Gründerinnen und Gründer sollten möglichst früh ihre Ideen spiegeln, also Feedback einholen

REOS Betriebssystem für ein digitales Mieter- und Immobilienmanagement

Stellen Sie sich und das Startup REOS doch kurz unseren Lesern vor!
Kjell: Hallo Startup Valley. Vielen Dank, dass wir bei Euch sein dürfen. Wir haben REOS zu dritt im September 2017 gegründet. REOS steht für Real Estate Operating System. Es ist das erste Betriebssystem für ein digitales Mieter- und Immobilienmanagement.

Als Proptech verbinden wir die Immobilienwirtschaft mit Innovationen aus der digitalen Welt. Unser Ziel ist, das Prozessmanagement rund um die Verwaltung, Bewirtschaftung und Vermietung von Wohnimmobilien „smart“, also digital und effizient zu gestalten.

Wie ist die Idee zu REOS entstanden?
Tom: Das Betriebssystem haben wir ursprünglich für den eigenen Bedarf entwickelt. Vor zwei Jahren suchten wir eine digitale Lösung für unser Bauvorhaben, das Carnaby Living House Berlin. Es ist Deutschlands erstes digitales Studentenwohnheim. Im Oktober 2018 werden hier über 170 Studierende in Gemeinschaftsapartments am Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin einziehen. Um bei der Vermietung und Bewirtschaftung die Distanz zwischen Berlin und Hamburg – wir sind drei Nordlichter – zu überbrücken, mussten schnell Antworten auf folgende Fragen des operativen Tagesgeschäfts gefunden werden:

„Wie ermöglicht man Besichtigungen ohne selbst vor Ort zu sein?“, „Wie bekomme ich eine Schlüsselübergabe aus der Ferne hin?“, „Wie kann ich die Kommunikation zwischen Mieter und Vermieter – auch beim Schadensmanagement – verbessern?“ und „Was kann ich tun, um Betriebs- und Nebenkostenabrechnungen bei wechselnden Mietverhältnissen zu vereinfachen?“

Der aktuelle Proptech-Markt bietet zwar Teillösungen an, aber keine dieser Einzellösungen lässt sich samt Hardware zu einer vollumfassenden Anwendung bündeln. Hierzu müsste sich der Mieter zehn verschiedene Apps installieren. Doch wer will das schon? 
Daraufhin haben wir ein System entwickelt, das alle notwendigen Funktionen zur Steuerung und Verwaltung der Immobilie sowie der Mietverhältnisse in einer Anwendung und mit unterschiedlicher Hardware ermöglicht. Wir sind gespannt, wie die Studierenden die Vorzüge von REOS ab dem kommenden Wintersemester nutzen werden.

Welche Vision steckt hinter REOS?
Per: Über die Immobilienbranche muss man wissen, dass sie eine Assetklasse mit stark standardisierten und größtenteils noch analogen Prozessen ist. Sie bietet allerbeste Voraussetzungen für digitale Lösungen. Wer sich beispielsweise einmal seine Jahres- bzw. Betriebskostenabrechnung ansieht, weiß auch, dass dieses Dokument aus unglaublich vielen Werten besteht. Im schlimmsten Fall tauchen hier sogar ungenaue Verbrauchswerte durch fehlerhaftes Messen und Ablesen auf.

Die Jahresabrechnung gehört zu den teuersten und zeitintensivsten Arbeitsschritten im gesamten Mietzyklus. Das ist nur ein Prozess unter vielen, der heute nicht mehr zeitgemäß umgesetzt wird. Die Nachteile sind oft mit hohem Zeit- und Kostenaufwand verbunden.

Genau das wird REOS mit seinem digitalen Prozessmanagement lösen.

Wie funktioniert REOS und wer gehört zur Zielgruppe?
Kjell: Das REOS Betriebssystem wird von Mietern und Vermietern über die App und Webanwendung genutzt. Als Grundlage dafür integrieren wir in den Gebäuden entsprechende Hardware, wie Smart Meter für Wasser, Gas und Strom sowie digitale Schließ- und Klingelanlagen. Sie alle sind mit dem REOS-Gateway verbunden und können über die Software-Anwendung in Echtzeit gesteuert werden.

Vermieter vereinfachen mit REOS sämtliche Prozesse des Mietzyklus, des Gebäudemanagements und der täglichen Verwaltungsaufgaben. Bonitätsprüfungen, Mietverträge und Schadensmeldungen schließen sie beispielsweise digital ab. Betriebs- und Nebenkostenabrechnung fertigen sie ebenfalls digital und auf Basis von Verbrauchsdaten in Echtzeit an.

Notfälle, wie z.B. Wasserrohrbrüche werden vom System registriert und können direkt über das digitale ‚schwarze Brett‘ oder den Messenger in der App an alle Mieter kommuniziert werden.

Über die Mieter-App profitieren die Bewohner von mehr Wohn- und Lebenskomfort. Möglich wird dies beispielsweise durch die in der App integrierten Serviceleistungen aus den Bereichen Mobilität, Housekeeping, Food und Fitness. Darüber hinaus steuern sie mithilfe der App und der digitalen Schließsysteme die Zutrittsrechte zum Gebäude und zur Wohnung. Das geht nach Bedarf auch aus der Ferne. Dank digitaler Paketstationen verpassen sie auch keine Lieferungen mehr. Durch die Anzeige der eigenen Verbrauchsdaten in der App erhoffen wir uns bei den Mietern mehr Genauigkeit und ein größeres Bewusstsein für den eigenen Verbrauch von natürlichen Ressourcen zu erzielen. Deshalb profitiert langfristig auch die Umwelt von einem Smart Building.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Tom: So einfach die Idee auch klingt, so komplex ist ihre Umsetzung. Unsere größte Herausforderung bestand darin, digitale Schnittstellen zwischen dem Herzstück, dem REOS Gateway und den vorhandenen IoT-Geräten auf dem Markt zu bauen. Aufgrund guter Partnerschaften mit Hardwareherstellern und einer intensiven Entwicklungsarbeit konnten wir diese Hürde nehmen.

Per: Die Finanzierung haben wir zu Beginn aus eigener Tasche realisiert. Schließlich war REOS anfangs nur für unsere eigenen Zwecke im Studentenwohnheim geplant. Unterstützung kam dann hinzu, als Netzwerkpartner und Freunde plötzlich auch ihre Immobilien mit dem Betriebssystem ausstatten wollten. Ihr Bedarf zeigte uns, dass wir die Immobilienwirtschaft grundlegend verändern können.

REOS, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Kjell: Auf kurze Sicht suchen wir weitere Kooperationspartner, die Serviceleistungen wie Car- und Bikesharing, Food-Delivery und Housekeeping anbieten, um sie den Mietern zur Verfügung stellen zu können.

Langfristig sollen so viele Gebäude wie möglich digital mit REOS gesteuert und verwaltet werden. Bereits im ersten Geschäftsjahr konnten wir Kunden aus Deutschland, Großbritannien und Polen von unserem vollumfassenden Betriebssystem überzeugen.

Zukünftig wollen wir auch den europäischen Markt erschließen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Per: Bevor wir drei uns kennengelernt haben, hat jeder für sich bereits die Entscheidung getroffen, irgendwann etwas Eigenes auf die Beine stellen zu wollen. Ich habe lange nach den richtigen Partnern gesucht, bei denen ich mich mit meiner juristischen Erfahrung einbringen kann. Eine erfolgreiche Gründung hängt nämlich nicht nur vom Willen, sondern auch von den Kompetenzen der jeweiligen Gründer ab.

Kjell: Ich bin ein Freund von schnellen Entscheidungen. Wenn Du eine Idee hast, dann fang einfach irgendwo an – der Weg wird sich zeigen. Allerdings habe ich auch schon viele junge Unternehmen scheitern sehen. Oft wollten sie viel zu viel auf einmal realisieren, vor allem in der Wachstumsphase. Auf schnelle Entscheidungen müssen deshalb auch gleich wohl überlegte Entscheidungen folgen. Sonst verrennt man sich.

Tom: Gründerinnen und Gründer sollten möglichst früh ihre Ideen spiegeln, also Feedback einholen. Erst im Austausch mit Externen und Fachfremden entfaltet sich das volle Potenzial der eigenen Idee. Auf diesem Wege lernt man, um die eigene Ecke zu denken und seine Geschäftsidee möglichst simpel und verständlich zu erklären.

Fotograf/Bildquelle: Johannes Kollender

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Per, Kjell und Tom für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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