Man muss nicht alles neu erfinden

physiosense der Bürostuhl, bzw. die Bürostuhlauflage, unterstützt den Anwender darin, gesund zu sitzen

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen physiosense doch kurz vor unseren Lesern vor!
physiosense ist ein Start-up aus Aachen, das es sich zum Ziel gesetzt hat, unsere Arbeitsplätze dynamischer, aktiver und gesünder zu gestalten. Dazu entwickeln wir mit einem Team aus Ingenieuren, Mechatronikern, Betriebswirten und Physiotherapeuten ein Systemangebot aus Produkt und Dienstleistung. Der intelligente Bürostuhl erfasst mit einer hochauflösenden, eigenentwickelten Sensorik das Sitzverhalten der Anwender. Dabei werden konkrete Sitzpositionen und entsprechende Timings identifiziert. Über Vibrationsmotoren und unsere App wird dann Feedback dazu gegeben, wie wir unser Sitzverhalten verbessern können. Dies bedeutet in erster Linie dynamischer, mit mehr Bewegung zu sitzen. Unser Stuhl will die Anwender jedoch nicht zum ausschließlichen Sitzen animieren. Vielmehr erinnert er auch daran, regelmäßig Pausen einzulegen, im Stehen zu arbeiten oder ein paar Schritte zu gehen. Die App bietet außerdem praktische Tipps dazu, wie der Arbeitsalltag dynamischer gestaltet werden kann. Auch gibt es die Möglichkeit, kurze Workout Videos abzuspielen, die direkt am Arbeitsplatz durchgeführt werden. Diese sind auf die speziellen Bedürfnisse eines jeden Users abgestimmt und orientieren an dem bis dato gezeigten Sitzverhalten.
Als Ergänzung zum Produkt bieten wir auch einen Service in Zusammenarbeit mit lokal vertretenen Physiotherapeuten. Diese führen eine betriebliche Präventionsmaßnahme aus und klären zusätzlich über die Anwendung unserer Produkte auf. Somit setzen wir auf drei Säulen für einen gesünderen Arbeitsplatz: intelligente Bürostühle, intuitive Smartphone App und persönlicher Service durch Ergonomieexperten.

Wie ist die Idee zu physiosense entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die ursprüngliche Idee war es, physiotherapeutische Standardübungen an den Arbeitsplatz zu bringen. Dazu hat ein Team aus 5 Mechatronikern die Stuhlauflage ATLAS während eines Studienprojektes entworfen. Die persönlichen Erfahrungen mit Rückenschmerzen während langer Lernphasen gaben dazu den Anstoß. Nach einigen Erfolgen mit ATLAS, z. B. Erstplatzierung beim deutschlandweiten COSIMA-Wettbewerb und nachfolgende Produktpräsentation in Japan und auf der CES in Las Vegas stand das Team dann im Jahr 2015 vor der Entscheidung über die weitere Vorgehensweise und Entwicklung. Man entschied sich dafür, dass Team neu aufzustellen, drei der ursprünglich fünf Mechatroniker blieben dem Projekt treu. Außerdem stießen eine Physiotherapeutin und ein Wirtschaftsingenieur dazu.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die bisher größten Herausforderungen waren die Entwicklung eines zukunftsfähigen und nachhaltigen Geschäftsmodells, sowie die strategische Ausrichtung auf Produktseite. Unser Ziel ist es nicht, unsere Produkte einfach zu verkaufen. Wir betten diese zusammen mit unseren Serviceangeboten in ein Leasingmodell ein. Dieses beinhaltet eine monatliche Zahlungsweise für das Komplettmodell.
Auf Produktseite standen wir vor der Problematik, als Start-up auf große Büromöbelhersteller zuzugehen und unser System zur Integration anzubieten. Dies wollen wir in Lizenz tun aber gleichzeitig eine Auflagenlösung zur Nachrüstung vorhandener Stühle anbieten. Dies soll als eigenes Produkt vermarktet werden.

Wie hat sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt?
Physiosense hat sich seit Anfang des Jahres 2016, seitdem wir auch das EXIST Gründerstipendium erhalten, in allen Bereichen stark weiterentwickelt. Wir konnten im Mai erstmals frühe Prototypen auf der Corporate Health Convention in Stuttgart ausstellen und dadurch viel hilfreiches Feedback sammeln und interessante Kontakte knüpfen. Wir kooperieren mittlerweile mit dem Aachener Institut für Textiltechnik und können so unsere eigene Sensorik weiterentwickeln. Außerdem haben wir mehrere deutsche Büromöbelhersteller als Partner für eine Pilotstudie gewinnen können. Derzeit suchen wir nach Finanzierungsmöglichkeiten im Anschluss an den EXIST Zeitraum.

Wer ist die Zielgruppe von physiosense?
Wir verfolgen für den Marktstart ein B2B Konzept. Unser Systemangebot richtet sich direkt an Unternehmen, deren Belegschaft überwiegend sitzend tätig ist. Die meiste sitzende Zeit wird während der Arbeit in den Firmen verbracht, deshalb möchten wir genau hier ansetzen. Zu einem späteren Zeitpunkt soll das Angebot europa- und weltweit vertrieben werden. Auch sollen in Zukunft Privatleute angesprochen werden.

Was ist das Besondere an dem Bürostuhl?
Unser Bürostuhl, bzw. die Bürostuhlauflage, unterstützt den Anwender darin, gesund zu sitzen. Dabei wird dieser jedoch nicht in eine bestimmte Position gezwungen, vielmehr steht die Dynamik im Vordergrund. Der Stuhl nimmt dem Sitzenden die Pflicht ab, ständig bewusst für ein besseres Sitzverhalten zu sorgen. Der Stuhl denkt also mit und erinnert in gewissen Momenten daran, das Sitzverhalten zu verbessern. Mit unserem Konzept wollen wir alle Menschen gleichsam erreichen. Klassische Angebote, wie z. B. Sportkurse, werden im Allgemeinen nur von denjenigen wahrgenommen, die eine hohe intrinsische Motivation für Sport und Gesundheit haben. Unser Konzept richtet sich auch an jedermann, der nicht an Sport und Fitness interessiert ist.

Wie weiß der Kunde dass er den Bürostuhl richtig benutzt?
Um eine bestmögliche Anwendung zu gewährleisten, werden die Produkte von Ergonomieexperten in den Betrieben eingeführt und erklärt. Danach kommuniziert der Stuhl direkt mit dem Anwender und klärt diesen über sein Sitzverhalten auf. In der Smartphone App kann der kontinuierliche, persönliche Fortschritt überwacht werden und so zu Verbesserung angeregt werden. Ansonsten funktioniert der Stuhl genau so, wie man es von einem Stuhl erwartet.

Wo kann man den Bürostuhl kaufen?
Die Stuhlauflage wird nicht verkauft, sondern von uns direkt als Leasingangebot vertrieben. Der vollintegrierte Stuhl soll mit Partnern gemeinsam auf den Markt gebracht werden. Dazu sind klassische Vertriebskanäle gedacht.

Wie ist das bisherige Feedback?
Das Feedback ist absolut positiv. Jeder kennt die Problematik zu langen und falschen Sitzens. Oft bieten sich Leute als „Probesitzer“ an, weil sie es kaum erwarten können, bis der Stuhl auf den Markt kommt.

physiosense, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
physiosense will sich als Standard des modernen und gesunden Büroalltages etablieren. Jeder Arbeitnehmer sollte die Möglichkeit erhalten, seinen sitzenden Tag so dynamisch und gesund wie möglich zu gestalten. Langfristig soll die physiosense Technologie auch in andere Bereiche übertragen werden. Dazu zählen Fahrzeugsitze genau wie Krankenbetten.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Nutzt vorhandene Infrastruktur und vorhandenes Wissen. Netzwerk ist das wichtigste, um eine gute Idee weiterzuentwickeln und in ein Geschäftsmodell zu wandeln. Man muss nicht alles neu erfinden.
Fokussiert euch auf die wesentlichen Dinge. Gründen ist kein Selbstzweck, auch wenn die hippe Szene es teilweise suggeriert. Nicht Clubmate und MacBook machen einen guten Entrepreneur aus, sondern Kreativität, Geschäftssinn, Offenheit und Beharrlichkeit.
Bleibt euch selbst treu. Schmeißt nicht euer Konzept von Bord, wenn jemand mit „großem Namen“ euch nichts zutraut. Verstellt euch nicht um wichtigen Personen zu gefallen. Das macht unglücklich und ist auf Dauer extrem anstrengend.

Wir bedanken uns bei Björn Olaf Lang für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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