Smarter Zahnputzmarkt: Wie Big Data im Badezimmer die Mundpflege revolutioniert

Paul Varga, studierter Biotechniker und Gründer eines Health-Tech Startups, blickt in die Zukunft der Zahnpflegebranche und weiß, dass die Digitalisierung auch hier nicht mehr wegzudenken ist.

Zahnpflege bedeutet kontinuierliches Dranbleiben:

Ärzte empfehlen zwei- bis dreimal täglich die Zähne zu putzen. Darüber hinaus sollten Zahnseide oder Interdentalbürsten in das täglichen Mundhygiene-Ritual einbezogen werden. Trotzdem wird die Zahnpflege oft als lästig angesehen und fällt nicht selten knapp aus. In der Folge leiden die Zähne und der nächste Gang zum Zahnarzt könnte nicht nur schmerzhaft, sondern auch sehr teuer werden. Dass hier Handlungsbedarf besteht, haben inzwischen nicht nur die großen Marken erkannt. Der Markt für Zahnpflegeprodukte boomt mehr denn je – immer neue elektronische Zahnbürsten, Schallzahnbürsten und spezielle Zahncremes stehen zur Auswahl. Ausgeklügelte Innovationen, wie die jüngst vorgestellte 10-Sekunden-Zahnbürste, sollen die tägliche Routine so einfach und effizient wie möglich gestalten. 

Daneben bestätigen zahlreiche Umfragen, dass das Marken- und Preisbewusstsein der Deutschen auch beim Thema Zahnpflege hoch ist. Neben renommierten Herstellern achten Verbraucher besonders auf zeitgemäße und moderne Produkte. Zwar greifen in der Praxis immer noch viele zur klassischen Handzahnbürste, doch die elektrische Variante ist auf dem Vormarsch. Laut Nielsen-Studie konnte hier bereits 2017 im Vorjahresvergleich ein zweistelliger Umsatzzuwachs erzielt werden.

Aber nicht einfach nur elektrisch sollte sie sein: wenn es um die tägliche Reinigung der Zähne geht, ist der Trend zu hochmoderner Technik nicht aufzuhalten. Hilft das Smartphone uns bereits in vielen Alltagssituationen, soll künftig auch das Badezimmer hiervon nicht ausgenommen sein. „Smart & Connected“ lautet die Devise für die Top-Zahnbürsten von heute. Via Bluetooth mit einer App auf dem Smartphone verbunden, können beim Reinigen Messungen vorgenommen werden, die nachhaltig zur Zahngesundheit beitragen. Druck-Kontrolle, Positionserkennung und Timer helfen den Putzvorgang zu optimieren oder den Erfolg zu kontrollieren. So kann die Ergänzung mit digitalen Technologien die Motivation steigern, vermittelt gleichzeitig die richtige Putztechnik und trägt zum Einhalten der empfohlenen Putzzeiten bei.

Mittlerweile bieten fast alle namhaften Hersteller elektrischer Zahnbürsten auch Geräte an, die sich mit dem Smartphone verbinden lassen.

Der Mission „Zahnbürste mit künstlicher Intelligenz“ hatten sich zunächst Startups verschrieben. Seit mehreren Jahren wächst der Markt für smarte Gadgets im Zahnpflegesegment, angetrieben von innovativen Köpfen, die einen Wandel in der Mundhygiene einläuteten.  In puncto Schnelligkeit, Effizienz und digitaler Putzkontrolle, sind es junge Querdenker, die mit ihren zukunftsweisenden Ideen einen großen Impact auf die Großkonzerne der Zahnputzindustrie haben.

War die Verbindung Smartphone und Zahnpflege vor einiger Zeit noch undenkbar, finden sich in den Regalen der Drogeriemärkte heute zahlreiche Produkte bekannter Branchengrößen. Auch in Zukunft werden Zahnputzmuffel keine Ausreden mehr haben, denn die Geräte können die erfassten Daten nicht nur auf das eigene Smartphone oder Tablet übertragen, sondern ebenso an den Zahnarzt und Krankenkassen übermitteln. Beim Zahnarztbesuch lässt sich dann ganz simpel nachvollziehen, an welchen Stellen es noch Defizite gibt.

Die Digitalisierung macht auch vor dem Behandlungszimmer nicht Halt – schon heute können Patienten Röntgenbilder und Aufnahmen der Zähne in Sekundenschnelle bequem am Bildschirm auf dem Zahnarztstuhl sehen und die Behandlungsschritte nachvollziehen. Mit digitalen Aufnahmen werden inzwischen Bohrschablonen, Kronen oder sogar komplette Prothesen geplant. Smarte Gadgets im Erwachsenensegment sind für die Zahnpflege demnach mittlerweile allgegenwärtig. 

Anders sieht es im Bereich der Kinderzahngesundheit aus.

Mit der „Digitalisierung im Kinderzimmer“ scheinen viele Eltern vorsichtiger umzugehen und stehen digitalen Hilfsmitteln im Rahmen der Kinderzahnpflege häufig noch skeptisch gegenüber. Gleichzeitig zeigt sich gerade hier das volle Potenzial der vernetzten Zahnbürsten. Kinder lassen sich oft nur schwer zur Mundpflege motivieren. Während bei Erwachsenen die Einsicht über die Faulheit siegt, ist der Nachwuchs für rationale Argumente weniger zu begeistern und stellt nicht selten auf stur. Wenn Kinder sich weigern, den Mund aufzumachen oder sich auf der Zahnbürste festbeißen, bedeutet das Stress für alle Beteiligten.

Dazu besteht die Gefahr, dass sich die negative Assoziation mit dem Ritual langfristig auswirkt und Vermeidungsstrategien und Abneigung gegen Mundhygiene ein Leben lang weitergetragen werden. Hier können digitale Aufsätze oder Zahnbürsten helfen, den Gang zum Waschbecken wieder zu einem positiven Erlebnis werden zu lassen und die Motivation zu steigern. Wenn sich mit dem richtigen Putzen abenteuerliche Spiele spielen lassen und Highscores geknackt werden können, freuen sich nicht nur Eltern und Kinder, sondern am Ende auch der Zahnarzt. Die Digitalisierung ist aus unserem Leben kaum mehr wegzudenken, daher sollten wir sie für die richtigen Dinge einsetzten. Dazu zähle ich die Zahngesundheit – bei Erwachsenen und Kindern.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Paul Varga

Der Österreicher Paul Varga rief gemeinsam mit Matthäus Ittner und Tolulope Ogunsina bereits 2015 das Startup Playbrush ins Leben. Ziel des Technology-Unternehmens ist es, Kindern auf spielerische Art die tägliche Mundhygiene näher zu bringen. Dafür werden herkömmliche Zahnbürsten via Hardware, Smartphone-Spielen und Bluetooth in Spiele-Controller verwandelt. Das mehrfach preisgekrönte Jungunternehmen mit Sitz in Wien und London vertreibt seine Produkte mittlerweile in 25 Ländern. Website: http://www.playbrush.com 

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