Die Würde des Menschen ist Sanktionsfrei

Sanktionsfrei: Hartz-IV-Sanktionen abschaffen

Stellen Sie sich und Sanktionsfrei doch kurz vor!
Wir werden eine digitale Plattform aufbauen, mit deren Hilfe sich Hartz-IV-Leistungsberechtigte gegen die zum Teil willkürlich verhängten und rechtswidrigen Sanktionen (Kürzung der gesamten Leistungen bis auf Null) zur Wehr setzen können.
Wir sagen: Ein Existenzminimum muss ein Existenzminimum bleiben – und geben deshalb mit unserer Plattform den Betroffenen die Sicherheit und die Rechtsberatung, das eigene gute Recht gegen ein einschüchterndes System durchzusetzen.
Online-Rechtsberatung, automatisches Erkennen von Jobcenter-Schreiben, Vorschläge von idealen Antwortschreiben und kostenloser Auto-Fax-Versand direkt aus dem Browser bieten Hilfe im unverständlichen Formulardschungel.

Wie ist die Idee zum Sanktionsfrei entstanden und wie haben Sie sich als Team zusammengefunden?
Die Sanktionen im Hartz-IV-System sind eine Bestrafungsmethode des Staates. Damit kann er Menschen zwingen Jobs und Maßnahmen anzunehmen und sie damit gefügig machen. Nur: Es gibt gar nicht genug bezahlte Arbeit für alle. Menschen werden also zu etwas gezwungen, was es gar nicht gibt. Dabei werden auch noch juristische Fehler gemacht, weil sich nur 5% der Betroffene trauen Klage und Widerspruch einzureichen. Das wollen wir ändern.
DIE Vorkämpferin gegen Hartz IV ist Inge Hannemann. Ich habe sie in Hamburg getroffen und sie war sofort begeistert und an Bord.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Der Teamaufbau ist bisher die größte Herausforderung. Das Kernteam von Sanktionsfrei wurde durch einzelne private Spenden im Vorfeld finanziert. Der restliche Teil des Teams arbeitet zurzeit ehrenamtlich. Allerdings ist dies auf Dauer keine Lösung. Daher hoffen wir, dass das Crowdfunding sehr erfolgreich wird.

Warum haben Sie sich für eine Crowdfunding Finanzierung entschieden?
Crowdfunding ist nicht nur eine tolle Möglichkeit sich basisdemokratisch eine Legitimation von der Crowd zu holen und damit unabhängig zu bleiben, sondern auch ein wunderbarer Lackmustest: Braucht die Crowd diese Idee oder ist sie Quatsch? Wenn wir das Geld zusammen bekommen, dann ist das ein Auftrag.

Wie haben Sie sich auf das Crowdfunding vorbereitet?
Wir haben ein aufwendiges Kampagnenvideo gedreht, eine Website aufgesetzt, einen Prototyp-Mockup gebaut und mehrere Kampagnenzündstufen geplant.

Warum sollte man das Projekt unterstützen?
Weil wir eine tolle und direkt Art bieten, auf eine falsche Politik Einfluss zu nehmen. Viele Menschen interessieren sich nicht für Hartz IV, weil es sie angeblich nicht betrifft. Doch Hartz IV, und besonders die Sanktionen, haben Folgen für uns alle: Denn das Druckmittel der Sanktionen sorgt dafür, dass alle, die Arbeit haben, zu Dumpinglöhnen getrieben werden können.
Wenn wir nur 5% der Leistungsberechtigten dazu bringen, ihr gutes Recht wahrzunehmen, dann rechnet sich die Sanktionspraxis für die Jobcenter nicht mehr und eine unmenschliche Politik wird ihr Ende finden. Das können wir jetzt dank unserer Software real erreichen.

Wie ist das bisherige Feedback aus der Crowd?
Wir erhalten großen Zuspruch und viel Lob. Aber auch viele Fragen. Unser Vorstoß ist sehr kühn, idealistisch und unkonventionell. Aber das soll auch so sein. Wir geben uns nicht den klassischen politischen Grabenkämpfen hin, sondern legen einfach los und verändern Politik mit den Tools, die möglich sind.

Was werden Sie nach erfolgreicher Finanzierung umsetzen?
Wir werden im Herbst eine erste Version launchen, die es ermöglicht, Jobcenter-Anträge online, menschenfreundlich auszufüllen und wir werden eine Rechtsberatung für die wichtigsten und häufigsten Schreiben anbieten. Ab da entwickeln wir die weiteren Features gemeinsam mit unseren Usern.

Sanktionsfrei, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Mit sanktionsfrei.de helfen wir durch Beratung, Sanktionierungen zu vermeiden und bekämpfen sie aktiv mit Hilfe von Anwältinnen und Anwälten, die über unsere Plattform ihre Hilfe unkompliziert anbieten. Wenn die Kanzleien gegen die Jobcenter gewinnen, dann erhalten sie dafür Geld. Dieses Geld zahlen die Kanzleien in Form einer Nutzungsgebühr wiederum an uns. Wir nutzen es, um einen Solidartopf zu befüllen aus dem verhängte Sanktionen von einzelnen Menschen ausgeglichen werden. Dadurch, dass das Jobcenter also Fehler macht, finanziert es selbst die Abschaffung der Sanktionspraxis.

Bild: Michael Bohmeyer @ Sophie Marschner

Zum Crowdfunding auf Startnext

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Michael Bohmeyer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

 

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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