Chancen erkennen und Chancen nutzen!

Rosemann Fashion Damenmodelabel „Andrea Rosemann“ im Bereich Businessmode

Stellen Sie sich und das Startup Rosemann Fashion doch kurz unseren Lesern vor!

Andrea Rosemann, Spätgründerin, Creativmensch und immer neugierig. Im September 2018 habe ich mein Startup als Einzelunternehmen gegründet. Das Unternehmen wurde im Mai 2019 in eine GmbH überführt.

Das Startup Rosemann Fashion bringt das Damenmodelabel „Andrea Rosemann“ im Bereich Businessmode auf den Markt. Das Besondere an diesem Label ist das Konzept „maßgenormt“. Ich schlage hier eine Brücke zwischen Standardgrößen und maßgeschneidert und löse damit ein Problem vieler Frauen. Ich habe mich oft geärgert, wenn ich mir Kleidung gekauft habe. Kleider und Röcke gab es immer nur in 1 Saumlänge und es gab bei allem immer nur 1 Ärmellänge. Uns Frauen ist das aber oft zu wenig! Wir sind mittlerweile sehr selbstbestimmt und lassen uns dann vorschreiben, welche Saum- und welche Ärmellänge wir zu tragen haben? Das hat mich persönlich gestört und dem habe ich jetzt mit meinem Konzept Abhilfe geschaffen.

Die Kleidung biete ich in den Standardgrößen 34 bis 42 an. Aber – und jetzt kommt das Besondere – bei mir kann man immer zwischen mindestens 2 vordefinierten Saum- und/oder Ärmellängen auswählen. Fertig produziert und ab Lager lieferbar!

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?

Ich war fast 20 Jahre in Konzernen tätig. Dort war ich u.a. im Controlling, im Bereich „Operational Excellence“ und in der Konzernstrategie tätig. Ich habe schon oft über eine Selbstständigkeit nachgedacht und hatte schon einige gute Ideen. Jetzt sind die Kinder groß und stehen auf eigenen Beinen. Da ist einem die Konzernsicherheit nicht mehr ganz so wichtig. Ich habe in den 20 Jahren viel Wertvolles gelernt, bin aber sehr froh, jetzt mein eigene Herrin zu sein. 

Was war bei der Gründung von Rosemann Fashion die größte Herausforderung?

Es gab und gibt mehrere große Herausforderungen! Sie finden oft parallel statt und man muss schon sehr fokussiert und überzeugt sein, um nicht den Mut zu verlieren.

Es war nicht einfach, die ganze Herstellung hier in Deutschland abzudecken. Ich bin im Moment noch mit sehr kleinen Stückzahlen unterwegs. Kleine Label sind für die meisten Hersteller und Produzenten nicht sexy genug. Es hat lange gedauert, bis ich geeignete Partner gefunden hatte.

Als ich mit der Umsetzung des Konzeptes „maßgenormt“ angefangen habe, wusste ich noch nicht viel von der Bekleidungsindustrie. Das machte es manchmal nicht einfach. Ich bin sehr froh, dass ich schon früh in Form eines Coachings Experten gefunden habe, dir mir bereitwillig ihr Wissen vermittelten. Mittlerweile kann ich sehr gut mitreden. Man könnte nun meinen, dass das nicht reicht, aber das sehe ich anders! Für mich ist Rosemann Fashion ein Großprojekt, dessen Projektmanagerin ich bin. Und eines habe ich im Laufe meines Konzernlebens gelernt… Die Projektmanagerin muss nicht alles wissen. Ich kenne keinen Konzernlenker, der Techniker, Betriebswirt, Banker, Logistiker, Marketingexperte und Personaler in einer Person ist. Vielmehr muss man wissen, in welche Richtung man will und muss ein gutes Experten-Team an der Seite haben, das man motivieren und steuern muss. Ich habe mittlerweile ein tolles Team gefunden. 

Es war nicht einfach, einen geeigneten Namen für das Label zu finden. Ich habe es nun nach mir benannt, nachdem ich einen Widerspruch gegen die ursprüngliche Markeneintragung erhalten habe. Das hat Zeit und Geld gekostet bis ich dann wirklich gesagt habe…. Was soll’s… dann heißt mein Label eben genau wie ich.

Aber die größte Herausforderung ist es immer noch, einen Investor zu finden. In dieser Hinsicht kann ich ein Lied mit vielen Strophen singen… Aber ich gebe nicht auf!

Kann man mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Oh ja! Selbstverständlich! Im übertragenen Sinne ist aus meiner Sicht eine Idee ein kleines Pflänzchen. Zart und unvollkommen. Man sieht, wie es aus dem Boden herauskommt und beschließt, sich um dieses kleine Pflänzchen zu kümmern… so dass es wächst und gedeiht.

Wenn man sich vorgenommen hat, eine Idee zu etwas Großem machen zu wollen, wird man sehr schnell feststellen, dass nicht alle Entwicklungen und Ausprägungen vorhersehbar sind. Je mehr man nach Antworten auf Fragen sucht (und sie letztendlich auch findet), desto mehr muss die Idee immer wieder in Feinheiten angepasst werden. Kritik und Anregungen führen doch letztendlich dazu, dass man seine Idee auch mit anderen Augen betrachten darf und auch muss. Etwas Besseres kann einem Gründer doch nicht passieren! Es ist und bleibt doch immer noch dieselbe Idee… und letztendlich wird mit dieser Anpassungsfähigkeit etwas Großes und Starkes daraus.

Welche Vision steckt hinter Rosemann Fashion?

Vision ist ein großes Wort. Helmut Schmidt sagte mal: „Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt gehen“. Ich würde eher sagen, dass ich Wünsche und Ziele habe.

Ich möchte der modebewussten Businessdame das Leben ein Stückchen einfacher machen und angenehmer machen. Effizient und passgenau einkaufen und wenig Retoure verursachen. Das ist eines der Ziele. Ich habe den Wunsch, den ökologischen Foodprint ein wenig zu verbessern und lege deshalb auf „Made in Germany“ großen Wert.

Vielleicht habe ich doch eine Vision… Ich habe die Vision, dass der Einzelhandel nicht sofort Gift und Galle spuckt, wenn er den Begriff „Onlinehandel“ hört. Und ich würde mich freuen, wenn der Einzelhandel anfängt umzudenken und mehr die Chancen und den Nutzen sieht. Ich habe die Vision, dass mein Konzept der Schritt dazu in die richtige Richtung ist und Wegbereiter ist. Insofern muss ich jetzt wohl doch zum Arzt…

Wer ist die Zielgruppe von Rosemann Fashion?

Da ich im Bereich der Businessmode unterwegs bin, sehe ich eine altersmäßig große Zielgruppe. Es ist die 25jährige, die gerade das Studium abgeschlossen hat und die erste Anstellung bekommt, aber auch die Dame 60plus, die auch im Ruhestand noch gerne klassisch gekleidet ist. Bei mir muss man nicht lange überlegen, ob die Kleidung businesstauglich ist!

Da das Prädikat „Made in Germany“ leider zwangsläufig mit höheren Kosten verbunden ist, spreche ich die „Normal- bis Besserverdienende“ an. Ich sehe aber auch eindeutig, dass heute im Zuge diverser Diskussionen, der Markt für „Made in Germany“ immer größer wird.

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Ich habe gleich zwei starke Alleinstellungsmerkmale:

Das Konzept „maßgenormt“ ist absolut innovativ. Es gibt weder online noch im stationären Handel die Möglichkeit, unter mehreren Ärmel- und/oder Saumvarianten wählen zu können. Und das Ganze fertig produziert und ab Lager lieferbar. Auf der Seite www.andrea-rosemann.de kann die Kundin (neben der Größe und Farbe) unter den angegebenen Varianten direkt das gewünschte Kleidungsstück definieren. Innerhalb von 3-4 Werktagen erhält die Kundin die bestellte Ware.

Es macht bei dem Konzept „maßgenormter Mode“ wenig Sinn, mein Label im herkömmlichen Sinne auf teurer Verkaufsfläche anzubieten. Bei den verschiedenen Varianten hätte ein Händler dann schnell 40 oder 50 gleiche Kleider im Geschäft hängen, die sich nur in den Farben und in den verschiedenen Saum- und Ärmellängen unterscheiden. Das wird aus betriebswirtschaftlichen Gründen natürlich niemand machen; dazu ist Verkaufsfläche viel zu teuer. Da ich aber den Einzelhandel wegen verschiedener Aspekte wichtig finde, musste ein neues Konzept her.

Also habe ich auch hier ein kleines Pflänzchen gesetzt und gehe neue Wege. Ich habe ein Konzept für eine sinnvolle Kooperation mit dem stationären Handel entwickelt. Kurz erklärt: Bei diesem Konzept braucht der Händler nur die 5 verschiedenen Größen anzubieten. Innerhalb dieser 5 Stücke ist es möglich, 5 verschieden Farben und Muster, 5 verschiedene Materialien und 5 verschiedene Ärmel- und Saumvarianten zu zeigen. Bestellt wird aus der Boutique heraus über den Onlineshop. Geliefert wird auf Wunsch direkt nach Hause. Also grob gesagt: Weg von der Verkaufsfläche hin zur Präsentationsfläche.

Bislang arbeite ich hier mit einer Boutique in Dortmund zusammen. Gemeinsam werde ich mit der Inhaberin das Konzept weiter ausfeilen, es wird es auf digitale Füße gestellt und anschließend in die Welt getragen.

Und nebenbei bemerkt… für diese beiden Innovationen erhalte ich ein Gründungsstipendium des Wirtschaftsministeriums NRW, das ja ausschließlich der Förderung von Innovationen dient.

Rosemann Fashion, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Getreu dem Motto „Think big“ möchte ich den europäischen Markt erobert haben. Auch möchte ich dann eigene Produktionskapazitäten aufgebaut haben, um all die Dinge umsetzen zu können, die ich noch in der Planung habe. Des Weiteren möchte ich das Produkt „maßgenormte Mode“ einer breiteren Zielgruppe ermöglichen. Im Einzelhandel möchte ich viele Kooperationspartner für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gefunden haben.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?

  • Chancen erkennen und Chancen nutzen! Dazu muss man seine Idee in die Welt tragen. Es ist schon erstaunlich, welche Möglichkeiten sich einem dann bieten. Manchmal sind die Türen nur ein kleiner Spalt auf und man ist erstaunt was sich einem bietet, wenn man die Tür aufmacht. Also Augen auf und neugierig sein!
  • Und wenn mal etwas nicht so läuft, wie man sich das vorstellt…. Mund abputzen und weitermachen! Manchmal erscheint eine Niederlage im Rückblick wie ein Erfolg. Aber… ein Plan b muss immer da sein! Und so wird mit kleinen Anpassungen und Korrekturen das Pflänzchen immer größer und stärker! Und letztendlich wächst man ja auch mit den Aufgaben.
  • Man sollte den Mut haben, Fehler zuzulassen. Aus Fehlern lernt man bekanntlich. Aber keine schnellen Entscheidungen treffen. Das führt zu unnötigen Fehlern. Manche Dinge müssen sich erst ein bisschen entwickeln, bevor man eine fundierte Entscheidung treffen kann.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Andrea Rosemann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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