Samstag, November 27, 2021

Geht nicht gibt es nicht

Meist Gelesene Beiträge

Die Zielgruppe kennen

Sei beharrlich!

Schnelle Iterationen

Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Langefreunde Design Studio: PARAFREE Trainings- und Alltagsrollstuhl für Querschnittgelähmte

Stellen Sie sich und das Startup PARAFREE doch kurz unseren Lesern vor!

Mein Name ist Felix Lange und ich bin Gründer von Langefreunde Design Studio in Schwerin. Mit meinem Team von Produkt- und Grafikdesignern entwickeln wir ganzheitliche Produktdesignkonzepte vom Logo bis zur Produktnullserie. Meine Karriere habe ich schon in frühester Jugend autodidaktisch im Designbereich gestartet, mich aber während meines Lebens unbewusst immer schon für Produktentwicklungen und deren Präsentationsformen begeistert. „Design mit Herzblut“ ist auch über die vergangenen 9 Jahre als Unternehmer immer der Mindestanspruch an Kundenaufträge gewesen.

Während der aktiven Zeit, also nach meinem Studium seit 2011 haben wir mit viel Fleißarbeit und etlichen Rückschlägen nebenher unseren Rollstuhl PARAFREE stets weiterentwickelt. Einst nur als Diplomarbeit konzipiert, ging es so richtig los mit einem EXIST-Stipendium im Jahr 2017/18. In der Zwischenzeit hat das Konzept weltweit für Aufsehen gesorgt und durch einige Designpreise immer etwas Wirbel- und Aufwind gehabt.

Der Rollstuhl ist bis heute mit viel Eigenleistung und sinnvollen schmalen Investitionen bis zur Nullserienreife entwickelt worden. Neben vielen Kundenaufträgen im Designbereich gilt PARAFREE auch als Referenzprojekt für unser ganzheitliches Leistungsspektrum. Detailliebe und Hingabe sind bis ins Detail zu spüren. Diese Leidenschaft für Design wenden wir mit jedem neuen Projekt für unsere Partner und Kunden an. Das Projekt PARAFREE ist also noch keine eigenständige, gut laufende Firma, sondern eine Produktvision in sehr fortgeschrittenem Zustand. Mehrere Vorserien-Prototypen sind nun gefertigt und die erste große Auslieferung steht an. Ab Januar 2022 wird es dann ernst. Bis dahin gibt es aber noch sehr sehr viel zu tun – neben dem Designalltag.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Schlicht und einfach: Ich wollte es so. Nach einem kurzen Intermezzo in einem renommierten Designbüro in der Nähe von Stuttgart habe ich für mich beschlossen, heimatnah zielgerichtete Lösungen für Unternehmer meiner Heimatregion anzubieten. Vom Restaurantumbau bis zur Touristeninformation – überall braucht es budgetorientierte Lösungen und Konzeptionen im kleinen Maßstab. Keine Aufgabe ist zu klein, alles muss „gut, geradlinig und ehrlich“ gestaltet werden. Der Erfolg kann sichtbar gemacht werden und gutes Design ist nicht total unerschwinglich. Langefreunde ist nicht nur ein schönes Fantasiewort, es hat mindestens diese besondere Botschaft: Gemeinsam nach vorn.

Welche Vision steckt hinter PARAFREE?

Mit dem Rollstuhl wollen wir das Hilfsmittel zum Lifestyleprodukt wandeln. Moderne Formensprache, High-Tech-Materialien und ein gewisser funktionaler Minimalismus bis ins Detail. PARAFREE selbst kann ein Lebensgefühl sein für den aktiven und motivierten Paraplegiker. Die Marke und das Produkt werden in Zukunft für kleine innovative Produktentwicklungen dieser kleinen Zielgruppe stehen. Dabei setzen wir auf ehrliches und schnörkelloses Design mit hohem Anspruch an die Ästhetik und Bedienbarkeit gleichermaßen. Der PARAFREE als Produkt ist nichts anderes als ein Alltagsheld, der modular auf die Bedürfnisse der Nutzer eingeht und zukünftig für jede Lebenslage und Situation eine Antwort weiß. So starten wir im Line-Up mit 3-Rad und 4-Rad gleichermaßen.

Wir schließen niemanden aus. Auch ein weiteres Modell ist in der Entwicklung. Das große PARAFREE-Universum wird auch im Alltag den einen oder anderen Fahrer begeistern. Komfortable Taschensysteme und Add-Ons liefern ein ganzheitliches Produkterlebnis. Aber der Weg ist auch steinig – das wissen wir nun aus dem Kampf der letzten Jahre. Jeder Meter Entwicklung ist kostenintensiv.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Bisher haben wir trotz Unkosten nie am Design oder den Möglichkeiten gespart! Immer wieder kamen „Experten“ hinzu und haben uns vom Wege abbringen wollen. Mein Team und ich sowie die Zuarbeit durch aktive Rollstuhlfahrer bestärkten uns in jeder Phase der Produktentwicklung. Bis heute stecke ich so gut wie jeden verdienten Euro in das Projekt. Der ganz große Wurf und die Geschwindigkeit würde aber mit einem Investor oder einem großen Auftrag von ca. 10-20 Rollstühlen gelingen. Wir haben es bis hier geschafft und werden auch ab Januar 2022 jeden Monat 5 PARAFREE-Modelle weltweit ausliefern. Dieses Ziel treibt uns an.

Die größte Herausforderung ist tatsächlich der Kostenapparat in Deutschland. Es ist nahezu unmöglich, mit Taschengeld ein so hochwertiges Produkt in dieser doch recht annehmbaren Zeitspanne zu entwickeln. Kurzum: Langefreunde Design Studio als etablierter Anbieter für 3D- und 2D-Gestaltung in den Bereichen Marke, Produkt, Raum und Konzept hat dieses Experiment „Produktentwicklung made in Germany“ möglich gemacht. Und natürlich dieser unbändige Hunger des Teams. Wir sind stolz auf das Ergebnis, wohlwissend das der Weg noch sehr weit und steinig ist.

Wer ist die Zielgruppe von PARAFREE?

Der PARAFREE® ist ein Trainings- und Alltagsrollstuhl für Querschnittgelähmte, die eine Lähmung im Bereich der Wirbel L5 bis Th7 erlitten haben (Paraplegiker). Die Produkte von uns richten sich an die Personen, die im Oberkörper funktionsfähig sind und eine gute Muskel- und Knochensubstanz besitzen. Diese Behinderung kann auch von zeitlich begrenzter Dauer sein. Wir konzentrieren uns auf die Zielgruppe der dauerhaft oder temporär hüftabwärts-gelähmten Paraplegiker sowie Spina bifida mit einer guten Muskel- und Knochensubstanz. Die Zielgruppe besteht aus Nutzern vornehmlich zwischen 15 und 70 Jahren mit einem aktiven, selbstbestimmten Lebensgefühl – weltweit.

Was ist das Besondere am Rollstuhl? 

Ganz klar das nahtlose Design und seine Vielseitigkeit. Der Rollstuhl ist nun definitiv stylisch und in seiner Funktion erweiterbar. Die Add-ons wie Crossrad, 4-Rad oder das schnell zu wechselnde 3-Rad machen den besonderen Reiz aus. Die Sitzschale kann selbstverständlich auch für andere Aktivitäten genutzt werden. So wird es auch einen eigenen Wake-Board Adapter geben. Der Nutzer muss nicht für verschiedene Anwendungen immer neues und vor allem viel Geld in die Hand nehmen. Unsere Vision ist ein ganzheitliches Produktuniversum, wo es kaum noch offene Wünsche gibt. Zusätzlich ist der Alltagsheld mit einer Doppelachse ausgestattet und lässt sich problemlos jederzeit in der Ergonomie einstellen. Dabei gehen wir so weit, das Produkt „mitwachsen“ zu lassen.

Verschiedene Stürze, leichtes Aufweiten des Radstandes und vieles mehr sind problemlos und nahezu unsichtbar gelöst. Alles ist dem „sleek design“ unterworfen. Abklickbare Schuhe statt Bänder, ultraleichte Polsterlösungen und eine Nabenbremse geben dem „FREE“ im Namen eine neue Bedeutung. Kurz: Dein Lifestyle. Dein Rollstuhl. PARAFREE® ermöglicht Dir die Kombination aus Individualität und Performance, gepaart mit modularer Leichtigkeit.

Wo liegen die Vorteile? 

Ganz klar die modulare Bauweise. Der ultraleichte Rollstuhl kann eine Zuladung im Standard von 130kg aushalten und kann auch für Heavy-Duty-Anforderungen angeboten werden. Die wunderbare Formensprache ist durch einen 900g Monocoque-Rahmen im Zentrum möglich. Von da weg lassen sich zukünftig auch Handbike oder Smartdrive-Elektromotoren ankoppeln. Also aktiv und doch alltäglich universell verwendbar. Das Reisen ist auch komplett zerlegt eine neue Erfahrung. Einzig die Antriebsräder lassen sich noch nicht ganz austricksen. Aber da haben auch einige Firmen schon sehr gute Lösungsansätze. Sogenannte Falträder. PARAFREE wird auch mit diesen innovativen Elementen betrieben werden können. Das System ist dabei offen. Wir ermöglichen zum Beispiel etablierten Rückensystemen von z. B. Tarta eine perfekte Anbindung an unseren Rollstuhl. Der neue Begleiter ist nicht nur außergewöhnlich für aktive Fahrer mit eingeschränkter Beinfunktion. Es ergeben sich schier unendliche Möglichkeiten. Hübsch anzusehen und hochfunktional: Entscheidet aber einfach selbst.

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Wir haben zugehört. Wir wollen Innovation in und auf den Markt bringen. So haben wir die Trägheit des Marktes bereits durch die bloße Erwähnung aufgewirbelt. „Design und Styling“ ist spätestens seit 2011 auch in der Rollstuhlbranche ein Begriff. Die Vorladung zu Otto Bock hat gezeigt, dass da eine gute Idee auf dem Wege ist.

Natürlich ist ein Rollstuhl ein hochfunktionales Produkt und diesen Anspruch haben wir auch an den PARAFREE. Durch gezieltes Weglassen, aber vor allem konkretes Belassen von Elementen ist ein ganz eigener Archetyp „Rollstuhl“ entstanden. Es ist vor allem das Add-on Prinzip und das Doppelachs-Feature was durchaus Vorteile bringt. So kann das Crossrad mit Gepäckträger ausgestattet werden und als Lastenesel umfunktioniert werden. Wer dann noch auf einen Elektrohelfer setzt, hat beim PARAFREE wenig Probleme. Abends dann auf „schick“ ausgehen oder direkt ins Fitnessstudio? Die Konfiguration vor Fahrtantritt ist spielend einfach. Skeptikern und konventionellen Fahrern ermöglichen wir es mit dem 4-Rad Add-on Ängste zu überwinden. So ist der Umstieg auf PARAFREE kein Experiment, sondern das Abenteuer, was lange gesucht wurde.

PARAFREE, wo geht der Weg hin? 

Aktuell arbeiten wir an unseren internen Prozessen und erarbeiten uns eine Materialbibliothek. Der Ausbau des Lagerbestands und die Entwicklungen vom Detaillösungen fordern viel Zeit und Geduld. Außerdem müssen wir unseren Fertigungsprozess hier in Deutschland stetig verbessern. Zum Beispiel gilt es, den hohen Anteil an Hand- und Schleifarbeiten zu vereinfachen und zu optimieren. Die Entwicklung von professionellen Formen und Klebelehren ist dabei der entscheidende Faktor.

Die nächsten Monate sind spannend und weil das ein fast unbezwingbarer Berg ist, haben wir nun einen Crowdfunding Aufruf auf Startnext gestartet. Für Investoren oder 10 Rollstuhlfahrer bieten wir besonders attraktive Pakete. Und alle anderen dürfen natürlich Daumen drücken und gern spenden, unterstützen oder einfach nur die Idee teilen. Auch wenn wir kreative Prämien erdacht haben, so wissen wir, dass es eher eine Symbolik ist. Wir sind für jede Hilfe dankbar. Ab 2022 erweitern wir auch unsere Kapazitäten durch größere Räumlichkeiten und den Teamausbau. Arbeit gibt es genug. Alles wird um den Erfolg des Rollstuhls konstruiert. Nachhaltiges Wachstum und vorsichtige Schritte sind außerdem viel besser als etwaige Schnellschüsse. Aber es kribbelt in jeder Faser des Körpers.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Natürlich wird Langefreunde Design Studio eines der besten Anlaufstationen für Innovatoren, Kunden und Erfinder sein. Ich sage das mit zwinkerndem Auge. Es gibt da draußen so viel zu gestalten und eine Menge zu tun. Einen Ort der Kreativität zu schaffen und diesen mit kompetenten, guten und vor allem engagierten Menschen zu füllen ist dabei mein Minimalziel. Probleme von Menschen oder eines Einzelnen mit Hilfe von Design zu lösen ist weiterhin das Kerngeschäft und das Hauptaugenmerk.

Der Rollstuhl und alles darum wird hoffentlich angenommen und etabliert sein. Ein weiteres Modell wird dann bereits auf den Markt drängen und viele Verbesserungen und Erfahrungen am Ur-PARAFREE werden uns als Team noch mehr zusammengeschweißt haben.

Natürlich träumt man groß, aber ich weiß auch, wie man bescheidene kleine Schritte geht. Deswegen bin ich auch froh, wenn wir einfach großartige Projekte wie zum Beispiel unseren Sleeperoo Cube – bekannt aus der Höhle der Löwen – entwickeln dürfen. Man wird es sehen … wir haben sehr viel vor!

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Ruhe bewahren und den Kunden immer wieder begeistern. Neben der Entwicklung von unserem Rollstuhl ist eine sehr serviceorientierte Designagentur mit hohem Anspruch an die ganzheitliche Gestaltung entstanden. Unsere Kernkompetenzen spielen wir dabei täglich aus. Wichtig ist also Skills mitzubringen und zu schärfen. Geht nicht, gibt es nicht. Ein erstes Mal kann man auch kundenorientiert vorsichtig budgetieren und so gemeinschaftlich wachsen. Langefreunde ist auch ein Versprechen. Ehrliche Arbeitsweise mit fairen Bedingungen in beide Richtungen. Das sollte man immer vorher mit seinen Auftraggebern verabreden. Dabei hilft ein gut gewachsenes Netzwerk. Und die alten Weisheiten bewahrheiten sich immer wieder: Gute Arbeit spricht sich herum. Dabei nagt in uns auch immer der Ehrgeiz, noch besser zu werden.

Wir bedanken uns bei Felix Lange für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up: Langefreunde

- Advertisement -spot_img

Das könnte dir auch Gefallen

StartupValley Magazin

- Advertisement -spot_img
spot_img

Neueste Beiträge

Erhalte regelmäßig die neuesten internationalen Start-up-News

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.