObdachlosenVon wem werden die Touren geführt? Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Unsere Touren werden von Obdachlosen selbst geführt. Naja… ehrlich, wer könnte die Obdachlosigkeit besser erklären, als Menschen, die sie selbst gerade durchmachen?

SHADES TOURS versteht sich als Instrument der 1) sozialen und arbeitsmarkttechnischen Re-Integration (für die Guides) und als 2) Information und Aufklärung, die zu persönlichem Engagement inspirieren soll. SHADES TOURS Prinzip lautet: „Abbau von Vorurteilen gegenüber obdachlosen Menschen, die die Integration in die Gesellschaft hemmen“. Zusätzlich gibt es den Guides ein Einkommen, eine Motivation, Selbstvertrauen und Zeit den steinigen Weg aus der Obdachlosigkeit zu gehen. Der Sozialwirtschaft bringt es zusätzliche Freiwillige, Mitarbeiter, Spenden und eventuell neue Projekte.

Wie ist das Feedback?
Ich bin immer wieder überrascht, wie begeistert unsere Teilnehmer sind! Ich glaube, es liegt auch daran, dass uns unsere Teilnehmer wirklich dankbar dafür sind, dass sie endlich einmal die Möglichkeit haben, all ihre Fragen an jemandem zu richten. Tabulos, ungehemmt und geduldig beantworten die Guides jegliche Fragen. Der Mut, die Stärke, die Menschlichkeit und das Wissen unserer Guides, wird von den Teilnehmern als einzigartig beschrieben.

Wie kam es dazu, dass Sie sich für die Startup Show 2 Minuten 2 Millionen beworben haben?
Mein Freund kam eines Abends nach Hause und hat mich gefragt, ob ich daran Interesse hätte bei der Sendung 2Minuten 2Millionen mitzumachen. Ich habe nur sehr kurz überlegt. Eigentlich nur so lange, bis ich damit einverstanden war meine Komfortzone zu verlassen und mich dieser Herausforderung zu stellen.

Wie haben Sie sich auf die Show 2 Minuten 2 Millionen vorbereitet?
Puls4 organisierte im Vorfeld ein Pitchtraining, welches mir half die Pitch-Struktur aufzubauen. Dann habe ich einige Male den Pitch geübt und dann stand ich auch schon vor den Investoren. Aber ehrlich gesagt kann man sich auf diese Situation nicht wirklich mehr vorbereiten. Der Adrenalin-Pegel, die ansteigende Nervosität, das Chaos am Set, die Drehwünsche des Produktionsteams… ich empfand die Erfahrung eindeutig als eine Extremsituation.
Zusätzlich geht es bei mir auch um ein sehr heikles, komplexes und untypisches Start-Up. Wichtig war darum vor allem auch, die richtigen Worte und Erklärungen (nicht nur für die Investoren), sondern auch für das Fernseh-Publikum zu finden.

Sie sind eines der wenigen Startups die es in die Show 2 Minuten 2 Millionen geschafft hat. Wie motivierend ist das für Sie und was versprechen Sie sich von der Show?
Ich bin richtig gespannt darauf, das Resultat zu sehen. Vor der Ausstrahlung hat noch keiner den Beitrag gesehen, die Homestory, den Pitch, die Reaktionen, das Tuscheln der Investoren nach dem Pitch.. auf all das bin ich schon wirklich sehr gespannt. So gespannt, dass ich gar nicht weiß, wie und ob es mir gefallen wird. Aber ich weiß jetzt schon, dass SHADES TOURS dadurch an Bekanntheit dazu gewinnen wird und frage mich, ob sich dadurch neue Kontakte ergeben werden. Kontakte zu neuen Kunden, zu potentiellen Social Franchise Nehmern, zu neuen Vertriebspartnern etc.

Wie wichtig ist dieser Schritt für Sie als Startup-Unternehmen? Auch unter dem Gesichtspunkt, dass durch die Show viele Interessenten und auch Medien auf SHADES TOURS aufmerksam werden?
Also ob wir durch die Show zusätzlich so viel PR bekommen werden, kann ich nicht beurteilen. Das liegt daran, dass die meisten Medien (Gott sei Dank) bereits über SHADES TOURS berichtet haben. Ich glaube jedoch, dass die Show ein schöner Reminder an die Medienvertreter sein kann. Und selbstverständlich ist die Show besonders interessant um Kunden anzusprechen und auf uns aufmerksam zu machen.

Ziel der Show „ 2 Minuten 2 Millionen“ ist es, das Startups einen Investor bekommen und ein Deal zustande kommt. Welchen der Investoren haben Sie im Fokus?
SHADES TOURS ist kein klassisches Investment-Case. Das liegt schon allein an dem Fakt, dass SHADES TOURS ein Social Business ist. Ein klassischer Investor wird hier wenig Interesse an SHADES TOURS haben. Aber ich denke, dass es für jenen Investor interessant sein könnte, der die Welt des Impact Investments kennen lernen möchte. Denn dann geht es nicht nur um einen finanziellen ROI, sondern eben vorrangig um Impact und Wirkungskennzahlen. Deshalb könnte jeder Investor in Frage kommen – oder eben garkeiner.

SHADES TOURS, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
SHADES TOURS wird sich in den nächsten 1,5 Jahren zu einem Social Franchise Konzept ausbauen. Wir möchten, dass mehrere Social Entrepreneurs SHADES TOURS in ihren Städten implementieren. Aus diesem Grund werden wir verstärkt an den Franchise Instrumenten arbeiten. Darunter fällt eine strukturierte Wirkungstheorie (Theory of Change), gute Backoffice-Instrumente wie Buchungs- und Buchhaltungssystem, Website und Webshop.
In fünf Jahren soll SHADES TOURS eine internationale Marke für alternative Tourenarten zu sozial-politischen Themen sein, die andere Randgruppen beschäftigen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1) So schnell wie möglich mit Menschen sprechen, die eine Ahnung von der Materie haben und ihre Einschätzungen abwarten.
2) Sich anfänglich einige Fragen zu stellen und diese zu beantworten: Bin ich die richtige Person dafür? Besitze ich die nötigen Fähigkeiten? Kann ich durchhalten? Will ich das wirklich? Wenn man sich diese Fragen mit JA beantwortet, so kann man sich genau diese Fragen und deren Antworten die jenen schlechten Tagen hinzuziehen. Denn es gibt Tage an denen man zweifelt, an denen man sich fragt, ob man das wirklich will.. und genau die Macht der Antworten hilft über diese trüben Tage hinweg.

Bild: © PULS 4 / Gerry Frank

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Perrine Schober für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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