DER HERR DER RHETORIK

Was Gründer für Ihre Präsentationen von Kino-Filmen lernen können und wie man andere begeistert

Showtime! Gerade Startups müssen oft präsentieren um zu „verkaufen“. Egal ob Kunden, Journalisten oder gar Investoren… manchmal sind es wenige Minuten, die darüber entscheiden ob ein Unternehmen so richtig durchstartet. Die folgenden Tipps sollen Ihnen dabei helfen aus Ihren nächsten Vorträgen regelrechte Blockbuster zu machen.

1. And Action! Zeit für Ihre Dramaturgie.
Eine Präsentation beginnt man im Kopf-Kino und nicht mit PowerPoint. Übrigens kann man vieles aus Kinofilmen lernen. Zum Beispiel wie man Präsentationen sinnvoll strukturiert: Einleitung, Hauptteil, Schluss. That’s all.

Zugegeben, das klingt etwas theoretisch. Wie findet man am denn nun die eigentlichen Inhalte des Vortrages? Meine Empfehlung: Sammeln Sie Ideen und clustern Sie diese dann mit Post-It!-Klebezetteln. Den Aufbau haben Sie ja bereits: Einleitung, Hauptteil und Schluss. Insofern können Sie jederzeit mit einer Timeline beginnen.

Übrigens können Sie dabei auch eine bewährte Methode aus der Filmbranche nutzen: Storyboards. Scribbeln Sie die einzelnen Inhalte der Folien auf ein Blatt Papier und skizzieren Sie damit Ihren Vortrag Schritt für Schritt. (Buchempfehlung // Michael Hohlstein & Michael T. Wurster: Die besten Präsentationen entwickeln und halten. 111 Ratschläge und Tipps für hollywoodreife Präsentationen, Akademische Verlagsgemeinschaft 2012)

2. Kennen Sie ihr Publikum
Gute Filmemacher kennen ihr Publikum. Genau deshalb weiß man manchmal schon im Vorfeld, dass der nächste Film von Regisseur XY ein Kassenschlager werden wird.
Jedes Mal, wenn Sie einen Vortrag entwickeln sind Sie selbst der Regisseur. Sie erarbeiten die Inhalte für Ihren nächsten Blockbuster. Damit Ihnen das richtig gelingt müssen Sie ganz genau wissen, wer das Publikum ist und mit welchen Stilmitteln man dieses begeistern kann. Informieren Sie sich deshalb bestmöglich über Ihr Publikum. Welche Interessen verfolgen diese? Was können Sie alles über das Internet erfahren? Haben Sie eventuell Zugriff auf Insiderinformationen? Manche Tipps können in der Tat Gold wert sein.

Prinzipiell können Sie Ihren Vortrag auch basierend auf Konzepten wie zum Beispiel den Limbic Types® feintunen. Die Limbic Types® wurden von Prof. Dr. Hans-Georg Häusel entwickelt und teilen Menschen in verschiedene Typen auf. Die Einteilungen erfolgen auf Basis fundierter Daten aus der Hirnforschung und erlauben zum Teil recht konkrete Aussagen bezüglich der Präferenzen bei Begriffen, Werten, Farben oder gar Markennamen. (Buchempfehlung // Hans-Georg Häusel: Brain View. Warum Kunden kaufen, 3. Aufl., Haufe Verlag 2014)

3. Verbrennen Sie Ihr Vortragsmanuskript
Viele kennen sicher noch die Präsentationen aus der Schulzeit oder dem Studium. Sehr häufig nutzten die Präsentatoren damals Karteikarten bzw. Moderationskarten um den roten Faden nicht zu verlieren. Was auch immer Sie machen… halten Sie eine freie Rede! Alles andere wirkt unprofessionell. Wenn Sie nicht voll und ganz in Ihrem Thema sind, werden viele Sie nicht ernst nehmen. Oder anders gefragt: Haben Sie schon mal gesehen, dass Hollywoodstars in ihren Filmen die Texte von Karteikarten ablesen? Zudem sind Sie dann wesentlich freier und können bei Bedarf auch mal improvisieren ohne dass es bemerkt wird… (Buchempfehlung // Carmine Gallo: Überzeugen wie Steve Jobs. Das Erfolgsgeheimnis seiner Präsentationen, Ariston Verlag 2011)

4. Cut! Und gleich nochmal!
Machen Sie sich klar, dass ein Film nie einfach so gedreht wird. Hinter 90 Minuten purem Entertainment stecken monatelange Dreharbeiten. Sicher haben Sie bei Ihren Vorträgen keine monatelange Vorbereitungszeit, aber wenn es um wichtige Ergebnisse geht sollten Sie Ihren Vortrag mehrfach trainieren. Alleine, vor Freunden oder vor der Kamera. Und dann immer wieder erneut kritisch hinterfragen: Was lief gut? Was kann noch besser gemacht werden?

5. Der Medieneinsatz: PowerPoint und Special Effects
Die meisten großen Filme haben atemberaubende Special Effects. Und was haben Sie zu bieten? PowerPoint? Produktvorführung? Zaubertricks? Generelle Visualisierung? Machen Sie sich klar, dass Sie Ihrem Publikum etwas bieten müssen. Aber achten Sie dabei stets auf die Grundsatzfrage: „Was ist eigentlich angemessen?“ PowerPoint funktioniert zum Beispiel nur so:

Alle PowerPoint-Folien müssen dem „Prinzip der zweiten Ebene“ folgen. Das bedeutet, dass alles was wichtig ist erzählen Sie persönlich (Ebene eins). Schließlich stehen Sie und Ihr Unternehmen zunächst einmal im Mittelpunkt. PowerPoint ist damit lediglich der Hintergrund und kann mittels Strukturen, Emotionen oder Substanz unterstützen (Ebene zwei). (Buchempfehlung // Hermann Scherer: Der Weg zum Topspeaker. Wie Trainer sich wandeln, um als Redner zu begeistern, Gabal Verlag 2012)

One more thing: Wenn Sie mit PowerPoint arbeiten sollten Sie an wichtigen Stellen einfach Mal eine komplett weiße Folie einbauen. Dann nämlich werden alle Augen von der Projektion abweichen und direkt auf Sie gerichtet sein… (Buchempfehlung // Garr Reynolds: ZEN oder die Kunst der Präsentation. Mit einfachen Ideen gestalten und Präsentieren, 2. Aufl., Person Verlag)

6. Nutzen Sie das Lichtschwert und die Macht ist mit Ihnen!
Hey, in wenigen Tagen startet der neue Star Wars Film in den Kinos und dieser Artikel nutzt Filme als Metapher. Klar, dass ich irgendwie eine Andeutung an das Star Wars Merchandising machen muss… zumindest eine kleine… Ein ehemaliger Dozent erzählte mal in seinen Vorlesungen, dass er seinen Funk-Presenter liebevoll „Lichtschwert“ nennt. Damit sind wir auch schon bei meinem Tipp:

Je nachdem in was für einer Situation Sie präsentieren müssen, kann es sinnvoll sein einen Funk-Presenter zu verwenden. Dadurch können Sie sich frei im Raum bewegen. Der integrierte Laserpointer kann Ihnen helfen wichtige Punkte in den Folien zu unterstreichen und unter uns: Richtig gute Presenter können Ihnen auf dem Display die Redezeit einblenden. Dadurch wissen Sie ganz genau wie lange Sie bereits geredet haben und können ihr Timing optimieren.

7. Action, Spannung & Adrenalin

Eine praktische Ergänzung zum Storyboard ist die Sparkline. Das ist eine Wortgrafik, die Ihre Dramatrugie analyiseren kann. Diese Visualisierung erinnert ein wenig an die Darstellung des Herzschlages bei einem Kardiogramm. Begeisternde Vorträge oder Filme bringen den Puls in besondere Sphären und leben von einem ständigen auf und ab.

Zu theoretisch? Okay: Hinter jedem Höhepunkt eines Ausschlages steckt ein besonderer Höhepunkt im Film. Je größer die Spannung, desto krasser die Ausschläge. Das bedeutet für Sie, dass Sie mit Kontrasten spielen müssen, um Ihr Publikum zu fesseln. Und es bedeutet, dass ein zu langer stillstand zum Tod führen kann… also sorgen Sie dafür, dass es dem Publikum nicht langweilig wird. (Buchempfehlung // Nancy Duarte: resonate. Oder wie Sie mit packenden Storys und einer fesselnden Inszenierung Ihr Publikum verändern,Wiley-VCH Verlag 2012)

Aber Achtung: Handeln Sie angemessen! Ziehen Sie keine unseriöse Show ab! Verlieren Sie niemals die Seriosität und führen Sie sich immer vor Augen, wie Ihr Publikum tickt. Im Zweifel gilt wie so oft im Leben: „Weniger ist mehr.“

Mit diesen Ratschlägen sollten Sie für Ihren nächsten großen Auftritt bestens gewappnet sein. Für den Fall, dass Sie einzelne Themen vertiefen möchten, habe ich Ihnen ein paar ausgewählte Literatur-Empfehlungen eingebaut.

Das letzte Wort habe an dieser Stelle allerdings nicht ich, sondern ein Autoren-Kollege der Ihnen persönlich noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben möchte. Es handelt sich dabei um Raimund Brichta, den TV-Moderator der telebörse auf n-tv. Und hier sind seine Ratschläge:

„Erstens: Das wichtigste ist authentisches Auftreten. Seien Sie Sie selbst! Das Publikum merkt in der Regel sofort, wenn Sie sich verstellen.

Zweitens: Zeigen Sie sich möglichst von Ihrer sympathischen/entspannten Seite.
 Das ist dann am besten möglich, wenn Sie selbst in einer positiven und entspannten Grundstimmung sind. Sofern Sie das nicht sind, versuchen Sie, sich in diese zu versetzen. Freuen Sie sich bewusst auf Ihren Auftritt und nehmen Sie sich davor etwas Zeit für sich selbst. „Gönnen“ Sie sich etwas.

Drittens: Erzählen Sie Geschichten, bringen Sie Beispiele, die jeder leicht nachvollziehen kann und die im Zuschauer ein Bild erzeugen. Formulieren Sie Inhalte griffig, in kurzen Botschaften. Machen Sie klare und nicht zu lange Sätze. Vermeiden Sie möglichst Fachbegriffe und Fremdwörter.“

(Buchempfehlung // Alexander Kirchner & Raimund Brichta: Medientraining für Manager. In der Öffentlichkeitsarbeit überzeugen – Investor Relations und Public Relations, Gabler Verlag 2002)

Foto: © Yakup Zeyrek

Michael T. Wurster

Michael T. Wurster, MBA, Betriebswirt B. Sc. Um sich auf die Unternehmensnachfolge vorzubereiten führte Michael Wurster über Jahre ein Doppelleben. Tagsüber war er ein gewöhnlicher Student im Bachelor-/Master-Studium. Doch mit Ende der Vorlesungen wechselte er die Rolle und leitete zahlreiche Projekte in unterschiedlichen Branchen. Der Karriere-Schmied Michael Wurster ist Autor und Herausgeber mehrerer Bücher und vernetzt das Know-How von Professoren, Unternehmern, Managern, Bestseller-Autoren, Coaches und Stars zu einem unterhaltsamen Best-of.

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