Stellt Euch früh darauf ein, dass sich Eure Rolle als Gründer bei Erfolg schnell wandeln wird

Risk Ident: Intelligente Software für maximalen Schutz vor Betrug

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Risk Ident doch kurz unseren Lesern vor!
Mein Name ist Roberto Valerio und ich bin Gründer von Risk Ident. Risk Ident bietet Unternehmen Software an, mit deren Hilfe Betrugsversuche erkannt werden können, bevor ein Schaden entsteht. Betrüger verwenden gestohlene oder erfundene Identitäten und geklaute Kreditkarten, um bei Unternehmen online Waren und Dienstleistungen einzukaufen. Dazu werden auch immer häufiger bestehende Nutzerkonten gekapert.

Risk Ident schreibt Software, mit der unsere Kunden alle ihre Transaktionen anhand der vom Endkunden verwendeten Daten analysieren und betrügerisch veranlasste Transaktionen in Echtzeit herausfiltern können.Im Online-Handel hat man wenig Zeit, um eine Transaktion zu bewerten, egal ob es eine Warenbestellung, der Abschluss eines Handyvertrags oder der Antrag auf einen Ratenkredit ist. In allen diesen Fällen verwenden wir deshalb Machine-Learning-Ansätze zur Bewertung. Dabei wird jede Transaktion einzeln bewertet, es werden aber auch Zusammenhänge zwischen Transaktionen betrachtet. Es kommt oft vor, dass ein einziger Betrüger hunderte von Transaktionen initiiert.

Wie ist die Idee zu Risk Ident entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Risk Ident wurde in Liquid Labs, einem Inkubator der Otto-Gruppe, gegründet. Die Otto-Gruppe ist der zweitgrößte Online-Retailer in Europa mit sieben Milliarden Euro Online-Umsatz. Dazu wird das meiste Geschäft über Rechnungskauf abgewickelt. Man kann sich vorstellen, dass die Betrugsprävention da eine wesentliche Rolle spielt. Wir haben uns intensiv mit den verantwortlichen Abteilungen unterhalten und einen Einblick in diese Welt des „Katz-und-Maus-Spiels“ zwischen Betrügern und der Betrugsprävention erhalten. Unser Software-Engineering brachte selbst keine fachliche Erfahrung mit, aber wir wussten, wie man intelligente und skalierbare Software baut.

Innerhalb von sechs Monaten hatten wir das erste Produkt für Otto fertig entwickelt und implementiert. Es ist seit dem ersten Tag bis heute im Einsatz. Nach und nach haben wir unser Produktportfolio erweitert. Nun beliefern wir nicht nur die Top 200 im E-Commerce, sondern auch die großen Mobilfunkbetreiber und einige Banken mit unserer Software.

Unser Team ist mittlerweile auf über 65 Mitarbeiter gewachsen, fast 40 davon sind Softwareentwickler und Experten mit Data-Science-Hintergrund.Im Übrigen suchen wir immer nach talentierten Entwicklern!

Von der Idee bis zum Start: Was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Otto hat uns seit dem ersten Tag finanziert. Wir haben sehr bescheiden angefangen und hatten nur 250.000 Euro Startkapital. Heute ist das quasi undenkbar, wenn man sich unseren Erfolg anschaut. Wir haben durch Otto aber drei große Vorteile gehabt: den Zugang zum Domänenwissen im Bereich Betrugsprävention, dazu Millionen von historischen Transaktionen, die wir im Hinblick auf Betrug analysieren konnten, und mit der Otto-Gruppe selber einen ersten großen Referenzkunden. Wir selber haben letztlich nur unsere Erfahrung im Bereich der schnellen und agilen Softwareentwicklung mitgebracht. Das aber auf höchstem Niveau. Am Ende haben beide Seiten enorm vom Wissen des anderen profitiert. Wir haben der Otto-Gruppe auch schon im zweiten Jahr einige Millionen an weiteren Betrugsausfällen eingespart. Für Otto ist dieses Investment also schon früh höchst profitabel gewesen.

Die größte Herausforderung war im Übrigen nicht der Konzern, wie man es so oft über „Corporate Incubators“ hört, sondern es war ein Problem, mit dem jedes schnell wachsende Unternehmen zu kämpfen hat: Die Veränderung der Anforderungen an die Gründer und an das Team. Während ich am Anfang wirklich alles persönlich mit begleitet habe, von der Konzeption der Produkte, über die Entwicklung bis hin zur Vermarktung und zum Verkauf, war das nach zwei Jahren einfach nicht mehr möglich. Dazu ist die Organisation innerhalb eines 15-Mann-Startups nicht vergleichbar mit der Organisation eines 60-Mann-Startups. Nicht jeder Team Lead ist dann noch in seiner Rolle optimal besetzt, wir mussten uns schnell professionalisieren und teilweise Leute mit mehr Führungserfahrung von außen hinzunehmen. Ab 30 Leuten ging es dann auch nicht mehr ganz ohne Hierarchie.

Wer ist die Zielgruppe von Risk Ident?
Zu unserer Zielgruppe gehören prinzipiell alle größeren Unternehmen, die Waren oder Dienstleistungen im Internet verkaufen und Herausforderungen mit Betrugsversuchen haben. Hauptsächlich sind das natürlich Online-Händler, aus diesen besteht auch unsere größte Kundengruppe. Aber natürlich haben auch Telekommunikationsunternehmen mit Betrug zu kämpfen oder auch Banken. Betrogen wird aber auch beim Online-Gaming oder dem Ticketverkauf. Auch in diesen Bereichen haben wir Kunden. Hier ist es aber nicht immer der Zahlungsausfall, den wir verhindern sollen, sondern zum Beispiel auch der Schwarzmarkthandel mit Fußballtickets.

Welchen Schutz bietet Risk Ident? Vor was wird geschützt?
Wir schützen unsere Kunden vor finanziellem Schaden durch Betrug. Gleichzeitig helfen wir ihnen dabei, echte Kunden nicht fälschlicherweise zu blockieren, weil es auf den ersten Blick nach Betrug aussieht. So schützen wir auch vor Umsatzeinbußen.Mit unserer Software können zum Beispiel Händler tendenziell unsichere Zahlarten wie Rechnungskauf anbieten. Dadurch erhöhen sie ihre Attraktivität und den Komfort für ihre Kunden.

Warum ist der richtige Schutz wichtig? Und wird von den Unternehmen oft unterschätzt, welche Gefahren im Internet lauern?
Der richtige Schutz ist wichtig, weil Online-Betrug ein sehr großes Problem darstellt. Mit Zahlen ist es in diesem Bereich nicht so leicht, weil tatsächlicher Betrug schwer zu ermitteln ist und es unterschiedliche Definitionen gibt. Je nach Online-Händler kann man aber davon ausgehen, dass bis zu fünf Prozent der Bestellungen betrügerisch sind. Dagegen müssen sich die Unternehmen bestmöglich aufstellen. Ich glaube nicht, dass Unternehmen das unterschätzen, sie spüren ja schließlich jeden Tag die Folgen.

Risk Ident,wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir sind in den letzten Monaten sehr stark gewachsen, was das Team angeht, aber auch im Hinblick auf die Kundenzahl. In Europa haben wir uns schon sehr gut aufgestellt, in der DACH-Region sind wir sicherlich schon einer der Marktführer. Nun geht es in die USA, angefangen mit der Ostküste. Dabei bleiben wir mit der Produktentwicklung auf jeden Fall in Hamburg, das ist aus unserer Sicht ein optimaler Standort. Qualifizierte Leute und wenig Fluktuation sind Teil unseres Erfolgs. Das ist in Hamburg super darstellbar.

Wir gehen davon aus, dass wir in fünf Jahren die Hälfte unserer Umsätze in den USA generieren. Der Markt dort ist riesig und das Betrugsphänomen vergleichbar zu dem, was wir in Deutschland gelernt haben.

Zum Schluss: Welche drei Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Ich kann nur für B2B-Startups sprechen, mit B2C-Startups bin ich schon zwei Mal gescheitert. Das wäre auch mein erster Tipp: B2B ist besser steuerbar, denn man kann potentielle Kunden als Entwicklungspartner oder „Early Adopter“ früh mit ins Boot holen. Testet ausgiebig mit diesen Kunden.

Verschwendet nicht zu viel Zeit mit Konferenzen und Startup-Wettbewerben. Das meiste dient nur der eigenen Eitelkeit. Und ich persönlich glaube nicht mehr daran, dass ein gewonnener Wettbewerb die Investorensuche vereinfacht. Da zählt mittlerweile auch oft nur das Zahlenwerk. Die ersten zufriedenen Kunden sind hundert Mal mehr wert.

Stellt Euch früh darauf ein, dass sich Eure Rolle als Gründer bei Erfolg schnell wandeln wird. Die wenigsten sind darauf vorbereitet, ich war es nicht. Am Anfang sollte man alles selber machen oder aktiv begleiten: Konzept, Produkt, Vermarktung, Vertrieb! Um es selber zu verstehen. Später muss man wiederum alles loslassen und in bessere Hände geben können. Schon ab 20 bis 30 Leuten sind das Recruitment und die Sicherstellung der Liquidität meiner Meinung nach die wichtigsten Aufgaben des Gründers. Idealerweise natürlich früh durch Umsätze, aber sonst auch mit Investorengeld für das Wachstum.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Roberto Valerio für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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