Wer Dinge nimmt wie sie sind und nichts verändert, darf nicht erwarten, dass sie besser werden

Refine Projects mit Lean Construction Prozesse effizienter gestalten

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Refine Projects doch kurz vor!
Jeder kennt die Probleme im Projekt Flughafen BER in Berlin. Das Ganze klingt ja mittlerweile mehr wie ein Scherz, aber leider kommen solche Probleme wie in diesem Projekt sehr häufig in Bauprojekten vor. Genau da setzen wir an und vereinfachen mit Legos und Post-its die Planung und Ausführung komplexer Bauprojekte. Im Grunde bezeichnet man die Methode, mit der wir arbeiten, als Lean Construction. Ziel ist es, Projekte und Prozesse durch den Einsatz von Lean effizienter zu gestalten und fließende Abläufe zu schaffen. Offiziell bezeichnen wir uns als Beratungsunternehmen aber unser eigentliches Ziel ist es, alle Teammitglieder eines Projektes zu befähigen, Lean einzusetzen und so ihre alltäglichen Aufgaben effizienter gestalten zu können. Kerngedanke von Lean ist es, dass im Zentrum aller Prozesse der Kundennutzen steht. Daher wollen wir alle Prozesse an diesem Nutzen ausrichten und nicht wertschöpfende Aktionen möglichst eliminieren. Unser Name, Refine wird direkt daraus abgeleitet. Wir verfeinern alles dahingehend, dass nur das übrigbleibt, was dem Kunden auch wirklich einen Mehrwert bietet.

Wie ist die Idee zu Refine Projects entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Wir haben uns als Arbeitskollegen im Projektmanagement für Bauprojekte kennengelernt. Die Idee hat sich im Grunde aus einem Problem heraus entwickelt. Sowohl die Abwicklung als auch der Ablauf vieler Projekte war für uns beide oft nicht zufriedenstellend und hat uns frustriert. So sind wir auf die Idee gekommen, jegliche Verfahren und Prozesse zu hinterfragen. 20 Jahre Erfahrung in Bauprojekten, innovative Ansätze aus der Wissenschaft und meine Promotion im Lean Construction haben uns dann letzten Endes dazu gebracht, die Idee durch unser eigenes Unternehmen zu verwirklichen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Definitiv die geeigneten Teammitglieder zu finden! Uns war nicht nur wichtig, dass wir kompetente Mitarbeiter einstellen, sondern auch und vor allem, dass die menschliche Komponente stimmt. Der Umgang und die Stimmung im Team wirken sich sehr auf die Leistung aus. Darum legen wir viel Wert auf eine angenehme Atmosphäre und auf eine gute Kommunikation.
Abgesehen von den Mitarbeitern hatten wir jedoch auch zu Beginn ein Projekt, welches zu einer richtigen Herausforderung wurde. Einer unserer ersten Kunden ging insolvent. Es hat uns viel Mühe und Anstrengung gekostet, nach solch einem Vorfall wieder aufzustehen und weiterzumachen. Aber hier haben wir auch gelernt wie wichtig es ist, immer weiter zu machen. Hat man eine Idee von der man überzeugt ist und die sich umsetzen lässt geht es eigentlich hauptsächlich darum, diese durchzusetzen und dafür einzustehen.
Unsere Finanzierung erfolgte hauptsächlich durch unser eigenes Kapital. Wobei wir auch das Glück hatten, gleich zu Beginn ein recht großes Projekt erfolgreich zu meistern.

Wie hat sich Refine Projects seit dem Start entwickelt?
Nach nun mehr 18 Monaten haben wir uns von 2 Gründern auf ein Team von 8 Personen vergrößert. Aktuell beraten wir jede Woche bis zu 8 Kunden und ihre Projektteams, sodass diese Lean in den unterschiedlichsten Bauprojekten effektiv umsetzen können.

Wer ist die Zielgruppe von Refine Projects?
Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Bauunternehmen und Bauherrenorganisationen. Wir glauben daran, dass Lean nicht nur in bestimmten Bauprojekten Vorteile bringen kann, sondern generell im Baugewerbe für Verbesserungen und effizientere Prozesse sorgen kann.

Wo liegt der USP ihres Unternehmens?
Von anderen Dienstleistungs- oder Beratungsunternehmen heben wir uns durch unser Vorgehen ab. Unser Ziel ist nicht, dass unserer Kunden nur während unserer Anwesenheit ihre Prozesse verbessern können. Viel wichtiger ist uns, sie zu befähigen und ihr Verständnis für Lean zu fördern. Sie sollen sich so selbst helfen können. Außerdem sind wir davon überzeugt, dass in jedem das Potenzial für eine „lean“ Vorgehensweise bereits vorhanden ist. Indem dieses Potenzial genutzt wird, können die Projekte verbessert werden. Hinzu kommt unsere Arbeitsweise. Mit Lego® und Post-its® bringen wir unseren Kunden die Grundlagen bei. Das klingt nun vielleicht etwas albern, aber durch die Verwendung dieser Elemente haben unsere Kunden nicht nur mehr Spaß, sondern verstehen den Kerngedanken von Lean Construction auch besser.

Wie ist das bisherige Kundenfeedback?
Wir bekommen durchgehend sehr angenehmes Feedback von unseren Kunden. Auch wenn es zu Beginn manchmal etwas holprig ist, gegen Ende haben wir noch jeden überzeugt! Über diese Reaktionen freuen wir uns natürlich aber auch Kritik wissen wir zu schätzen. Das ist schließlich einer der Kerngedanken von Lean. Man muss sich verändern, um sich zu verbessern. Und auch wir sind nicht perfekt. Deshalb nehmen wir jede Meinung und Erfahrung unserer Kunden auf, evaluieren die Projekte und versuchen, Kritiken und Verbesserungsvorschläge umzusetzen. Transparenz ist ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil von Lean und von uns selbst. Nur mit Transparenz unsererseits sowie der unserer Kunden kommen wir und sie weiter. Und dies hilft uns dann wieder für die nächsten Projekte.

Sie konnten vor Kurzem in den Code_n Spaces ziehen. Welche Voraussetzungen mussten Sie erfüllen?
Grundsätzlich geht es darum, innovativ zu sein und eine alt eingesessene Industrie herauszufordern. In unserem Fall ist das die Bauindustrie, welche jetzt wirklich lange genug an alten Prinzipien festgehalten hat. Es ist Zeit, etwas zu verändern. Und diese Veränderung wollen wir vorantreiben.

Welche Unterstützung erhalten Sie von Code_n?
Code_n bietet uns und allen anderen Start-ups eine tolle Atmosphäre. Kreative Ideen lassen sich so viel einfacher ausarbeiten, wenn das Umfeld stimmt. Gemeinsam mit dem Ökosystem bilden diese beiden hier einfach eine schöne Grundlage, um originelle und spannende Ideen auszuarbeiten.

Wie ist das Arbeitsklima?
Da wir noch ein recht kleines Team sind, gibt es bei uns kaum Hierarchien. Eine unkomplizierte Kommunikation und ein angenehmes Arbeitsklima erschließen sich daraus. Alle werden fest in das Team integriert, was sich wieder positiv auf die Motivation auswirkt. Das Alter der Teammitglieder ist bunt gemischt, was oft ungewöhnliche Ansichten der Dinge zutage fördert und so gehen uns nie die Ideen aus, wie wir etwas anders oder noch besser machen könnten.

Wie wichtig ist der Austausch mit anderen Startup Unternehmen?
Als wir noch im 1. Stock der Code_n Spaces waren, hat uns die Start-up Atmosphäre sehr inspiriert und motiviert. Der ständige Austausch und die Möglichkeit, Fachfremde nach ihrer Meinung zu fragen geben einem die Möglichkeit, die eigenen Prozesse und Gedanken einmal von außen zu betrachten. Das ist sehr hilfreich! Seit wir nun einen Stock höher unsere Büros bezogen haben besuchen wir deshalb oft noch gerne die anderen Start-ups. Einfach deshalb, weil der Umgang miteinander so offen ist und die Unterhaltungen immer spannend sind. Wir können alle viel voneinander lernen, der Austausch ist uns daher sehr wichtig.

Refine Projects, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Generell wollen wir wachsen, sowohl wirtschaftlich als auch mit Bezug auf unsere Mitarbeiteranzahl. Unser oberstes Ziel ist aber, in Deutschland und Europa Lean Construction nach vorne zu bringen und insgesamt die Bauindustrie zu verbessern. Natürlich wollen wir ein Vorreiter in diesem Bereich sein. Aber uns geht es an erster Stelle darum, dass in der Baubranche ein Umdenken stattfinden sollte.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?
Hinterfragt den Status quo und habt den Mut, Dinge zu ändern die euch stören. Eine Idee alleine reicht nicht, man muss auch offen und couragiert sein, die Idee zu verfolgen und umzusetzen. Wie wir bei uns gerne sagen, wer Dinge nimmt wie sie sind und nichts verändert, darf nicht erwarten, dass sie besser werden.

Weitere Informationen finden Sie hier

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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