Auf jeden Fall sollte man sich in der Startup-Szene ein Kontaktnetzwerk aufbauen!

pakadoo: Arbeitnehmer können mit pakadoo ihre privaten Pakete im Büro empfangen und retournieren

Stellen Sie sich und das Startup pakadoo doch kurz unseren Lesern vor!
Ich bin Mitglied der Geschäftsleitung der LGI Logistics Group International GmbH und bezeichne mich gerne als „LGI-Urgestein“, da ich kurz nach Gründung 1996 dort eingestiegen bin. Als CIO habe ich zunächst die Unternehmens-IT der LGI aufgebaut. Später wurde ich dann Leiter des Geschäftsbereichs Electronics und Geschäftsführer mehrere nationaler und internationaler Gesellschaften. Seit 2015 entwickle ich als Geschäftsbereichsleiter das Corporate Start-up pakadoo. Das macht unheimlich viel Spaß, denn ich kann hier noch sehr viel Neues dazu lernen und habe auch ein tolles, sehr engagiertes Team. Besonders freut mich, dass wir im Februar 2016 mit dem LEO-Innovationsaward der DVZ ausgezeichnet worden sind (LEO steht für Logistics-Excellence-Optimization).

Unser digitaler Service pakadoo, für den es eine App und eine Weblösung gibt, ermöglicht Unternehmen das professionelle und sichere Handling von Privatpaketen ihrer Mitarbeiter. Das ist insbesondere interessant für Firmen mit mehr als 200 Mitarbeitern, denn dort kann der Empfang von privaten Paketen schnell im Chaos enden. Wir lösen damit ein Problem, das jeder kennt und das im Zuge des eCommerce-Wachstums noch zunehmen wird: Pakete werden immer dann zugestellt, wenn man gerade nicht zuhause ist. Mit pakadoo kommen Pakete dann dort an, wo man sich tagsüber sowieso aufhält: beim Arbeitgeber. Die Mitarbeiter müssen nach der Arbeit ihre Pakete nicht mehr bei Nachbarn oder in Paketshops abholen, auch Retouren können sie ganz einfach über den pakadoo point in ihrem Unternehmen zurückschicken. Und das alles ohne zusätzliche Kosten. Ein weiterer positiver Effekt ist die damit verbundene Bündelung von Zustellfahrten der Paketdienste. Das entlastet den Verkehr und reduziert CO2-Emissionen.

Wie ist die Idee zu pakadoo entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Zwei Dinge brachten uns auf die Idee, pakadoo zu entwickeln. Zum einen persönlicher Stress meines Mitarbeiters Kris Van Lanckers, der es leid war, immer am Wochenende in Paketshops oder Postfilialen Schlange stehen zu müssen, um die Pakete, die ihm (bzw. seiner Frau, die sehr gerne online shoppt) unter der Woche nicht zugestellt werden konnten, abzuholen. Hinzu kam, dass wir sahen, dass sich mit dem rasanten Wachstums des Onlinehandels dieses Problem noch verstärken würde.

Zum anderen hatten wir als LGI bei einem unserer Services – dem Austausch von defekten Hardware-Produkten – das umgekehrte Problem: es war für uns immer schwieriger, die Kunden privat zuhause anzutreffen.

Daher lag es für uns nahe, eine Lösung zu entwickeln, die die Menschen da abholt, wo sie sich den ganzen Tag über aufhalten – nämlich im Büro. Und bei der Entwicklung dieser Lösung – pakadoo work-life-logistics – konnten wir dann natürlich auf unser langjähriges logistisches und IT-Know How zurückgreifen. Als Kris erste Ideen zum Service von pakadoo hatte, war die Geschäftsleitung sofort von deren Potenzial überzeugt. Schnell wurde erkannt, dass es wichtig war, den betreffenden Bereich aus den bestehenden Unternehmensstrukturen herauszulösen. Daher wurde pakadoo operativ und, mit dem Umzug auf eine eigene Etage innerhalb des Firmengebäudes, auch räumlich von der LGI getrennt. Unser Team, das ursprünglich nur aus LGI-Mitarbeitern bestand, wurde schnell mit freien Mitarbeitern und Profis aus der eCommerce- bzw. Startup-Szene erweitert.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Als klassisches Logistikunternehmen gingen wir mit der Entwicklung unseres digitalen Service „pakadoo work-life-logistics“ völlig neue Wege und verlängerten gleichzeitig unsere Geschäftstätigkeit in Richtung Endverbraucher. So konnten wir mit einer eigentlich ganz einfachen Idee eine Lösung für die Last-Mile-Problematik, d.h. der Paketzustellung an den Endkunden, umsetzen. Für uns war ein wichtiger Schritt in Richtung Digitalisierung.
Die größten Herausforderungen dabei waren zum einen, dass wir völlig neue Vertriebsprozesse aufbauen mussten. Sehr wichtig war auch, unabhängiger vom Mutterkonzern zu werden und damit selbst über Partner im Marketing- und IT-Bereich entscheiden zu können. Und last but not least ist es nach wie vor eine große Herausforderung, den Service im Markt bekannt zu machen.
Finanziert haben wir uns über unseren Mutterkonzern LGI.

Wer ist die Zielgruppe ?
pakadoo hat gleich mehrere Zielgruppen. Zum einen Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern an einem Standort, die Ihren Mitarbeitern mit pakadoo als Social Benefit die Möglichkeit bieten, private Pakete im Büro zu empfangen. Zum anderen sind natürlich alle Onlineshopper, die in eben diesen Unternehmen arbeiten, unsere größte Zielgruppe.

Wie funktioniert pakadoo?
pakadoo funktioniert ganz einfach. Sobald ein Unternehmen den Service von pakadoo seinen Mitarbeitern zur Verfügung stellt, können sich diese auf der pakadoo Webseite registrieren und erhalten einen persönlichen Identifikationscode. Diesen Code – die PAK ID – geben sie bei zukünftigen Bestellungen ein, anhand dessen kann ihnen die Bestellung völlig anonym zugeordnet werden. Kommt ein über pakadoo bestelltes Paket am pakadoo point im Unternehmen an, wird es anhand der Pak ID sofort als Privatpaket identifiziert und mittels der pakadoo App gescannt. Der entsprechende Mitarbeiter erhält dann automatisiert eine Mail, dass sein Paket am pakadoo point abholbereit ist. Dort kann er es zu den von seinem Arbeitgeber festgelegten Zeiten abholen. Ähnlich komfortabel ist der Retourenprozess, da alle mit einem bezahlten Retourenlabel versehenen Rücksendungen am pakadoo point abgegeben werden können.

Welche Vorteile haben Arbeitgeber? Wo liegen die Vorteile für die Arbeitnehmer?
Für Arbeitgeber hat pakadoo den Vorteil, dass der oftmals stillschweigend geduldete Paketempfang nun mit einem rechtlich sicheren, klaren Prozess gemanaged werden kann. Private Pakete können sofort identifiziert werden und gelangen nicht mehr unautorisiert ins Unternehmen, die Haftungsfrage ist klar geregelt. Zudem ist pakadoo ein Social Benefit, der bei den Mitarbeitern sehr gut ankommt und das Unternehmen damit als Arbeitegber attraktiver macht. Zudem entstehen dem Arbeitgeber keine Fremdkosten.

Arbeitnehmer können ihre privaten Pakete dort empfangen und retournieren, wo sie sich den ganzen Tag über aufhalten. Das erspart das lästige Hinterherlaufen nach Paketen nach Feierabend – entweder beim Nachbarn klingeln oder noch schnell zur Postfiliale fahren… Durch die gebündelte Anlieferung vieler Privatpakete an einer Stelle und dem Wegfall von Fahrten profitiert natürlich auch die Umwelt. Nach von myclimate zertifizierten Berechnungen erspart jedes über pakadoo empfangene Paket durchschnittlich 924 g CO2 im Vergleich zur Paketzustellung an der Haustür.

Wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In 5 Jahren ist pakadoo in allen großen Onlineshops als Lieferoption verfügbar. Die Zustellung an einen pakadoo point kann mit einem Klick ausgewählt werden. In Europa wird es ein engmaschiges Netz von pakadoo points bei Arbeitgebern und im öffentlichen Raum geben.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Aus der Sicht eines Corporate Startups ist es wichtig, frühzeitig ein kleines Team zu bilden, das alle anderen, nicht projektrelevanten Aufgaben abgeben kann. Daneben sollte man weitgehend unabhängig vom Mutterkonzern sein, um Freiheit bei der Partnerauswahl zu haben. Auf jeden Fall sollte man sich in der Startup-Szene ein Kontaktnetzwerk aufbauen, um sich gegenseitig zu unterstützen und von anderen zu lernen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Markus Ziegler für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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