Don´t upgrade your lifestyle

ProGlove der intelligente Arbeits Handschuh der Arbeitszeit einspart und die Qualität verbessert

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen ProGlove doch kurz unseren Lesern vor!
Wir, das sind Jonas Girardet, Alexander Grots, Paul Günther und ich, Thomas Kirchner, haben 2014 ProGlove gegründet. Wir haben einen smarten Handschuh entwickelt, der in der Industrie, Produktion und Logistik für mehr Effizienz, Ergonomie und Qualität sorgen soll. Der Handschuh kann zum Beispiel periphere Pistolenscanner ersetzen. Der Werker kann mit ProGlove freihändig arbeiten und bekommt zusätzlich Feedback zu seinem Arbeitsprozess.

Wie ist die Idee zu ProGlove entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Wir haben schon früher gemeinsam an Projekten gearbeitet und Produkte zur Marktreife gebracht. Alex und ich kommen aus dem Bereich Design Thinking und der Innovationsberatung, Jonas und Paul kommen aus dem Industriebereich dazu.
Paul, unser Tüftler, war gerade Doktorand bei BMW und hat sich mit Wearables beschäftigt. Wenn man sich dann so ein Werk genau ansieht, ist es eigentlich offensichtlich – jeder trägt Handschuhe. So kommt das Wearable mit der Industrie zusammen. Mithilfe eines Baumarkt-Handschuhs und einem iPod entstand über Nacht aus der Idee ein erster Prototyp. Wir konnten dann in einem Wettbewerb im Silicon Valley ein Preisgeld gewinnen, womit die Seedfinanzierung gegeben war. Dann haben wir erstmal ein Unternehmen gegründet, damit man uns das Geld überweisen konnte.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Zum einen bringt die Hardwarebranche grundsätzlich höhere Entwicklungszeiten und einen höheren Entwicklungsaufwand mit sich. Änderungen können nicht wie bei der Programmierung einer App durch Umschreiben des Codes schnell geändert werden. Dadurch sind Unternehmen aus der Hardwarebranche weniger agil. Zum anderen schränkt auch die Platzierung in der Industrie die Agilität ein, denn unsere Kunden sind DAX-Unternehmen mit verschiedensten Kulturen. Schon allein die Suche nach dem richtigen Ansprechpartner ist schwierig. Diese Unternehmen müssen zuerst eine Beziehung zu uns aufbauen, bevor sie uns Zugang geben.
Die Seedfinanzierung haben wir bei besagtem Wettbewerb in Kalifornien gewonnen. Der Unterschied zwischen Startup-Wettbewerben im Silicon Valley im Vergleich zu Deutschland ist, dass hinter den Preissummen einfach zwei Nullen mehr stehen. Vor kurzem haben wir unsere erste große Finanzierungsrunde eingesammelt. Insgesamt 2,2 Millionen Dollar von Investoren aus dem Silicon Valley und Bayern.

Wie hat sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt?
Wir können auf eine gute Entwicklung in den letzten zwei Jahren zurückblicken. Unser Team besteht mittlerweile aus 24 intelligenten Köpfen und wir suchen stets nach neuen Mitarbeitern. Außerdem arbeiten wir kontinuierlich an der Weiterentwicklung des Produktes und stehen kurz vor dem großen Produktlaunch im Oktober/November. Unser Bestandslager füllt sich also schnell. Deshalb ziehen wir gerade in ein größeres Büro.

Wer ist die Zielgruppe von ProGlove?
Das Einsatzgebiet von ProGlove ist momentan in der Produktion und Logistik. Wir haben Piloten mit allen großen Automobilbauern in Europa. Außerdem stehen die meisten Logistiker bei uns Schlange. ProGlove kann aber auch in anderen Bereichen einen Mehrwert bieten, wie z.B. im Retail und in der Pharmaindustrie.
Grundsätzlich ist der Einsatz dort sinnvoll, wo der Mensch mit Maschinen, Werkzeugen und Gütern in Berührung kommt und wo Arbeitsschritte dokumentiert werden. Konkret ist einer der Prozesse, der durch ProGlove verbessert werden kann, der Scanprozess, z.B. beim Beladen von Flugzeugen oder bei der Montage eines Vordersitzes in ein Auto.

Wie funktioniert der Handschuh und wo kann er eingesetzt werden?
Durch Bewegungssensoren können Arbeitsschritte in der Produktion und Logistik dokumentiert und Fehler zum Zeitpunkt des Geschehens erkannt werden. Die integrierten Sensoren sind robust verbaut und scannen beispielsweise Teile für den Autobau – das spart den Griff zum herkömmlichen Pistolenscanner. Denn am Ende geht es immer um Effizienz. Je nach Arbeitssituation können wir bei Barcode-Arbeitsplätzen bis zu vier Sekunden pro Handgriff sparen. Für den Bau eines Autos sind das 1500 Barcodes mal vier Sekunden, also sehr viel Geld für den Automobilbauer. Für den Werker werden viele Handgriffe ergonomischer. Wenn Sie den gleichen Handgriff 1000-mal am Tag machen, erleichtert das den Arbeitsablauf enorm.

ProGlove, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?
Momentan beliefern wir hauptsächlich die Automobilbranche, da sich unser Handschuh aber in allen Produktions-und Logistikbereichen verwenden lässt, wollen wir auch andere Industrien und Branchen adressieren. Deshalb entwickeln wir unsere Produkte stetig weiter und forschen z.B. im Pflegebereich. Dort kostet die Nachbereitung und Dokumentation für die Krankenkassen den Pfleger zehn Minuten pro 30 Minuten Pflege eines Patienten. Wenn die Handschuhe wüssten, was Sie tun, hätten die Pfleger zehn Minuten mehr Zeit für den Patienten.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Don´t upgrade your lifestyle. Wer nach dem Studium erstmal Unternehmensberater wird und viel Geld verdient wird es schwer haben, wieder in den Bootstrapping Modus zurückzukehren, den jede Gründung braucht.
Always build prototypes. Versucht immer alle eure Ideen zu bauen, sodass ihr etwas in der Hand habt, was ihr präsentieren könnt. Menschen wollen Ideen zum Anfassen, anstatt theoretische Geschäftskonzepte. Viel zu oft erlebe ich Gründer auf Pitches, die Ihre Prototypen lediglich auf Bildern und in Präsentationen zeigen.
Humor helps. Bei einer Unternehmensgründung wird man ständig mit Situationen konfrontiert, die zuerst überfordern. Lockerheit und Offenheit helfen, um angemessen reagieren zu können. Humor ist für uns der beste und einfachste Weg, die nötige Entspannung zu erreichen.

Wir bedanken uns bei Thomas Kirchner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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