Eine klare Vision hält das Team zusammen, motiviert und hilft immer dabei Strategien und Action-Pläne zu schärfen.

Selo: Erfrischungsgetränk aus der Kaffeekirsche

Stellen Sie sich und das Startup doch kurz unseren Lesern vor!
Vor knapp 2 Jahren haben wir mit dem Getränk selosoda die erste Erfrischung aus der Kaffeekirsche auf den Markt gebracht. Das Kaffeebohnen nur der Kern einer roten Kirsche sind, ist hierzulande komplett unbekannt – die Superfrucht ist spannenderweise genau so koffeinhaltig wie ihr Kern und steckt voller Antioxidantien.

Damit schaffen wir zusätzliche, börsenunabhängige Einkommensströme für Kaffeefarmer in Lateinamerika – und bieten Konsumenten ist Deutschland und den Niederlanden eine natürliche, gesunde Alternative zu konventionellen Limonaden und Energydrinks. Durch die Nutzung eines sogenannten „Abfallprodukts“ der Kaffeeernte schaffen wir eine zusätzliche Einkommensquelle für Farmer und eine gesunde, wohltuende Alternative auf dem Cola-Markt.

Wie ist die Idee zu selo entstanden?
Unsere Mission ist es, entlang der ganzen value chain der Kaffeeindustrie Wert zu steigern: für den Erzeuger, die Umwelt und den Konsumenten. Es ist nur zeitgemäß, dass mehr Wertschöpfung im Ursprungsland entsteht – und mehr Wissen durch Transparenz beim Kunden ankommt. Die Kaffeekirsche schien da ein idealer wirtschaftlich-ökologisch-sozialer Hebel. Weniger Abfall, mehr Ertrag. Im Jemen und in Äthiopien wird der „Tee aus der Kaffeekirsche“ seit ewigen Zeiten konsumiert, diese Tradition gilt es nun kommerziell und international zu nutzen.

Warum haben Sie sich entschieden ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Unsere Produkte brechen mit nicht mehr zeitgemäßen Industriestandards. Von Beginn an ging es uns darum zukunftsweisend zu arbeiten und dem Konsumenten eine wahre Alternative zu bieten, eine bis dato nicht vorhandene Lösung. Veränderungen auf dem Markt lassen sich besser (tbd.) anhand neuer Modelle durchsetzen, als von innen, also in bereits aufgebauten Strukturen.

selo Kaffeekirsche selosodaVon der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen?
Die größte Herausforderung ist es wohl, die richtigen Partner sowie Kollegen an Bord zu holen, denn nur gemeinsam kann man nachhaltig einen Wert schaffen und ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen. Nach der Gründung sind klassische Prozesse von Buchhaltung bis Logistik nicht zu unterschätzen. Wenn hier nicht von vorne herein saubere Strukturen aufgestellt werden, kann einen der Alltag während des ersten Wachstums schnell überrennen.

Standen Sie schon einmal vor dem Aus, was hat bisher die größte Gefahr dargestellt?
Soeben wurde der Kaffeekirsche, unserem absoluten USP, die Zulassung als Lebensmittel auf EU-Ebene aberkannt – da sie nicht vor 1997 innerhalb der Mitglieds-staaten in nennenswerter Menge konsumiert wurden ist. Theoretisch können wir mit dem Beschluss Insolvenz anmelden, die Produktion ist bereits gestoppt.

Genau wie Apfelkerne Teil des Apfels und Orangenzesten Teil der Orange sind, wurden Kaffeebohne und Kirsche bisher als eine Rohware betrachtet, denn sie bilden gemeinsam eine einzige Frucht, in Ursprungsländern seit Jahrhunderten konsumiert. Die Rohware ist absolut sicher für den Konsumenten. Die aktuelle Gesetzeslage verdeutlicht leider, dass das Angebot der Nahrungsmittelindustrie stark von den Interessen konventioneller Großkonzerne und einer bürokratischen Gesetzeslage geprägt ist – da geraten alle Ziele nachhaltiger Entwicklung in Vergessenheit. Während übersüße Limonaden und versalzene Chips zu günstigen Preisen in Kantinen und Discountern verkauft werden, verhindern vermeidliche Verbraucherschutzgesetze ein diversifiziertes, nachhaltiges und gesundes Produktsortiment.

Natürlich geben wir uns nicht geschlagen, habe eine transparente Kommunikationskampagne begonnen und diskutieren das Thema auf unserer Website (https://www.selocoffeefruit.com), über die sozialen Medien und durch einen engen Austausch mit Journalisten und Redakteuren in der Presse. Jede Stimme zählt. Somit erhöhen wir den öffentlichen Druck, tauschen uns mit Politikern auf nationaler und EU-Ebene aus und setzen uns für die Zulassung der Kaffeekirsche ein. Doch unser Lagerbestand hat natürlich ein absehbares Ende, weshalb wir mit Hochtouren an der nächsten Produktentwicklung arbeiten, die unser Konzept am Leben halten soll. Ein Regalplatz ist sonst trotz allen Erfolgs hart umkämpft und schnell verloren.

Wie haben Sie sich finanziert?
Der erste Schritt war ein Privatdarlehen, das ich mir als Gründerin genommen habe – anschließend konnten wir über die Berliner Crowdfunding-Plattform Startnext knapp 25.000€ einsammeln und die erste größere Produktion umsetzen. Mittlerweile haben sich zwei starke Angel-Investoren an unserem Unternehmen beteiligt.

Wer ist die Zielgruppe von selo?
Wir schreiben das Jahr 2017 und Kundenansprüche werden immer stärker von den Megatrends Gesundheit, Funktionalität und Nachhaltigkeit geprägt – und das natürlich nicht nur im Bereich unserer Lebensmittel. Mit selo hält unser Konsument eine zeitgemäße Erfrischung in seinen Händen, eine erfrischend-leichte Alternative zu Kaffee – und ein natürlich gesundes Gegenangebot zu Cola und Mate. Wir orientieren uns als eher an Bedürfnissen als klassischen Faktoren wie Alter, Einkommen und Herkunft, das spiegelt sich natürlich auch in unseren Verkaufskanälen wieder.

Wo kann man die Produkte kaufen?
selo steht in der Szene-Gastronomie, sowohl in Coffee Shops, als auch in Bars und der Berliner Clubszene. Wir stehen auf Musik-Festivals und Craft-Events in Berlin und Amsterdam, in Delikatessen-Abteilungen wie dem KadeWe, Mitarbeiter-Kantonen, aber auch in Kiosken, an denen sich Passanten gekühlte Drinks zum Mitnehmen ergattern.

Woher stammt die Kaffeefrucht? Auf was achten Sie bei der Qualität?
Unsere Rohware stammt aus Panama und Costa Rica, hier arbeiten wir mit Kaffeefarmern zusammen, die hohen Wert auf Ökologie und Innovation setzen und stärken durch den Einkauf der Kaffeekirsche lokale Strukturen. Beide Produzenten haben wir persönlich besucht, ein enger Austausch sorgt für eine gute Zusammenarbeit und permanent ansteigende Qualität. Das (temporäre) EU-Verbot der Kaffeekirsche ist auch für sie ein großer Schlag.

Wie ist das Feedback?
Wir haben dieses Jahr mit den ersten zwei Export-Märkten, den Niederlanden und der Schweiz gestartet, außerdem setzen wir diesen Sommer den ersten Handelseintritt um. Der Bedarf nach Lebensmitteln die nicht nur gut aussehen, sondern auch gesund sind und Gutes tun, kann sich sehen lassen.

selo, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
2022 werden wir unsere bisherigen Märkte weiter ausgebaut und unsere Marke gestärkt haben. Der skandinavische Markt ist dabei neben den Niederlanden, der Schweiz und Österreich Teil der weiteren Expansionsstrategie. Nachdem die Sortenvielfalt bis zu dem Zeitpunkt erfolgreich gelungen ist, baut sich die Marke möglicherweise auch in weiteren Produktkategorien aus und wird somit gestärkt. Ein Leitbild vereint unser Sortiment.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1. Fragen, fragen, fragen. Es lohnt sich Experten und Kollegen zu Rate zu ziehen, externe und interne Ansichten einzuholen.
2. Genau wissen, wofür man kämpft. Eine klare Vision hält das Team zusammen, motiviert und hilft immer dabei Strategien und Action-Pläne zu schärfen und sich nicht in den Details zu verlieren.
3. Klare Rollenverteilung. Vermeidliche „Basics“ oder „Supporting functions“ wie Administration, Buchhaltung und Kundenservice müssen klar im Team aufgeteilt und strukturiert werden – damit sie das Unternehmen stützen und nicht zu viel Zeit und Ressourcen fressen außerhalb der Kernkompetenz. Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Laura Zumbaum für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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