Alles zu seiner Zeit und Stück für Stück

right. wissenschaftsbasierte Emissionszielmanagement

Stellen Sie sich und das Startup right. doch kurz unseren Lesern vor!
right. hilft Unternehmen systematisch Informationen zu generieren, die beweisen, dass das Unternehmen auch unter den Bestimmungen des Pariser Klimavertrages noch profitabel ist. Das ist vor allem für Investoren wichtig: „Hängt meine Rendite z.B. von emissionsintensiven Flugzeugen ab, das unter den Vorgaben des Pariser Klimavertrages nicht mehr oder nur unter hohen Kosten genutzt werden darf?“ Antworten stecken im Emissionszielmanagement eines Unternehmens – hier erforscht und implementiert right. neue, Ansätze. Zentral dabei ist die Festlegung von Emissionszielen nach objektiven Kriterien aus der Klimawissenschaft.

Ziel ist es, herauszufinden, wie viel ein Unternehmen in der Zukunft noch an Treibhausgasen ausstoßen darf, um teure klimabezogene Risiken zu vermeiden – hochbrisant für alle, die an der Rendite des Unternehmens beteiligt sind. Mit unserem ganzheitlichen Ansatz, der nicht nur die betriebswirtschaftlichen, sondern auch die wissenschaftlichen, rechtlichen und psychologischen Herausforderungen beleuchtet, sind wir in Deutschland derzeit einer der wenigen Themenführer zur sogenannten 2°C-Kompatibilität.

Wie ist die Idee zu right. entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die Idee entstand bei einer exklusiven Konferenz in Berlin zum Thema fossile Brennstoffe. Der damalige Keynote-Speaker erzählte, dass nicht alle fossilen Brennstoffe, die aber schon im Markt eingepreist sind, verbrannt werden dürften, soll das 2°C-Ziel erreicht und damit die Welt vor einem gefährlichen und viel zu kostspieligem Ausmaß des Klimawandels bewahrt werden.

Unsere Gründerin Hannah fragte ihn darauf, ob dann sämtliche Geschäftsmodelle, die zu hohem Maße auf fossilen Brennstoffen, beruhen, an den Märkten überbewertet seien. Seine Reaktion: „Ja, bleiben Sie da dran!“ Endlich war der scharfe Business Case für Nachhaltigkeit entdeckt. Sebastian und Hannah als Gründerteam und Lebenspartner haben ihre Hausaufgaben gemacht: Recherchen, wissenschaftliche Arbeiten, berufliche Ausrichtungen auf das Thema 2°C-Kompatibilität und Aufbau eines Netzwerkes. Juli 2016 kam das eindeutige Gefühl auf: die Zeit ist reif, wir springen.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Wir haben erst versucht unsere Ideen und Kompetenzen in bestehende Unternehmensstrukturen zu integrieren, um unsere Ziele zu erreichen. Das hat nicht so gut funktioniert.Man kann sich vorstellen, warum – beide hatten das Gefühl, mit angezogener Handbremse arbeiten zu müssen. Lebensqualität sieht aber anders aus.Damit gab es nur eine Option, nämlich sich selbst die Bedingungen zu schaffen, unter denen die eigenen Prinzipien auch zu gelebt werden können: völlige Integrität dem blauen Planeten gegenüber, die Freiheit seiner Neugierde nachzugehen und dabei wertvolle Expertise aufzubauen und Verantwortung zu übernehmen. right. zieht mit dieser Kultur Talente an, die das Unternehmen derzeit nicht allein monetär bezahlen könnte.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung ist die Kommunikation von dem, was wir eigentlich tun. Wenn wir das im Rahmen von Wettbewerben oder Förderprogrammen versuchen, dann bestehen wir den „what’s-in-it-for-me-test“ meist nicht. Sehr deutlich wurde das bei einem Nachhaltigkeitsslam, bei dem wir den grandiosen letzten Platz gemacht haben(mit Abstand!). Der Moderator hatte größte Schwierigkeiten mich und right. dem Publikum vorzustellen – er stockte, strauchelte und blamierte sich völlig vor über 400 Personen. Das will kein Jury-Mitglied, kein Preisverleiher und kein Moderator für sich erleben, ist ja auch verständlich. Leider hat das eben zur Folge, dass wir bis jetzt noch keine Möglichkeit gefunden haben, hier greifbar zu sein. Generell haben wir bei solchen Veranstaltungen nicht ausreichend Zeit, die Komplexität unseres Themenfeldes ausreichend darstellen zu können, sodass wir zu der Stelle kommen, an der es dann KLICK bei dem Zuhörer macht. Ein Hoch an dieser Stelle an unsere Advisors, die sich Stück für Stück an die Herausforderungen der 2°C-Kompatibilität heranwagen und ihren ganz eigenen Zugang finden.

Unsere Finanzierung kommt zu 2/3 von einem privaten Investor und zu 1/3 aus der Vermietung unserer Büroräume. Weil wir so sind, wie wir eben sind, ist unser Büro ziemlich inspirierend. Das nutzen Unternehmen für Off-sites, Coaches für Trainings und Fotografen für ihr Schaffen. Hier und da haben wir unser Büro schon in öffentlicher Werbung wiedergesehen. Ab und zu sind wirklich abgefahrene Anfragen dabei…

Wer ist die Zielgruppe von right.?
Zielgruppe sind einerseits Unternehmen, die

• Vorreiter im Bereich Nachhaltigkeit bleiben / werden möchten,
• sich um ihre Reputation in einer 2 °C-Welt sorgen,
• wegen ihres emissionsintensiven Geschäftsmodells dazu gezwungen sind, sich einem sog. 2 °C-Stresstest zu unterziehen,
• als Investor den Wert von Geschäftsmodellen in einer 2 °C-Welt einschätzen möchten
und zum anderen Institutionen, die:
• sich mit der Integration von Nachhaltigkeit und Wirtschaftsentwicklung auf Standortlevel beschäftigen,
• sich für das Bildungspotenzial des Themas 2°C-Kompatibilität interessieren,
• sich zum Auftrag gemacht haben, Wirtschaftssektoren in ihrer zukunftsfähigen Entwicklung zu stärken und deren Interessen nach außen zu vertreten.

Wie funktioniert right. ?
Unser Geschäftsmodell ist derzeit unsere außergewöhnliche Expertise im Bereich 2 °C-Kompatibilität. Wohl kein Unternehmen und keine Institution ist nicht betroffen von den Veränderungen, die der Pariser Klimavertrag mit sich bringt. Hier platziert right. das wissenschaftsbasierte Emissionszielmanagement als klassische Beratung: Informieren, Sensibilisieren und Umsetzen. Außerdem entwickeln wir derzeit konkrete Instrumente, die sowohl jungen, als auch etablierten Unternehmen erlauben, den Anforderungen nach den schon angesprochenen Informationen zu entsprechen.

Welche Vorteile bietet right. ?
right. hilft in erster Linie, ein neue Kategorie von Unternehmensrisiko handzuhaben: Die Verankerung von Emissionszielen in der Klimawissenschaft ermöglicht den Vergleich einer unternehmerischen Nachhaltigkeitsstrategie mit einem aussagekräftigen Standard. Dazu entwickeln wir Metriken, die sicherstellen, dass genau die Innovation beim Kunden angetrieben wird, die notwendig ist, um die 2°C-Kompatibilität zu erreichen. Eine solche Innovation schafft Identifikation mit einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell, was nicht nur Talente, sondern auch Kapital anzieht.

Kunden und Partner von right. profitieren damit von der Zugkraft und vom inspirierenden Charakter des Zukunftsthemas 2 °C-Kompatibilität. Bestes Beispiel ist unser Projekt Koo2, in dem Entrepreneure ihr Geschäftsmodell an den Vorgaben des Pariser Klimavertrages ausrichten können – vielleicht bald ein entscheidender Vorteil gegenüber der Konkurrenz.

Wie ist das Feedback?
Wir haben mit unheimlich interessanten, klugen, aktiven und sympathischen Menschen zu tun. Neugierde zu unserem Thema kommt von vielen Seiten.Es fällt uns sehr leicht, auf Veranstaltungen spannende Gespräche zu führen und Anknüpfungspunkte zu finden. Manchmal würden wir uns wünschen publik machen zu dürfen, mit wem wir so alles an einem Tisch sitzen. Die Mühlen mahlen aber langsam.Es ist eine große Herausforderung, Zukunftsfähigkeit in den Markt zu bringen, der nur das Hier und Jetzt sieht. Das überragende Feedback von den Personen, die uns imponieren, motiviert uns aber unheimlich, einen ausreichend langen Atem zu haben.

right., wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Der Weg geht erst einmal in die fachliche Tiefe und von dort aus in die Breite. In 5 Jahren haben wir den Wert der Informationen, die wir auf Unternehmensseite durch das Einführen von wissenschaftsbasierten Emissionszielen generieren, als Produkt erfolgreich eingeführt. Dieses Produkt bringt Transparenz in den Markt: Kapital kann kosteneffektiv so verteilt werden, dass 2°C-kompatible Unternehmen einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz haben. In der entsprechenden wissenschaftlichen Literatur wird man nicht an uns vorbeikommen. Außerdem bauen wir in 5 Jahren den zweiten Standort auf.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Not macht erfinderisch: Kredite aufnehmen ist langweilig. Viel spannender ist es, sich zu überlegen, wie man stattdessen an Kapital kommt – die Vermietung unserer Location ist eine Erfahrung, von der wir in allen Bereichen entscheidend profitieren.
Alles zu seiner Zeit und Stück für Stück: dieser Ratschlag hört sich platt an, ist aber sehr mächtig, wenn es darum geht, Komplexität zu beherrschen.
Niemandem hinterherrennen – aus Prinzip nicht. Verspürt ihr das Bedürfnis, dann seid ihr noch nicht überzeugt genug von eurer Sache.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Hannah Helmke und Sebastian Müller für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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