Freitag, Juli 30, 2021

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Protofy Digitalisierung-as-a-service für die digitale Welt von morgen

Stellen Sie sich und Protofy doch kurz unseren Lesern vor!

Ich bin Moritz, lebe in Hamburg, bin Ex-Leistungssportler und heute Gründer und Unternehmer. Ich habe gemeinsam mit meinem Team Protofy und STADTSALAT gegründet. Mit unserer Agentur Protofy wollen wir dafür sorgen, dass sich die Digitalisierung in Deutschland beschleunigt und damit unsere Gesellschaft zukunftsfähig machen.

Protofy ist die Essenz aus der Arbeitsweise erfolgreicher Startups. Um digitale Produkte und Geschäftsmodelle schnell und ressourcenfreundlich aufzuziehen, nutzen wir mit Protofy unsere Weiterentwicklung der „Lean Startup“-Methode. So brechen wir die Komplexität eines digitalen Geschäftsmodells auf einen einfachen und zeitsparenden Prozess herunter. Dabei fangen wir mit dem Kern-Mehrwert des Produkts, also einem minimalen Produktumfang an und erweitern das Produkt dann, nachdem es sich bewährt hat. So vermeiden wir das Risiko, am Bedürfnis der Zielgruppe unserer Kund*innen vorbei zu entwickeln. Aus unserer Erfahrung in hunderten Projekten schaffen wir so etwas wie eine “Wunderpille” zur digitalen Transformation. 

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Die Idee zu Protofy entstand, nachdem ich mit meinem ersten Unternehmen Feelgood gescheitert war. Wir waren zu langsam – nicht mutig, schnell an den Markt zu gehen. Wir haben uns im Elfenbeinturm verkünstelt. Bricht man das Produkt herunter und geht mit einem MVP an den Markt, wird dadurch das Risiko gesenkt, da man früher echtes Feedback und echte Daten seiner Zielgruppe bekommt. Mit STADTSALAT haben wir unsere Idee, das MVP in seiner reinsten Form, ausprobiert und waren erfolgreich. Das war unsere Inspiration, mit Protofy Digitalisierung-as-a-service anzubieten. Durch unsere Arbeitsweise bei Protofy können wir unseren Kund*innen eine gewisse technologische Freiheit ermöglichen.

Dazu kommt, dass es mir wichtig ist, für mich selbst den größtmöglichen Grad an Wachstum und Freiheit zu erreichen. Die eigene Gründung ist wohl das größte Maß der Verantwortung – für die Idee, für die Mitarbeiter*innen, für das Geschäft. Jeden Tag gibt es neue Herausforderungen, an denen ich wachsen darf. Gleichzeitig fühle ich mich frei in meinen Entscheidungen und habe die Möglichkeit, mein Umfeld selbst zu gestalten.

Welche Vision steckt hinter Protofy?

Wir wollen den Mittelstand digitalisieren. Ich habe für mich selbst ein resilientes Setting aufgebaut und alle Zügel in der Hand, um das zu ermöglichen, was ich erreichen will. Genau das wollen wir für die Kund*innen von Protofy. Wir entwickeln gemeinsam mit ihnen erfolgreiche digitale Lösungen für eine vielfältige Welt von morgen und zeigen ihnen, wie sie ihre Ziele erreichen können. Ich glaube daran, dass jedes Unternehmen in der digitalen Welt erfolgreich sein kann!

Von der Idee bis zum Start, was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Wenn man auf meine Gründergeschichte schaut, gab es ja vorher schon Feelgood.  An dessen Ende stand eine Entscheidung: jetzt irgendwo anstellen lassen oder Unternehmer bleiben? Wir waren wie ein Phoenix, der aus der Asche aufersteht, haben das genutzt, was wir noch hatten: ein bisschen Geld und Tech-Know-how. Wir wollten aus unseren Fehlern lernen und zeigen, dass unsere neue Philosophie funktioniert. Also haben wir einen Prototypen für STADTSALAT gebaut und die Idee getestet. Mit ersten Agenturaufträgen bei Protofy haben wir das Ganze zu Beginn querfinanziert und gebootstrapped.

Nach einem Jahr haben wir STADTSALAT ausgegründet und mit unseren Investoren das Wachstum in Hamburg, Berlin und Frankfurt umgesetzt.

Protofy selbst ist aus dem eigenen Cashflow gewachsen. Wir haben heute etwa 30 Mitarbeiter*innen. Wenn man als Unternehmen wächst, gibt es aber natürlich immer wieder Herausforderungen. Wir haben zum Beispiel auch einmal eine echte Fehleinstellung gemacht, einen Mitarbeiter gehabt, der toxisch für unser Team war. Wir haben uns außerdem mal ein “Klumpenrisiko”, eine Abhängigkeit von einem großen Kunden, aufgebaut. Das ging nach hinten los. Wir haben daraus gelernt und uns sicherer aufgestellt.

Wer ist die Zielgruppe von Protofy?

Finanzierte Start-ups, die (noch) kein In-house-Tech-Team haben. Mittelständische Unternehmen, die sich digitalisieren. Große Unternehmen, die sich digital beschleunigen möchten.

Wie funktioniert Protofy genau, wie läuft eine Zusammenarbeit? Wo liegen die Vorteile?

Wenn sich ein*e Kund*in an uns wendet, dann durchleuchten wir gemeinsam die Idee von A-Z. Was für eine Idee ist es genau, wer ist die Zielgruppe, wie soll das Geschäftsmodell aussehen und für wann ist der Markteintritt geplant? Wir haben im Laufe der Zeit bestimmte, feststehende Erfolgsfaktoren ausgemacht, anhand derer wir das Potential einer Idee bewerten.

Wenn wir uns mit dem*der Kund*in einig sind, dass wir zusammenarbeiten, geht’s los: Wir erstellen ein Konzept und entwickeln einen Prototypen. Es erfolgt möglichst früh die erste Validierung mit der Zielgruppe. Danach lassen wir die Learnings, das direkte Feedback der Prototyp-Kund*innen, einfließen, entwickeln weiter und messen die Ergebnisse – build, measure, learn. Immer wieder. Erst wenn das Produkt auf soliden Beinen steht und vom Markt akzeptiert wird, skalieren wir es.

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Wir ermutigen unsere Auftraggeber*innen, mit neuen Digitalprodukten früher in den Markt zu gehen. So früh, dass es unbequem ist. Wir glauben daran, dass dies die beste Form der Validierung mit der Zielgruppe ist.

Dadurch, dass wir früher im Markt sind, arbeiten wir 100 Prozent nutzerzentriert. Wir stellen User-Insights über alles, wirklich alles! Wir erheben Daten, an denen wir den Erfolg des Produktes messen können – und lernen dadurch, wo es noch nicht funktioniert und wo es verbessert werden kann. Entscheidungen, die getroffen werden, basieren bei uns nicht auf dem Bauchgefühl oder Geschmack von uns oder den Auftraggeber*innen, sondern auf diesen Daten.

Was macht Ihr Produkt und Ihren Ansatz so besonders?

Wir kennen die Methoden und Vorgehensweisen der erfolgreichsten Startups: von Lean-Startup-Strategien über Growth Hacking bis hin zu modernen Technologien. Wir haben diese in über 120 Digitalprojekten mit Unternehmen wie Die ZEIT Akademie, DEPOT, Siemens oder dem FC St. Pauli und in unserer erfolgreichen Ausgründung STADTSALAT angewendet. So sammeln wir Erfahrung in unterschiedlichsten Industrien und Branchen, können Annahmen bestätigen und rekombinieren. Wer mit Protofy arbeitet, profitiert von diesem Erfahrungsschatz. 

Wie hat sich Ihr Unternehmen mit Corona verändert?

Protofy ist von einer remote-möglich zu einer remote-first Company geworden. Tatsächlich wäre es für uns vor einem Jahr unvorstellbar gewesen, dass wir neue Kolleg*innen oder Auftraggeber*innen onboarden, teils ohne uns jemals live gesehen zu haben – aber das funktioniert. Muss ja! 

Dabei haben wir davon profitiert, dass wir schon vor Corona einen außergewöhnlichen Zusammenhalt im Team aufgebaut haben. Das aufrecht zu erhalten, ist für uns die Herausforderung dieser Zeit. Arbeiten können wir remote, aber das Aufbauen und Pflegen von Verbindungen ist schwieriger.

Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Wir waren glücklicherweise gut vorbereitet, hatten alle Tools und Spielregeln, die wir brauchten, um gut als Remote-Team arbeiten zu können. Wir haben bestehende Rituale ins Virtuelle übertragen: Virtual Drinks, Frühstücksrunde, Lunch Dates unter Kolleg*innen, aber auch All-hands-Meetings mit Pizza, jede*r dann eben zu Hause. Selbst unsere Weihnachtsfeier hat remote super funktioniert.

Was wir gelernt haben: Nicht jedes Format ist für jede*n was. Man stellt sich auf einen neuen Tagesablauf ein, sodass es für viele zu unterschiedlichen Zeiten des Tages passt oder eben manchmal auch nicht passt.

Wo sehen Sie in der Krise die Chance?

Die Krise ist eine Chance für die Digitalisierung. Viele Unternehmen erkennen den Druck, ihre Geschäftsmodelle verändern zu müssen. So ist die Corona-Krise der vielzitierte Beschleuniger für den digitalen Wandel, den unsere Wirtschaft in den letzten Jahren verschlafen hat. Was ich aber wirklich sehe: Unternehmen sind mutiger geworden, neue Dinge  auszuprobieren, ohne sich zu verkünsteln. Ich spüre einen extremen Aufbruchswillen.

Für uns als Digitalisierer ist das eine große Chance – wir können und möchten Unternehmen bei diesen Schritten unterstützen. Einer unserer Kunden sagte letztens, dass wir eine Art “Wunderpille” für die Digitalisierung seien. Daran glauben wir!

Protofy, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Wir sammeln Erfolgsmodelle und lernen aus Misserfolgen. Protofy und die Nutzerzentrierung sind letztlich eine sehr wissenschaftliche Vorgehensweisen. Ich möchte da hin, dass wir nicht nur ein Erfolgsrezept, sondern eine Erfolgsgarantie für Digitalisierung werden. Mir hat das Wort “Wunderpille” gefallen. Das sollte genau unser Ziel sein.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Das wichtigste meiner Meinung nach: Sprecht über eure Ideen. Sammelt Feedback. Habt keine Angst, dass eure Idee geklaut wird. Der Austausch macht euch stärker, nicht angreifbarer.

Konzentriert euch auf den einen Kern-Mehrwert eures Produkts. Was ist es, das euch wirklich erforderlich und unersetzbar macht? Realisiert diesen Aspekt, nicht die anderen 100 Punkte eurer Vision. Das hilft euch, früher in den Markt zu gehen.

Und zuletzt: seid mutig. Traut euch, früh raus zu gehen. Früher als es euch bequem ist. Man muss sich eigentlich noch für die Idee schämen, dann ist es früh genug. Wenn ich mir heute “Version 1” von STADTSALAT anschaue, ist das so rudimentär, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass jemand dort etwas bestellt. Hat aber geklappt! (grinst)

Wir bedanken uns bei Moritz Mann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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