Sabrina Bagus: Kooperation statt Konkurrenz

Treffen Sie Sabrina Bagus am 7. und 8. April auf dem startup camp in Berlin

Stellen Sie sich doch kurz unseren Lesern kurz!
Sabrina Bagus: Ich heiße Sabrina Bagus, bin 27 Jahre alt und komme ursprünglich aus der kleinen Stadt Ahaus im Münsterland. Nach einem Umweg über Oldenburg und Bremen wohne ich seit vier Jahren in Berlin und habe die Stadt mittlerweile lieben gelernt. Meine erste berufliche Vision war eine Karriere in der Musikindustrie. Dort angekommen stellte ich alles in Frage und warf meine Planung komplett um. Ein Sinn in meinem Leben war mir wichtiger als die oberflächliche Arbeit in der Medienwelt. Im Juli 2016 gründeten wir dann das Startup kukua, mit dem wir diesen Sinn auch individuell in das Leben anderer Menschen integrieren möchten.

Welche Idee steckt hinter kukua?
Sabrina Bagus: Unser Antrieb ist, die bei Arbeitnehmern immer präsenter werdende Sinnfrage durch nachhaltig sinnhafte Aktivität zu beantworten. Konkret leiten wir einen Austausch zwischen Mitarbeiter und einem auf ihn abgestimmten Entrepreneur aus Afrika ein und begleiten diesen Austausch durch Coaching und interkulturelles Training. Dem Mitarbeiter ist es dadurch möglich, seine Skills in einem internationalen Kontext aus einem altruistischen Antrieb anzuwenden. Dies erfüllt einerseits die modernen Bedürfnisse von Mitarbeitern, und hat andererseits auch positive Effekte für das Unternehmen. Nicht nur auf Employer Branding und den Bereich CSR zahlt unser Programm ein, sondern in erster Linie auf die Motivation und Bindung der Mitarbeiter.

Somit entsteht eine strategische win-win-win Situation für das Unternehmen als Kunden, seine Mitarbeiter und die Entrepreneure in Afrika.

Was sind Ihre Aufgaben bei kukua?
Zusammen mit meinem Co-Founder Semir Chouaibi habe ich im Juli 2016 kukua gegründet. Seither übernehme ich den kompletten operativen Teil dabei. Von der Akquise, über Marketing, Content, Networking, Kontaktpflege sowohl auf deutscher als auch internationaler Seite und natürlich die bürokratische Verwaltung. Vor Kurzem haben wir nun Verstärkung für den Bereich Sales bekommen. Alles andere landet aber früher oder später auf meinem Schreibtisch.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Sabrina Bagus aus?
Einen normalen Arbeitstag gibt es bei mir nicht. Ich bin gespannt, wann und ob sich eine Routine einstellen wird. Je nach Terminlage arbeite ich entweder aus dem Büro, unterwegs oder von zu Hause aus. Oft nutze ich Mittagspausen für Lunchmeetings. An den meisten Abenden der Woche gehe ich entweder zu Networking-Veranstaltungen oder lege mir auch dorthin noch Termine.

Die Zeit dazwischen nutze ich für Telefonate und Arbeitsphasen. Nicht zuletzt muss ich neben meinen Aktivitäten für kukua auch meine freiberuflichen Aufträge unterbringen. Neben dem verplanten Alltag setze ich mir aber auch feste Termine für Freizeit und Wochenende. Dies einzuhalten gelingt mir zwar nicht immer, ich merke aber wie wichtig ein Ausgleich auch für meine berufliche Belastbarkeit ist.

Über welches Themen werden Sie auf dem startup camp referieren?
Bei meinem Thema „Startup culture – the perfect work environment for Generation Y?“ spreche ich über die arbeits- und lebensbezogenen Möglichkeiten, die Startups ihren Mitarbeitern bieten und darüber, warum und wie Großunternehmen davon lernen können. Dort wird nämlich der Druck kontinuierlich größer, Startup-ähnliche Arbeitsumgebungen zu schaffen. Einerseits wegen immer selbstbewussteren Anforderungen der Mitarbeiter, andererseits wegen des steigenden Bedarfes an moderner Unternehmenskultur, die sowohl intern als auch extern flexibler auf Veränderungen reagieren kann.

Wie hat sich die Startup-Szene in den letzten Jahren verändert?
Ich bin sicher noch zu frisch in der Szene, um das beurteilen zu können. Gefühlt wird Gründen aber immer mehr zum Trend. Menschen aus verschiedensten Bereichen entdecken das Potential eines eigenen Projektes oder Startups und werden mutiger, ihre Ideen auch umzusetzen.

Welches sind die größten Fehler Junger Gründer?
Da gibt es sicher viele. Konzepte nicht zu Ende denken. Zu schnell aufgeben. Zu lange an einer Idee festzuhalten, anstatt sie zu verändern wenn sie nicht funktioniert. Sich vor den wichtigsten Aufgaben drücken – also das Pareto-Prinzip umkehren – und sich damit selbst im Weg stehen. Die Lean-Startup Methode unterschätzen. Sich über den Cash-Flow erst Gedanken machen, wenn das Produkt schon steht. Für mich hängt es immer stark von den Persönlichkeiten der Gründer ab, welche Fehler passieren. Man kann zu ängstlich oder zu überschätzend sein. Zu Gründen ist dann in jedem Fall ein Vorhaben, aus dem man für das eigene Leben und über sich selbst lernt.

Welches war das letzte Buch das Sie gelesen haben?
Das aktuelle Buch, mit dem ich mich beschäftige ist „Prinzip Menschlichkeit“ von Joachim Bauer. Es fasst verschiedene Forschungen zur ureigenen Motivation der Menschen zusammen. Beginnend mit der Frage: Geht es wirklich um das Überleben des Stärkeren? Oder besteht der evolutionäre Antrieb nicht eher aus dem Wunsch der Kooperation – also Bindungen einzugehen? Mir gefällt dabei am Meisten die wissenschaftliche Ernsthaftigkeit, aus der dann Ergebnisse über Werte, Motivation und Sinn hervorgehen.

Wo sehen Sie sich in den nächsten fünf Jahren?
Örtlich gesehen wird Berlin vermutlich immer noch meine Basis sein. In der Arbeit möchte ich mich aber noch verstärkt international ausrichten. Die Sinnfrage nehme ich mit auf die Reise und hoffe dadurch positive Auswirkungen auf das Verständnis und den Respekt zwischen verschiedenen Kulturen zu erzeugen. Wichtige Themen werden dabei außerdem persönliche Entwicklung, Ziele und Glück sein.

Welche 3 Tipps haben Sie für Gründer?
Kooperation statt Konkurrenz. Ganz gemäß dem Buch „Prinzip Menschlichkeit“ ist Kooperation die Urmotivation des Menschen und gleichzeitig der Schlüssel für den Erfolg von Startups. Kooperationen schaffen Möglichkeiten, die sich im Alleingang nicht erschließen würden.

Prototyping und lean. Entwickelt euer Produkt am Markt und nicht an einer Vision, die vielleicht in eurem Kopf erfolgreich ist, aber an den Bedürfnissen eurer Kunden total vorbei geht. Achtet darauf, bei der Evaluierung die richtigen Fragen zu stellen.

Verliert nicht den Weitblick. Dass ihr den schweren Einstieg geschafft habt, heißt nicht, dass es ab jetzt nur noch bergauf geht. Betreibt strategisch Akquise und macht Sales weiterhin zur Priorität. So habt ihr nicht nur die Chance weiter zu wachsen, sondern schützt euch gleichzeitig vor einem abrupten Ende eures Startups, falls mal unerwartet ein Kunde abspringt.

Anmeldung und weitere Informationen zum startup camp finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Sabrina Bagus für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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