Als Startup darf man sich niemals aus der Ruhe bringen lassen

Resourcify digitalisiert das Abfallmanagement und gibt Abfällen einen neuen Wert

Stellen Sie sich doch kurz vor!

Seit 2015 stellen wir bei Resourcify nutzerfreundliche Software für das Abfallmanagement her. Unser Ziel ist es, das Abfall- und Wertstoffmanagement in Unternehmen so zu digitalisieren, dass große Organisationen ihren Abfall transparent und effizient recyceln können.

Was steckt dahinter?

Die Entsorgungsbranche ist oft noch altmodisch und schwer für die Digitalisierung zu motivieren, auch das Abfallmanagement in Unternehmen hat häufig noch nicht den Stellenwert, den es verdient. Wir wollen genutzten Materialien wieder einen Wert geben. Sie sollen so lange wie möglich im Kreislauf bleiben um ihr volles Potenzial auszuschöpfen, um Ressourcen und die Umwelt zu schonen und gleichzeitig auch Kosten zu reduzieren.

Bisher stehen insbesondere Mitarbeiter im betrieblichen Abfallmanagement immer noch sehr vielen Herausforderungen gegenüber. Darunter zählen zeitaufwendige Aufgaben wie Mitarbeiterschulungen zur Abfalltrennung, Rechnungsprüfungen, Auftragserstellungen und das Reporting. Das lässt natürlich kaum Raum für Optimierungen. Mit unserer Software steigern wir die Recyclingquote von Unternehmen, machen Entsorgungswege transparenter, automatisieren das Reporting, zeigen Verbesserungsmöglichkeiten auf und senken gleichzeitig Aufwand und Kosten für die Unternehmen maßgeblich.

Der ganze Prozess liefert einen wertvollen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft, indem weniger Abfälle verbrannt werden und Wertstoffe so lange im Kreislauf gehalten werden wie möglich.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Die Grundidee entstand, als ich beruflich jeden Tag miterleben musste, wie wertvolle Ressourcen einfach weggeworfen wurden. Ich wollte ermöglichen das Potenzial solcher Materialien für die Kreislaufwirtschaft besser zu nutzen, damit Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen. 

Unternehmen produzieren oft sehr viele Abfälle, dort liegt daher viel Potenzial für Verbesserungen in der Ressourcennutzung. Sie sollen dabei unterstützt werden, ein transparentes Abfall- und Wertstoffmanagement zu etablieren, um Abfälle effizienter zu recyceln.

Die Vision von Resourcify?

Neben der erhöhten Wertschöpfung der Ressourcen möchten wir ein effizientes digitales Abfall- und Wertstoffmanagement in Unternehmen etablieren, das einfacher und kostengünstiger ist als bisher. Wir wollen höhere Recyclingquoten und eine effiziente Kreislaufwirtschaft möglich machen. Also mehr Recycling bei weniger Aufwand.

Mittlerweile haben wir ein Partner-Netzwerk von über 100 Entsorgern, die Hunderte von Abfallarten bei mehr als 600 Unternehmen abholen.

Ein tolles Beispiel für weniger Aufwand: Bosch Packaging Technology spart mit der Resourcify-Software für Unternehmen trotz komplexer Abfallsituation bereits 60 % seiner Zeit im Abfall- und Wertstoffmanagement ein und hat damit nun endlich Gelegenheit und die entsprechende Datengrundlage, Optimierungspotenziale zu identifizieren und die Prozesse effizienter zu gestalten.

Von der Idee bis zum Start-up: Größte Herausforderung und Finanzierung 

Angefangen haben wir mit Angel Investoren, dann gab es eine Seed-Runde mit dem HTGF Gründerfonds und der IFB. 

Unsere größten Herausforderungen sind derzeit natürlich Corona, aber auch die Konkurrenz zu großen Unternehmen. Wenn fest eingeplante Großprojekte nicht zustande kommen, ist das ebenfalls eine große Aufgabe, die es zu bewältigen gilt. Bisher haben wir alles gut gemeistert und sind daher für die Zukunft äußerst positiv eingestellt.

Für wen ist Resourcify gemacht? 

An erster Stelle ist die Resourcify-Software für Unternehmen entwickelt worden, die viele Abfälle produzieren bzw. eine komplexe Abfallsituation haben. Das kann so aussehen, dass Verträge mit vielen Entsorgungsdienstleistern bestehen, es mehrere Standorte oder Anfallstellen und Wertstoffsammelstellen zu managen gibt oder sehr viele unterschiedliche Abfallarten oder gefährliche Abfälle anfallen.

Daneben ist unsere Software auch für Entsorgungsunternehmen gedacht, die neben ihren internen Prozessen auch den Service für und die Kommunikation mit ihren Gewerbekunden verbessern möchten.

Wie genau funktioniert Resourcify und wo liegen die Vorteile?

Mit der Resourcify-Software digitalisieren große Unternehmen ihre gesamte Abfallsituation und bilden sie zentral und transparent ab: alle Standorte und Anfallstellen, beliebig viele Entsorgungsdienstleister, Container und Abfallarten.

Alle Prozesse sind dabei lückenlos nachvollziehbar und bieten somit Revisionssicherheit. Die Beauftragung und Kommunikation mit Dienstleistern erfolgt ebenfalls zentral und digital in der Software, anstatt per E-Mail, Fax oder Telefon. Abrechnungen werden von den Entsorgern viel effizienter digital erstellt und versendet, Reportings werden durch die Unternehmen einfach per Klick erstellt.

Die Vorteile liegen dabei auf der Hand: Digitalisierte Prozesse führen zu mehr Daten und diese bieten mehr Nachvollziehbarkeit und Transparenz über die gesamte Entsorgungssituation im Unternehmen. Damit wird eine effizientere Verwaltung der Abfälle und Wertstoffe möglich und Unternehmen bekommen häufig erstmals einen genauen Einblick in ihre betriebliche Entsorgungssituation. 

Mit Auswertungen auf Knopfdruck und der Möglichkeit, wichtige Kennzahlen sowie die Entsorgungswege zu verfolgen, sinkt der bisherige hohe Arbeitsaufwand für die Berichterstattungen im Unternehmen stark. Optimierungspotenziale lassen sich so viel leichter ermitteln, wie z.B. der Verkauf von Wertstoffen, durch den zusätzliche Erlöse generiert werden können.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Möglichst viele Unternehmen sollen durch unsere Software eine transparente und klare Übersicht über ihre Entsorgungssituation und dessen Effekt auf ihre Wirtschaftlichkeit und die Umwelt erlangen. Durch die aggregierten Daten haben sie endlich die Möglichkeit ihre Entsorgung, bzw. ihre Abfälle und Wertstoffe, mittel- und langfristig zu optimieren. So gelingt es vielen Wirtschaftsakteuren ihre Entsorgungskosten spürbar zu reduzieren und gleichzeitig die Recyclingquote zu steigern, um wichtige Ressourcen zu schonen.

Durch den Anschluss weiterer Abfall-Rücknahmesysteme (bspw. für Spraydosen oder Herzkatheter) können Unternehmen die Ressourcenkreisläufe immer weiter schließen und damit einen wertvollen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung beitragen.

Resourcify wird in den nächsten fünf Jahren eines der führenden Software-Unternehmen in Europa, welches abfallproduzierende Unternehmen dabei unterstützt einen starken Beitrag zur Kreislaufwirtschaft zu leisten, ihren eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren und Ressourcenkreisläufe zu schließen.  

Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Viele etablierte Branchen sind noch schwer für die Digitalisierung zu motivieren. Da heißt es wirklich dranbleiben und in unserem Fall viele Termine vor Ort vereinbaren – in Zeiten von Corona aber auch flexibel sein und sich online treffen. Der Nasenfaktor spielt hier noch eine große Rolle.

Neuen Gründern rate ich außerdem, schnelle Lernzyklen im Unternehmen und auch bei den Kunden oder Partnern zu etablieren. Wenn es geregelte Lernprozesse gibt, weiß jeder wo Informationen und Learnings zu finden sind und kann damit für seinen Bereich neue Ideen umsetzen.

Zuletzt gilt: bloß nicht aus der Ruhe bringen lassen. In einem Startup kann sich in kurzer Zeit sehr viel ändern. Da ist es wichtig flexible Strukturen zu haben, aber auch eine starke Vision und gemeinschaftliche Ziele. Wir haben bei uns die OKR (Objectives und Key Results) Struktur eingeführt. Damit ziehen wir alle am gleichen Strang und arbeiten an den gleichen Zielen. Das hilft extrem bei der Ausrichtung und der Zielerreichung.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Gary Lewis für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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