Montag, Oktober 25, 2021

Ökologische Herausforderungen und unternehmerische Chancen

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Nachhaltigkeit ist das große Thema der aktuellen Zeit und rückt sowohl im privaten Konsumverhalten als auch bei Unternehmen und deren strategischen Entscheidungen immer mehr in den Vordergrund. Doch welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf Nachhaltigkeit und wie verändert sich die Investorenlandschaft?

Laut einer Studie von Rothmund Insights wünschen sich 89% der Verbraucher in Deutschland, dass Unternehmen zukünftig nachhaltiger und umweltgerechter wirtschaften. Aber das Thema Nachhaltigkeit rückt auch bei Entscheidungsträgern immer mehr in den Mittelpunkt. Die Pandemie bremst also den Zukunftstrend zur Nachhaltigkeit nicht. Im Gegenteil: Die Pandemie fördert sogar die Nachfrage der Konsumenten zu Nachhaltigkeit und nach regionalen Produkten. Der European Green Deal zum Beispiel strebt nicht nur an, Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen, sondern fordert einen Systemwechsel, der Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit fördert. Die Förderung einer effizienteren Ressourcennutzung ist der Kern dieses erforderlichen Wandels und ein Bereich, der ökologische Herausforderungen in unternehmerische Chancen verwandeln kann. Entscheidende Faktoren, um das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln, sind Innovationen und neue Geschäftsideen.

Auf der einen Seite, in Bezug auf technische Produkte, sind neue Geschäftsmodelle auf dem Vormarsch, bei denen Auslastung, Sharing, die Wiederverwendung von Produkten und Komponenten, Refurbishment oder Recycling im Vordergrund stehen. In den vergangenen Monaten konnte man andererseits – teilweise auch pandemiebedingt – beobachten, wie physische Produkte zunehmend durch virtuelle oder digitale Produkte ersetzt wurden. Beispielsweise wurden Geschäftsreisen durch Meetings via Videocall ersetzt und Video Streaming hat den endgültigen Siegeszug über die Videotheken angetreten.

Access over ownership / Produkt-Nutzung statt Eigentum

Ein großer Raum für Innovation ist der Übergang von einer Produktökonomie hin zu einer Leistungsökonomie. Also der Wechsel vom Verkauf von Produkten hinzu Geschäftsmodellen, die sich auf die zu Grunde liegende Leistungseinheit fokussieren (Product-as-a-Service). Beispiele: keine Kühlschränke sondern Frische; keine Reifen sondern gefahrene Kilometer, usw. Ein Fokus auf Output und Performance, der sich im Bereich Software schon weitestgehend vollzogen hat (Software-as-a-Service). Service-orientierte Geschäftsmodelle können wirtschaftliche Wertschöpfung und ökologische Vorteile zusammenbringen. Durch die Neuorganisation der Eigentumsverhältnisse werden in Product-as-a-Service Modellen die Anreize zur nachhaltigen Produktoptimierung auf den Produzenten übertragen (z.B. Qualität und Lebensdauer). Weltweit gibt es eine Reihe von Unternehmen in der Frühphase, die Innovationen in diesem Bereich vorantreiben.

Auf der anderen Seite, in Bezug auf biologische Produkte sind Innovationen entscheidend, die eine regenerativere Ressourcennutzung ermöglichen.  Dies betrifft nicht nur die Vermeidung von Abfällen, sondern vor allem Lösungen die geschlossene Ressourcenkreisläufe ermöglichen. Beispiele: neue Materialien die sicher wieder in die Umwelt gelangen können; biobasierte Produktionssysteme; regenerative Landwirtschaftsmodelle. Um eine zirkuläre Bioökonomie zu schaffen, erwarten wir verstärktes Innovationspotenzial und Veränderungen in den Bereichen Ozeanökonomie, Agroforstwirtschaft, biogene Ressourcen, oder gesunde Ernährung. 

Darüber hinaus erfordert der Klimanotstand innovative Lösungen, die es Unternehmen ermöglichen, den verbleibenden ökologischen Fußabdruck auszugleichen und klimaneutrale Wege zu beschreiten. Neben Privatpersonen interessieren sich auch immer mehr Gründer und Unternehmer für diesen Bereich. Dementsprechend steigen auch die Angebote, mit denen man den eigenen ökologischen Fußabdruck messen, verfolgen und verringern kann. Die Plattform Yayzy beispielsweise hilft Privatpersonen und Unternehmen dabei, klimaneutral und nachhaltiger zu werden.

Steigende Bedeutung von ESG-Kriterien

Insgesamt kann das steigende Bewusstsein für die Schaffung nachhaltigerer Wirtschaftssysteme auch als Paradigmenwechsel gesehen werden. Kapital in einen nachhaltigen Systemwandel zu lenken, ist ein entscheidendes Element – insbesondere Risikokapital, das in die entsprechenden Basistechnologien und skalierbaren Geschäftsmodelle investiert wird.

Risikokapitalinvestoren, insbesondere die größeren institutionellen Investoren, drängen die Fondsmanager, zunehmend zu mehr Klarheit, wie sie konkret die Umsetzung von ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) in den Portfoliofirmen vorantreiben. Gleichzeitig hat unserer Erfahrung nach die große Mehrheit der Gründer hohe ESG-Standards zu einer wichtigen Priorität für sich und ihre Teams gemacht. ESG-Kriterien sind quasi schon der gemeinsame Nenner von Gründern und Investoren.

VC-Investoren sollten idealerweise mehr tun als ESG-Kriterien in ihre Portfoliostrategie aufzunehmen. Es ist empfehlenswert, eine Nachhaltigkeitsklausel in die Termsheets einzubetten und Unternehmen aktiv dabei zu helfen, strategische Wachstumschancen zu identifizieren, die eine systemische Wirkung haben und eine Optimierung auf ökonomischen Erfolg und nachhaltiges Wirtschaften zusammenführen. Deshalb ist die Zusammenarbeit zwischen Investoren und den Unternehmern wichtig, um die Dynamik aufrechtzuerhalten, die sich gerade entwickelt. Aus Investorensicht gibt es darüber hinaus neue Möglichkeiten für neue Fonds, die sich strategisch auf bestimmte systemische Herausforderungen konzentrieren.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Thema Nachhaltigkeit immer stärker an Bedeutung gewinnt – und zwar nicht aus einer Risikoperspektive, sondern als echte strategische Chance. Neue Geschäftsmodelle und systemische Innovationen sind zentrale Treiber eines nachhaltigen Systemwandels. Für Investoren wird Nachhaltigkeit eine immer zentralere Rolle bei ihren Investitionsentscheidungen spielen.

Autoren: Dr. Christoph Klinik und Dr. Manuel Braun

Dr. Christoph Klink, Partner Zentraleuropa bei Antler

Dr. Christoph Klink ist Partner in Antlers Büro in Berlin. Er leitet gemeinsam mit Alan Poensgen die Aktivitäten in Zentraleuropa mit dem Fokus auf Investitionen rund um die größten Startup-Ökosysteme der Region.

Dr. Manuel Braun, Engagement Manager bei SYSTEMIQ

Dr. Manuel Braun ist Engagement Manager bei SYSTEMIQ. Er schafft neue Koalitionen für einen nachhaltigen Systemwandel in den Bereichen Energie, Materialwirtschaft und Landnutzung, gestaltet Geschäftsstrategien, oder investiert in junge Unternehmen.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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