Wenn ihr eine Idee im B2B-Bereich habt – sucht euch früh einen potenten Partner

PulseShift hilft Unternehmen die fundamentale Transformation zu managen

David Hoeffler ist Mitgründer und Geschäftsführer von PulseShift, einem HR-Tech Startup aus Mannheim, das Konzernen dabei helfen will, die eigenen Transformationsprojekte agiler zu managen und so mit den Marktentwicklungen Schritt zu halten. David ist Diplom-Psychologe (Uni Mannheim) und hält einen MBA von der IE Business School (Madrid).

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen PulseShift doch kurz unseren Lesern vor
Mit PulseShift helfen wir CEOs in Großkonzernen ihre größte Herausforderung zu bewältigen: Die fundamentale Transformation des eigenen Unternehmens. 70% aller Transformationsprojekte schlagen fehl – der Hauptgrund liegt dabei in Widerständen aus der eigenen Belegschaft, sei es aus Unverständnis einer neuen Strategie, Unwissen oder offener Ablehnung der Managementmaßnahmen. Aber kein Konzern nimmt sich vor, die Mitarbeiter gezielt außen vor zu lassen: Sowas passiert leider „aus Versehen“ durch unpassende Maßnahmengestaltung, unglückliche Kommunikation oder einem „one-size-fits-all“ Ansatz, der auf keine Mitarbeitergruppe gut passt und deren Situation berücksichtigt. Mit PulseShift setzen wir hier an und bieten einen ebenso einfachen wie genialen Ansatz, der eine zielgruppenorientierte Maßnahmengestaltung ermöglicht, den Erfolg der Umsetzung extrem datengetrieben und in Echtzeit nachverfolgt sowie – am allerwichtigsten – der Perspektive der Mitarbeiter eine zentrale Rolle im Change-Prozess ermöglicht. So wird das Risiko von Widerständen aus der Belegschaft minimiert und die Erfolgsquote von Transformationsprojekten erhöht.
Zusammen mit meinem Team aus Machine Learning- und Enterprise Software-Experten haben wir eine einzigartige Plattform geschaffen, die hochautomatisiert die Motive und Sichtweisen der Mitarbeiter über leichtgewichtige, kontinuierliche Mitarbeiterbefragungen erfasst und das, ohne, dass wir diesen dabei auf die Nerven gehen. Mit Hilfe von Prädiktive Analytisch-Technologien wird dieses Feedback dann automatisch aufbereitet und den Entscheidern im Unternehmen zur Verfügung stellt. So bieten wir Top Managern all das, was sie für erfolgreiches Change Management brauchen. Durch unseren Ansatz ermöglichen wir über das eingesammelte Feedbackeine direkte Messung der Reaktion der Mitarbeiter auf die Veränderungen – so können Manager frühzeitig Widerstände und Risikogruppen erkennen und ihr Transformationsprojekt entsprechend anpassen. Man könnte unseren Ansatz als „Data-driven Business Transformation Management“ bezeichnen, wobei ich persönlich bezweifle, dass sich so ein schwerfälliger Begriff durchsetzen wird 😉

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Naja, der Beschluss zu gründen hing bei mir schon länger im Kopf. Mir gefiel es bei meinem bisherigen Arbeitgeber, SAP, wirklich sehr gut, aber der eigene Impact war dann doch zu begrenzt auf meine Rolle als SAP-Berater. Die Entscheidung zu gründen fiel dann auf halber Strecke meines MBAs: Durch die neu gewonnene, sehr breite Perspektive wirkten die im Vergleich eng eingeschränkten Aufgaben in der Beratung auf einmal langweilig. Da fiel der Schritt in die Selbstständigkeit erstaunlich leicht und über mein Netzwerk bei der SAP fand sich dann schnell unser Team zusammen.
Die Idee zur Gründung selbst wurde auch durch unsere Teamerfahrung geboren: Wir haben selbst wiederholt Transformationsprojekte fehlschlagen sehen und haben uns immer gefragt, warum die direkt Betroffenen immer sehr früh erkennen konnten, dass „das Ding“ an die Wand fährt aber von Seiten des Managements oder der Projektleitung keine Korrektur erfolgte. Als ehemalige Berater wissen wir aber, dass das nicht am fehlenden Willen des Managements lag, sondern schlichtweg an mangelnder Transparenz. Als Manager hat man neben den stets positiven Projektreviews in der Regel nur Flugfunk zur Verfügung, der aber natürlich keine belastbare Information darstellt. Entsprechend kamen wir auf die Idee mit Hilfe etablierter psychologischer Methoden und dem ein oder anderen cleveren statistischen Kniff die Sichtweise der Mitarbeiter sinnvoll quantifizierbar und so für eine Steuerung der Transformation nutzbar zu machen.

Von der Idee bis zum Start, was waren die größten Herausforderungen und wie haben Sie Ihr Startup finanziert?
Die größte Herausforderung war für uns bisher die rechtlichen Rahmenbedingungen und Prozesse zu schaffen, die man für einen erfolgreichen Vertrieb an Großkonzerne braucht. Man muss sich vor Augen führen, dass bei einem Deal in der Regel ein Audit durch Datenschutzbehörden und IT durchgeführt wird und diese minutiös nachgewiesen haben wollen, welche technischen und organisatorischen Maßnahmen wir ergreifen, um die Sicherheit der Daten und der internen Systeme des Konzerns zu gewährleisten. Das heißt auch, dass man nicht „einfach so“ mal loslegen kann, sondern wir uns von Anfang an über Prozesse Gedanken machen mussten, die man eigentlich erst bei sehr viel größeren Unternehmen vermutet. Wir haben aber mittlerweile festgestellt, dass diese zwar langsamere aber dafür strukturierte Vorgehensweise uns auch im Team weiterhilft, weil sich das Chaos in Grenzen hält. Und auch bei den Kunden und Partnern kommt das sehr gut an, so dass wir damit ganz unvorhergesehen uns einen kleinen Wettbewerbsvorteil schaffen konnten.
Unsere Finanzierung läuft über Bootstrapping. Wir haben uns mit Eigenmitteln komplett finanzieren können und decken die laufenden Kosten über Consulting Dienstleistungen, die wir parallel und ohne Vertriebsaufwand unsererseits anbieten. Wir haben genügend langfristige Commitments um uns bis Ende nächsten Jahres problemlos zu tragen, sodass wir uns voll auf die weitere Produktentwicklung und den Go-to-Market konzentrieren können. Nichtsdestotrotz suchen wir aktuell einen oder zwei strategische Investoren, die vor allem ihre Expertise und ihr Netzwerk einbringen können, um uns beim weiteren Wachstum zu unterstützen und Fehler zu vermeiden.

Wer ist die Zielgruppe von PulseShift?
Unsere Zielgruppe sind Konzerne, die vor großen (und kleinen) Transformationen stehen und ein wirkliches Interesse daran haben, diese Projekte gemeinsam mit ihrer Belegschaft zum Erfolg zu führen. Innerhalb der Unternehmen haben wir viele Ansprechpartner, angefangen bei den CEOs und Personalvorständen bis hin zu den eigentlichen Organisationsentwicklern, Personalcontrollern oder Kommunikationsabteilungen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen sich für die Lange Nacht der Startups zu bewerben?
Wir haben uns eigentlich gar nicht beworben, sondern wurden von E.ON und der SAP nominiert – diese Nominierung haben wir als Preis eines Wettbewerbs im Durchstarten-Accelerator der InnoWerft gewonnen, womit wir gar nicht gerechnet hatten. Wir freuen uns aber natürlich jetzt umso mehr darüber!

Sie sind eines der wenigen Startup-Unternehmen, das es auf die Lange Nacht der Startups geschafft hat. Wie motivierend ist das für Sie und was versprechen Sie sich von dem Event?
Das ist wirklich super – zwar ist HRTech eine sehr überschaubare Nische auf der Startupnight, aber als kleine Belohnung für die harte Arbeit in den letzten Monaten ist das eine super Sache. Wir gehen ganz offen an die Veranstaltung ran und würden uns natürlich freuen mit dem ein oder anderen potentiellen Kunden, Partner oder auch Investor ins Gespräch zu kommen. Zuallererst sehen wir diesen Trip nach Berlin aber als Teambuilding-Maßnahme und machen uns keinen besonderen Druck.

Wie wichtig ist dieser Schritt für Sie als Jungunternehmer? Auch unter dem Gesichtspunkt, dass durch das Event viele Interessenten und auch Medien auf Sie aufmerksam werden?
Klar, das hilft uns unheimlich weiter. Gerade in unserer Industrie ist die Startup-Gründung und ein erfolgreicher Markteintritt ein unheimlich langer Marathon für den man einen langen Atem braucht. Eine hoffentlich positive Mediendarstellung, viele motivierende Gespräche mit anderen Gründern und potentiellen Kunden oder Investoren sind ein wichtiger Treibstoff für den Weg, der noch vor uns liegt.

Wo sehen Sie sich in den nächsten fünf Jahren?
Das ist schwierig – wir haben natürlich eine klare Vision, wo wir hinwollen und die wir auch für realistisch schaffbar halten. Wir haben aber gerade in der Enterprise Software-Welt schon so viele Überraschungen erlebt, dass es ganz schwierig ist eine klare Prognose abzugeben. Wenn unser Plan aufgeht, dann sehen wir uns in fünf Jahren aber als der Partner von Personalabteilungen in Großkonzernen in ganz Europa. Mit unserer Hilfe kann die seit Jahrzehnten gebetsmühlenartig wiederholte Forderung der Fachbereiche an ihre Personalabteilungen nach mehr strategischer Unterstützung aber endlich erfüllt werden. Mit PulseShift schaffen es Personalabteilungen ihre Fachbereiche sicher durch die notwendigen Transformationen zu führen und so auch ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg für alle sichtbar und vor allem messbar zu machen.

Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Wenn ihr eine Idee im B2B-Bereich habt – sucht euch früh einen potenten Partner, der euch beim weiteren Weg unterstützen kann. Im B2B ist es sehr schwer mit Lean Startup und MVPs bei den konservativeren Unternehmen Fuß zu fassen – umso wichtiger ist es, jemand zu haben, der einen von Anfang an als vertrauensvoller Partner mit Feedback und Kontakten versorgen kann. Klar, es kann manchmal sehr nervig sein sich durch Mühlen der Bürokratie in Konzernen zu wühlen und man braucht Geduld dafür. Was man aber dafür bekommt ist für ein B2B-Startup unheimlich wertvoll – daher: Traut euch nur mit einer Vision und ein paar groben Mockups auf die Konzerne zuzugehen, je früher, desto besser. Der Aufbau einer Partnerschaft braucht Zeit, daher solltet ihr nicht warten, bis euer Produkt fast fertig ist. Aber frühes Interesse ist auch ein Zeichen, dass ihr einer wertvollen Sache auf der Spur seid. Darum betrachtet einen Konzern nicht als abstraktes Gebilde sondern als eine Ansammlung von Menschen. Wenn ihr bei einer Person abblitzt, sucht euch einfach einen neuen Ansprechpartner im Unternehmen und versucht es erneut! Viel Erfolg!

Wir bedanken uns bei David Hoeffler für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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