Sedat Aktas: seid mutig und entscheidet mit Herz und Verstand

Sedat Aktas – Gründer des Startups GEILE WEINE im Interview . Er stellt  das Startup vor, sowie die Startup Szene im Rhein Main Gebiet und gibt Gründern wertvolle Tipps mit auf den Weg

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen GEILE WEINE doch kurz unseren Lesern vor?
Sedat Aktas : Mit GEILE WEINE versuchen wir das sehr tradierte und komplexe Thema Wein für ein weinunerfahrenes aber interessiertes Publikum zugängig zu machen.Wir haben uns vor dem Start unserer Plattform sehr intensiv mit dem Zugang zum Thema Wein auseinandergesetzt und unseren Fokus dabei auf die weinunerfahrenen Menschen gelegt – also auf Menschen wie mich selbst. Bis vor 2 Jahren hatte ich nämlich mit dem Thema Wein nichts zu tun, außer dass ich ab und zu einen Wein getrunken habe. Eine negative Erfahrung bei einem Weinfachhändler hat mich dazu gebracht, das Thema Wein etwas genauer unter die Lupe zu nehmen! Dabei ist mir aufgefallen, dass die Kommunikation von Wein, egal ob offline oder online, an informierte Kunden gerichtet ist. Unsere Erfahrung zeigte jedoch, dass ein weitaus größerer Teil der Gesellschaft nicht zu dieser informierten Gruppe gehört. Daraus haben wir unsere oberste Maxime entwickelt: „simplify wine“!
Unter Berücksichtigung dieser Maxime haben wir nach Definition unserer Zielgruppe alle Bestandteile unseres Shops selbst konzipiert und umgesetzt. Und wenn wir heute unsere Kundenstruktur und die entsprechende Resonanz betrachten, dann haben wir vieles richtig gemacht.

Wie ist die Idee zu GEILE WEINE entstanden, was waren die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Sedat Aktas : Die Idee zu GEILE WEINE ist aus einem eigenen Bedürfnis heraus entstanden. Ich selbst kenne mich mit Weinen nicht gut aus und war es leid, bei Weinfachhändlern Fragen gestellt zu bekommen, auf die ich keine Antwort wusste. Rebsorte, Jahrgang, Herkunft, lieblich, trocken, halbtrocken usw. Aus meinem Einkaufserlebnis in der Weinraumwohnung (der Weinladen von unserem Weinfuzzi Michael Reinfrank) ist dann die Idee für GEILE WEINE entstanden. Und weil ich dafür jemanden vom Fach gebraucht habe – der aber die Bedürfnisse der unerfahrenen Käufer versteht – war Michael als gelernter Winzer und erfahrener Weinhändler der perfekte Partner für diese Idee.
Aus dieser fixen Idee wurden nach vielen Gesprächen mit Michael Reinfrank und Kolja Orzeszko der Grundstein für GEILE WEINE gelegt. Michael hat dabei die Weine ausgesucht und in verständliche Kategorien unterteilt. Mit Kolja habe ich sehr viel über die Marke und die Positionierung gesprochen. Seine jahrelange Erfahrung bei Adidas in diesem Bereich hat uns natürlich sehr geholfen, eine klare Message zu formulieren – GEILE WEINE, für jeden Moment den richtigen Wein. Später stieß noch unser Zahlenmeister Alex zum Team und somit waren alle Bereiche bestens besetzt.
Am Ende stand ich nun vor der Entscheidung: Versuche ich, das nebenher zu machen – oder mach’ ich das Vollzeit? Am Ende war das eine sehr leichte Entscheidung. Es macht sehr viel Spaß, so ein traditionelles und eher elitäres Produkt aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und neu vorzustellen.Die durchweg positive Resonanz auf unsere Arbeit gibt uns noch heute sehr viel Motivation, weiter zu machen.
Die Finanzierung haben wir zu Beginn selbst übernommen. Ganz klassisch hab ich all meine Ersparnisse auf den Tisch gelegt und es ging los. Später waren wir auf weitere Mittel angewiesen und haben eine Crowdfunding Kampagne gestartet und erfolgreich Geld eingesammelt.

Warum haben Sie sich entschlossen im Rhein Main Gebiet zu gründen und nicht in Berlin?
Sedat Aktas : In Berlin zu gründen kam für mich nie in Frage, denn Mainz ist nicht nur für mich, sondern für die meisten unserer Teammitglieder ganz einfach Heimat. In Mainz und in der Region Rhein-Main habe ich aber nicht nur ein tolles soziales Umfeld, sondern auch perfekte Bedingungen für GEILE WEINE. Wieso nach Berlin gehen, wenn die infrastrukturellen Begebenheiten vor der eigenen Haustür perfekt für die eigene Unternehmung sind? Die Region ist wirtschaftsstark, viele Unternehmen aus der Old Economy sitzen hier. Wir haben in Sachen Logistik und Finanzen also die perfekten Partner in unmittelbarer Nähe. Außerdem sind viele unserer Winzer in der Region angesiedelt. So können wir nicht nur schneller die Lagerbestände füllen, sondern stehen auch im engeren Kontakt zu unserem Kerngeschäft, dem Wein. Natürlich haben wir durch Kooperationen und Events einen Anschluss zur Berliner New Economy und Start-Up Szene, daran kommt man als Gründer in Deutschland wohl kaum vorbei. Trotzdem fühlen wir uns in Mainz wohl und werden auch gern hier bleiben.

Wie sieht die Startup Szene im Rhein Main Gebiet aus? Wie werden die Gründer und Startups unterstützt und was tun die Gründer?
Sedat Aktas : Ich war selbst zunächst überrascht, wie viele Gründer es eigentlich in der Region gibt, als ich GEILE WEINE startete. Mittlerweile bin ich gut verknüpft mit den regional ansässigen Start-Ups und denke, dass die Region wirklich ein ganz besonders fruchtbarer Boden für Entrepreneure ist. Nicht nur im Food-Sektor, sondern auch für die Bereiche Finanzen, Tech oder Pharma. Außerdem treffen nicht nur wir in der Region auch direkt auf unsere Zielgruppen. Frankfurt, Mainz und Umgebung sind junge Städte mit viel Elan. Hier gibt es viele Studenten und Young Professionals, also all die Menschen, die wir und andere Start-ups als Kernzielgruppen identifiziert haben. Außerdem findet sich hier natürlich auch schnell geeigneten Nachwuchs, die Universitäten hier im Umkreis sind nämlich exzellent.

Sie sind auf dem Event InnovationM Round Table als Talkgast auf der Bühne. Was erwartet den Zuhörer?
Sedat Aktas : Ich freue mich sehr auf den Austausch mit Old Economy und Politik und auch auf eine angeregte Diskussion, denn nur durch Reibung entsteht Wärme. Die Zuhörer erwartet ein offenes Gespräch zu den Chancen der Region als Innovationsstandort und auch dazu, was wir uns als Vertreter der New Economy auch stellvertretend für alle Start-Ups in der Region von Old Economy und vor allem der Politik wünschen und erwarten. Ich bin ein großer Freund der direkten Worte, deshalb wird das sicherlich keine langweilige Diskussion.

Wie wichtig sind Events für Gründer und Startups?
Sedat Aktas : Anlässe wie der InnovationM Round Table sind für uns sehr wichtig, denn als Start-Up befindet man sich im ständigen Kampf um die Aufmerksamkeit der Zielgruppen, der Medien und natürlich auch potenzieller Investoren. Ohne, dass über uns gesprochen wird, können wir nicht erfolgreich sein. Wir erzählen gerne über unser Geschäftsmodell, denn wir sind davon wirklich überzeugt und leben es jeden Tag. Deshalb bin ich auch gern als Speaker auf Kongressen oder Events unterwegs. Ich stehe zudem sehr gern im direkten Austausch mit unseren Kunden und lasse mich inspirieren. Wir können ja auch nur dann immer besser werden, wenn wir wissen, was die Leute sich wünschen. Touch Points zur Zielgruppe auszubauen haben wir übrigens schon früh als einen Key Faktor unseres Erfolges erkannt. Seit 2014 touren wir mit unserer eigenen Eventreihe WEINMOMENTE durch Deutschland. Das ist unsere ganz eigene Interpretation der Weinprobe, die sehr erfolgreich läuft. Wir sind immer innerhalb weniger Tage ausverkauft. Im kommenden Jahr werden wir deshalb sowohl die Anzahl der Städte als auch die Ticketanzahl von 20 auf etwa 40 pro Veranstaltung erhöhen.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Sedat Aktas : In fünf Jahren wollen wir unser Ziel erreicht haben, DAS digitale Weinregal der Generation Y zu werden. Wir möchten uns dann nicht nur mit unserem Online-Shop sondern auch mit neuen Lieferkonzepten wie der Same Day Delivery, die schon 2016 in den ersten Städten kommen wird, etabliert haben. Und wir wollen mit eigenen Läden in ganz Deutschland vertreten sein.

Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Sedat Aktas : Seid mutig und geht die Dinge nicht nur mit Verstand, sondern auch mit Herz an. Ich denke, dass man nur dann mit einer Geschäftsidee erfolgreich sein kann, wenn man auch wirklich zu 100 Prozent dahinter steht und diese im besten Fall auch noch aus persönlichen Erfahrungen heraus entwickelt hat. Ich würde sagen, man sollte sich immer die Frage stellen, ob man mit seiner Idee eine echte Marktlücke trifft und ob man einen unmittelbaren Mehrwert schaffen kann. Und nur wenn man sich diese Frage mit einem klaren Ja beantworten kann, dann kann man sich auch mit vollem Elan hinter die Sache klemmen und etwas Gutes schaffen. Dabei sollte man auch nicht vergessen, dass Konzepte nur dann verstanden und angenommen werden, wenn sie auch ansprechend verpackt sind. Ein unübersichtlicher und technisch nicht einwandfreier Online-Shop wird nie volle Kraft entfalten können. Investiert deshalb mindestens so viel Zeit in die Umsetzung der Idee wie in ihre Entwicklung.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Sedat Aktas für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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