Parken 2.0 – Drei Zukunftsszenarien im Überblick

Autonomes Parken, intelligente Parkplatzsuche und Infotainment-Integration: Adriaan Mensink, CEO von ParkU, erklärt, welche Technologien bereits heute verfügbar sind und welche Trends noch zu erwarten sind

In der schnelllebigen Zeit von heute gilt es als eines der nervenzehrendsten und zeitaufwendigsten Prozedere im Straßenverkehr: die Parkplatzsuche.
Eine kürzlich veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass deutsche Autofahrer insgesamt 560 Millionen Stunden im Jahr für die Suche nach einem geeigneten Stellplatz aufbringen. Die enorme Ressourcen-und Umweltbelastung lässt sich aus dieser Kennzahl schnell ableiten. „Aktuell steht uns jedoch ein neues Zeitalter des Parkens bevor“, meint Adriaan Mensink, CEO von ParkU. Der Smart-Mobility-Experte erklärt, welche Innovationen auf den Markt drängen und im Begriff sind, den Straßenverkehr zu revolutionieren.

1. Intelligente Organisation von Parkraum
Park-and-Ride-Parkplätze sind bereits seit den 70er Jahren fester Bestandteil der hiesigen Verkehrsplanung. In Baden-Württemberg starten Bosch und der Verkehrs-und Tarifverbund Stuttgart in diesem Jahr erstmals ein Projekt, in dem die Parkplatz-Belegung zeitlich exakt erfasst wird. Ob ein Parkplatz in der Nähe öffentlicher Verkehrsmittel zur Verfügung stehe, werde dann in Echtzeit über die entsprechende App des Tarifverbundes kommuniziert. Dies stellt eines der Anwendungsbeispiele dar, in dessen Rahmen Parkplätze fester Bestandteil des ‚Internet of Things’ werden. Funksensoren, die in den Stellplätzen und Straßen verbaut sind, erkennen, ob Autos auf den entsprechenden Flächen stehen oder nicht. Die Informationen werden dann an einen Empfänger übermittelt und in eine Datenbank eingespeist. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, dass die Sensoren direkt in die Autos eingebaut werden. Auch hier können freie Parkplätze in Echtzeit erkannt werden. „Unternehmen wie INRIX aus den USA akkumulieren Echtzeit-Verkehrsdaten und erfassen unter anderem zahlreiche Informationen zu Parkplätzen, Parkhäusern und Straßenparkplätzen“, weiß Mensink. „Bereits Ende des Jahres ist mit entscheidenden Sprüngen im Bereich Big Data und Parken zu rechnen.“

2. Vertikal integrierte Marken für die perfekte Servicekette
Derzeit durchdringt viele Branchen und Märkte das Geschäftsmodell der sogenannten „vertikal integrierten Marken“. Diese aggregieren Angebot und Nachfrage zu einer bestimmten Thematik und bilden gleichzeitig die gesamte Wertschöpfungskette für diesen Prozess ab. Ein gutes Beispiel dafür sind Park-Apps. Mittlerweile gibt es virtuelle Marktplätze, auf denen private oder gewerbliche Anbieter ihre Parkplätze zur Verfügung stellen und
Autofahrern freie Flächen finden und reservieren können. „Bislang bieten aber nur wenige Apps dem Nutzer alle Informationen und Services aus einer Hand. Dabei gibt es bereits jetzt schon Anbieter, die es dem Kunden ermöglichen, sich für alle Parkservices, von Echtzeitinformationen über Buchung, Bezahlung und Abrechnung bis hin zur Navigation zum Parkplatz nur an eine zentrale Stelle zu wenden“, so Mensink.

3. Integration ins Smart Car
Dass diese Intelligenz künftig aber auch vom Smartphone direkt in das Auto übergehen wird, scheint nur noch eine Frage der Zeit. „Eine unmittelbare Integration der Mobile Services in die Infotainmentsysteme der Fahrzeuge wird Dienstleistern ganz neue Vertriebskanäle eröffnen“, prognostiziert Mensink. Dies wird dann besonders interessant für innovative Jungunternehmen, die sich rund um das Thema Auto und Verkehr positionieren.
Gesteigertes Interesse ist bei den Autoherstellern vor allem bei Diensten für die Parkplatzsuche zu erkennen. „Problematischerweise beharren die Autohersteller aber aktuell noch darauf, das technische Ökosystem geschlossen zu halten. Denn natürlich wollen sie ihre Infotainmentsysteme individuell entwickeln“, erklärt der ParkU-CEO. „Dadurch wird das digitale Angebot innerhalb der Smart Cars sehr begrenzt, da für innovative Dienste so der Weg in die Autos zunächst mit viel Aufwand verbunden ist.“ Er geht jedoch davon aus, dass die Autohersteller langfristig von dieser Linie abrücken werden, um möglichst viele Services zu integrieren.

Immer weiter schreitet auch die Entwicklung hin zum komplett autonomen Parken voran. „Auch hier gibt es bereits eine Reihe von Pilotprojekten“, sagt Mensink. „Parkhäuser eignen sich gut, um das autonome Fahren sukzessive zu testen. Wenn niemand mehr aus den Autos ein-oder aussteigen muss, entsteht automatisch mehr Parkfläche.“ Die Infrastruktur der meisten Parkhäuser ist jedoch nicht für solche Vorhaben ausgelegt. Daher wird wohl noch einige Zeit ins Land ziehen, bevor Fahrzeuge sich, wie von Zauberhand, selbstständig abstellen.

„Insgesamt lässt sich dennoch konstatieren, dass es Parken, wie wir es heute kennen, künftig so nicht mehr geben wird. Viele neue Technologien und Ideen werden die Realität verändern und Möglichkeiten für Verbraucher und Unternehmer bieten“, schließt der Experte seinen Blick auf die Zukunft des Parkens ab.

Über Adriaan Mensink: CEO von ParkU & Business-Stratege aus Leidenschaft
Seine Faszination für Technologie und Entrepreneurship führte Adriaan Mensink dazu, im international operierenden Jungunternehmen ParkU einzusteigen. Das Konzept überzeugte ihn sofort: In Amsterdam hatte er hautnah die Parkplatzknappheit im öffentlichen Raum einer geschäftigen Großstadt bei gleichzeitig vielen freien privaten Flächen erlebt – ein Widerspruch, der Potenzial für ein Geschäftskonzept versprach. Adriaan Mensink steuert als CEO das operative Geschäft von ParkU vom Hauptsitz Berlin aus und ist zudem Country Manager der niederländischen Tochtergesellschaft ParkU Nederland B.V. Zuvor hatte der aus den Niederlanden stammende Manager Positionen bei den Vereinten Nationen sowie dem Logistik-Riesen TNT/ PostNL inne, wo er wertvolle Erfahrungen im Bereich Business Development und Logistik sammelte. Der ehemalige Key Account Manager möchte die Vorteile eines jungen agilen Unternehmens, wie kurze Kommunikationswege oder schnelle Entscheidungen, und das Know-how aus seiner Arbeit in Großunternehmen kombinieren, um ParkU europaweit zu etablieren.

Quelle Mashup Communications GmbH

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Schreibe einen Kommentar