Montag, Mai 16, 2022

Eine Gründung mit Sicherheitsnetz gibt es nicht!

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Schafskleid Mode und Wolle aus 100 % natürlicher Schafschurwolle- Naturmode nachhaltig und fair

Stellen Sie sich und das Startup Schafskleid doch kurz unseren Lesern vor!

Mein Name ist Claudia Wollenweber, wobei der Name schon fast Programm ist und ich stehe stellvertretend für das Label Schafskleid, das sich aus einigen Spinnerinnen, Strickerinnen und anderen mutigen Querdenkern gebildet hat, um die natürliche Ressource „Schafs- bzw. Schurwolle aus Deutschland“ wieder zu nutzen. 

Wir sammeln die Wolle von Schafhaltern aus unserer Gegend und verarbeiten sie zu Kleidung in Handarbeit. Dazu wollten wir alle Arbeitsschritte der Produktionskette wieder in der Region durchführen und damit auch Arbeitsplätze schaffen. Erste Produkte wurden bereits aus unserem selbstgesponnen Garn hergestellt.

Der gesamte Verarbeitungsprozess unserer fantastischen Schafschurwoll-Qualitäten von der Rohwolle zum fertigen Garn bis hin zum Endprodukt findet bei uns statt, um die örtlich seltenen Arbeitsplätze für die meist weiblichen Arbeiterinnen zu erhalten. Verarbeitet werden die Garne zu kunstvollen Kreationen in Heimarbeit – teilweise auch auf Bestellung! 

Warum haben Sie sich entschlossen, ein Unternehmen zu gründen?

Unsere Produkte setzten ein Zeichen gegen die chemischen Kunstfasern, den künstlichen Farben, der Billigproduktionsmentalität, der Wegwerfgesellschaft und der Kurzsichtigkeit der Bekleidungsindustrie. Mit Schafskleid haben wir ein Label geschaffen, das müllreduzierend, nachhaltig und ökologisch konsequent produziert.

Was war bei der Gründung von Schafskleid die größte Herausforderung?

Unser Vorhaben erfüllt nicht die Vorgaben einer klassischen Finanzierung durch Banken etc., da unsere Form der Wollverarbeitung nicht von heute auf morgen geht und somit auch keine Massen produziert werden können. Der Prozess von Scheren, Sortieren, Waschen, Kardieren, Spinnen, Färben, Stricken oder Häkeln und Weben dauert seine Zeit. Wir haben trotzdem an unser Konzept geglaubt und deshalb zuerst unsere eigene Kasse geplündert. 

Doch galt es auch Spinnerinnen mit Equipment, sowie Strickerinnen mit entsprechenden Kenntnissen zu finden! Es gibt viele begeisterte Hobbystrickerinnen und einige wenige Spinnerinnen. Einige wären interessiert, aber können sich die Anschaffungen nicht leisten.  Zudem ist es für Viele aus unterschiedlichen Gründen schwer auf Kommission zu arbeiten, deshalb haben wir uns nun bei der Erstellung unserer ersten Kollektion für ein Crowdfunding bei startnext entschieden.

Kann man mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Alles begann eher als ein großes Abenteuer und genau das soll es sein! Man kann so nicht scheitern, sondern selbst im schlimmsten Fall viele neue Erfahrungen und Wissen ansammeln. Doch es ist zeitweise sehr müßig und man tritt häufig auf der Stelle. Man benötigt viel Durchhaltevermögen, fast schon ein gewisses Maß an Sturheit und jede Menge Leidenschaft, um nicht aufzugeben und trotz aller Widrigkeiten und Hindernissen weiter seiner Vision zu folgen, aber es lohnt sich! 

Welche Vision steckt hinter Schafskleid?

In einer begrenzten Welt kann es keine unbegrenzte Nutzung natürlicher Ressourcen geben. Das sollte eigentlich allen klar sein. 

In der Primärproduktion von Naturfasern werden ⁠Pestizide⁠ und Düngemittel in großer Menge eingesetzt. Bisher entfallen beispielsweise circa 25 Prozent des weltweiten Insektizidmarktes und circa zehn Prozent des Pestizidmarktes auf den Baumwollanbau. Der hohe Wasserverbrauch beim Baumwollanbau (3.600-26.900 m³ Wasser pro Tonne Baumwolle) führte unter anderem zum Austrocknen ganzer Seen. Die Produktion von Chemiefasern verbraucht nicht-erneuerbare Ressourcen zum einen als Rohstoff und zum anderen für die Erzeugung von ⁠Prozesswärme⁠. Als Rohstoff werden jährlich circa 0,8 Prozent des derzeit geförderten Erdöls verbraucht. Die Textilveredlung zählt in Deutschland zu den Branchen mit dem höchsten Abwasseranfall. Dieses Abwasser ist zudem hoch belastet! Diese Branche trägt weiterhin mit jährlich 1,7 Milliarden Tonnen CO2 signifikant zu den globalen Treibhausgasemissionen bei.

Chemiefasern nehmen in den Bereichen Bekleidung und Heimtextilien den Spitzenplatz unter den verarbeiteten Rohstoffen in Deutschland ein. Nur wenige Kleidungsstücke bestehen nicht zumindest teilweise aus Kunstfasern, die gerne der Baumwolle beigemischt wird. Das Material saugt den Schweiß überhaupt nicht auf, einzig Sportbekleidung, die zusätzlich feuchtigkeitsableitende Fasern besitzen, leitet den Schweiß nach außen ab. Dennoch bleibt ein Großteil des Schweißes auf der Haut und dem direkt mit der Haut in Berührung kommenden Stoff zurück. Bakterien sammeln sich an den Schweißstellen und es entsteht im harmlosesten Fall ein unangenehmer Geruch. Doch mittlerweile gibt es zahlreiche Studien, die ein Zusammenspiel von Kunstfasern und den stetig anwachsenden Hauterkrankungen untersuchen.

Dagegen ist unsere Schafwolle eine natürliche Ressource, welche u.a. die Wundheilung unterstützt und die üblicherweise jedes Jahr nutzlos entsorgt wird und sehr kostenintensiv im Sondermüll landet. 

In einer außergewöhnlichen Verbindung aus historischer Handwerkskunst und dem richtigen Gefühl für zeitgemäßes Design entstehen bei uns handgemachte Unikate für zeitgemäße Outdooraktivitäten aus diesem „Müll“. Dabei legen wir höchsten Wert auf ökologische Standards, optimalen Tragekomfort und auf eine unübertroffene Verarbeitungsqualität. Der Anspruch ist also immer sehr hoch. Unser Team möchte die Individualität betonen, der Wolle aber auch die unserer Kunden.

Weiterhin zeigen wir in unseren Workshops interessierten Menschen auf einfache Art und Weise sich an das Thema „Schurwolle“ heranzutasten und dabei zu lernen, wie aufwendig es ist gute Kleidung herkömmlich zu produzieren. Das macht nicht nur Spaß, sondern baut viele Vorurteile bezüglich der Schafwolle ab.

Wer ist die Zielgruppe von Schafskleid?

Kleidung ist ein elementares Mittel des Menschen, um seiner Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen und ganzheitliche Lebensführung ist eine lustvolle Beschäftigung. Die Kleidung, die wir tragen, drückt dies auf essenzielle Weise aus. So wie wir denken und fühlen, so kleiden wir uns. Mode aus Naturfasern sind wie eine gesunde zweite Haut, die uns im Alltag unterstützt, unser Lebensgefühl zum Ausdruck bringt und unser allgemeines Wohlbefinden stärkt.

Unsere Zielgruppe schließt damit jede Person ein, der Nachhaltigkeit und Gesundheit wichtig ist, die schickes Design schätzt oder einfach nur auf der Suche nach einer kreativen Geschenkidee ist.

Was ist das Besondere an der Wolle und der Mode?

Unsere 100 % natürliche Schafschurwolle, stammt aus der angrenzenden Eifel von Hobbyhirten, welche sich der artgerechten Tierhaltung verschrieben haben. Die Tiere, die die Rohwolle liefern, leben freilaufend und werden gemäß Tierschutzgesetz einmal pro Jahr geschoren. Dies sichert uns schonende Scher-Methoden, ausreichend Platz, keine Pestizide, medizinische Betreuung etc. Die Wolle verwenden wir für zeitlos-klassische Strickmode, bei der alles nur von Hand gefertigt wird.

Im Gegensatz zu Kunstfasern entsteht Schafwolle aus Erde, Wasser und Sonne. Sie besteht aus Aminosäuren, die man synthetisch nicht herstellen kann. Unsere Kleidungsstücke sind ausschließlich aus Heilwolle! Dies ist naturbelassene Schafwolle mit Restfettgehalt. Sie enthält noch das Wollwachs (Lanolin), das hautpflegende Eigenschaften hat. Unsere Heilwolle wird in maximal 30 °C warmen Wasser gewaschen und kadiert. Sie wird traditionell verwendet bei entzündlichen und nässenden Wunden, entzündeten Brustwarzen durch Stillen, Windeldermatitis und Dekubitus. Gegenüber heiß gewaschener Wolle führt unsere rohe Wolle weniger zu Hautirritationen, da sie weich und pflegend ist.

Schafwolle kann bis zu 30% ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen, ohne dass sie sich feucht anfühlt. Außerdem ist sie schwer entflammbar, atmungsaktiv und schmutzabweisend. Schurwolle ist wegen ihrer wohltuenden Wärme und der guten Atmungsaktivität beliebt. Das Lanolin (Wollwachs) hält zusätzlich die Fasern flexibel und elastisch. Die große Elastizität, gute Verformbarkeit und ein geringes Artgewicht sprechen ebenfalls für Schafwolle als natürliches Bekleidungsmaterial.

Schafwolle

  • ist anti-allergen da resistent gegen Hausstaubmilben und somit ideal für Menschen mit Asthma.
  • hat von Natur aus einen hohen UV-Schutz
  • hat eine natürliche Thermoregulations-Eigenschaft. Strickpullis bestehen aus bis zu 85% aus Luft und sind deswegen ein toller Wärmeisolator.
  • kann bis zu 33 Prozent ihres Trockengewichtes Flüssigkeit aufnehmen, die Oberfläche stößt Wasser gleichzeitig auch ab. Deswegen fühlt sich Wolle sehr lange nicht feucht an, auch wenn man viel schwitzt.
  • hat bis zu einem gewissen Grad eine Art natürliche Selbstreinigungsfunktion. Sie nimmt wenige Gerüche an und gibt sie schnell an die Umwelt ab.
  • nimmt Schmutz schlecht an und knittert kaum. Ideal für Outdoor-Aktivitäten.

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Leider mussten wir oft feststellen, dass traditionelle Herstellungsmethoden nicht mehr konsequent praktiziert werden. Ganz einfach aufgrund der billigen industriellen Alternativen. Das sind zum Beispiel Acryl und Polyester, sowie chemisch erzeugte Farben, die alles durchdringen. Eine Schnäppchenjagd, die zu mangelhaften Produktionen in Billiglohnländer führt. So stammt circa 90 Prozent der in Deutschland gekauften Bekleidung aus dem Import, zum größten Teil aus China, der Türkei und Bangladesch. Selbst Labels für Naturmode lassen zumeist Ihre Produkte in diesen Ländern produzieren.

Unsere Kleidung hat eine Story und die passt zur ewigen Melodie des Lebens und der Welt.

Diese versteckt sich in jeder Masche und flüstert aus jeder Falte. Hör mal genau hin: Ein Schaf grast in der Sonne auf einer grünen Frühlingswiese, Bienen fliegend summend von Blume zu Blume, das Surren der Schermaschine, wenn der Scherer das glückliche Schaf endlich von seiner warmen Wolle befreit, das Plätschern des Regenwassers beim Waschen und beim Düngen des Gemüses mit dem Waschwasser, das ruhige Klackern des Spinnrades beim Spinnen des Garns, das stete Klicken der Nadeln einer Strickerin. Dies singt ein ureigenes Lied, dabei kannst du jede Masche zurück verfolgen zu Händen wie den Deinen. 

Wir stellen Kleidung her, die natürliche Ressourcen wieder nutzt und dabei klassische Handarbeiten mit hochwertiger Qualität verbindet.  Alle Modelle sind wunderbar zeitlos, lassen sich toll kombinieren und sind perfekt für Alle, die es natürlich und nachhaltig lieben. Wir wünschen fair produzierte Mode, die auch optisch den Vorstellungen entspricht und noch dazu bezahlbar ist. Gleiche Fairness bieten wir unseren Mitarbeitern durch Sicherung von Arbeitsplätzen (Heimarbeit) in Deutschland.

Für eine intakte Natur, die nicht durch unseren Ressourcenverbrauch, Abfall & Schadstoffe belastet ist! Wir gehen „zurück zur Natur“: Mode aus Naturmaterialien, die Menschen, Pflanzen und Tieren sauberen und fairen Lebensraum bieten.

Schafskleid, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Natürlich leben, Verantwortung für die Umwelt übernehmen und mit allem was wir tun Menschen von den Vorzügen der Schafwolle als Alternative zu überzeugen – diese Philosophie begleitet uns seit der Unternehmensgründung. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leben dies, indem sie mit Herz, Verstand und Leidenschaft zeitlose Strickmode und Veranstaltungen kreieren, die langfristig begeistern. Natürlich möchten wir uns weiter vergrößern, wobei der finanzielle Aspekt nie im Vordergrund stand.

Unsere Vision ist diese Ressource sinnvoll zu nutzen und damit ein gerechtes Einkommen für Menschen zu generieren, die aus unterschiedlichsten Gründen keiner geregelten Arbeitszeit nachgehen können und so soll es auch bleiben. Dazu möchten wir demnächst auch Zubehör erstellen lassen.

Spinnzubehör kommt zumeist aus England oder Australien. Bei deren großen Herden brauchen diese auch entsprechendes Zubehör, welches sich allerdings für unsere zumeist in kleinen Wohnungen lebenden Heimarbeiterinnen nicht so gut eignet und zu kostenintensiv ist. 

Wir würden gerne für unsere Heimarbeiterinnen, aber auch für interessierte Kunden eigenes klappbares Zubehör anbieten, wie z.B. das Spinnrad „Wooly“ oder dem Woolpicker „Wolfer im Schafspelz“.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?

Eine Gründung mit Sicherheitsnetz gibt es nicht! Man geht Verpflichtungen ein und trägt das Risiko. Es gibt immer irgendwelche Schwierigkeiten, aber mit Angst kommt man nicht weiter. 

Das Geheimnis ist, genau das Unternehmen zu gründen, das zur eigenen Situation, den eigenen Wünschen und zur eigenen Persönlichkeit passt.  So kann man den Tag für eine Sache nutzen, die man gerne macht und mit etwas Mut sogar größere Projekte angehen! Natürlich sollte man einen Plan haben, aber auch bereit sein, diesen Plan jederzeit zu erneuern, wenn sich die Gegebenheiten im Laufe der Zeit ändern. Viele gute Ideen kommen dabei aus dem Umfeld oder eigenem Team. Deshalb: Mit vielen Menschen reden und offen für Neues oder Kritik sein!

Wir bedanken uns bei Claudia Wollenweber für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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