Qounts: flexibles semiautomatisches Zählsystem

Qounts liefert hochgenaue digitale Zähldaten in Echtzeit

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Qounts doch kurz vor!
Sicherheit spielt bei Veranstaltungen eine immer wichtigere Rolle. Für die Verantwortlichen geht es dabei weniger um die Gefahr von Terroranschlägen, sondern vielmehr um die Vermeidung punktuell zu hoher Personendichten, das Handling eines unerwartet starken Besucherandrangs oder wann die Räumung des Veranstaltungsgeländes angeordnet werden muss. Um die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt treffen zu können, müssen Veranstalter, Sicherheitskräfte und Behörden genau wissen, wie viele Besucher sich zu jedem Zeitpunkt im gesamten Veranstaltungsgelände befinden. Bei Stadtfesten oder Gratiskonzerten beispielsweise kann aber die Besucherzahl nicht durch die Ausgabe von Eintrittskarten oder Bändchen begrenzt werden.
Für genau diese Aufgabenstellung haben wir das Qounts Handzählgerätesystem entwickelt. Qounts ist ein semiautomatisches Zählsystem und die wirtschaftlich beste Lösung vor allem für kürzere Zähleinsätze. Qounts wird nicht nur für die Besucherzählung bei Veranstaltungen, sondern auch für Kundenfrequenzmessungen und Verkehrszählungen eingesetzt.

Wie ist die Idee zu Qounts entstanden und wie haben Sie sich als Team zusammengefunden?
Vor Gründung von Qounts arbeitete ich im Mobility Department des AIT (Austrian Institute of Technology). Ich hatte mich dabei auf Personenstromsimulationen und automatische Personenzählsysteme spezialisiert. Im Zuge eines Projekts für die Wirtschaftskammer Wien untersuchten wir die Qualität und Zuverlässigkeit von mittels Strichlisten erhobenen Passantenfrequenzmessungen. Im Zuge des Projekts ist mir klar geworden, wie bedeutend einerseits valide Zähldaten für verkehrspolitische, stadtplanerische, aber auch unternehmerische Entscheidungen sind, dass aber andererseits am Markt verfügbare automatische Zählsysteme viel zu ungenau, unflexibel und teuer sind. Daraus entstand die Idee zur Entwicklung eines semiautomatischen Zählsystems, welches die menschliche Erkennungsgenauigkeit um die Präzision von Computertechnik erweitert.
Meinen Co-Gründer Benjamin Erhart habe ich dann im Jahr 2012 bei der Veranstaltung ’Startup Life Europe #6’ in Wien kennengelernt, als ich meine Geschäftsidee gepitcht habe, um Partner zu finden.
Unser dritter Partner, Roland Meier,kommt als langjähriger Sicherheitsfachplaner und Crowd Manager aus der Veranstaltungsbranche und hat uns den ersten großen Auftrag (ausgerechnet für ein großes internationales Unternehmen der Rüstungsindustrie) verschafft, er leitet mittlerweile unsere Niederlassung in München. Die Partnerschaft mit unserem vierten Partner, Dr. Hubert Klüpfel hat sich aus unserer langjährigen Mitarbeit bei RiMEAergeben. RiMEA ist eine Interessensgemeinschaft von Entwicklern von Personenstromsimulationssoftware. Hubert leitet seit 2015 unser Büro in Duisburg.

Von der Idee bis zum Start was waren die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Nachdem wir schon in einer ganz frühen Phase der Produktentwicklung Kunden und potentielle Kunden in die Entwicklung unseres Systems eingebunden hatten und bereits mit unserem allerersten, noch sehr wackeligen Prototypen die ersten zehn, zwölf Kundenaufträge sehr erfolgreich abwickeln konnten, hatte ich niemals Zweifel, dass wir uns einen sehr spannenden Markt aufgetan haben. Aber natürlich haben wir auch jede Menge Pannen und Rückschläge erlebt. Hauptsächlich waren diese technischer Natur, beispielsweise wackelige WLAN Verbindungen bei Veranstaltungen, Hardware, die sich für den harten Praxiseinsatz als nicht wirklich geeignet herausgestellt hat, selbst produzierte Kapitalfehler wie beispielsweise ein gut gemeintes Softwareupdate am Vortag des wichtigsten Kundenprojekts des Jahres, welches uns dann mitten im Einsatz für Stunden unsere Server lahmgelegt hat. Aber all diese Probleme haben wir dazu genutzt, um zu lernen und uns ständig zu verbessern. Wir wissen mittlerweile, was geht und was nicht geht. Und was alles passieren kann. Diese Erfahrung ist ein ganz großes Asset. Wir sind mittlerweile darauf vorbereitet, dass im Einsatz fast immer irgendetwas Unerwartetes passieren kann – und auch tatsächlich passiert. Das ist aus unserer Sicht eine ganz erhebliche Eintrittsbarriere für einen möglichen Mitbewerber und vielleicht auch der Grund, warum wir unseres Wissens nach wie vor weltweit das einzige Unternehmen sind, welches ein derartig flexibles semiautomatisches Zählsystem entwickelt hat und damit auf dem Markt erfolgreich ist.
Wir finanzieren uns ausschließlich aus laufenden Kundenumsätzen. Das bedingt natürlich auch spezielle Herausforderungen, beispielsweise im Cash Flow Management. Wenn Kunden, wie das leider auch manchmal vorkommt, die von uns erbrachte Leistung erst sehr viel später bezahlen als vereinbart, merken wir das natürlich sehr deutlich. Auch die internationale Expansion läuft langsamer an, als wenn wir auf die finanzielle Unterstützung eines Investors bauen könnten. Weil wir jeden weiteren Entwicklungsschritt aber nur deswegen machen können, weil uns echte Kunden echtes Geld für die von uns erbrachten Leistungen zahlen, bin ich überzeugt davon, dass die Entwicklung unseres Geschäfts auch in Zukunft nachhaltig sein wird.

Was waren die Gründe für die Namensänderung?
Wir hatten uns ja ursprünglich den Namen zaehlwert solutions gegeben. Leider sind wir dann erst später drauf gekommen, dass man diesen Namen in vielerlei Varianten falsch schreiben kann: Zählwert, zaehlwerk, usw. Und als der falsch geschriebene Firmenname dann sogar in Messekatalogen zu lesen war, haben wir nachzudenken begonnen. Dazu kam, dass wir von unseren internationalen Partnern und Kunden verstärkt gehört haben: “mit so einem deutschen Namen habt ihr ein Problem, den versteht hier bei uns niemand“. Dann haben wir überlegt, was eigentlich die Essenz des von uns entwickelten Systems ist.Das war, das es ums Zählen geht, um Zahlen, die wirklich stimmen, die Qualität haben. Diese Begriffe, Quality und Counts, haben wir dann kurzerhand miteinander verschmolzen. So entstand Qounts. Außerdem war die .com Adresse noch zu haben. Das war uns sehr wichtig.
Wer ist die Zielgruppe von Qounts?
Für Besucherzählungen: Veranstalter, welche von der Behörde per Auflage im Genehmigungsbescheid gezwungen werden, die Besucherzahlen in Echtzeit zu messen und nötigenfalls zu begrenzen. Sicherheitsdienstleister, welche Zähldaten benötigen, um für die betreffende Veranstaltung überhaupt erst ein valides Sicherheitskonzept erstellen zu können. Betreiber von Messe- und Konzerthallen, welche eine Optimierung ihres Personaleinsatzes vornehmen möchten.
Für Kunden- und Passantenfrequenzmessungen: Handelsunternehmen, welche die Conversion Rate der eigenen Stores – oder auch unauffällig jene des Mitbewerbs – messen möchten. Retail- und Franchiseketten, welche expandieren und neue Standorte in Frequenzlagen suchen. Standortentwickler und Immobilienfirmen, welche Zähldaten benötigen, um die eigenen Gewerbeimmobilien besser verkaufen zu können.
Für Verkehrszählungen: Verkehrsplaner und öffentliche Auftraggeber (Städte, Gemeinden, Länder).

Wie funktioniert Qounts?
Qounts ist eine Smartphone / Cloud Lösung und liefert hochgenaue digitale Zähldaten in Echtzeit. Das System ist beliebig skalierbar. Egal ob an nur einer einzigen Zählstelle, an zehn oder gar an hundert Zählstellen gleichzeitig Zähldaten erfasst werden sollen: Das Qounts Zählsystem ist binnen von Minuten einsatzbereit. Qounts vereint die Vorteile automatischer Personenzählsysteme (hohe Genauigkeit, Daten in Echtzeit)mit den Vorteilen mechanischer Schusszähler, sogenannter’Klicker’ (Einfachheit, Robustheit, keine teuren ortsfesten Installationen).

Qounts, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir sehen natürlich, dass das von uns entwickelte Zählsystem durch den Umstand, dass es sich dabei um ein semiautomatisches System handelt – also Menschen für die Datenerfassung vor Ort erforderlich sind – den Vorteil hat, extrem flexibel und vor allem bei kürzeren Zählprojekten sehr kostengünstig zu sein. Wir sehen aber auch den damit verbundenen Nachteil des von uns entwickelten Zählsystems: Nämlich dass die linear zur Messdauer ansteigenden Personalkosten dazu führen, dass wir mit unserem System im Vergleich zu vollautomatischen Zählsystemen vor allem dann nicht mehr konkurrenzfähig sind, wenn Zähldaten über einen längeren Zeitraum erhoben werden sollen. Deshalb arbeiten wir seit einiger Zeit an der Entwicklung einer komplementären Technologie, welche im Wesentlichen auf dem WIFI Tracking von Smartphones beruht. In Kombination mit unserem bewährten semiautomatischen Qounts Zählsystem wird diese Lösung dann das Beste aus beiden Welten vereinen können: Sie wird eine sehr kostengünstige Datenerhebung auch bei langen und sehr langen Messdauern ermöglichen, bei gleichzeitig sehr hoher Validität der erhobenen Zähldaten, weil der systematische Fehler (Bias) dieser Technologie durch den statistischen Abgleich mit den Ergebnissen von mit dem Qounts Zählsystem durchgeführten stichprobenartigen Referenzmessungen eliminiert werden kann.
In fünf Jahren sehen wir uns als solides mittelständiges Unternehmen mit Franchise-Outlets in den wichtigsten europäischen und auch bereits einigen außereuropäischen Märkten.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Mit ganz vielen potentiellen Kunden reden, bevor man auch nur einen einzigen Cent in die Entwicklung eines Produkts oder einer Dienstleistung investiert. Auch wenn man von der eigenen Idee noch so überzeugt ist. Fragen, zuhören, nachdenken. Und erst dann gemeinsam mit dem eigenen Team eine Lösung entwickeln.
In diesem Zusammenhang übrigens eine ganz starke Empfehlung, das von Stefan Perkmann-Berger entwickelte Tool, die Innovation Box (www.whataventure.com) zum Einsatz zu bringen.
Dann: Die besten Lösungen sind in der Regel einfach. Eine Lösung, die nicht einfach ist, funktioniert in der Regel nicht. Und selbst wenn sie funktionieren sollte, ist sie den Kunden meistens schwierig zu erklären.
Dann: Den eigenen Markennamen unbedingt schützen lassen. Dank dem europäischen Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt in Alicante (www.oami.europe.eu) geht das mittlerweile wirklich super einfach und über die ’Fast Track’ Anmeldung auch wirklich schnell – und die eigene Wortbildmarke ist dann im ganzen EU-Raum geschützt. Zu Kosten von gerade mal € 900.- für jeweils 10 Jahre!
Zuletzt: Nicht gleich aufgeben, wenn etwas nicht so läuft, wie geplant.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Stefan Leitmannslehner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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