Denken Sie nach der Devise fail and learn

Rydoo vereinfacht die Organisations- und Verwaltungsprozesse rund um die Geschäftsreise

Stellen Sie sich und die App Rydoo doch kurz unseren Lesern vor!
Ich bin Sébastien Marchon, CEO von Rydoo. Ich habe fünf Jahre lang in der strategischen Beratung gearbeitet und dann für zehn Jahre in der Reisebranche. Sodexo hat mich vor zwei Jahren angesprochen, um einen neuen Geschäftszweig aufzubauen. Ich würde mich selbst nicht als einen richtigen Gründer bezeichnen, aber sagen wir es mal so: Ich bin Intrapreneur, ich habe also einen neuen Bereich innerhalb eines großen Unternehmens aufgebaut.

Bei Rydoo ist es unser Ziel, stressige Prozesse rund um die Geschäftsreise extrem zu vereinfachen. Wenn man heutzutage seinen Flug oder seine Unterkunft bucht, versucht man normalerweise, das beste Angebot zu finden. Das kann schon mal zwei Stunden dauern. Wenn man dann in sein Hotel kommt, muss man beim Check-in warten und später wieder beim Check-out. Schließlich muss man seine Ausgaben in eine völlig veraltete Exceltabelle eintragen. Das alles ist sehr anstrengend.

Rydoo vereinfacht die Organisations- und Verwaltungsprozesse rund um den Business Trip, unterstützt von einem sehr angenehmen Usererlebnis.

Mit der App kann man Flugtickets, Hotelzimmer, Zugfahrkarten und Mietwagen buchen. Eine direkte Bezahlung ist aber nicht nötig, denn um den Abrechnungsprozess kümmert sich Rydoo. Am Ende des Monats erhält die Finanzabteilung eine Rechnung mit allen Buchungen des Reisenden. Mit derselben App kann man auch seine Ausgaben von unterwegs einreichen. Sie machen einfach ein Foto von der Quittung, das über Rydoo automatisch zur Bestätigung an Ihre Firma weitergeleitet wird. Dabei werden die Unternehmensrichtlinien natürlich berücksichtigt. Für Unternehmen ist die App sehr leicht zu implementieren und sorgt für starke Einsparungen: auf dem direkten Wege, weil Mitarbeiter Zugang zu Millionen von Angeboten haben, und auf dem indirekten Wege, weil sich der Verwaltungsaufwand im Unternehmen reduziert.

Wie ist die Idee zu Rydoo entstanden?
Sodexo ist Weltmarktführer in Quality of Life Services und deckt sehr viele Bereiche des beruflichen Lebens ab. In Firmengebäuden kümmert sich Sodexo zum Beispiel nicht nur um die Gastronomie, sondern auch um Security, Instandhaltung, Rezeption und Conciergerie. Im Jahr 2014 hat Sodexo begonnen darüber nachzudenken, dass die Verbesserung der Lebensqualität von Mitarbeitern nicht erst dann einsetzen sollte, wenn sie das Firmengebäude betreten – denn der Stress beginnt schon, wenn sie morgens ihr Haus verlassen. Für Geschäftsreisende gibt es in dieser Hinsicht umso mehr anstrengende Situationen. Deshalb entschloss sich Sodexo 2015, auf dem Mobilitätsmarkt einzusteigen.

Zu dieser Zeit kam ich ins Team. Zuerst fiel mir auf, dass die Lösungen, die auf dem Markt zur Verfügung standen, den Reisenden nicht wirklich Arbeit abnahmen und auch nicht förderlich für die Produktivität der Unternehmen waren. Begriffe wie Big Data und Künstliche Intelligenz sind heutzutage in aller Munde – wie kann es da sein, dass immer noch 83 Prozent der Firmen für ihre Spesenabrechnung Excel benutzen? Das macht doch keinen Sinn. Das war also der Ausgangspunkt: Wir wollten eine App entwickeln, mit der man die unangenehmen Aspekte der Geschäftsreise loswird.

Welche Vision steckt hinter Rydoo?
Wir glauben, dass wir mit Technologien nicht nur Zeit und Geld sparen, sondern auch das Leben unserer Endkunden verbessern können. Ein Mitarbeiter im Außendienst sollte sich auf den Grund seiner Reise konzentrieren können, auf das Thema des Meetings und auf seine persönliche Vorbereitung. Die Reiseplanung an sich sollte ihn keine Zeit kosten. Rydoo soll das tägliche Leben von Angestellten in Bezug auf Geschäftsreisen und Ausgaben erleichtern.

So können sie sich auf wichtigere Dinge konzentrieren, wovon auch das Unternehmen profitiert.

Von der Idee bis zum Start: Was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Das Projekt war, wie gesagt, eine Erfahrung im Bereich Intrapreneurship. Die Finanzierung war also nicht wirklich ein Problem. Wir hatten finanzielle Rückendeckung, denn Sodexo war bereit in die Erschließung des Mobilitätssektors zu investieren. Wir haben uns außerdem schon früh dazu entschlossen, die Plattform nicht von Grund auf zu entwickeln, sondern lieber eine Partnerschaft einzugehen oder eine andere Firma zu erwerben, einfach damit es schneller geht.

Letztes Jahr haben wir dann zwei Unternehmen gefunden, die eine ähnliche Vision hatten und deren Unternehmenskultur unserer ähnlich war. Wir haben Sie im März 2017 aufgekauft. Das war, glaube ich, die größte Herausforderung und auch das größte Risiko. Rydoo ist das Ergebnis einer gemeinsamen Vision, eine neue Einheit, in der die Agilität von zwei Startups (iAlbatros und Xpenditure) und die Stabilität eines Großunternehmens (Sodexo) zusammenkommen. Heute, fünfzehn Monate nach der Fusion, ist Rydoo der beste Beweis, dass diese Zusammenführung eine sehr gute Idee war.

Wer ist die Zielgruppe von Rydoo?
Wir konzentrieren uns auf mittelständische Unternehmen: eben die 83 Prozent der Unternehmen in Europa, die noch nicht mit Buchungs- oder Abrechnungssystemen ausgestattet sind. Unabhängig davon zeigen sich viele Großunternehmen sehr interessiert an unserer Lösung, weil sie für Einsparungen sorgt und gleichzeitig die Endnutzer zufriedenstellt. Große Firmen, die Rydoo schon zu seinen Kunden zählt, sind Deloitte, Brussels Airlines, Pernod-Ricard und natürlich Sodexo.

Wir können eigentlich die Bedürfnisse jeder Unternehmensgröße erfüllen.

Wie funktioniert die App?
Mit Rydoo können Mitarbeiter Reisebuchungen von Hotelzimmer bis Flugticket erledigen, und über die App ihre Quittungen zur Rückerstattung einreichen. Gleichzeitig gewinnt das Controlling einen präzisen Überblick über die Reisekosten im Unternehmen.

Die App besteht aus zwei Modulen: Rydoo Travel und Rydoo Expenses. Mit Rydoo Travel können Mitarbeiter Flüge buchen, Bahntickets kaufen oder Mietwagen reservieren und aus einem Angebot von rund 800.000 Übernachtungsmöglichkeiten das passende Hotel auswählen. Dank eines Central Billings entfällt bei Rydoo Travel der Bezahlvorgang für die Mitarbeiter: Schlangestehen an der Rezeption beim Check out gehört der Vergangenheit an. Zum Monatsende hält die Finanzabteilung eine Gesamtrechnung in Händen, aus der sämtliche Daten über die Geschäftsreisen der Mitarbeiter hervorgehen. Mit Rydoo Expenses profitieren Mitarbeiter von der Funktion „Snap-And-Process“.

Belege werden einfach fotografiert und automatisch in das System eingespeist – gemäß den jeweiligen
Unternehmensrichtlinien. Dabei wird der Verpflegungsmehraufwand erfasst und berechnet. Die Finanzabteilung kann in Echtzeit die Rückerstattungen an die Mitarbeiter veranlassen und behält das Spesenbudget jederzeit im Blick.

Welche Vorteile bietet Rydoo?
Rydoo bietet Vorteile für unterschiedliche Nutzergruppen. Endkunden, also Angestellte und Geschäftsreisende, profitieren von der Zeitersparnis, können unterwegs effizienter arbeiten und sich auf die wichtigen Dinge konzentrieren. Administratoren, etwa Reiseplaner und Buchhalter, profitieren mit diesem zeitsparenden Tool von einer verbesserten Kommunikation und höheren Effizienz. Entscheidungsträger in Unternehmen können auf Basis dieses Tools bessere Entscheidungen treffen, erhalten erweiterte Finanzübersicht erhalten und haben die Möglichkeit Richtlinienkonformität einfach zu überprüfen.

Rydoo, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Rydoo ist eine echte Neuerung in der Reise- und Abrechnungsindustrie. Die Lösungen, die bisher auf dem Markt erhältlich waren, haben auf der Innovationsebene versagt – das ist ein hartes Wort, aber ich meine es so. Diese Unternehmen bieten seit zehn Jahren ein unverändertes Produkt an, mit demselben Ansatz und demselben Preismodell. Sie setzen keine der großartigen Technologien ein, die es mittlerweile gibt, sei es Künstliche Intelligenz oder das SaaS-Modell.

Unser Ziel ist es also, einer der führenden Akteure auf diesem Markt zu werden.

Zum Schluss: Welche drei Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Erstens: Fangen Sie so bald wie möglich an. Je länger man wartet, umso schwieriger wird der Start. Denken Sie nicht zu viel darüber nach, machen Sie es einfach. Wenn Sie zu viel über das Risiko nachzudenken, das Sie eingehen, werden Sie nie loslegen. Um etwas vollkommen Neues aufzubauen, muss man schon ein bisschen verrückt sein.

Mein zweiter Ratschlag: Denken Sie nach der Devise fail and learn. Das Ziel sollte sein, Ihr Produkt so schnell wie möglich zu testen, auch wenn es noch gar nicht fertig ist. Dann können Sie das erste Feedback nutzen, um es zu verbessern und weiterzuentwickeln. Ich sage immer, dass Rydoo von den Usern gemacht wurde, nicht vom Vorstand oder von mir. Nur durch Tests kann man lernen und sich weiterentwickeln.

Und drittens: Wenn Sie im B2B-Businnes sind, versuchen Sie trotzdem so nah wie möglich an den Bedürfnissen der Endkunden zu bleiben. Diese werden immer mehr zu Entscheidungsträgern – oder sie haben zumindest einen starken Einfluss auf die Wahl des Unternehmens. Versuchen Sie also nicht, das Unternehmen zu verführen, sondern überzeugen Sie lieber die Endkunden. Die werden sich dann bei ihrem Arbeitgeber für Ihr Produkt einsetzen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Sébastien Marchon für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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