Verfolge einen langfristigen Plan!

pflege.de: Beratungsportal für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige

Stellen Sie sich und das Unternehmen pflege.de doch kurz unseren Lesern vor!
Ich bin Lars Kilchert und einer der beiden Gründer von pflege.de. Zusammen mit Dr. Benedikt Zacher habe ich 2011 die web care LBJ GmbH gegründet, die heute mit pflege.de führende Pflegeportale und damit zusammenhänge Services betreibt. Statistisch gesehen nutzt ein Großteil aller Menschen, die in Deutschland online nach Informationen und Leistungen zum Thema Pflege suchen, pflege.de und erhält bei uns passende Informationen, telefonische Beratung sowie konkrete lösungsorientierte Hilfe bei der Suche nach Dienstleistungen und Produkten. Mit rund 6 Mio. Visitors und bis zu 200.000 konkreten Anfragen pro Jahr ist pflege.de führend in der Organisation von Pflege in Deutschland.

Wie ist die Idee zu pflege.de entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die Großmutter meines Co-Founders, Dr. Benedikt Zacher, war aufgrund einer Demenz am Ende ihres Lebens schwer pflegebedürftig. Und auch ich suchte später für meinen Großvater bereits nach Pflegedienstleistungen. Wie herausfordernd es ist, passende Pflege zu organisieren und wie groß umgekehrt der Bedarf an online verfügbaren, umfassenden und transparenten Informationen gepaart mit individueller Pflegeberatung ist, erfuhren wir somit am eigenen Leibe. 2011 entstand dann aus der Idee ein gemeinsames Unternehmen.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?
Wir wollten beide schon immer unternehmerisch tätig sein und fanden im Thema Pflege einen Bereich, der nicht nur ökonomisch, sondern auch gesellschaftlich sinnvoll ist.

Von der Idee bis zum Start – Was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung bestand genau darin, eine Finanzierung zu finden. Von der Relevanz und dem Markt mussten wir Investoren zum Glück nie überzeugen. Wir wollten aber sicherstellen, dass unsere Gesellschafter einen langen Atem haben, denn das deutsche Gesundheitswesen hält aufgrund der starken Regulierung so manche Überraschung für motivierte Gründer bereit. Diese Fallstricke zu verstehen und zu adressieren, war und ist eine ständige Herausforderung.

In Deutschland werden viele Pflegebedürftige von Bekannten gepflegt, die dadurch total überfordert sind. Wie sehen Sie aus eigener Erfahrung die Risiken im Pflegemarkt?
Dies ist mit Sicherheit ein Risiko und hängt wiederum übergeordnet mit der größten Herausforderung für die Pflege in Deutschland angesichts der alternden Gesellschaft zusammen: Dem Mangel an geeigneten und entsprechend ausgebildeten Personen, die die Pflege und Betreuung leisten können und wollen. Das betrifft sowohl die Laienpflege als auch die Pflege durch professionelle Pflegedienste und in Pflegeheimen. Ein weiteres massives Risiko ist die Tatsache, dass die meisten Menschen davon ausgehen, dass die Pflegeversicherung wie die Krankenversicherung die notwendigen Kosten gänzlich übernimmt. Weit gefehlt! Fast immer müssen erhebliche private Zuzahlungen geleistet werden und das kann neben der Rente auch die kompletten Altersrücklagen kosten. Insofern muss jeder privat vorsorgen, anders wird es nicht funktionieren.

Welche Unterstützung erhalten Angehörige von offizieller Stelle?
Es gibt Beratungsangebote der Krankenkassen, die jedoch meist skeptisch gesehen werden, da man von seiner Kasse wahrscheinlich gerade nicht erwartet, dass man auf das Maximum an Leistungen hingewiesen wird. Zudem findet hier zumeist keine Vermittlung regionaler passender Anbieter statt, da die Kassen neutral bleiben müssen. pflege.de hingegen filtert bewusst eine überschaubare Anzahl passender und qualifizierter Angebote für den jeweiligen Bedarf aus dem unübersichtlichen Angebotsdschungel heraus. Neben der Kassenberatung gibt es auch die sogenannten Pflegestützpunkte, die regional Beratung bieten. Die Verfügbarkeit und Qualität ist jedoch deutschlandweit höchst unterschiedlich. Oft scheitert es schon daran, dass man sich bei den Öffnungszeiten nicht nach den Bedürfnissen berufstätiger Angehöriger richtet. Was bringt mir der Pflegestützpunkt, wenn er nur von 10 bis 16 Uhr werktags geöffnet ist? pflege.de hingegen soll immer erreichbar sein.

Wie viele Pflegebedürftige gibt es schätzungsweise in Deutschland?
Die Zahl der offiziell über einen Pflegegrad registrierten Pflegebedürftigen lag schon Ende 2015 bei 2,9 Mio. und dürfte mittlerweile bei über 3 Mio. liegen. Dazu gibt es aber vermutlich etwa 500.000 bis 1 Mio. Menschen, die zwar von Angehörigen gepflegt oder zumindest regelmäßig versorgt werden, ohne dass eine offizielle Begutachtung stattgefunden hat.

Wie wird sich das in den nächsten Jahren verändern?
Laut der letzten statistischen Hochrechnungen ist bis zum Jahr 2030 von einem Anstieg der Pflegebedürftigen auf ca. 3,5 Mio. zu rechnen (insbesondere durch die Alterung der Babyboomer-Generation), bis 2050 auf etwa 4,5 Mio. Insgesamt ist von einer drastischen Alterung der Pflegebedürftigen auszugehen, die insbesondere ab etwa dem Jahr 2040 einsetzt. Waren im Jahr 2015 etwa 30 % aller pflegebedürftigen Männer 85 Jahre und älter, so erhöht sich deren Anteil auf knapp 60 % bis zum Jahr 2060. Auch bei den Frauen zeigt sich eine deutliche Zunahme der Hochaltrigkeit.

Während im Jahr 2015 der Anteil der Frauen im Alter 85 und darüber bereits bei etwa 50 % lag, erhöht sich dieser Anteil dennoch auf knapp 70 % bis zum Jahr 2060. Man spricht deshalb auch von der doppelten Alterung, da es nicht nur immer mehr alte Menschen im Vergleich zu jungen gibt, sondern die Menschen erfreulicherweise aufgrund des medizinischen Fortschritts auch immer älter werden.

Welche Unterstützung bieten Sie mit pflege.de?
Hilfesuchende Familien werden mit einzigartigen und hochwertigen Inhalten und Tools wie z.B. Informationsbroschüren, Checklisten, Pflegegradrechner o.ä. versorgt sowie bei Bedarf kostenfrei durch qualifizierte Pflegeberater/innen telefonisch beraten. Unsere Beratung ist immer individuell und wir vermitteln auf Wunsch passende Anbieter für die Pflege zuhause (Dienstleistungen, Hilfsmittel und sonstige Produkte) sowie passende Pflegeheime. Zudem vertreiben wir die sogenannte „curabox“, in der wir Pflegehilfsmittel zum einmaligen Gebrauch an Angehörige versenden. Die Produkte werden komplett von der Kasse erstattet, wir kümmern uns um alle Formalitäten. Ähnliche Services können folgen.

Wie funktioniert pflege.de und welche Vorteile bietet pflege.de?
Wir finanzieren uns über unser bundesweites Partnernetz, Vermarktung sowie eigene Produkte wie z.B. die curabox. Die Vorteile von pflege.de liegen auf der Hand: Wir bieten die besten und aktuellsten praxisrelevanten Informationen auf dem Portal pflege.de online sowie in der individuellen telefonischen Pflegeberatung und vermitteln regionale Anbieter für jeden Bedarf.

Wie ist das Feedback?
Durchweg sehr positiv, auch einzusehen unter

pflege.de, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir wollen nochmal Geschwindigkeit aufnehmen und nicht nur online, sondern auch offline in der relevanten Zielgruppe massiv an Sichtbarkeit und Bekanntheit gewinnen. Außerdem werden Nutzer und Kunden von pflege.de noch mehr hilfreiche Unterstützungsangebote vorfinden. Wir bereiten die Umsetzung einiger innovativer Ideen vor, die sich in einem Jahr hoffentlich wie geplant entfalten. In fünf Jahren soll jeder, der Unterstützung für pflegebedürftige Angehörigen sucht, automatisch an pflege.de denken.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1. Sprich nur Geldgeber an, die zu Deinem Unternehmen in seiner jeweiligen Phase passen.
2. Nach der Finanzierungsrunde ist vor der Finanzierungsrunde.
3. Verfolge einen langfristigen Plan, kurzfristige Herausforderungen kommen und gehen jederzeit.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Lars Kilchert für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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