Fokussiert euch auf das Hier und Jetzt

onemate nachhaltige Reiserucksäcke aus recycelten Plastikflaschen

Stellen Sie sich und das Startup onemate doch kurz unseren Lesern vor!

Wir sind ein Startup aus Pforzheim, das mit seinen Produkten einen Beitrag dazu leisten möchte, die Reiseprodukt-Branche nachhaltiger zu machen. Das Unternehmen wurde im Jahr 2018 von Julian Rabe gegründet und hat inzwischen ein Team von sieben Mitarbeitern. Unser Gründer Julian entwickelt unsere Produkte selbst und setzt vor allem auf Funktionalität und innovative Details. Er setzt seine Ideen aus eigenen Erfahrungen und den Anregungen unserer Kunden um und schafft so neue Produkte, die die Kundenbedürfnisse erfüllen.

Zu unserem Produktportfolio gehört bisher ein Handgepäcksrucksack, ein Tagesrucksack, ein Koffergurt, ein Regenponcho und ein Moskitonetz. In Zukunft wollen wir uns aber auf das Reisegepäck fokussieren. Seit der Gründung unseres Startups pflanzen wir für jedes verkaufte Produkt einen Mangrovenbaum auf einer Plantage in Madagaskar. So konnten wir bereits über 15.000 Bäume pflanzen. Für unser neustes Produkt, einen Handgepäcksrucksack, pflanzen wir fünf Bäume pro Verkauf. So wollen wir der Klimaerwärmung entgegenwirken und artenreiche Wälder wieder aufforsten. Uns ist es wichtig Bäume zu pflanzen, da so neben der CO2-Kompensation auch Lebensräume für Tiere und Arbeitsplätze für Menschen geschaffen werden können. Da wir auch unsere Produkte nachhaltig gestalten wollen, besteht unser Handgepäcksrucksack aus 50 recycelten Plastikflaschen und unser Tagesrucksack aus 41 PET-Flaschen.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Unserem Gründer Julian Rabe  wurde nach seinem dualen Studium im Bereich Maschinenbau klar, dass sich in großen Unternehmen aufgrund der vielen Hierarchieebenen und steifen, strikten Prozessen oft nur wenig bewirken lässt. Schnell wurde ihm bewusst, dass ein solches Arbeitsumfeld nicht zu seiner Arbeitsweise passt. Um sich neu zu orientieren, ist Julian 6 Monate durch Mexiko und Costa Rica gereist. Auf dieser Reise hat er bemerkt, wie schlecht es um die Umwelt steht und dass dringend Handlungsbedarf besteht. Zudem hat er den Markt für Reisezubehör für sich entdeckt und erkannt, dass dieser großes Potenzial bietet und es gerade dort noch viel Raum für Innovationen und nachhaltige Produkte gibt. So hat Julian seinen sicheren Platz bei einem großen Automobilkonzern nach dem Studium gekündigt und mit onemate alles riskiert.

Welche Vision steckt hinter onemate?

Flugzeugreisen und Nachhaltigkeit – zwei Begriffe, die auf den ersten Blick kaum widersprüchlicher sein könnten. Wir vom Startup onemate verbinden diese zwei Gegensätze, indem wir nachhaltiges und verantwortungsbewusst hergestelltes Reisegepäck entwickeln. Unsere Vision ist es den Reisemarkt zu verändern und ein neues Bewusstsein für unsere Erde zu schaffen. Unserer Meinung nach ist es wichtig gerade bei Branchen anzusetzen, die eine negative Umweltbilanz haben, um dort Verbesserungen und Veränderungen herbeizuführen. Es ist wichtig auch dort einen Anfang zu machen. Zu unserer Vision gehört es zudem so viele Bäume wie möglich zu pflanzen und so einen möglichst großen Impact zu haben.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Eine der größten Herausforderungen für uns war es das richtige Angebot für unsere Kunden zu finden und zu schaffen. Aus diesem Grund haben wir in den letzten zwei Jahren viel getestet und ausprobiert. Rückschläge und Erfolge lagen oft also nah beieinander. Die größte Herausforderung für uns war eindeutig die Corona-Krise in den letzten Monaten. In dieser Zeit haben unsere Produkte als Reiseprodukte natürlich an Relevanz verloren, was sehr deutlich an unseren Verkäufen zu bemerken war.

Unser Startup ist sowohl eigenfinanziert als auch über Fremdkapital von Banken finanziert. Wir haben uns für diese Finanzierung entschieden, da wir noch keine Abhängigkeit zu Investoren wollen und es uns sehr wichtig ist, frei agieren zu können und nicht zu sehr Profit getrieben zu sein.

Wer ist die Zielgruppe von onemate?

Zu unserer Zielgruppe gehören sowohl Business-Reisende als auch junge Reisende. Unsere Hauptzielgruppe ist zwischen 24 und 35 Jahre alt und umfasst Flugzeugreisende mit Handgepäck, Urban Traveller sowie Business Reisende. Generell sprechen wir aber alle reiselustigen Entdecker an, die gleichzeitig ein großes Bewusstsein für unsere Umwelt haben.

Was ist das Besondere an dem Reisegepäck? Woher stammen die Flaschen und wo wird produziert?

Das Besondere an unseren Produkten ist unser einmaliges onemate-Design. Die Rucksäcke sind in ihrer eckigen Form einzigartig auf dem Markt und bieten so einen größtmöglichen Stauraum. Unsere Produkte legen zudem höchsten Wert auf Funktionalität und Nachhaltigkeit und werden dahingehend von unserem Gründer Julian entwickelt.

Unsere Produkte werden bisher in China bei zertifizierten Herstellern produziert. Viele Menschen verbinden China als Produktionsstandort mit schlechten Produktionsstandards und Bedingungen. Unserer Erfahrung nach gibt es China aber viele innovative und engagierte Menschen, die neue und nachhaltige Technologien entwickeln. Wir überwachen unsere Hersteller regelmäßig und achten auf die Einhaltung ethischer und moralischer Standards. Wir sind dankbar für die qualifizierten Menschen, die dort an der Herstellung unserer hochwertigen Produkte beteiligt sind. Un wir führen zudem mit jedem Produktionsbatch regelmäßige Audits durch und überprüfen die Produktionsbedingungen.

Das Material unserer Rucksäcke wird aus recycelten Plastikflaschen hergestellt. Grundsätzlich ist es häufig so, dass Plastik nicht recycelt wird und es somit keinen geschlossenen Kreislauf gibt. Der Grund hierfür liegt darin, dass der Anteil an neuem Plastik in PET-Flaschen sehr hoch sein muss, damit die neuen Plastikflaschen, die in die Regale kommen, rein aussehen. Eine logische Folgerung ist, dass ein Großteil an Plastikflaschen deshalb nicht recycelt wird. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht diese Flaschen zu nutzen und zu neuem Leben zu erwecken, indem wir sie in einen neuen Produktlebenszyklus einbinden. Die Flaschen, die wir verwenden, kommen daher zum Teil auch aus Deutschland, da alte Plastikflaschen auch nach China exportiert werden.

Wie hat sich ihr Unternehmen mit Corona verändert?

Uns von onemate hat diese Krise hart getroffen. Unsere Umsätze sind von einem Tag auf den anderen eingebrochen. Es ist aber auch nicht verwunderlich, dass ein Startup für Reisegepäck und Reisezubehör in Zeiten, in denen Urlaub und Reisen undenkbar scheinen, seine Relevanz erst einmal verliert. Auch wir haben die Nothilfe vom Staat in Anspruch genommen, was uns sehr geholfen hat. Natürlich hat sich dadurch auch unser Tagesgeschäft sehr verändert. Wir haben die Zeit aber genutzt, um Grundsätzliches zu überdenken und uns weiterzuentwickeln.

Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Wir als Unternehmen haben es uns zur Aufgabe gemacht die momentane Krise, die für unser Geschäft quasi einen Stillstand bedeutet, für strategische Neu-Überlegungen und das Analysieren und Optimieren von Strukturen und Prozessen zu nutzen. So hatten wir Zeit für Dinge, die neben dem Tagesgeschäft nie möglich gewesen wären. Wir haben uns beispielsweise intensiv mit unserer Markenidentität beschäftigt und durch gemeinsame Diskussionen ist uns viel bewusster geworden für was wir stehen und wo wir hinwollen. So haben wir beispielsweise Strukturen und Prozesse optimiert und überhaupt erst hinterfragt. Wir haben die Zeit also dazu genutzt zu reflektieren, Probleme überhaupt erst zu erkennen und uns weiterzuentwickeln.

Generell haben wir und dazu entschlossen einen größeren Fokus auf den Vertrieb zu legen und enger zusammenzuarbeiten und unsere Arbeitsbereiche zu vernetzen und Feedbackprozesse einzubauen. In den letzten Monaten haben wir zudem ein neues Produkt, unseren Tagesrucksack, entwickelt und hier viel Zeit in Details und Funktionalität investiert.

Wo sehen Sie in der Krise die Chance?

Wir konnten diese Krise definitiv als Chance und Weiterentwicklungsmöglichkeit wahrnehmen. Unser Startup beruht auf der Mentalität, dass ein Tiefpunkt der Startpunkt für Lerneffekte und eine neue Aufwärtsbewegung ist. Hier kann analysiert werden, was funktioniert und was nicht und so ein ganz neuer, geschärfter Fokus entstehen. Sich auf das Wesentliche besinnen ist ein wichtiger Teil dieser Denkweise. Wir sind uns sicher, dass uns diese Erfahrung langfristig helfen wird und wir so stärker aus dieser Krise kommen als zuvor. Das Gelernte wird uns in Zukunft sicherlich von Nutzen sein.

Wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

In fünf Jahren sehen wir uns als deutscher Marktführer für nachhaltige Reiserucksäcke. Unser Ziel ist es natürlich eine große Bekanntheit zu erlangen. Wir möchten bis in fünf Jahren ein eigenes Klimaprojekt auf die Beine gestellt haben, um noch mehr in der Welt verändern zu können und noch mehr beitragen können. Hier planen wir ein Drohnenprojekt, mit dem möglichst viele Bäume gepflanzt werden können. Ein weiteres Ziel für die Zukunft ist es außerdem alle Produkte aus Ocean Plastic herzustellen und so einen möglichst großen positiven Effekt auf die Welt zu haben.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Fokussiert euch auf das Hier und Jetzt. Es ist wichtig im Auge zu behalten, was jetzt gerade wirklich relevant für euer Unternehmen ist. Konzentriert euch also auf die Schritte, die es in diesem Stadium braucht und darauf, was wirklich relevant ist.  Oft tendiert man dazu in der Zukunft zu arbeiten oder möglichst viele Teilbereiche abdecken zu wollen. So verliert man aber oft den Fokus. Also immer einen Schritt nach dem anderen machen!

Geben und Nehmen: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man andere Menschen bedingungslos unterstützen sollte. Grundsätzlich bekommt man das oft vielfach zurück. Es ist wichtig aneinander zu glauben und aufeinander zu vertrauen – so können großartige Dinge entstehen!

Menschen sind das wichtigste Asset, das ein Unternehmen haben kann. Ein starkes Team kann dir neue Perspektiven und Möglichkeiten aufzeigen und so die besten Ergebnisse liefern. Unserer Erfahrung nach bringt dich ein Team mit vielen Persönlichkeiten ein großes Stück weiter. Es ist wichtig dem Input und der Sichtweise von anderen Gehör zu schenken!

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Schreibe einen Kommentar