Raus aus der Komfortzone!

Der Berliner Inklusions-Aktivist und Autor Raúl Krauthausen wird die diesjährige Keynote auf der deGUT halten

Er steht für innovative Ideen, ermuntert zum Querdenken und ist selbst ein erfolgreicher Gründer.

Raúl Krauthausens Biografie belegt wieder einmal: Den eigenen Impulsen und Leidenschaften zu folgen, ist viel entscheidender als der klare Plan fürs Leben. Seine Studienauswahl ergab sich spontan. Er hatte sich bereits an den beiden großen Berliner Universitäten beworben, als er zufällig von dem Studiengang „Wirtschafts- und Gesellschaftskommunikation“ an der Universität der Künste hörte. Das reizte ihn noch mehr als die herkömmlichen Studienfächer, kurzentschlossen bewarb er sich auch dort und wurde angenommen. Und als er später von der HPI School of Design Thinking in Potsdam erfuhr, wusste er, dass er deren Programm ebenfalls noch absolvieren musste.

Schnell verknüpften sich Studieninhalte mit privaten Erfahrungen und Beobachtungen. Sein Cousin und er fanden, dass eine Organisation fehlte, die so „cool“ ist wie Greenpeace, aber soziale Projekte umsetzt. Und das gutgelaunt und ohne erhobenen Zeigefinger, im Alltag, vor der eigenen Haustür: Als „Sozialhelden“ statt Umwelthelden, und so gründeten sie 2003 die gleichnamige Aktionsgruppe, die später zum Verein wurde. Ihr erstes Projekt: „Deutschland sucht den Superzivi“ – gemeinsam mit dem RBB-Radiosender Fritz fahndeten sie eine Woche lang nach dem sympathischsten Zivildienstleistenden. Der Gewinner durfte Krauthausen, der wegen seiner Glasknochen im Rollstuhl sitzt, im Alltag begleiten. Seine Diplomarbeit schrieb er 2011 über die Darstellung von behinderten Menschen in den Medien – hieraus entstand das Internet-Portal „Leidmedien“, auf dem Tipps für eine Berichterstattung aus einer anderen, klischeefreien Perspektive zusammengetragen sind. Auch Workshops für Redaktionen bietet „Leidmedien“ an.

Einige Jahre bestand der Verein aus einem kleinen, ehrenamtlich tätigen Kreis, Preisgelder wurden zu 100 Prozent in neue Projekte investiert. Seinen Lebensunterhalt verdiente Krauthausen im Internet- und Medienbereich. Stück für Stück entwickelten sich bei den „Sozialhelden“ dann professionellere Strukturen. Eine wichtige Lehre aus dieser Zeit: Tu dich mit Leuten zusammen, die mit großer Leidenschaft die Dinge tun, die du nicht gern tust – zum Beispiel sich um so etwas wie präzise Satzungsformulierungen, Finanzen und Steuern kümmern, so Krauthausen. Inzwischen beschäftigt der Verein 17 Mitarbeiter, der eingestellte Geschäftsführer habe die Gründer erst mal richtig „erzogen“ und den Laden auf Vordermann gebracht, bilanziert Krauthausen. Als Vorstand kann er sich nun wieder auf das konzentrieren, was er am liebsten macht und auch am besten kann: Ideen entwickeln und vorantreiben sowie die „Sozialhelden“ und ihr Anliegen in der Öffentlichkeit repräsentieren.

Die „Sozialhelden“ nutzen für ihre Projekte auch immer wieder die Möglichkeiten des Internets, um den Inklusionsprozess voranzutreiben – so zum Beispiel mit Wheelmap.org, einer interaktiven Karte, die rollstuhlgerechte Orte anzeigt, oder Ramp-Up.me, die Planungshilfe für barrierefreie Veranstaltungen anbietet. Für Männer, Frauen und Kinder, die im Alltag aus verschiedensten Gründen Hindernisse bewältigen müssen, die anderen gar nicht bewusst sind, ist noch jede Menge Erfindergeist gefragt. Vor diesem Hintergrund wünscht sich Raúl Krauthausen eine alternative Vision für das Gründertum – eine, die auf Transfer und Austausch setzt. Zum einen ärgert es ihn, dass viele Start-ups weiterhin vor allem auf „Hipster-Probleme“ fokussiert sind. Zum anderen fällt ihm auf, dass selbst bei sozialen Initiativen oft erschreckend wenig mit der eigentlichen Zielgruppe gesprochen wird.

Wie kann zeitgemäßes Social Entrepreneurship aussehen, und ist es eigentlich richtig, soziale Herausforderungen einfach an Gründerinnen und Gründer outzusourcen, die sich unter hohem persönlichen Risiko aufmachen, gesamtgesellschaftliche Missstände zu lösen? Unter anderem hierzu wird Raúl Krauthausen am 14. Oktober um 13.00 Uhr im Seminarraum „Aula“ sprechen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Fotograf: Andi Weiland

Quelle deGUT

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