Mach doch mal wieder was selbst

Selbermachwerkstatt: Do It Yourself Werkstatt in Leipzig

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Selbermachwerkstatt doch kurz vor!
Ich heiße Annett Gerhardt, bin 37 Jahre alt und habe im Februar 2015 eine Tochter bekommen. Ich liebe DIYs und bin immer auf der Suche nach Dingen, die ich selbermachen kann. Studiert habe ich Fachkommunikation und Deutsch als Fremdsprache. Da ich das Selbermachen und das Lehren liebe, habe ich nach einem Weg gesucht, beides zu kombinieren.
Mit der Idee der Selbermachwerkstatt ist mir das gelungen. Jetzt kann ich an neuen Selbermachprojekten arbeiten, Anleitung dazu verfassen und dann als Workshops anbieten. Ich biete vor allem Veranstaltungen und Events an, wie z.B. Junggesellinnenabschiede, (Kinder)Geburtstage, Mädelstreffen, Babyparties usw.
Die Teilnehmerinnen können bei einem Glas Sekt und kleinen Naschereien Workshops aus den Bereichen Schmuck, Holz, Papier und Textil ausprobieren und nehmen tolle Einzelstücke mit nach Hause. Zu finden ist die Selbermachwerkstatt unter www.selbermachwerkstatt.de in Leipzig.

Wie ist die Idee zu Selbermachwerkstatt entstanden?
Alles begann als Hobby. 2012 war ich sehr krank und musste mein Leben neu definieren. Damals habe ich begonnen, Papierschmuck zu basteln. Meine Familie hat nicht daran geglaubt, dass ich das lange machen würde und hat sogar Wetten darauf abgeschlossen. Ich galt nicht unbedingt als sehr geduldige Person. Ich glaube, es waren alle sehr überrascht, als ich nach sechs Monaten sogar neue Designs entworfen habe. Da mein Wunsch, von meinem Hobby einmal leben zu können, immer stärker wurde, habe ich als ersten Schritt 2013 mein Label Schmück Dich Schön gegründet.
Dann habe ich auf vielen Märkten in ganz Deutschland gestanden und habe immer wieder die Frage gehört „Und wie macht man das?“. Auf einem Markt ist aber leider keine Zeit, diese Frage zu beantworten. Gleichzeitig habe ich zu Hause ein kleines Platzproblem bekommen, da mein Materiallager immer größer wurde und mein Arbeitsplatz nicht mehr ausreichte. So entstand das Konzept für die Selbermachwerkstatt. Die Verbindung von Kreativität, Handarbeit und Pädagogik reizte mich sehr. Heute kann ich sagen: Es war die richtige Entscheidung, die Selbermachwerkstatt umzusetzen. Denn jedes Mal, wenn ich die Werkstatttür aufschließe und mein kleines Reich betrete, freue ich mich.

Annett Gerhardt
Annett Gerhardt

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die Sicherheitsfrage war für mich ein großes Problem. Ich hatte nicht den Mut, mich ganz auf die Idee einzulassen und habe parallel noch in 4 anderen Jobs gearbeitet. Damit habe ich die Werkstatt zwar über Wasser gehalten (die Miete, Strom und Wasser bezahlt), aber ich hatte keine Zeit, um kreativ zu werden. Ass ich dann 2014 die passenden Räume gefunden hatte und die Selbermachwerkstatt eröffnet hatte, konnte ich mich nur 2 Tage wirklich darüber freuen. Zwei Tage nach der Eröffnung habe ich nämlich erfahren, dass ich schwanger bin. So hat sich das ganze Projekt nach hinten verschoben. Jetzt ist meine Tochter 15 Monate alt und geht zum Tagespapa und ich kann endlich mit der Selbermachwerkstatt durchstarten. Finanziert habe ich mich immer selbst. Ich arbeite gern und habe am Anfang – wie oben schon beschrieben – vier verschiedene Jobs nebenbei gehabt. Mit der Zeit musste ich ausdünnen und jetzt sind es nur noch zwei.

Wer ist die Zielgruppe von Selbermachwerkstatt?
Meine Zielgruppe sind Mädchen und Frauen. Die jüngste Teilnehmerin war 7 Jahre und die älteste 55. Ich spreche die Frauen an, die gerne selbst kreativ werden möchten, aber denken, dass sie das nicht können bzw. Mädels, die sehr interessiert daran sind, selber zu werkeln, aber zu wenig Zeit haben, um sich die Anleitungen und die Materialien zu suchen.

Welche Schmuckstücke kann man selber herstellen?
In der Selbermachwerkstatt gibt es über 50 verschiedene Projekte und es kommen regelmäßig neue dazu. Schmuck ist nur ein Bereich. Außerdem werden Näh-, Holz-, Papier- und Textildruckworkshops angeboten. 2 ganz neue Projekte sind Etageren bauen und Siebdruck. Im Schmuckbereich sind die Klassiker die Cabochonworkshops für Ringe, Ohrringe, Armbänder etc. und die mit Blüten und Pusteblumensamen gefüllten Glaskettenanhänger in Kugel-, Tropfen- oder Medaillonform. Außerdem werden oft Manschettenknöpfe gefertigt und Metall mit individuellen Schriftzügen geprägt. Fascinator und Stoffhaarspangen sind auch beliebt.

Selbermachwerkstatt ,wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In fünf Jahren möchte ich von der Selbermachwerkstatt leben können und ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin. Ich liebe meine Werkstatt und bekomme sehr viel positives Feedback. Erstaunlicherweise sogar aus ganz Deutschland und nicht nur lokal aus Leipzig. Es kommen immer öfter Gruppen aus anderen Städten. Die weiteste Entfernung hatte ein Gruppe aus Magdeburg zurückgelegt. Das sind immerhin 130 km und eine 90 Minuten dauernde Fahrt. Gutscheine verschicke ich sogar schon bis nach München. Jetzt fehlt nur noch der Mut, alle anderen Sicherheitsseile zu kappen und mich voll und ganz auf die Werkstatt einzulassen. Aber wenn dieses Jahr weiter so gut läuft und die Vergleichszahlen im nächsten Jahr positiv sind, dann will ich den Sprung ins kalte Wasser wagen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Mein erster Tipp ist, dass man auf keinen Fall den organisatorischen Aufwand unterschätzen darf. Ein gutes Zeitmanagement und Grundkenntnisse in Steuerdingen sind sehr wichtig. Außerdem muss man für eine gute Preiskalkulation ALLE Ausgaben kennen und mit einbeziehen. Das ist aufwendig, macht aber Sinn.
Mein zweiter Tipp ist: Verrennt euch nicht! Macht nicht tausend Dinge gleichzeitig! In meinem Fall waren vier Jobs und das Start-Up einfach zu viel. So hatte ich gar keine Zeit, mich richtig um meinen Traum zu kümmern.
Zum Schluss: Am Ball bleiben! Nicht verunsichern lassen (mir fällt das aber auch immer noch schwer) und an die Idee glauben! Holt euch jede Hilfe, die ihr kriegen könnt! Sucht euch Gleichgesinnte und fragt sie aus. Denkt daran: Ihr müsst das Rad nicht neu erfinden, sondern nur zum Drehen bringen!

Wir bedanken uns bei Annett Gerhardt für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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