Ein bedingungsloses Praktikum als Experiment

Ende November endet bei Mein Grundeinkommen zum zweiten Mal ein bedingungsloses Praktikum

Damit wurde ein Experiment umgesetzt, bei dem Praktikant*innen bedingungslos 1000 Euro pro Monat erhalten und dabei frei über Arbeitsaufwand und –Inhalt im Projekt entscheiden können. So sollen finanzielle Sorgen aufgelöst und kreatives Potential im Alltag freigesetzt werden. In regelmäßigen Abständen berichteten die Praktikant*innen auf dem Blog von Mein Grundeinkommen in Text- und Videobeiträgen über ihre Erfahrungen als Versuchspersonen.

„Das bedingungslose Praktikum war für mich ein Experiment der Selbsterfahrung, mit dem ich die Sinnhaftigkeit von Arbeit und Geld hinterfragen konnte“, sagt Meera Zaremba, die Ende November nach drei Monaten ihr bedingungsloses Praktikum beenden wird. „Aufgrund der unkonventionellen Praktikumsstrukturen hatte ich zunächst große Schwierigkeiten, meine Rolle und mein Aufgabenfeld zu finden. Ich habe mich aber im Team sofort wohl gefühlt, mich automatisch an die Arbeitsweise bei Mein Grundeinkommen angepasst und im Schnitt vier Tage pro Woche gearbeitet. Mein Arbeitsverhältnis war würdevoll, da es nicht auf finanzieller Not und sozialen Zwängen basierte.“

Die Idee des Experiments entstand im April 2015, als nach einer großzügigen Spende bei Mein Grundeinkommen über deren Verwendung nachgedacht wurde. Dabei rückte die Überlegung in den Mittelpunkt, inwiefern sich die Freiheit, sich bedingungslos für ein Projekt einsetzen zu können, auf den Arbeitsalltag von Personen auswirkt. Wie beim bedingungslosen Grundeinkommen geht es darum, Arbeit und Einkommen voneinander zu trennen. Dadurch, dass Menschen mit Grundeinkommen vor die freie Wahl gestellt werden, wieviel, wann, wo und was sie gerne arbeiten möchten, wird deutlich, wie das Konzept von „Arbeit“ unter diesen Voraussetzungen neu definiert werden kann.

Einkommen führt zu psychischer Entlastung; Wertschätzung zu Arbeitsmotivation
„Meine Motivation, zu arbeiten, habe ich in erster Linie daraus gezogen, dass ich von Beginn an wertgeschätzt wurde und nicht unter Leistungsdruck für mein Einkommen arbeiten musste“, so die 24-jährige Zaremba. Die größte Herausforderung habe für sie darin bestanden, die Grenze zwischen Autonomie und Selbstausbeutung im Arbeitsalltag zu ziehen.

Im Sommer hatte bereits Marcella Henglein ein bedingungsloses Praktikum absolviert. „Durch die finanzielle Entlastung konnte ich mir erstmals selbst alles leisten, was ich zum Leben brauche, ohne auf schlecht bezahlte Jobs und die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Dadurch war ich im Kopf freier und konnte neben dem Praktikum den Herausforderungen des Alltags – Abitur, Nebenjob und Familie – mit weniger Sorgen und Stress begegnen“, berichtet die 21-Jährige.

Beide Praktikantinnen tragen nach ihrem Praktikum weiter bei Mein Grundeinkommen Verantwortung. Aufgrund dieser positiven Erfahrungen will der Verein auch in Zukunft bedingungslose Praktika ermöglichen, sobald diese wieder für den Verein finanzierbar sind.

Die nächste Verlosung von mindestens drei Grundeinkommen wird am 07. Dezember im Rahmen der „Langen Nacht des Grundeinkommens“ im Maxim Gorki Theater in Berlin stattfinden.

Weitere Informationen finden Sie hier

Quelle Mein Grundeinkommen e.V.

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