An sich selbst und die eigenen Ideen glauben

SABINNA Modelabel steht vor allem für Nachhaltigkeit, Storytelling und Innovation

Stellen Sie sich und das Startup SABINNA doch kurz unseren Lesern vor!

Mein Name ist Sabinna Rachimova und ich bin Gründerin des Modelabels SABINNA, öffentliche Rednerin für Fashtech-Themen, female empowerment und Nachhaltigkeit sowie Dozentin an der University of Arts London. Das Unternehmen SABINNA (instagram.com/sabinna_com/) steht vor allem für Nachhaltigkeit, Storytelling und Innovation. Wir bieten nachhaltige Produkte sowie Events, Workshops und Webinars an. Unser Ziel ist es Menschen miteinander zu vernetzen, ihnen das Konzept eines nachhaltigen Lebens näher zu bringen und ihnen zeitgleich hochwertige Modeprodukte zu bieten. 

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?

Meine Großmutter hat mir als Kind beigebracht, wie man näht, häkelt und strickt. Schon damals wollte ich meine Zukunft mit dieser Art von Handwerk verbinden. Erst später habe ich verstanden, dass Mode eine ganze Branche ist, bestehend aus komplexen Konstrukten und Konzepten. Meinen ersten Sommerjob hatte ich mit 14 und seitdem habe ich alles Mögliche in der Modebranche gemacht – unzählige Jobs, manche waren spannend, andere wiederum weniger. Ich habe dann auch Modedesign an der renommierten Central Saint Martins studiert und in dieser Zeit ist mit bewusst geworden wie viel in der Modewelt falsch läuft. Wenig bis keine Transparenz, wenig Inklusivität und beinahe keine Gleichberechtigung. Ich habe SABINNA gegründet, um die Modebranche zu challengen und zu zeigen, dass es auch anders geht.

Was war bei der Gründung von SABINNA die größte Herausforderung?

Es ist schwierig nur eine Sache herauszuheben, denn es gab definitiv mehr als nur eine Herausforderung. Einerseits die Finanzierung, dann noch die Skalierung und vor allem die richtigen Menschen zu finden, die nicht nur an die Idee glauben, sondern auch bereit sind diese mitzugestalten. Ich habe die Gründung auch definitiv unterschätzt, hatte keinen Business background und musste mich viel durch ‚ trial and errors‘-Situationen durcharbeiten. Aber es war jede Sekunde wert und ich bin nach wie vor sehr zufrieden, dass ich diesen Schritt gewagt habe. 

Kann man mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Meiner Meinung nach ja. Man sollte es sogar. Denn was ist schon perfekt? Ich unterrichte auch an der Universität und arbeite viel mit Student/innen, die sich auf Entrepreneurship fokussieren. Ich sehe oft, wie der Wunsch zur Gründung da ist aber geglaubt wird, dass man auf diesen einen perfekten Moment warten muss. Diesen gibt es aber nicht. Man muss es einfach wagen und natürlich bereit sein die Konsequenzen für diese Entscheidung zu tragen.

Welche Vision steckt hinter SABINNA?

SABINNA challenged die Modebranche, hinterfragt existierende Konzepte und fokussiert sich auf Nachhaltigkeit, die nicht beim Produkt endet. Wir wollen mit unserem Konzept zeigen, dass lokale Produktion, digitale Innovation, ein Fokus auf die Community und Transparenz die zukunftsweisenden Aspekte unserer Branche sind. 

SABINNA Modelabel Nachhaltigkeit Storytelling Innovation

Wer ist die Zielgruppe von SABINNA?

Unsere Zielgruppe sind natürlich vor allem Frauen – uns ist es wichtig, dass wir uns nicht zu sehr auf eine bestimmte Altersgruppe fokussieren und stattdessen ein breiteres Publikum erreichen können. Wir Frauen werden immer emanzipierter, wir wollen immer weniger gelabelt werden und distanzieren uns bewusst von den klassischen Rollen, die uns die Gesellschaft vorschreibt. So wird auch das Kundenprofil vielfältiger und man kann nicht wie einst Produkte kreieren, die nur eine kleine Gruppe an Frauen ansprechen. 

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Es ist vor allem die Kombination aus nachhaltigen Produkten, online experiences und einem bildenden Denkansatz die SABINNA zu dem macht was es ist. Unsere Kunden wissen, dass man bei uns mehr als nur nachhaltige Produkte bekommt und schätzen das sehr.

Wie hat sich ihr Unternehmen mit Corona verändert? Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Wir mussten schnell handeln und unsere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit auf die Probe stellen. Als Modelabel mit einem Fokus auf nachhaltige Kleidung sowie Events und Workshops traf uns die Krise sehr. Alle unsere Events und Workshops mussten abgesagt werden und auch der Verkauf von Kleidung nahm drastisch ab.
Als erstes haben wir alle unsere Workshops digitalisiert und online auf unsere Webseite gestellt.

Außerdem haben wir begonnen DIY kits für zu Hause anzubieten. Wir haben auch unsere Social Media und Newsletter Inhalte angepasst. Wir wollten ein Ort sein, an den man sich zurückzieht, wenn einem alles zu viel wird. Und wir haben bewusst auf positive Nachrichten gesetzt und wollten unseren Kunden und unserer Community in dieser Krise so gut wie möglich beistehen. Wir haben auch einen Podcast (CONNECTING PEOPLE) – dieser ist im Moment besonders gefragt. Wir wollen diese Zeit auch nutzen, um neue Kollaborationen aufzubauen. Und wir sind alle betroffen und sollten jetzt zusammenrücken und uns gegenseitig helfen.

Wo sehen Sie in der Krise die Chance?

Ich glaube der Satz ‚desperation breads innovation‘ ist recht passend in diesem Zusammenhang. In Krisensituation ist man gezwungen Optionen in Betracht zu ziehen, die vorher weniger relevant waren. Man denkt in neuen Mustern und man muss ein gewisses Risiko eingehen. All das bringt auch Chancen mit. Wir können alle wahnsinnig viel aus dieser Situation lernen – aus unternehmerischer sowie auch als menschlicher Sicht. Als Unternehmerin muss ich flexibel und innovativ denken können. Mein Team und ich nutzen diese Zeit, um tägliche Abläufe zu verbessern, unser digitales Angebot auszuweiten und natürlich die Vorteile der digitalen Kommunikation zu nutzen. Ich bin davon überzeugt, dass nach dieser Krise Geschäftsmodelle vielfältiger werden und viele Unternehmen flexiblere Arbeitszeiten sowie ein vermehrtes Home Office Angebot anbieten werden.

SABINNA, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Der Weg geht in die Zukunft! Und diese Zukunft soll bitte nachhaltiger, stabiler und inklusiver sein. Für mich persönlich wünsche ich mir, dass ich meinen Drive weiterhin beibehalte und nie aufhöre nach neuen Konzepten und Optimierungen des Mode-Konstrukts zu suchen. Ich sehe mich auf jeden Fall auch in 5 Jahren in dieser Branche, weiterhin Fragen stellend, weiterhin mittendrin im Geschehen. Mal sehen ob ich recht habe. 

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?

Wir müssen uns von der Illusion verabschieden, dass man alles erreichen kann, wenn man es nur wirklich möchte. Die Realität ist, dass gesellschaftliche Strukturen und die daraus entstehenden Benachteiligungen von gewissen Gesellschaftsgruppen dazu führen, dass man von vornherein bereits nicht nach denselben Regeln spielt. Deshalb bin ich auch immer sehr vorsichtig mit Tipps. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass es sich immer auszahlt an sich selbst und die eigenen Ideen zu glauben, dass absolut nichts eine one-woman oder one-man show ist und man früher oder später Hilfe brauchen wird. Und dass harte Arbeit manchmal trotzdem nicht ausreicht, um die eigenen Visionen zu verwirklichen. Aber nichts ist jemals umsonst oder verschwendete Zeit. Und wenn man den Fokus auf den Weg legt anstatt auf das Ziel, wird man als Gründer/in mehr von der Erfahrung haben. 

Bild: Sabinna Rachimova photo by Marc Sethi

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Sabinna Rachimova für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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