Arbeit auszulagern ist keine Schande, sondern effizientes Arbeiten

Patientzero Games: EMERGE  eLearningSoftware für Medizinstudenten

Wie ist die Idee zu Patientzero Games entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die Firma PatientZero Games ist aus dem Studium heraus entstanden. Arne Klingenberg und Georg Treml haben zusammen an der HAW ihren Master für audiovisuelle Medien und Games gemacht. Dabei haben Sie festgestellt, dass sie sich gut vorstellen können nach dem Studium eher Selbstständig zu sein, als in ein Angestelltenverhältnis überzugehen. Als dann ihr Professor mit dem Angebot der Universitätsmedizin Göttingen und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf einen Serious Game Protoypen zu erstellen bei ihnen vorstellig wurde, nutzen Sie die Gelegenheit.
Die Idee für die eLearningSoftware EMERGE basiert auf einer Idee des Medizindidaktikers Prof. Dr. med. Tobias Raupach (MME) aus der Universitätsmedizin Göttingen und Frau Prof. Dr. Sigrid Harendza (MME) aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, denen aufgefallen ist, dass heutige Medizinstudenten fachlich sehr gut ausgebildet sind, sich jedoch bei ihren ersten Einsätzen in der Notaufnahme oft überfordert fühlen. Um dies zu verbessern, wurde zunächst im Rahmen einer Masterarbeit von Arne Klingenberg zusammen mit den Universitäten ein erster Prototyp von EMERGE entwickelt. Dieser diente dann als Treibstoff für die weitere Entwicklung von EMERGE und somit der Entstehung von PatientZero Games.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Wenn man keinen erfahrenen Betriebswirtschaftler im Team hat muss man sich alles selber beibringen und macht dabei natürlich eher Fehler. Wir haben daher von Anfang an sehr darauf geachtet auf professionelle Hilfe zurückzugreifen und konnten so kritische Situationen immer wieder gut umschiffen. Dank der Kooperationen mit den Universitätskliniken aus Hamburg-Eppendorf (UKE) und Göttingen (UMG) war die Finanzierung von EMERGE gesichert. Damit die Firma weiter wachsen kann, haben wir weiterhin nach starken Partnern ausschau zu halten, unter anderem auch nach Investoren. Allerdings ist heutzutage gar nicht so einfach einen Investor zu finden. Es gehört natürlich ein gutes Produkt und ganz viel Glück dazu, dass jemand sein Geld in die Idee und das Produkt eines anderen investiert. Wir sind ziemlich daher glücklich diesbezüglich auf die Guano AG gestoßen zu sein. Es handelt sich dabei um einen Ableger von DocCheck, einer der größten Medizin Communitys Deutschlands.

Wer ist die Zielgruppe von EMERGE?
EMERGE richtet sich an eine breite Bandbreite von Nutzern. Zunächst möchten wir Medizinstudenten die Möglichkeit geben sich die praktischen Fähigkeiten, die sie im Klinikalltag täglich einsetzen müssen, zu trainieren und so ihr Selbstbewusstsein zu steigern. Aber auch ausgebildete Ärzte sollen die Möglichkeit bekommen mit EMERGE schwierige Situationen regelmäßig zu üben. Damit EMERGE von möglichst vielen Medizinstudenten genutzt werden kann, möchten wir mit den Universitätskliniken in Deutschland kooperieren und eine spezielle Version für die Ausbildungsstätten bereitstellen. Die Universitäten können EMERGE in die Lehre integrieren und ihren Studenten eine moderne Ausbildung ermöglichen. Unsere Kooperationspartner in Hamburg und Göttingen (UKE/UMG) haben die Möglichkeiten von Serious Games bereits erkannt und nutzen EMERGE für die Ausbildung. In Göttingen ist es sogar ein Bestandteil des Curriculums und damit fest im Studium verankert.
Eine weitere Zielgruppe für EMERGE sind Krankenhäuser, die mit einer angepassten Version Prozesse und Abläufe in ihrer Klinik virtuell analysieren und optimieren können. Auch regelmäßige Trainings und die Nutzung als Recruitingwerkzeug sind hier denkbar.

Wie funktioniert EMERGE?
Medizinstudenten sind fachlich sehr gut ausgebildet, aber sie fühlen sich bei ihren ersten Einsätzen in der Notaufnahme oft überfordert. Dies liegt daran, dass in einer Notaufnahme neben dem medizinischen KnowHow auch Fähigkeiten gefragt sind, die im Studium der Humanmedizin bis jetzt nur schwer gelehrt werden können. Zum Beispiel ist es in der Notaufnahme sehr wichtig die Übersicht über mehrere Patienten gleichzeitig zu behalten. In der Universität werden die Studenten jedoch meist nur mit einem Fall zur Zeit konfrontiert. Darüber hinaus haben Sie dort meistens sehr viel Zeit, um sich Gedanken zu machen und die Fälle zu bearbeiten. In der Notaufnahem müssen jedoch sehr oft unter Zeitdruck und mit
limitierten Informationen die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Um dies auch in der Uni oder zu hause trainieren zu können, haben wir, zusammen mit der Universitätsmedizin Göttingen und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, mit EMERGE ein Lernspiel entwickelt, welches auf neue Technologien zurückgreift und somit in der Lage ist eine komplette Notaufnahme mit mehreren Patienten in einem virtuellen 3D Raum zu simulieren.

Welche Vorteile haben Medizinstudenten?
Viele Medizinstudenten fühlen sich nach ihrer theoretischen Ausbildung häufig schlecht auf den Klinikalltag vorbereitet. Dieses Problem haben viele Universitäten bereits erkannt und wird auch durch unsere eigene Marktforschung bestätigt. EMERGE bietet den Medizinstudenten eine moderne problemorientierte eLearning Software mit der sie sich praktische Fähigkeiten aneignen können, die sonst nur in aufwendigen Rollenspielen trainiert werden können. Sie erlernen Automatismen und entwickeln Entscheidungsroutinen. Diese sind besonders in stressigen und unübersichtlichen Situationen wichtig und vermeiden stressbedingte Fehler im realen Einsatz. Das Training mit EMERGE gibt den Studenten Sicherheit und baut Ängste ab.

Patientzero Games, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In fünf Jahren ist EMERGE bereits in der dritten Produktversion, auch in Englisch, zu haben und wir haben weitere Zielgruppen erschlossen, wie z.B. können auch Pflegekräfte mit EMERGE trainieren und es werden weitere Stationen eines Krankenhause hinzugekommen ein. Des Weiteren werden wir auch Simulationssoftware für weitere Bereiche anbieten, in denen es wichtig ist unter Zeitdruck Entscheidungen zu treffen. Der Markt für eLearning Software ist weltweit stark am wachsen und wir werden ganz vorne mit dabei sein!

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Unsere drei Tipps für Gründer wären:
1. Es muss kein Businessplan sein, aber wenn alles einmal durchgesprochen wurde und klare Ziele gesetzt wurden, dann macht es den weiteren Weg als Team um einiges angenehmer.
2. Sich für die Firma aufopfern ist lobenswert, aber ab einem gewissen Zeitpunkt kontraproduktiv. Findet einen für euch angenehmen Mittelweg und nutzt das breite Angebot von externen Dienstleistern. Arbeit auszulagern ist keine Schande, sondern effizientes Arbeiten.
3. Lernt von/und kopiert die Besten! Es macht nur unnötig Arbeit das Rad ein zweites mal zu erfinden. Wichtig ist es daher immer up-to-date zu bleiben und sich an und ab zugucken, wie andere Probleme lösen.

Wir bedanken uns bei Georg Treml für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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