Wenn Unternehmen Branchen durcheinanderwirbeln: Schutz vor Disruption

Manchmal geschieht es, dass sich die Unternehmenswelt quasi über Nacht förmlich auf den Kopf stellt. Gründe für die Disruption einer ganzen Branche gibt es dabei viele. Mal kommen neue Unternehmen auf den Markt, die die alten Betriebe in den Schatten stellen, mal ziehen sich wichtige Dienstleister – und Partner – aus einer Branche zurück. Was bleibt, sind offene Fragen und die Suche nach einem Schutzkonzept, das ein solches Beben künftig verhindert. Dieser Artikel zeigt einige Beispiele für disruptive Verwerfungen auf und erklärt, worauf es beim Schutz ankommt. 

Disruption Unternehmen Branchen
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Beispiele für die Disruption

Branchen werden nicht erst in den letzten Jahren durcheinandergewirbelt. Die Disruption ist, wenn auch im geringeren Maß, so alt, wie der Handel an sich. Die Erfindung des Rades brachte den örtlichen, sehr regional begrenzten Handel durcheinander, mit der Dampfmaschine kam ebenfalls eine Phase und als Amazon auf den Markt kam, erfolgte insbesondere im Verlagswesen eine Disruption, deren Nachbeben heute noch spürbar sind. 

Doch es gibt durchaus aktuellere Beispiele: 

Uber – mit der Einführung von Uber wurde eine ganze Branche völlig durcheinandergewirbelt. Die Taxiunternehmen und selbstständige Taxifahrer fürchteten um ihr finanzielles Überleben, da die Uberfahrer Fahrten wesentlich günstiger anbieten konnten. Bis heute ist die Taxibranche nicht über diese Problematik hinausgewachsen. 

Flixbus – wobei das Unternehmen nur beispielhaft für das neue Angebot steht. Vor Flixbus waren Bahn und Flugzeug die einzigen Mittel, um weitere Strecken zu überbrücken. Reisebusse konnten nur in Gruppen angemietet werden. Mit Flixbus wurden lange Strecken quer durch die Republik extrem günstig, sodass kein anderer Fahrgastbetrieb preislich mithalten konnte. 

Online-Casinos – mitunter lässt sich dieser Bereich zweifach aufführen. Auf der einen Seite machen Online-Casinos natürlich dem regulären, in Spielbanken ausgeübten Glücksspiel mächtig Konkurrenz. Online-Casinos sind einfach erreichbar, sind immer mit dabei und bieten eine enorme Spielauswahl, die ein örtlicher Betrieb nicht anbieten kann. Auf der anderen Seite mussten Online-Casinos ebenfalls einen disruptiven Einschlag verarbeiten: PayPals Rückzug aus dem Online-Glücksspiel. Bis zu diesem Zeitpunkt galt die Zahlungsmöglichkeit per PayPal als sehr zuverlässige Hilfe, mit einem Mal brach dieses Siegel weg. Zugleich bot PayPal das Ein- und Auszahlungsmodell für Glücksspieler an, viele andere Onlinezahlungsdienstleister damals jedoch nicht. 

Was kann man dagegen tun? 

Grundsätzlich ist es schwieriger, sich vor den Auswirkungen eines Unternehmens auf eine Branche zu schützen, als vor einem Umbruch, der mit Produkten vonstattengeht. Im ersten Fall gilt: 

Abhängigkeit verringern – an dem Beispiel der Online-Casinos und PayPal wird deutlich, wie problematisch es ist, sich vor allem auf einen Partner zu verlassen und sich mit diesem zu rühmen. Bricht der Partner weg, bricht nun auch ein Qualitätszeichen weg. Um Glücksspiel als Beispiel zu nehmen: Es ist schlecht, sich auf einen Rennstall zu verlassen, wenn dieser nur ein einziges Pferd oder Auto im Stall hat. 

Eigene Qualitäten bewerben – jedes Unternehmen einer Branche muss seine eigenen, speziellen Qualitätsmerkmale haben. Sie sind es, die verbleiben, wenn Partner wegfallen oder sich die Umstände ändern. Taxifahrer können mit ihrer Qualifikation werben, denn sie sind es, die einen Personenbeförderungsschein haben. 

Innovativ sein – die Glücksspielbranche wurde schnell tätig und fand neue Zahlungsanbieter, die teils erst durch das Glücksspiel weiter bekannt wurden. Mittlerweile existieren beste PayPal Alternativen für Online-Casinos wie zum Beispiel Trustly, ecoPayz oder Paysafecard. Disruption lässt sich immer abschwächen, wenn selbst fortwährend an innovativen Lösungen gearbeitet wird. Im Ernstfall sind so mehrere Eisen im Feuer.

Zeichen der Zeit

Allgemein betrifft die Disruption ständig Branchen, oft schlichtweg durch innovative Techniken oder Ideen. Dies ist kein Zeichen der Moderne, sondern ein stets da gewesener Prozess: 

Schreibmaschine – sie wurde durch den Computer förmlich vom Markt gefegt. Die Branche selbst litt natürlich an den Folgen und viele Betriebe konnten sich nicht auf die damalige Moderne einstellen. Der Umstieg auf die Herstellung von Computern gelang den Schreibmaschinenherstellern ebenfalls nicht. 

Filmkameras – die Geschichte der Filmkameras ist eine, die von Verwerfungen nur so geprägt ist. Zuerst erlangten die Fotomacher durch die Filmkamera einen Aufstieg, sie waren es, die die Geräte besaßen. Dann kamen Heimmodelle und das Foto wurde alltäglicher. Mit Aufsatzblitzen, Polaroidlösungen und simpel zu händelnden Filmrollen konnte bald jeder Fotos machen. Die Fotostudios waren nur noch zur Entwicklung und für offizielle Fotos gedacht. Kaum hatte sich die Branche beruhigt, kam das nächste Beben: die Digitalkamera. Nun konnte auch noch jeder seine Fotos zu Hause selbst ausdrucken, das Papier gab und gibt es überall zu kaufen. Wobei der größte Knall schließlich von einem Unternehmen ausgeführt wurde, welches die Branche bis heute belastet: Apple mit dem ersten iPhone. 

Selten wird die Disruption rein von einem Unternehmen aus gesteuert, meist sind spezielle Produkte mit im Spiel. Durch Produkte eines Unternehmens hervorgerufene Disruptionen lassen sich jedoch wiederum durch die eigene Innovation abdecken. Jedes Unternehmen einer Branche muss an Lösungen für morgen arbeiten. 

Das bedeutet natürlich auch, über den eigenen Tellerrand zu blicken und verstehen zu wollen, weshalb ein Produkt oder eine Idee bei der breiten Masse Gefallen findet. Das leider zu häufig vorherrschende Mindset »So etwas brauchen wir nicht, niemand kauft Bücher im Internet« war und ist mitunter der Grund, weshalb der deutsche Buchhandel weiterhin die Rückstände des Bebens von vor zwanzig Jahren vor sich herschiebt. 

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Fazit – nicht Branchen, Unternehmen sind gefragt

Unternehmen innerhalb einer Branche können sich bei einschlagenden Neuerungen und Änderungen nicht darauf berufen, Teil einer Branche zu sein und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Stattdessen müssen sie selbst aktiv vorgehen und zugleich schon im Vorfeld Probleme erkennen und lösen. Oft entstehen daraus attraktive Synergien, die sicherlich ebenfalls Wellen schlagen, doch von denen wiederum eine Branche profitieren kann. Generell bedeutet jeder Stillstand schließlich den Tod, den es nur zu verhindern gelingt, wenn Unternehmen aktiv sind und sich durch ihre Anpassungsfähigkeit herausstellen. 

Titelbild:  unsplash.com/Scott Graham.

Autor: Marianne Schwarz

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