Sucht euch eure Investoren sehr genau aus

Ruben Knitter, Investment Associate capital300 Startups im Interview

Stellen Sie sich und doch kurz unseren Lesern vor

Ruben Knitter: Nach fünf Ländern und langjähriger Erfahrung in internationalen Unternehmen, eigenen Start-ups und einem Corporate Venture Capital Fonds in den USA, investiert Ruben Knitter (33) bei capital300 seit 2019 in stark wachsende Technologie- und Software-Start-ups. Als Startup-Investor und Unterstützer lebt er seine Leidenschaft, seine Erfahrungen und sein Netzwerk mit anderen zu teilen und jeden Tag selber Neues dazu zu lernen

Was sind Ihre Aufgaben bei capital300?

Da wir ein kleines Team sind, gibt es keine strenge Arbeitsteilung. Mein Aufgabenbereich umfasst das gesamte Investmentmanagement vom Scouting, der Evaluierung sowie die Kommunikation mit Gründern und anderen Investoren bis zur Repräsentation von capital300  auf Events wie der TOA in Berlin. Im Speziellen bin ich der Ansprechpartner für unser Netzwerk in Deutschland. Hier kümmere ich mich um den Ausbau und die Pflege. 

Wie sieht ein Arbeitstag von Ihnen aus?

Ruben Knitter: Das ist stark davon abhängig, in welcher Phase sich potenzielle Investments befinden. Den typischen Arbeitstag gibt es bei capital300  nicht wirklich – jeder Tag bringt etwas Neues. Im Normalfall verbringe ich jedoch die  meiste Zeit damit, mich um unsere Investment-Pipeline zu kümmern. Zu meinen Aufgaben gehört es, Teams, Produkte, Businesspläne, Märkte und den Wettbewerb zu evaluieren. Anders gesagt, ist es ein Dialog zwischen den Gründern und uns von capital300, in dem wir die genannten Faktoren verstehen und bewerten, aber auch Gründer beraten. Einen anderen wichtigen Teil des Tages verbringe ich mit der Pflege meines Netzwerks. Im Mittelpunkt steht der Austausch mit anderen Investoren, Industrieexperten und Gründern 

Wie können sich Startups bei Ihnen bewerben? Wie viele Startups bewerben sich durchschnittlich pro Monat bei Ihnen? 

Start-ups kommen über alle bestehenden alle Online-Kanäle wie E-Mail, unsere Webseite www.capital300.com, Twitter und LinkedIn auf uns zu. Aber natürlich kommen wir auch offline auf Events, Konferenzen und vor allem über Empfehlungen mit Start-ups in Kontakt. Allerdings ist der Weg über unser Netzwerk am vielversprechendsten. Es sollte nicht allzu schwer sein, jemanden in unserem direkten Netzwerk zu finden, der eine Intro zu uns machen kann. Sollte dies doch einmal nicht der Fall sein, können Pitch-Decks auf unserer Website durch den „submit pitch“-Button direkt an uns gesendet werden. Trotz der derzeit weit über 100 Unternehmen pro Monat,Tendenz steigend, sehen wir uns wirklich jedes Pitch-Deck und jede E-Mail an, die wir bekommen und versuchen soweit es geht auch rasches und konstruktives Feedback zu geben.

Aus Ihrer Sicht trauen sich Startups zu wenig sich bei Investoren zu bewerben?

Ruben Knitter: Ich finde das englische Wort „pitchen” zutreffender als bewerben, weil bilaterale als unilateral Komponente hat. Schließlich sollen stabile und synergetische Geschäftsbeziehungen entstehen und das erfordert eine Begegnung auf Augenhöhe.

Ich glaube nicht, dass Start-ups sich nicht trauen. Allerdings habe ich oft das Gefühl, dass Start-ups oft einen zu passiven Ansatz wählen und hoffen, über PR und Events einen Investor zu finden. Das funktioniert sicher auch. Allerdings sehe ich hier das Problem, dass der Investor dann eventuell nicht der beste für das Start-up ist. Genau wie Investoren sollten sich Gründer aktiv die für sie passendsten Investoren suchen und diese gezielt ansprechen. Wir verlassen uns schließlich auch nicht darauf, dass die besten Gründer und Start-ups zu uns finden, sondern suchen auch aktiv.

Gibt es bestimmte Ausschlusskriterien? Zum Beispiel Branchen, in die capital300 nicht investiert?

Ruben Knitter: Wir investieren in Series-A-Runden von 1-10 Millionen Euro. Unser Fokus liegt auf innovativen, europäischen Technologie-Start-ups – hauptsächlich DACH- und CEE-Region – mit starkem, internationalem Wachstumspotenzial. Auch, wenn unser Fokus auf B2B-und Enterprise-Softwarelösungen liegt finden sich in unserem bisherigen Portfolio auch Unternehmen im B2C-Umfeld. Es gibt sicher Branchen, in die wir aus ethischen Überlegungen nicht investieren würden. Wir haben, und leben, sehr starke Werte und das ist uns auch bei den Unternehmern wichtig, mit denen wir zusammenarbeiten. 

Wie läuft es für ein Startup bei capital300 in der Regel von der Bewerbung bis zum Investment ab? (Beispiel Pitchrunde TOA)

Vom ersten Kontakt bis zum Investment können vier Wochen bis zwei Jahre vergehen, abhängig vom Status des Start-ups. Bei uns läuft es nicht anders ab als bei anderen VC-Fonds. Der Hauptunterschied, und auch Vorteil ist, dass wir gemeinsam mit Top-VCs aus den USA und UK investieren. Unsere Auswahl ist sicher sehr streng, dafür wird aber für die Start-ups eine ideale Plattform für ihr weiteres Wachstum und die Internationalisierung geschaffen.

Nach dem Erstkontakt machen wir uns zunächst mit den Eckpunkten des Start-ups vertraut und lernen das Gründungsteam besser kennen. Wenn wir vom Team und Start-up überzeugt sind, stellen wir das Unternehmen auch Fonds wie Sequoia, Accel, Atomico oder Index Ventures vor. Bei einer positiven Rückmeldung geht es in eine Due Diligence und dann zum Termsheet und Investment.

Generell finde ich es besser, wenn wir das Team schon eine ganze Weile kennen und in verschiedenen Situationen erleben konnten. Es ist immer einfacher in eine Geschichte statt einen Datenpunkt zu investieren. Deswegen von mir auch der Tipp frühzeitig Kontakt zu potentiellen Investoren herzustellen, auch wenn man vielleicht noch gar kein Geld benötigt oder der Investor erst in späteren Runden investiert.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Fehler von jungen Startup-Unternehmen?

Ruben Knitter: Das kann man so generell nicht sagen. Jeder Gründer macht Fehler, das wissen wir aus eigenen Erfahrungen. Die Frage ist, wie man mit den Fehlern umgeht, aber auch ob und wie man daraus lernt. Wenn uns ein Gründer zeigt, dass er richtig mit Fehlern umgehen kann, dann ist das jedenfalls besser als ein Gründer, der meint noch keinen Fehler begangen zu haben.

Welche Tipps würden Sie Startup-Unternehmen mit auf den Weg geben?

Da gibt es eine ganze Menge, aber um beim Investmentprozess zu bleiben: 

1) Sucht euch eure Investoren sehr genau aus. Einen reinen Geldgeber findet man (relativ) leicht, ihr sucht aber den richtigen langfristigen Partner, um ein Unternehmen aufzubauen und groß zu machen.

2) Fangt frühzeitig mit der Investorensuche an. Fundraising dauert länger als man denkt und gute Investoren lassen sich nicht drängen, da sie im Normalfall viele Optionen haben.

3) Fundraising gehört genauso zu den Aufgaben eines Gründers und Unternehmers wie alles andere und sollte auch genauso behandelt werden. Ich höre immer wieder von Gründern, dass Fundraising sie vom Tagesgeschäft ablenkt. Die Wahrnehmung kann ich gut nachvollziehen, allerdings lässt sich dieses Thema nicht vermeiden und auch in einem großen Konzern gehört es zu den Aufgaben eines Geschäftsführers, sich um die Finanzierung zu kümmern. Mit den richtigen Investoren an Bord wird aber auch die Kapitalsuche effizienter und schneller.

Wir bedanken uns bei Ruben Knitter für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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