Erfolgreiches Recruiting mittels Highspeed und Start-Up-Mentalität

Die Suche nach dem richtigen Mitarbeiter gestaltet sich in Zeiten des Fachkräftemangels immer schwieriger. Deshalb lassen sich Unternehmen häufig neue Wege der Kandidatenansprache einfallen und setzen auf Recruiting-Events, Schnuppertage oder kontaktieren Headhunter zur gezielten Suche nach raren Köpfen. Bei allen unkonventionellen Wegen der Mitarbeitersuche sollte jedoch nicht vergessen werden, dass ein straffer, schlanker und kurzer Einstellungsprozess letztendlich über Wohl oder Wehe einer Vertragsunterzeichnung entscheidet. Hat ein Unternehmen einen geeigneten Kandidaten im Visier, muss der Vertrag schnell geschlossen werden. Dauert der Prozess zu lange, verliert der Wunschkandidat womöglich das Interesse. 

Die besten Köpfe erwarten Hochgeschwindigkeit und Unternehmergeist

Längst ist aus dem Arbeitgebermarkt ein Arbeitnehmermarkt geworden und es vollzieht sich ein Rollentausch bei der Personalsuche. Inzwischen „bewerben“ sich Firmen bei potenziellen Kandidaten und locken mit traumhaften Konditionen, flachen Hierarchien, einer nachhaltigen Ausrichtung und einer gelebten, modernen Unternehmenskultur. Doch nicht nur das Angebotsverhältnis hat sich verändert, auch die Geschwindigkeit – von der ersten Ansprache bis zur Vertragsunterzeichnung – hat ein neues Level erreicht. 

Erfolgreiche Organisationen mit gelebter Start-Up-Mentalität haben ein neues Mindset für modernes Recruiting geschaffen und sind in der Lage, ihren Einstellungsprozess auf maximal zwei Wochen zu reduzieren. Damit dies gelingt, kommen moderne Technologien zur Ansprache und Auswahl potenzieller Bewerber zum Einsatz. Vor allem aber müssen Unternehmen ihre internen Prozesse überprüfen und – in den meisten Fällen – verschlanken. Denn oft scheitert der Einstellungsprozess am Zögern einzelner Entscheider im Unternehmen. Dieses Zögern liegt häufig im abwägenden, sicherheitsorientierten und risikoarmen Verhalten vieler Entscheider begründet. Die Prämisse, nur ja keinen Fehler bei Personalentscheidungen zu machen, hat zur Folge, dass den Unternehmen reihenweise Potenzialträger verloren gehen. 

Die Folge langwieriger und abwägender Prozesse:

Der potenzielle Mitarbeiter fühlt sich durch ein intransparentes, langatmiges Verfahren schon vor Arbeitsbeginn nicht ausreichend wertgeschätzt, und springt ab. Jede Verzögerung auf dem Weg zur Vertragsunterzeichnung wird vom Kandidaten schnell als Desinteresse ausgelegt und löst damit sinkendes Interesse am Job aus. Durch Schnelligkeit im Recruiting-Prozess demonstrieren Unternehmen Professionalität, Organisationsstärke und in erster Linie Interesse am Kandidaten. 

Erweiterung der Candidate Experience

Gesuchte Fachkräfte und Spezialisten wissen heute genau, welchen Wertbeitrag sie für ein Unternehmen leisten und erwarten entsprechende Signale und Wertschätzung von ihrem potenziellen Arbeitgeber. Ein persönlicher und wertschätzender Umgang miteinander, der den Menschen im Mittelpunkt der Gespräche sieht, findet sich häufiger in Start-Ups denn in etablierten Unternehmen mit komplexen Strukturen. Offenheit und Transparenz ist Kandidaten jedoch besonders wichtig – und das bereits im Anbahnungsprozess. Funkstille nach einem erfolgten Gespräch oder Verabschiedungsfloskeln wie „Sie hören von uns.“ sind inzwischen absolute No-Gos und sind zurecht verpönt.

Unternehmen, die Bewerbungsprozesse erfolgreich vorantreiben und abschließen wollen, müssen ihren Kandidaten an jeder Stelle im Bewerbungsprozess das Gefühl vermitteln, dass man sich aktiv um sie bemüht. Hier hilft eine personalisierte Kommunikation, Transparenz in der Prozesskette und eine detaillierte Auskunft darüber, wie viele Gespräche mit welchen Entscheidern nötig sind, um zu einer Entscheidung zu kommen und in welchem Zeitfenster eine Zu- oder Absage getroffen werden kann. Unternehmen, denen es so gelingt, eine emotionale Bindung zwischen Kandidaten und Organisation aufzubauen, sichern sich die Aufmerksamkeit und das Interesse hochspezialisierter Fachkräfte – und damit einen unverzichtbaren Wettbewerbsvorteil.

Die Zeiten, in denen Bewerber als Bittsteller auftreten mussten, sind vergangen. Heute sind die hochqualifizierten und gesuchten Bewerber in der Position, sich ihren Wunschjob und den dazu passenden Arbeitgeber auszusuchen. Die Identifikation mit den Werten und der Vision eines Unternehmens wächst. Bereits vor der ersten Kontaktaufnahme oder dem ersten Gespräch, setzen sie sich mit den Unternehmenswerten und der Unternehmenskultur des potenziellen Arbeitsgebers intensiv auseinander. 

Der erste und der letzte Eindruck zählen besonders bei der Wahl des Arbeitgebers.

Nur wer es schafft, dass sich positive Eindrücke verfestigen, der Kandidat sich bereits im Unternehmen willkommen und von der Idee des Unternehmens angesteckt fühlt, der wird den Kandidaten zum Onboarding bringen können. Recruiting kann sich durch höhere Geschwindigkeit auf die neuen Ansprüche der Kandidaten ausrichten. Unternehmen, die über Führungskräfte mit Eigenverantwortung, unternehmerischem Denken und einer gelebten Start-Up-Mentalität verfügen, werden im Wettbewerb um die besten Talente die besten Chancen haben.

Autor: Thomas Hartenfels

Thomas Hartenfels ist Director der Standorte Köln und Düsseldorf der internationalen Personalberatung Robert Walters. In dieser Funktion leitet und koordiniert er die dort ansässigen Teams für die Bereiche Accounting & Finance, Sales & Marketing, Interim Management sowie IT. Email: frankfurt@robertwalters.com

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