Sonntag, September 25, 2022

Ein starker Purpose macht das Leben eines Gründers deutlich leichter

Meist Gelesene Beiträge

Die Zielgruppe kennen

Sei beharrlich!

Schnelle Iterationen

Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

rebuy: Plattform für gebrauchte Elektronik und Medien

Stellen Sie sich und das Startup rebuy doch kurz unseren Lesern vor!

Mein Name ist Philipp Gattner und ich bin seit 2015 bei rebuy. Seit 2019 bin ich CEO des Unternehmens. rebuy ist europäischer Marktführer für gebrauchte Elektronik und Medien mit über 5 Millionen Kund:innen. Wir sehen uns als Pionier der Kreislaufwirtschaft. Unser Geschäftsmodell basiert darauf, dass wir Produkten der Unterhaltungselektronik, wie beispielsweise Smartphones, Tablets oder Konsolen und Medien, wie z.B. Büchern ein zweites Leben ermöglichen.

Im Vergleich zu traditionellen Marktplätzen, vermitteln wir nicht nur zwischen Käufer und Verkäufer, sondern kaufen die Ware selbst an. Wir prüfen die Ware und reparieren sie z.T. sogar. Auf diese Weise machen wir den Handel für beide Parteien deutlich einfacher. Der Verkäufer hat einen reibungslosen Prozess und bekommt schnell sein Geld. Er oder sie muss sich nicht mit nervigen Verhandlungen rumschlagen. Der Käufer wiederum bekommt ein geprüftes Produkt, und darüber hinaus noch 3 Jahre Garantie.

Schon als Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft noch keine Buzz-Words gewesen sind, hat sich rebuy intensiv mit diesen Themen beschäftigt. Denn das Verlängern von Produktlebenszyklen und das Einsparen von Ressourcen sind dringend notwendig – in der Wirtschaft und in der gesamten Gesellschaft. Inzwischen arbeiten mehr als 500 rebuyer daran, die Kreislaufwirtschaft ständig voranzutreiben.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Das Unternehmen wurde 2004 von einem Gründerteam um Lawrence Leuschner ins Leben gerufen, damals noch unter dem Namen trade-a-game. Zu der Zeit haben sich die Gründer auf den Handel mit gebrauchten Computer- und Konsolenspielen konzentriert. Die Inspiration kam damals unter anderem von Al Gores Film „An inconvenient truth“, der sehr gut verdeutlicht, dass wir nicht auf ewig neue Produkte produzieren können, sondern Wege finden müssen, unsere Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen.

Diese Sichtweise war damals ziemlich revolutionär und sie ist heute aktueller denn je. Ich bin dann erst einige Jahre später dazugestoßen. Nach mehreren Jahren in der Beratung, wollte ich ursprünglich mein eigenes Unternehmen gründen. Letztlich hat mich aber die Kombination aus wirtschaftlicher Stärke und klarem Purpose überzeugt, mich rebuy anzuschliessen.

Welche Vision steckt hinter rebuy?

Als Recommerce-Unternehmen sorgen wir dafür, dass gebrauchte Ware ein zweites Leben bekommt. Damit sagen wir der Entstehung von Elektroschrott ganz aktiv den Kampf an und leisten einen Beitrag zur Schonung begrenzter Ressourcen und des Klimas. Seit 2021 ist rebuy vollständig klimaneutral und wir richten uns weiter Schritt für Schritt auf eine grüne Zukunft aus. Wir möchten es unseren Kund:innen so einfach wie möglich machen, sowohl Gebrauchtes zu kaufen als auch selbst zu verkaufen, denn damit werden alle ein Teil der wichtigen Bewegung der Kreislaufwirtschaft. Wir bieten sozusagen die Plattform für den Einstieg in einen zirkulären Lifestyle.  

Von der Idee bis zum Start – was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert

Ganz klassisch lebten die Gründer zu Beginn in einer WG in Berlin und mussten erstmal die komplette Wohnung in ein Büro bzw. Logistikzentrum verwandeln. Das erste große Investment kam dann 2008. Danach ging alles sehr schnell. Es wurden 2008 bereits 30 Mitarbeitende eingestellt. Auch das bringt natürlich Herausforderungen, plötzlich hat man Führungsverantwortung und muss Investoren Rede und Antwort stehen. Aber das ganze Führungsteam ist an den Aufgaben stetig gewachsen. Als ich 2015 dazu kam, starteten wir rebuys Internationalisierung.

Andere Kulturen, Sprachen, Nationalitäten, das erforderte ein internationales Mindset. Von Beginn an waren wir uns darüber im Klaren, dass die Gewährleistung von hoher Qualität für den nachhaltigen Erfolg auf dem stetig wachsenden Markt entscheidend sein wird. Daher investieren wir sehr stark in den Grading- und Refurbishment-Prozess. Es ist uns sehr wichtig, dass wir die gesamte Prozesskette abdecken und steuern können. Die Entwicklung ist entsprechend positiv: Seit 2019 wachsen  wir profitabel.

Wer ist die Zielgruppe von rebuy?

rebuy Kund:innen sind sehr unterschiedlich. Einige kaufen vor allem aus Gründen der Nachhaltigkeit bei uns , anderen geht es primär darum, Geld zu sparen und dennoch sehr gute Qualität zu bekommen. Sie alle haben aber verstanden, dass es nicht notwendig ist, Neuware zu kaufen. Denn es gibt massenweise hochwertige Produkte, die ein zweites, oder sogar drittes Leben leben können. Sie wissen, dass das nicht nur clever ist, sondern absolut notwendig, wenn wir unseren Planeten lebenswert erhalten wollen. Viele verstehen sich schon jetzt als Teil einer Bewegung, sie sind sozusagen Aktivisten im Bereich des nachhaltigen Konsums.

Wie funktioniert rebuy? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Die An- und Verkaufsprozesse sind denkbar einfach: Möchte jemand z.B. sein Smartphone an uns verkaufen, fragen wir einige Details zum Zustand ab und erstellen darauf basierend ein Angebot. Die Kund:innen können das Smartphones im nächsten Schritt kostenlos an uns versenden. Sobald wir das Gerät erhalten haben, unterziehen wir es einem hochautomatisierten und sehr präzisen Qualitätscheck. Stimmt das Untersuchungsergebnis mit den vorher gemachten Angaben überein, erhält der Verkäufer direkt das Geld ausgezahlt.. Müssen kleinere Reparaturen vorgenommen werden, führen wir diese in unserem professionellen Reparaturzentrum durch.

Anschließend ist das Produkt in unserem Shop verfügbar. Sucht nun jemand ein gebrauchtes Telefon, kann er unsere Plattform durchstöbern und schließlich das Wunschgerät bestellen, so wie man es von jedem guten Onlineshop gewohnt ist. Alle Prozesse sind zu jeder Zeit transparent und die Kund:innen gehen kein Risiko ein. Im Gegenteil: Wir geben auf jedes Gerät, das wir verkaufen, eine dreijährige Garantie. Das können wir, da wir alle Prozesse selbst steuern und verwalten. Daher wissen wir, dass wir eine ausnahmslos hohe Qualität gewährleisten. 

rebuy, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Über die nächsten fünf Jahre möchten wir unsere  führende Position weiter ausbauen und gemeinsam mit unseren Kund:innen die Kreislaufwirtschaft weiter vorantreiben . Wir verstehen uns als Botschafter der Kreislaufwirtschaft, d.h. wir inspirieren und motivieren durch Kommunikation, geben auf der anderen Seite unseren Kund:innen aber auch Sicherheit durch höchste Qualität und transparente Prozesse. Gleichzeitig sehen wir uns in der Verantwortung, unsere Themen auf politischer Ebene weiter voranzubringen, z.B. beim Recht auf Reparierbarkeit. Da bringen wir die volle Kompetenz als Pionier des Marktes ein.

Und der Markt ist riesig und wächst weiter. Die Nachfrage nach gebrauchten Produkten hat in den letzten Jahren rasant zugenommen und wird auch in Zukunft weiter wachsen. Profitieren werden davon die Unternehmen, die ihre Kund:innen sicher und transparent mit gebrauchten Produkten und Services bedienen können. Dazu kommt, dass unser Marktsegment relativ unabhängig ist von Krisen oder bspw. Rohstoffmangel. Im Gegenteil, die Vorteile der Kreislaufwirtschaft bewähren sich gerade in der Krise. Deshalb sind wir absolut bereit zu wachsen und wollen weiter expandieren.  

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Jedes Unternehmen tickt natürlich anders und für jede Gründerin sind die Rahmenbedingungen letztlich etwas unterschiedlich.Von daher ist es nicht ganz einfach schlaue Tipps zu geben, die für jeden anwendbar sind. Ich versuche es trotzdem mal.

Erstens: suche Dir ein Thema, für das Du wirklich brennst. Ein starker Purpose macht das Leben eines Gründers bspw. deutlich leichter. Es hilft dabei, sich selbst zu motivieren. Es hilft aber auch Mitarbeiter für das eigene Unternehmen zu begeistern. Gerade in schwierigeren Zeiten, die jedes Startup früher oder später durchlaufen wird, hilft ein starker Purpose die Motivation hoch zu halten

Zweitens: wähle Investoren, die zu Deinem Unternehmen passen. Uns war eine langfristige Perspektive wichtig, sodass wir konzentriert unser Business aufbauen können und nicht darauf bedacht sein müssen, kurzfristig schnelle Gewinne zu erzielen, die am Ende nicht nachhaltig sind. Auch rate ich allen Gründer:innen, sich in Form eines Beirats erfahrene Berater und Unterstützer an Bord zu holen. Erfahrung und ein Blick über den Tellerrand sind sehr wertvoll, besonders wenn als Gründer:in sehr viele unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen sind.

Drittens: verwende ausreichend Zeit mit der Marktanalyse. Auch wenn Dir ein Thema sehr am Herzen liegt, solltest du kritisch hinterfragen, ob es sich nur um ein Trendthema handelt, oder ob das Potenzial des Marktes auch über die nächsten Jahre hinaus groß genug ist, um in ihm und mit ihm zu wachsen. 

Wir bedanken uns bei Philipp Gattner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

- Advertisement -spot_img

StartupValley NEWSLETTER

ABONNIERE JETZT den kostenlosen StartupValley Newsletter und erhalte ab sofort einmal die Woche die neuesten Start-up-News kostenlos per eMail in dein Postfach!

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Das könnte dir auch Gefallen

StartupValley Magazin

- Advertisement -spot_img
- Advertisement -spot_img

Neueste Beiträge