Scheut Euch nicht davor über Eure Idee zu sprechen

RoadAds interactive: Zielgruppenorientierte Werbung im Straßenverkehr

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen RoadAds interactive doch kurz vor!
Hallo, ich bin Andreas Widmann, bin 24 Jahre alt und habe im November 2015 mein Masterstudium Angewandte Informatik pausiert um RoadAds interactive zu gründen. Seitdem arbeiten wir an der Zukunft der LKW-Werbung.
Bisher sind die Möglichkeiten hier sehr begrenzt, da der LKW nur mit Werbung beklebt werden kann, wodurch die Anzeige statisch ist und nicht an den aktuellen Standort angepasst werden kann. Dadurch wird eine eigentlich attraktive Werbefläche plötzlich uninteressant, da man keine Möglichkeit hat, Anzeigen gezielt auszusteuern. RoadAds interactive möchte genau das ändern.
Dafür montieren wir 64 Zoll große ePaper Displays an LKW-Heckflächen und können so digitale, standortabhänge Werbeanzeigen im Straßenverkehr realisieren. ePaper unterscheidet sich grundlegend von allen anderen Displaytechnologien: Das Bild wird erzeugt, indem geladene Tintenpartikel über einen elektrischen Impuls ausgerichtet werden. Dadurch wird ein ähnlicher Kontrast wie bei bedrucktem Papier erreicht, die Inhalte sind auch bei direkter Sonneneinstrahlung problemlos lesbar und vor allem kommen die Displays ohne Hintergrundbeleuchtung aus. Das war für uns besonders wichtig, da es sonst keine Chance gegeben hätte, unsere Displaymodule für die Straße zuzulassen.
Um eine dynamische Schaltung von Inhalten zu ermöglichen, sind unsere Module mit GPS und LTE ausgerüstet. Dadurch kann nicht nur der Standort auf 5 Meter genau bestimmt, sondern die Anzeige auch in Echtzeit daran angepasst werden. Wir bieten eine zentrale Online-Plattform über die die gesamte Werbeschaltung abgewickelt wird. Dadurch kann das Potential der Displays voll ausgeschöpft werden, da wir auch eine Anpassung an diverse weitere Faktoren wie Wetter oder Verkehrslage ermöglichen.

Wie ist die Idee zu RoadAds interactive entstanden und wie haben Sie sich als Team zusammengefunden?
Ich habe RoadAds interactive zusammen mit meinem Vater gegründet, deshalb war die „Team-Findung“ relativ einfach. Er kommt aus der Logistikbranche und hatte mir erzählt, dass die Vermarkung von LKW-Flächen als Werbeträger relativ schwierig sei. Dabei ist das eigentlich ein tolles Medium! Eine Heckfläche hat bis zu 50.000 Sichtkontakte am Tag und die Akzeptanz der Werbung ist extrem hoch, weil sie auf der Straße niemanden stört. Auch die Wahrnehmung ist bis zu 2,5 Mal höher als bei anderen Außenwerbemedien. Einziges Problem ist bislang, dass man die Werbung eben nicht an den Standort anpassen kann und dadurch sehr große Streuverluste entstehen. Wir hatten uns dann überlegt wie man das besser machen könnte und sind zunächst zu dem Schluss gelangt, dass das wohl nicht funktionieren wird. Die naheliegende Lösung wäre ja einfach ein LCD oder LED Display am LKW anzubringen. Hier macht einem aber die StVZO wegen der Hintergrundbeleuchtung dieser Bildschirme einen Strich durch die Rechnung. Wir hatten das Thema dann eigentlich schon abgeschlossen, bis ich eines Abends in meinem eBook-Reader gelesen habe und mir dachte „Das ist es, das ist die Technologie mit der wir das umsetzen können“. Dann haben wir angefangen uns weiter damit zu beschäftigen und schließlich RoadAds interactive gegründet.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung war an ePaper Displays in der gewünschten Größe zu kommen. Bisher wurde ePaper vor allem für den eBook-Reader Markt, also in Größen bis maximal 10 Zoll, hergestellt. Es hat recht viel Beharrlichkeit gebraucht, bis wir die jetzigen Panels zum ersten Mal in der Hand halten konnten. Vor allem weil wir uns entschieden hatten keinen Investor zu suchen und RoadAds privat zu finanzieren. Da hat man dann natürlich nicht die Möglichkeit, die Leute mit riesigen Bestellungen auf sich aufmerksam zu machen, sondern muss sie von seiner Vision überzeugen.
Der nächste wichtige Schritt war,diese Panels so zu verbauen, dass sie den Anforderungen auf der Straße standhalten. Das Display ist letztendlich bei Wind und Wetter draußen, muss absolut wasserfest sein, da der LKW auch durch die Waschstraße fährt oder mit dem Dampfstrahler bearbeitet wird und natürlich muss es den ganzen Erschütterungen auf der Straße standhalten.
Wir haben uns bisher stark auf die technische Umsetzung des Ganzen konzentriert. Die nächste große Herausforderung wird natürlich sein, zahlende Kunden zu gewinnen. Trotz des vielen positiven Feedbackdas wir bekommen haben, sind wir gespannt, wie die Vorbestellungsphase auf der IAA Nutzfahrzeuge Ende September anlaufen wird.

Wie hat sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt?
Als wir angefangen haben, hatten wir ja nur die Idee im Kopf und einen kleinen Spielzeug-LKW um zu zeigen, was wir vorhaben. Heute haben wir bereits die zweite Version unserer Displaymodule am LKW und im Anschluss an die IAA werden die ersten LKWs im Testbetrieb auf der Straße sein. RoadAds als Unternehmen hat sich in der Zeit kaum weiterentwickelt, wir haben es aber geschafft, in relativ kurzer Zeit unsere Idee weiterzuentwickeln, ihr Leben einzuhauchen und sie auf die Straße zu bringen. Wir sind jetzt an dem Punkt, dass wir anfangen können, unser Produkt zu vermarkten. Ich denke, dass mit den Kunden bald auch die ersten Mitarbeiter kommen werden und wir anfangen müssen, richtige Unternehmensstrukturen zu schaffen. Die Unternehmensentwicklung wird im kommenden Jahr also wahrscheinlich eine spannendere sein, als im zurückliegenden.

Wer ist die Zielgruppe von RoadAds interactive?
Wir haben letztendlich zwei Zielgruppen, da wir einerseits unsere Displaymodule und andererseits Werbung verkaufen möchten. Wir suchen jetzt auf der IAA zunächst Flottenbetreiber, die ihre Fahrzeuge aufrüsten lassen wollen. Dabei macht es denke ich Sinn, sich vor allem auf Kunden mit einer gewissen Technik-Affinität zu konzentrieren, die bereit sind, Neues auszuprobieren und sich von interessanten Technologien angesprochen fühlen. .
Im nächsten Schritt müssen wir die Werbeflächen vermarkten. Da haben wir den Vorteil, dass wir über unsere Plattform Werbevolumina und -budgets sehr flexibel gestalten können. Unsere Zielgruppe ist hier sehr vielseitig, da wir sowohl für die großen Marken interessant sind, die ein neues, innovatives Werbemedium nutzen wollen, als auch für kleine, lokale Unternehmen, die besonders von unserer standortspezifischen Schaltung profitieren können und für die LKW-Werbung bisher nicht in Frage kam.

Welchen Service bieten Sie an?
Logistikkunden bieten wir ein attraktives Werbeprogramm. Das heißt, dass sie sich nicht selbst um Inhalte auf ihren Displaymodulen kümmern müssen, sondern wir die gesamte Werbeschaltung für Sie übernehmen, sie aber bis zu 70 % der Werbeeinnahmen erhalten.
Für Werbekunden bedeutet das auf der anderen Seite, dass Sie über unsere Plattform die Möglichkeit haben, unabhängig vom Logistiker, Anzeigen in bestimmten Werbegebieten zu schalten. Dadurch haben wir natürlich eine viel größere Reichweite und Abdeckung als es einzelne Logistiker könnten und erreichen damit auch ganz andere Kundengruppen. Wir bieten außerdem die Möglichkeit, Inhalte dynamisch aufzuspielen. Das heißt, dass die Anzeigen nicht nur an Standort und Uhrzeit angepasst werden können, sondern dass jeder beliebige andere Faktor wie beispielsweise Wetter oder Verkehrslage mit in die Werbeschaltung einfließen kann.
Natürlich stellen wir sowohl für Logistiker als auch Werbetreibende ein umfangreiches Live Monitoring zur Verfügung, heißt man kann genau verfolgen wann und wo eine Anzeige geschaltet wurde und die Abrechnung beziehungsweise Vergütung ist sehr transparent.

RoadAds interactive, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Die gesamte Außenwerbung wird mehr und mehr digitalisiert und wir schaffen es nun, diese Entwicklung auch auf der Straße voranzutreiben, wo sich andere Medien aufgrund der rechtlichen Bestimmungen schwertun. Ich denke unser Ansatz könnte die Fahrzeugwerbung komplett umkrempeln, da wir endlich das volle Potential dieser Werbeflächen ausschöpfen. Ich sehe RoadAds interactive in Zukunft als die zentrale Anlaufstelle für Fahrzeug- und Autobahnwerbung in Europa, vielleicht sogar weltweit. Letztendlich muss es auch nicht bei LKWs aufhören, wir hatten beispielsweise bereits Anfragen für Stadtbusse und werden daran arbeiten, unsere Displaymodule für andere Fahrzeuggruppen verfügbar zu machen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Scheut Euch nicht davor über Eure Idee zu sprechen. Man hat immer Angst, dass sie vielleicht geklaut wird, aber wenn Ihr niemandem davon erzählt, bekommt Ihr auch kein Feedback und werdet wahrscheinlich auch nie mit der wirklichen Umsetzung anfangen. Ihr müsst es zwangsläufig irgendwann öffentlich machen, also wartet damit nicht zu lange.
Schaut Euch in Eurer Umgebung um, ob es Beratungsangebote, spezielle Förderprogramme oder auch einfach nur eine aktive Startup-Szene gibt. Mir war das vor meiner eigenen Gründung überhaupt nicht bewusst, wie viel bei mir im Rhein-Neckar-Kreis eigentlich los ist. Man denkt vielleicht im ersten Moment sofort an Berlin, wenn es um Startups geht, aber auch anderswo in Deutschland ist viel geboten. Ich habe mehr und mehr angefangen, Startup Veranstaltungen zu besuchen und dadurch nicht nur den einen oder anderen spannenden Kontakt bekommen, sondern vor allem auch viel darüber erfahren, wo ich mir Unterstützung zum Thema Gründung besorgen kann. Sowas weiß man im Normalfall nicht, wenn man sich nicht mit dem Thema beschäftigt hat. Viele Städte bieten spezielle Beratungsangebote für Gründer und es gibt einige Förderprogramme aus öffentlichen Geldern, das sollte man auf jeden Fall mitnehmen.
Aber Pitch Wettbewerbe und Startup Veranstaltungen sind nicht alles! Mir ging es anfangs ein bisschen so, dass ich, nachdem ich gesehen hatte wie aktiv die Szene eigentlich ist, gerne jeden Wettbewerb und jede Veranstaltung mitgenommen hätte, die ich finden konnte. Das kann am Anfang sicher sinnvoll sein um Feedback zu bekommen und Kontakte zu knüpfen, man darf dabei aber nicht die eigentliche Umsetzung seines Projektes vergessen. Was bringt mir ein perfektes Pitch-Deck, wenn auf der anderen Seite kein Produkt steht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Zeit meist am sinnvollsten investiert ist, wenn ich sie wirklich in die Weiterentwicklung und die Umsetzung meiner Idee stecke. Das kommt dann auch bei solchen Veranstaltungen sehr gut an, wenn man nicht nur mit tollen Folien, sondern auch mit einem tollen Produkt oder Prototypen punkten kann.

Wir bedanken uns bei Andreas Widmann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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