#FutureFood 2.0: Grillen-Snack statt Algenblatt

Smarter Snacken mit Pinaks-Crackern aus Grille, Hafer & Saaten

Stellen Sie sich und das Startup Native Foods doch kurz unseren Lesern vor!

Als sich Wirtschaftswissenschaftler Sebastian Kreßner und Diplom-Ingenieur für Technischen Umweltschutz Camilo Wilisch 2018 bei einem „Kochabend rund um Insekten“ erstmalig begegneten, ahnten die beiden mitnichten, dass sie sich nur zwei Jahre später in einer Produktionsstätte des Schweizer Getreideerzeugnis-Produzenten CORNU S.A. wiederfinden würden. Denn genau hier werden – nach einem mühsamen Akquise-Prozess, in welchem mehr als 300 Großbäckereien und Snackproduzenten involviert waren – ihre glutenfreien Cracker aus Grillenmehl produziert. 

Ab Oktober 2020 bereichern die Getreideerzeugnisse aus Haferflocken, Insektenmehl und Saaten wie Sesam, Mohn und Chiasamen die Speisegewohnheiten der deutschen Verbraucher. Pinaks nennt sich die brandneue Marke aus Berlin, die die Hemmschwelle zum Verzehr von Krabbeltieren durchbrechen und so exotische, aber vor allem nachhaltig-innovative Impulse im konventionellen Snacking-Regal des LEH setzen will. Denn generell sind Insekten fettarm, protein-und VitaminB12-reich und ihre Zucht ist effizient und klimafreundlich. Nun schickt sich das junge Food-Unternehmen an, Snacks aus Grille, Käfer und Co. endlich aus dem Nischendasein zu holen! 

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen? 

Sebastian Kreßner: Bereits seit meiner frühesten Kindheit, genauer mit 12 Jahren, baute ich gemeinsam mit einem Freund eine kleine Hühnerfarm auf. Wir wollten uns unser Taschengeld selbst erarbeiten und legten ganz einfach los. Diese Geschäftsidee erscheint zunächst abwegig, ist aber eigentlich ganz natürlich und simple: Denn wir beiden wuchsen auf dem Brandenburger Land auf. Nebenjobs waren dort rar gesät und heiß begehrt. Man musste eben kreativ sein, um sich etwas dazuzuverdienen. Unsere Geschäftsidee florierte und wir hatten wirklich große Freude daran, die Hühner zu hegen und zu pflegen. Schon damals waren Eier von lokalen Züchtern aus dem Berliner Speckgürtel ja heiß begehrt.

Nach einiger Zeit veränderten sich jedoch unsere Interessen – wenig verwunderlich – denn wir waren ja noch Kids. Irgendwann lösten wir die Hühnerfarm schließlich auf und investierten unseren Gewinn fortan in Technik rund um die musikalische Untermalung von Veranstaltungen.  Worin für mich der Reiz am Gründen liegt? Etwas ganz Eigenes kreativ zu schaffen und dann langfristig erfolgreich aufzubauen. Wichtig ist mir dabei stets die Vielseitigkeit und abwechslungsreiche Aufgaben. Das Gründungsgen liegt bei uns offenbar in der Familie: Schon mein Vater startete seine berufliche Karriere als Gemüsebauer. 

Camilo Wilisch:

Ich wollte eigentlich keinesfalls selbst Gründen, denn in meiner Familie erlebte ich nicht nur die positiven Seiten ganz hautnah: Selbständigkeit und Unternehmensführung bedingen viel Stress, teils enorme Entbehrungen und wenig Zeit für Freunde und Familie. Da ich jedoch für das Thema Insekten, Nachhaltigkeit und Umweltschutz brenne, bin ich bereit das Risiko „Unternehmensgründung“ einzugehen. Denn nur so kann ich meine Visionen zur Weiterentwicklung einer ressourcenschonenden und verantwortungsvollen Wirtschaftsethik in der Ernährungsindustrie vorantreiben.

Gemeinsam verbindet uns die Leidenschaft etwas Neues am Markt zu etablieren. Wir sind beide auf ein nachhaltiges, bewusstes Leben bedacht und wollen dies mit unseren Produkten vorleben und vor allem weitergeben. Denn wir haben nur ein Leben und nur diese eine Erde für uns Menschen.

Welche Vision steckt hinter PINAKS? 

Wir etablieren Insekten als wertvolle Nahrungs- und Proteinquelle in Deutschland. Gemeinsam mit unserem Partner, dem Schweizer Getreideerzeugnis-Produzenten CORNU S.A., brechen wir mit Speisetabus mit Insektensnacks für Jedermann. Pinaks sind ideale Einstiegsprodukte für einen nachhaltigeren, gesünderen und umweltbewussteren Speiseplan. 

Von der Idee bis zum Start was waren die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert? 

Neben der großen Herausforderung das anfängliche Projekt bis hin zum jetzigen Unternehmen zu finanzieren gab es zahlreiche Herausforderungen: Erstens die Produktentwicklung: Wir entwickeln die Rezepte für unsere Cracker aus Haferflocken, Insektenmehl und Saaten wie Sesam, Mohn und Chiasamen stets sehr kundennah und passen die Kreationen nach den Verkostungen basierend auf dem Feedback der Tester bei Bedarf hinsichtlich Geschmacksnote oder Konsistenz, wann immer möglich, an. Das war und ist ein langwieriger sowie aufwändiger Prozess. Für diverse Verkostungsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Zielgruppen nutzen wir jede Gelegenheit, die sich uns bietet. Eine unserer ersten Veranstaltungen war bspw. die Grüne Woche in Berlin. Weiter waren wir auf der TedX Veranstaltung der TU München präsent und führten zudem beim Bayerischen Bauernverband sowie bei einem Nachhaltigkeitsabend bei Ernst & Young Verkostungen durch.

Dann mussten wir einen geeigneten Produktionsstandort finden:

Dazu kontaktierten wir alle deutschen Großbäckereien und auch etliche Betriebe in ganz Europa, bis wir endlich einen Produzenten fanden, der unsere Cracker nach unseren Bedingungen herstellen konnte und dies auch wollte. Die Verarbeitung von Insekten, ist in der Lebensmittelindustrie ein relativ neues Métier. Nicht jeder Hersteller ist gewillt und fähig mit Insekten als Nahrungsmittelbasis umzugehen und diese zu verarbeiten. Als wir endlich – nach einem mühsamen Akquise-Prozess, in welchem mehr als 300 Großbäckereien und Snackproduzenten involviert waren – in dem Schweizer Getreideerzeugnis-Produzenten CORNU S.A. unseren passenden Partner fanden, ging es daran, unsere Rezepturen in einer industriellen Anlage zum Laufen zu bringen.

Darüber hinaus ist für uns auch das Inhouse-Teambuilding ein äußerst wichtiger Faktor.

Seit Gründungsbeginn an entwickelte sich unsere Mitarbeiterstruktur dynamisch. Ein offener, transparenter und dynamischer Austausch untereinander liegt uns sehr am Herzen. Deswegen legen wir großen Wert auf fortwährende Teamentwicklungsmaßnahmen und sind bereit dazu, in die richtigen und zu uns passenden Teammitglieder zu investieren. Im Moment arbeiten wir mit ‘Young Professionals’ aus dem Bereich des Content Marketings zusammen, die ebenfalls an Insekten als Nahrungsmittel der Zukunft glauben und ihre jeweilige Expertise mit einbringen.

Schlussendlich stellte sich die Frage nach einer langfristig-soliden Finanzierung der von uns im Juli 2020 gegründeten „Native Foods GmbH“ mit der Marke Pinaks: Von Beginn an betrieben wir Bootstrapping und verfolgten einen LEAN Start Up Ansatz. Wir bezogen ein Start Up-Stipendium des Incubator der HWR Berlin und konnten uns somit voll auf die Gründung unserer GmbH und den Ausbau unserer Brand konzentrieren. Aktuell haben wir ein Seed Investment erhalten und können nun auch in unseren Marken- und Unternehmensaufbau investieren und so weitere spannende Produkte entwickeln. Unsere größte Herausforderung ist jedoch weiterhin, mittel- und langfristig stabile Umsätze zu erwirtschaften. Eine Crowdfunding-Kampagne, die ab dem 15.Oktober 2020 geplant ist, soll dafür einen sicheren Grundstein legen. Dann wird via Startnext.de unsere Marke Pinaks zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit zum Kauf angeboten.

Wer ist die Zielgruppe von PINAKS?

Pinaks-Cracker aus Grillenmehl sind Snacks für Jedermann und zukunftsweisend schmackhaft: Pinaks, übrigens abgeleitet vom Wort Käfer, pinacatl, ist eine Hommage an die traditionelle Küche Mexikos, wo seit jeher Insekten als wertvolle Proteinquelle auf dem Speiseplan stehen. So werden unsere Erzeugnisse aus u.a. Grillen auch hierzulande eine bewusste, zukunftsweisende und vor allem schmackhafte Food-Gap zwischen Fleischkonsum und Veganismus schließen. Davon sind wir überzeugt! Denn Nachhaltigkeit auf dem Teller ist und bleibt Megatrend. Insbesondere für Real Omnivores –KonsumentInnen der Generation Z & Y zwischen 25 bis 35 Jahren – spielen klimarelevante Überlegungen bei der Wahl ihres Essens eine immer größere Rolle. Denn sie suchen nach vielfältigen Alternativen für eine ausgewogene, nachhaltige Ernährungsweise.

Diese Real Omnivores decken ihren Proteinbedarf in Zukunft auch durch den Genuss von Produkten aus u.a. Insekten, legt Foodtrend-Expertin Hanni Rützler in ihrem Food Report 2021 dar (Quelle: Food Report 2021, Hanni Rützler, Wolfgang Reiter, Zukunftsinstitut GmbH, Seite 26.) Doch auch „reifere“ Konsumenten gen 30er und sogar weit über 50 Jahre zeigten sich von unseren Pinaks-Crackern auf Messen wie z.B. der Grünen Woche 2019 überaus aufgeschlossen.

Was ist das Besondere an den Produkten? Wo liegen Vorteile? Was unterscheidet Sie von Anbietern?

Wir glauben daran, dass Pinaks mit dem Fleischkonsum konkurrieren können. Laut DGE benötigen Männer 57g und Frauen 48g Protein. Mit 100g der auf Grillenmehl basierten Snacks können Frauen 51% und Männer 43% ihres Tagesbedarfs an Protein decken. Zusätzlich haben sie einen positiven Einfluss auf die Klima- und Umweltbilanz und verfügen über eine beeindruckende Nährwertbilanz: Unsere Krabbeltier-Cracker sind langsättigend, proteinhaltig, laktose- und glutenfrei, VitaminB12- und ballaststoffreich, frei von jeglichen Geschmacksverstärkern, Zusatzstoffen und Gentechnik. Pinaks-Cracker auf Grillenmehlbasis werden in einer der modernsten Backanlagen Europas produziert und bringen die Produkte aus der Nische. Wir bieten Insekten Snacks für Jedermann. Und zu guter Letzt, schmecken unsere Cracker einfach unglaublich gut, denn sie haben eine sehr knusprige Textur und sind in beliebten Geschmacksrichtungen wie Rosmarin und Zwiebel/Kräuter erhältlich.

Wie hat sich ihr Unternehmen mit Corona verändert?

Wir mussten unsere operative Geschäftstätigkeit komplett umdenken. 100% Homeoffice und somit längere Zeit komplett räumlich getrennt und dennoch effektiv zu arbeiten. Das war ja nur der Anfang aller Herausforderungen. Am Ende entwickelten wir eine komplett neue Vertriebs- und Marketingstrategie, die auf die neuen Gegebenheiten angepasst ist. So konzentrieren wir uns beispielsweise im Moment darauf, eine Onlinecommunity aufzubauen und erweitern unser B2B-Netzwerk fortwährend und zielgerichtet u.a. über LinkedIn.

Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen? 

Wir führten ein daily Meeting ein, um uns täglich abzusprechen und auszutauschen und arbeiteten nach dem Lockdown einmal in der Woche räumlich zusammen. Natürlich immer mit nötigem Abstand. Sales und Marketing verlagerten wir fast ausschließlich auf Onlineplattformen via Instagram, Facebook, LinkedIn. Zudem waren wir bei Online-Events & Kongressen u.a. als Speaker involviert, wie z.B. beim ZoomUp „#BestPractice | Food Produktmanagement – Kategorie Snack Produkte“, welches von Crowdfoods organisiert wurde. Auch nahmen wir die Gelegenheit wahr, uns beim Food Start Up Campus zu präsentieren. Zudem war Pinaks als eines von acht Startups im Rahmen dieses Events als „FoodNextGen“ nominiert. 

Wo sehen Sie in der Krise die Chance? 

Alte, verkrustete und ewig gleiche Denkmuster wurden notgedrungen aufgebrochen und machen nun Platz für neue Ideen und Möglichkeiten, die jetzt zwangsläufig erprobt werden. Die Themen Nachhaltigkeit, Ressourcenschutz und gesunde Ernährung in Verbindung mit Tierwohl erlangen im Moment noch mehr Gehör. So wird die fortwährende Abholzung des Regenwaldes als eine mögliche Ursache für das Ausbrechen diverser Pandemien diskutiert. Im Moment ist es zumindest wichtiger denn je, durch eine nachhaltige, bewusste und dabei gesündere Ernährungsweise ein starkes Immunsystem aufzubauen – ohne dabei unseren Planeten weiterhin zu zerstören und sinnloses Tierleid zu befördern. Denn trotz eines unaufhörlich steigenden Bevölkerungswachstums, würde durch einen klug durchdachten, „glokal“-konzipierten (global & lokal), ressourcenschonenden Anbau-, Verarbeitungs- und Wirtschaftsplan jene immense Ackerfläche, die unsere heutige, maßlose Ernährungsweise momentan bedingt, drastisch verringert werden können. Sehr zum langfristigen Wohle von Natur, Mensch und Tier.

Native Foods, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? 

Getreu unserer Mission, Snacks aus Grille, Käfer und Co. endlich aus dem Nischendasein zu holen, werden wir mit Pinaks flächendeckend in der DACH-Region verfügbar sein und uns als Snackmarke auf Insektenmehlbasis langfristig erfolgreich etabliert haben. Verbraucher werden Insekten als nachhaltiges, und reichhaltiges Lebensmittel zu schätzen wissen. Mittelfristig streben wir eine Erweiterung unserer Produktrange mit zusätzlichen Dauerbackwaren-Snacks wie Brezel oder Flips mit Vermarktung in der DACH-Region im LEH, in Feinkostabteilungen, Outdoor-Shops, Kinos oder Fitness-Studios an. Die Verarbeitung weiterer Insektenarten, z.B. Heuschrecken oder Buffalo-Würmer, sowie eine eigene Zuchtanlage in Brandenburg zur Erschließung der Produktionskreisläufe sind ebenso geplant.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben? 

1. Überlege dir wo du hinwillst und was du erreichen willst. Schaue dir dann an, was du dafür benötigst und in welcher Zeit es umzusetzen ist. Dann verdopple diese Zeit mindestens.

2. Das Leben ist keine Einbahnstraße. Sei mutig und traue dich auch Fehler zu machen. 

3. Überlege dir mit wem du den Weg gehen möchtest, hör auf dein Bauchgefühl, kommuniziere und sei offen für Konflikt.

Link zum Crowdfunding

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Camilo Wilisch und Sebastian Kreßner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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