Donnerstag, Februar 25, 2021

Robert Franken: „Cis-Männer gegen cis-Frauen zu ersetzen, reicht nicht“

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„Wir brauchen einen systemischen Shift in der Gesellschaft“, sagt Inklusions-Experte und Feminist Robert Franken. Er fordert gerechte Teilhabe für alle in Unternehmen und weniger Diversity-Makulatur.

„All men should support feminism.“

„Ich repräsentiere diese schreckliche Norm: cis-Mann, hetero, recht alt, weiß“, sagt Robert Franken. Dennoch bezeichnet sich der Digital and Diversity Activist und Transformation Consultant als „Feminist“. Und das ist kein Marketing-Gag. Gemeinsam mit dem dänischen Musiker und Publizisten Henrik Marstal hat er vor viereinhalb Jahren die Plattform Male Feminists Europe ins Leben gerufen. Das Credo: „All men should support feminism.“  Nach Stationen als CEO der Plattformen Urbia.de und Chefkoch.de und neben seiner Selbstständigkeit als Consultant und Speaker engagiert er sich im Beirat von PANDA, einem Netzwerk für weibliche Führungskräfte und schreibt in seinem Blog Digitale Tanzformation über den gesellschaftlichen Wandel durch die Digitalisierung. Auf der herCAREER 2021, der Karriere-Leitmesse für Frauen, wird er einen Vortrag halten zu „Eine Frage der Kultur oder: warum wir nicht mehr über Diversity sprechen sollten.“

Robert Franken kam schon während seiner Studienzeit dank einer Kommilitonin mit Feminismus in Berührung, später, beim Jobeintritt hörte er von den Benachteiligungen, die Kolleginnen widerfuhren. Sich als Mann zum Feminismus zu deklarieren, sorge für gemischte Reaktionen und sei nicht immer zielführend. Wann und wo er als Feminist auftritt, wägt er ab – schließlich will er den Frauen nicht die Show stehlen. Er sieht sich als Diversity-Experte, der mit diesem Begriff immer weniger konform geht, denn: Die Diversity-Debatte werde in Deutschland zu reduziert auf das Thema  „Frauen und Männer in Führungspositionen“ geführt.  „Es reicht nicht, cis-Männer durch cis-Frauen zu ersetzen“, sagt Robert Franken im Interview mit der herCAREER. Es gehe nicht nur um Frauen und Männer, sondern generell um die Frage: „Wer hat welche Bedingungen zur Teilhabe?“

Darüber hinaus werde der Begriff Diversity zudem in Unternehmen häufig zum Selbstzweck auserkoren:

„Man denkt in den Unternehmen oft reißbrettartig: Man braucht noch diese und jene Leute im Team und schon ist man eine diverse Organisation“, so Robert Franken.  Das würde aber genauso wenig funktionieren wie, eine Diversity-Beauftragte einzusetzen oder ein Diversity-Manifest aufzusetzen. Robert Franken plädiert für Aktion im Sinne der „Inclusion“, also Einbeziehung von Menschen: „Ich finde die Haltung schlauer, weniger über Diversity zu sprechen und stattdessen den Rahmen für gerechte Teilhabe zu bauen.“ Unternehmen sollten sich im ersten Schritt fragen, wem gegenüber sie Exclusion betreiben, also welche Menschen sie von Karrierechancen ausschließen.

Männer als Teil der Lösung

Um hier einen Wandel voranzutreiben, seien die Männer als bisherige Nutznießer der Gesellschaft ein wesentlicher Schlüssel: „Wir brauchen einen systemischen Shift – und den kriegen wir nur hin, wenn diejenigen, die Entscheidungsmacht haben, sich bewegen. Und das sind zum überwiegenden Teil immer noch die Männer.“ Zu diskutieren sei zudem nicht nur über mehr Frauen in Führungspositionen, sondern: „Wir brauchen somit weniger Männer, zumindest weniger weiße Männer. Darüber redet niemand, weil es kein positives Narrativ dazu gibt.“ Dabei könnten auch Männer davon profitieren, wenn sie „andere Lebensrealitäten“ als den klassischen Karriere-Aufstieg zur Wahl hätten.

Das Fazit, das aus so manchen Studien geschlossen werde, dass Frauen in Top-Positionen zu mehr unternehmerischen Gewinnen und mehr Erfolg führen würden, hält er für fragwürdig: „Das ist Quatsch! Die Unternehmen, die mehr Frauen in Führung haben, haben eine andere Innovationskultur, weil sie grundsätzlich eine andere Haltung und Unternehmenskultur haben und dadurch eben unter anderem auch mehr Frauen in Führungspositionen kommen. Das ist das positive Symptom einer Unternehmenskultur und nicht die Ursache für mehr Umsatz oder Gewinn.“

Die Digitalisierung selbst sieht Robert Franken nicht als Turbomotor für mehr gerechte Teilhabe verschiedener Gruppen und auch von Geschlechtergerechtigkeit. „Die Digitalisierung wird seit 20 Jahren von der Mehrheit als Prozessoptimierungs- und Effizienzsteigerungsmaschine verstanden, niemals aber als Chance für gesellschaftlichen Wandel“, so Franken. Sie könne – je nach Einsatz – die positiven wie die negativen gesellschaftlichen Effekte wie etwa asymmetrische Geschlechterverhältnisse verstärken.

Über die Person

Robert Franken unterstützt Unternehmen im Bereich Transformation, Organisationsentwicklung und D&I. Einer seiner Beratungsschwerpunkte sind Organisationskulturen. Er setzt sich für Diversity und Gender Equality ein und hat u. a. die Plattform „Male Feminists Europe“ mitgegründet. Auf seinem Blog „Digitale Tanzformation“ schreibt der ehemalige CEO von Chefkoch.de und urbia.de über die Frage, welche systemischen Rahmenbedingungen den (nicht nur) digitalen Wandel hemmen oder beschleunigen können. Robert Franken ist Beirat von PANDA, dem Netzwerk für weibliche Führungskräfte. Seit 2018 ist er einer der sechs ehrenamtlichen Botschafter für #HeForShe Deutschland.

Quelle messe.rocks GmbH

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