Die Gründung eines Unternehmens ist wie ein Langstreckenlauf!

re.flex ermöglicht es Patienten, das vom Therapeuten verordnete Training zu Hause, unter ganz neuen Voraussetzungen durchzuführen

Stellen Sie sich und das Startup re.flex kurz unseren Lesern vor!
Ich bin Camil Moldoveanu, der CEO und Mitgründer von re.flex – Recovery made simple. Seit mehr als zehn Jahren bin ich als IT-Unternehmer aktiv. re.flex, eine Telerehabilitationslösung für Patienten und Therapeuten, haben mein Mitgründer Andrei Kluger und ich 2015 gegründet.

Brasilianisches Jiu-Jitsu ist meine große Leidenschaft. Als fünffacher Welt- und sechsfacher Europameister verletzte ich mich im Finale meiner dritten WM am Knie, was mich fast meine Karriere gekostet hätte. Der Grund: Ich habe die Physiotherapie nicht ernst genug genommen und zu früh wieder mit dem Sport begonnen. Eine weitere Verletzung war die Folge.

Diese Erfahrung hat mich dazu inspiriert, eine Lösung dafür zu finden, die Lücke zwischen Patient, Therapeut und Arzt zu schließen, um eine möglichst umfassende Genesung zu ermöglichen.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?
Ich gründete Kineto Tech Rehab, das Unternehmen hinter re.flex, zusammen mit Andrei Kluger, nachdem wir bereits zehn Jahre erfolgreich gemeinsam ein Outsourcing-Unternehmen im IT-Bereich geführt hatten. In dieser Zeit arbeiteten wir an verschiedenen Projekten, unter anderem auch an Sensoren für die Regierung, die zur Bomben- und Chemikalienerkennung eingesetzt werden.

Obwohl wir schon damals Unternehmer waren, hatten wir nie unser eigenes Produkt. Die Zeit, dies zu ändern, kam nach meiner Verletzung, nachdem ich selbst erlebt hatte, auf welche Probleme Patienten und Therapeuten während der Physiotherapie stoßen.

Dies war der Anfang unseres eigenen Produkts – re.flex.

Welche Vision steckt hinter re.flex?
Als die Idee zu unserem Produkt immer konkreter wurde, begannen wir damit, Interviews mit Patienten, Ärzten und Therapeuten zu führen, um die Abläufe, Herausforderungen und Probleme der einzelnen Akteure kennenzulernen und besser zu verstehen. Unsere Gesprächspartner berichteten uns von fehlenden Standards während der Physiotherapie, wenig Zeit für den einzelnen Patienten, geringe Compliance bezüglich der verordneten Übungen oder davon, dass außerhalb der Therapieeinheiten gar nicht trainiert werde. Auch Unsicherheit oder Angst davor, eine Übung falsch und so alles noch schlimmer zu machen, begegnete uns immer wieder. Kurzum, es gab viele kleine und größere Probleme, die es zu lösen galt.

Aus all dem Feedback und meinen eigenen Erfahrung leiteten wir so unsere Vision der „fünf-Sterne-Nachsorge“ für orthopädische Patienten ab.

Das bedeutet, zeitlich und räumlich unbegrenzter Zugang zu Anleitung und Unterstützung, für die gesamte Dauer der Nachsorge. Und ganz konkret, Individuelle, auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnittene Trainingspläne und die professionelle Unterstützung durch einen Physiotherapeuten, um die Hilfestellung und Motivation zu erhalten, die nötig ist, um die verordneten Übungen richtig und vor allem ausreichend lange durchzuführen.

Von der Idee bis zum Start – was waren bis jetzt die größten Herausforderungen, und wie haben Sie sich finanziert?
Zu Beginn haben wir die Entwicklung von re.flex zunächst selbst finanziert. Nachdem wir die Möglichkeit bekamen, an verschiedenen Akzelerator- und Start-up-Wettbewerben teilzunehmen, stellte uns ein gemeinsamer Freund einen Angel-Investor aus Wien vor. Er glaubte an unser Team und die Vision, die wir ihm präsentierten, und beschloss, in die Pre-Seed-Runde zu investieren. Danach waren weitere Investoren daran interessiert, in uns zu investieren, weshalb wir die zweite Runde starteten.

Die größte Herausforderung besteht darin, das eigene Geschäftsmodell an die unterschiedlichen Voraussetzungen anzupassen, die die verschiedenen Gesundheitssysteme mit sich bringen. Nur weil ein Modell z. B. in England gut funktioniert, heißt das nicht, dass dies auf Deutschland oder die Niederlande übertragbar ist.

Dieser Herausforderung stellen wir uns täglich aufs Neue, um den richtigen Weg zu finden, unser Produkt bei Therapeuten, Ärzten und in Kliniken zu positionieren.

Wer ist die Zielgruppe von re.flex?
In der Markterschließungsphase sind die diversen Leistungserbringer wie z. B. Physiotherapeuten und orthopädische Kliniken unsere Hauptzielgruppe. Sie sind es, die den Zugang zu Patienten haben und re.flex einsetzen beziehungsweise empfehlen werden. Ein spezieller Teil dieser Zielgruppe ist dabei von besonders großem Interesse: Therapeuten und Ärzte mit dem Spezialgebiet Sportmedizin. Dies liegt zum einen an meiner persönlichen Geschichte und zum anderen an der besonderen Rolle, die der Physiotherapie im Genesungsprozess von Sportlern zukommt.

Nach der initialen Phase planen wir, unser Produkt für die Prävention sowie die Prehabilitation, also dem Training vor einem operativen Eingriff, einzusetzen. Dann ist auch die Zeit gekommen, das Gespräch mit privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen/-kassen zu suchen.

Wie funktioniert re.flex? Wo liegen die Vorteile?
re.flex ermöglicht es Patienten, das vom Therapeuten verordnete Training zu Hause, unter ganz neuen Voraussetzungen durchzuführen. Unser Produkt besteht aus zwei Bewegungssensoren sowie digitalisierten physiotherapeutischen Übungsanleitungen. Mit der App erstellt der Therapeut ein individuelles Trainingsprogramm für seine Patienten. Diese werden durch eine 3D-Animation bei der korrekten Ausführung der Übungen unterstützt und erhalten Feedback – und zwar in Echtzeit, direkt auf dem Smartphone oder Tablet. Die Trainingsdaten werden gespeichert, und so ist der Therapeut in der Lage, den Therapiefortschritt zu analysieren.

Je nach Leistungsfähigkeit des Patienten kann er zusätzliche Übungen hinzufügen, die Trainingshäufigkeit und -intensität sowie die individuellen Ziele anpassen.

re.flex unterstützt damit alle an der Behandlung sowie Genesung Beteiligten, vor allem aber Patienten. Diese können mit re.flex ohne die bisherigen Probleme wie zum Beispiel der Sorge, etwas falsch zu machen, zu Hause trainieren. Einblick in die Trainingshistorie, Fortschrittsberichte und die Möglichkeit der direkten Kommunikation mit dem Therapeuten wirken sich zudem positiv auf die Motivation aus.

Wie ist das Feedback?
Das Feedback der Patienten, die re.flex bereits getestet haben, fällt sehr positiv aus, ebenso das der Therapeuten, die unser Produkt nutzen.

Ich erinnere mich daran, dass die Mutter einer Patientin, die re.flex nach einer komplexen Operation benutzte, Tränen in den Augen hatte, als sie uns berichtete. Sie lebt auf dem Land und musste unglaublich lange Strecken zurücklegen, um ihre Tochter zur Physiotherapie zu bringen. Bis sie von re.flex erfuhr, war es für sie und ihre Familie sehr schwierig und auch teuer, die Therapie der Tochter zu organisieren.

Das sind die Momente, die mich stolz machen und mir das Vertrauen geben, dass wir das Richtige tun.

Die Physiotherapeuten auf der anderen Seite waren anfangs skeptisch, da sie dachten, dass wir sie ersetzen wollten. Wenn Sie aber sehen, dass der Physiotherapeut die Kontrolle nicht abgibt, sondern im Gegenteil mehr Kontrolle gewinnt, können sich die meisten vorstellen, unsere Lösung anzuwenden. Der erste Pilot, den wir mit einer führenden Klinik in Bukarest durchführten, endete mit der Idee, die erste Telerehabilitationsplattform in unserem Land zu bauen, die in den nächsten Wochen eingeführt werden soll.

re.flex, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Für das Knie ist unser Produkt fertig und wird nun über Pilotprojekte in Deutschland getestet. Parallel dazu arbeiten wir an der Entwicklung der Anwendungen für Rücken, Schulter und Ellbogen.

Meine Mission ist es, mit re.flex eine Lösung für die Behandlung und Therapie orthopädischer Patienten anzubieten, die einen positiven Beitrag zur Veränderung der Branche leistet.

In fünf Jahren wollen wir in der Lage sein, mit Hilfe künstlicher Intelligenz vorhersagen zu können, welches das beste Trainingsprogramm für eine/n Patienten/-in ist, um das Behandlungsergebnis positiv beeinflussen zu können. re.flex wird dann erstattungsfähig sein, die postoperative Genesung verbessern und degenerativen Erkrankungen wie Arthritis vorbeugen. Prävention und Arbeitsmedizin werden eine wichtige Rolle spielen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Bevor du anfängst, etwas aufzubauen, stell sicher, dass du den richtigen Leuten die richtigen Fragen gestellt hast und bestätige deine Idee.
Die Gründung eines Unternehmens und die Entwicklung eines Produkts ist wie ein Langstreckenlauf. Wenn du nicht gerne läufst, nicht trainiert bist und nicht das richtige Team hast, wirst du scheitern.
Stell sicher, dass dir die Branche, in die du einsteigst und die Probleme, die sie löst, Spaß machen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Camil Moldoveanu für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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