Der Online-Handel in der Corona-Krise – ein Situationsbericht aus Hamburg

Kaum eine Branche bleibt aktuell vor den Herausforderungen und den damit einhergehenden Veränderungen im Zuge des Corona-Krise verschont. Besonders stark trifft es den Einzelhandel, da alle Geschäfte ohne „Systemrelevanz“ schließen mussten. Doch auch der E-Commerce muss sich in der Krise umorientieren und kreative Lösungen suchen. Dabei scheinen manche Branchenzweige aktuell eher von der Krise zu profitieren als andere. Claus Fahlbusch, der Gründer des Hamburger Shipping Service Providers shipcloud zeichnet aus dem Home-Office folgendes Lagebild. 

„Grundsätzlich verzeichneten wir aktuell ein im Vergleich zu den beiden ersten Monaten des Jahres um 60 Prozent erhöhtes Paketaufkommen. Uns fällt aber auf, dass sich die Zahl der Sendungen abhängig von den jeweiligen Branchen in unterschiedliche Richtungen verändert. Da gibt es wirklich Gewinner und Verlierer. Wir sind gerade im Gespräch mit unseren Kunden, um ein paar beispielgebende Tendenzen herauszufinden.“ – so Fahlbusch.

Stellvertretend schauen wir im folgenden auf vier konkrete Erfahrungsberichte von shipcloud-Nutzern aus den E-Commerce Bereichen Fashion, Reiseaustattung, Garten- und Balkonbedarf und dem Lebensmittel-Onlinehandel. 

Die Deerberg GmbH aus Velgen am Rand der Lüneburger Heide ist ein vor 34 Jahren gegründetes Familienunternehmen und bietet seinen Kunden on- sowie offline Naturmode aus hochwertigen Materialien an.

Auf steigende Onlinebestellungen war das Unternehmen laut Geschäftsführer Lars Buschbom bereits vor der Krise gut vorbereitet. Denn trotz der etwas älteren Zielgruppe 40+ bestellen hier bereits 70% online. Viel schwieriger wird es laut Buschbom allerdings, die langfristigen Effekte aufgrund der Ladenschließungen abzufangen. Schließlich ist Deerberg mit einigen Läden und Outlets in Deutschland vertreten.

Direkte Effekte der Krise konnte man bereits Mitte März wahrnehmen, als erste Maßnahmen auf Länderebene eingeführt wurden. Dies führte in den ersten Tagen zu einem Nachfrageeinbruch, denn auch Deerbergs Kunden mussten sich auf den neuen Alltag einrichten. Aktuell spürt man laut Aussage von Lars Buschbom aber wieder Aufwind, sodass man im März und April in der Nachfrage insgesamt sogar über dem Vorjahr liegt. Bleibt also festzuhalten, dank einer loyalen Kundschaft mit Affinität zu hochwertiger Mode und einem starken E-Commerce Geschäftszweig, spürt man in Velgen auch einen positiven Effekt. 

Der Online-Handel in der Corona-Krise - ein Situationsbericht aus Hamburg

Eine ganz andere Ausgangssituation herrscht da bei Kofferexpress24, einem Onlineshop mit dem Kerngeschäft Reisen aus dem bayerischen Neuötting.

Das Kerngeschäft kam mit Ausbruch des Coronavirus hier fast zum Erliegen. Doch bei Kofferexpress24 handelte man schnell und nach dem Motto: passt der Fokus des Shops aktuell nicht zur Lage, muss das Sortiment angepasst werden. Von Reisekoffern zur Businessausstattung bis hin zur Damenmode – schließlich steht das Geschäftsleben in Deutschland nicht still.

„Bleibt die Situation in Deutschland unverändert, wird sich damit auch das Kaufverhalten ändern – weg von “Luxusartikeln”, hin zum Essentiellen. Dann haben auch wir Onlinehändler, egal in welchem Shoppingsegment,  ein noch größeres Problem.” – vermutet Sebastian Purger von Koffexpress24.

Gefahr sieht er insbesondere durch den Marktteilnehmer Amazon, welcher seine beherrschende Marktposition weiter auf Kosten kleinerer Anbieter ausbauen dürfte. Langfristige Effekte auf die Branche bereits jetzt abzuschätzen, fällt aber noch schwer. Ob es danach auch wieder einen Anstieg im Kaufverhalten geben wird?

„Möglich, aber dann nicht aufgrund der Tatsache, dass die Menschen unbedingt wieder reisen wollen, sondern eher aufgrund dessen, dass die Hersteller die Lager noch mit Frühjahrskollektionen voll haben. Für den Endverbraucher ergibt das tolle Preise, für den Zwischenhändler akzeptable, für die Hersteller wahrscheinlich ein Nullsummengeschäft.” – meint Sebastian Purger.

Dennoch darf mit einer Reisewelle nach der Krise gerechnet werden – womöglich gewinnt der Heimaturlaub dann an Aufschwung. 

Momentan sind die Deutschen aber noch in den eigenen vier Wänden gefangen. Wenn sie Glück haben, gehört ein Balkon oder kleiner Garten dazu. Und deren Begrünung ist das Kerngeschäft des Startups Blumixx aus Hannover, das bereits vorselektierte Blumenkasteneinsätze ohne großen Aufwand direkt bis an die Haustür liefert. 

Der Online-Handel in der Corona-Krise - ein Situationsbericht aus Hamburg
Gründer Team Blumixx

„In den letzten zwei Wochen konnten wir bei Blumixx einen enormen Anstieg an Bestellungen verzeichnen. Wir sind aber auch mitten in der Frühlingssaison, von daher lässt sich der Anstieg natürlich nicht nur auf den Corona Effekt zurückführen.” – mutmaßt Jan Fendel, einer der Geschäftsführer.

Man reagierte mit Neueinstellungen für den Versand und den Kundenservice, während gleichzeitig die neu geltenden Hygienevorschriften beachtet werden mussten. Um Lieferengpässe zu vermeiden und gleichzeitig die lokalen Händler noch stärker zu unterstützen, hat sich Blumixx außerdem in seiner Supply Chain entsprechend breit aufgestellt und bezieht so mehr Ware von regionalen Gärtnereien. Und auch wenn sich die Lage aktuell sehr dynamisch gestaltet und sich die Situation, insbesondere bei einem etwaigen Verdachtsfall im eigenen Team, sofort ändern kann, rechnet man langfristig sogar mit einem Anstieg an Neukunden.

„Da unsere Quote von Neukunden, die zu Wiederbestellern werden, generell recht hoch ist, erhoffen wir uns sogar positive Effekte für die Zukunft.” – gibt Fendel zu Protokoll. 

Auch bei Hammermühle aus dem pfälzischen Kirrweiler, einem seit 1967 am Markt agierenden Spezialisten für alles rund um´s Thema glutenfreies Backen, zeigt die Corona-Krise Wirkung und verändert den Arbeitsalltag.

„Sowohl die Produktion in der Bäckerei, als auch die Versandabteilung wurden auf einen strikt getrennten Schichtbetrieb umgestellt, um Mitarbeiter zu schützen und unnötige Kontaktpunkte zu vermeiden.” – berichtet Charlotte Landherr von Hammermühle.

Durch diese Umstellungen und die temporäre Eingrenzung des Bäckerei-Sortiments konnte die Fortführung der Frische-Produktion von Brot und Backwaren sichergestellt werden.

Angesprochen auf weitere, spürbare Veränderungen im eigenen Unternehmen erklärt Charlotte Landherr:

„Auch der Schichtbetrieb in der Produktion und im Versand gibt uns neue Erkenntnisse über Arbeitsabläufe, die wir langfristig nutzen können. Aktuell erwarten wir als Effekt der Krise eine leichte, aber dauerhafte Erhöhung der Shop-Umsätze.”

Fazit:

Bleibt also festzuhalten: unabhängig von der Branche kommen auf die Onlinehändler aufgrund der Corona-Krise neue Herausforderungen zu, bei denen es vor allem um eine schnelle Erarbeitung von Lösungsansätzen geht. Für alle Händler, die jetzt erst in den E-Commerce einsteigen oder den Online-Handel ausbauen wollen, bietet shipcloud für Neukunden im Rahmen der Corona Soforthilfe ein Spezialabo an, bei dem bis zum 31. Juli die monatlichen Grund- und Transaktionsgebühren für bis zu 1.500 Sendungen entfallen. 

Autor: Wolfgang Schilling

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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