Die Zeit war nie besser für Öffentlichkeitsarbeit als jetzt

Wie Startups ohne Z.D.F., dafür mit Emotionen punkten 

Öffentlichkeitsarbeit hat das Ziel, Verständnis zu generieren, etwas zu erklären, zu informieren, das Image zu optimieren oder zu stärken. Krisenkommunikation ist die höchste der Kommunikationsdisziplinen. Sind Startups und junge Unternehmer jetzt großzügig und offen, zeigen vor allem jedoch Haltung, wird sich das langfristig auszahlen. Kommunizieren Sie als unbedingt weiter – aber bitte richtig!

Der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg im Marketing ist gerade sehr schmal und gefährlich: Wenn Startups weiterhin ihre Standard-Kampagnen fahren. Wenn junge Unternehmer ihre Produkte und Dienstleistungen wie gewohnt über Angebot und Preis verkaufen. Dann wird das sehr oft nicht nur nicht gutgeheißen, sondern nicht im Geringsten gebilligt – und das auf lange Sicht. Eines hat uns die Krise marketingtechnisch gelehrt: Online war (und ist) die Aufmerksamkeit kaum je höher. Und dennoch war (und ist) sie ebenso beschränkt. Fokussiert auf eine bestimmte Art von Kommunikation. Gegenwärtig überhaupt nicht tragbar ist „Z.D.F.“. Wenn Unternehmen jetzt nach Zahlen, Daten, Fakten kommunizieren, werden sie im besten Fall ignoriert und im wahrscheinlichsten Fall kritisiert.

Was ist jetzt noch erlaubt, was sinnvoll? 

Diese Frage sollten sich alle Unternehmen stellen. Konzernen und KMUs, Einzelunternehmern und Selbständigen, vor allem aber Startups wird momentan viel Solidarität entgegengebracht. Man weiß, die Krise betrifft uns alle. Gleichzeitig werden auch viel Gemeinschaftsgeist und -sinn sowie Großzügigkeit erwartet. Die aktuelle Krise bedeutet also für uns alle gerade im Bereich Kommunikation nach innen und außen, im Marketing und der Öffentlichkeitsarbeit eine Chance. Eine Chance, Neues auszuprobieren und auf uns aufmerksam zu machen, neue Wege zu gehen und teilweise auch unsere Dienstleistungen anzupassen oder sogar komplett neu zu erfinden. 

Darf ich noch Marketing machen?

Viele junge Unternehmen sind verunsichert, was sie überhaupt tun sollen, wenn Marketing kaum mehr oder nur noch teilweise geht. Was sie überhaupt noch zu kommunizieren haben, wenn das Startup – und in bestimmten Branchen wird uns der Zustand sicher noch eine Weile begleiten, und sei es nur regional – fast oder komplett heruntergefahren ist. Genauso unsicher sind aber auch junge Unternehmer, die momentan von der Situation profitieren. Sie wissen nicht, was sie noch „dürfen“. 

Mein Tipp aus der Kommunikationspraxis: Erzählen Sie über sich. Erzählen Sie, was Sie und Ihre Mitarbeiter tun. Erzählen Sie, was Sie planen oder wie ein Alltag im Normalfall und wie er jetzt aussieht. Es gibt kaum eine bessere Zeit als jetzt für PR – Ihre Öffentlichkeitsarbeit nach innen und außen! 

Was heißt das konkret? Hier ein paar Beispiele:

Wenn Sie ein Gastro- oder Hotelbetrieb sind: Nutzen Sie die Zeit und machen Sie beispielsweise eine Video-Serie darüber, was Sie jetzt mit den übrigen Lebensmitteln machen. Oder lassen Sie die Mitarbeiter aus ihrem Alltag sprechen, was sie jetzt tun und was sie beschäftigt. 

Wenn Sie ein Kosmetikstudio sind: Geben Sie Online-Tipps, wie man die Gesichtshaut mit einfachsten Mitteln zuhause pflegen kann. Zeigen Sie, was Sie jetzt alles vorbereiten und an internen Schulungen vornehmen in der Zwangspause. 

Wenn Sie Velo-Kurierdienste anbieten, dann zeigen Sie jetzt den Weg eines Paketes, warum dies komplex ist und warum es Sie braucht. 

Wenn Sie Online-Dienste wie Webinare anbieten und von der Situation profitieren: Seien Sie großzügig mit Abos, erhöhen und vereinfachen Sie die Testmöglichkeiten etc. 

Wenn Sie ein Startup mit viel Kundenkontakt führen: Zeigen Sie, wie Sie sich an die Hygienevorgaben halten oder erklären Sie in Statements und Videos, wie Sie jetzt anders planen müssen und was das logistisch für Sie bedeutet. 

Wenn Sie selbst produzieren oder handeln und Lieferketten unterbrochen sind: Zeigen Sie, was Ihre Mitarbeiter leisten, erklären Sie was Kurzarbeit bedeutet und wie Sie damit umgehen. 

Wenn Sie eine Tourismusdestination führen: Geben Sie jetzt bereits Gutscheine für die „Wiedereröffnungswochen“ und das erste Glas Prosecco aus, wenn Sie in der Zukunft mit Ihren Gästen wieder feiern dürfen.

Es gibt jedoch auch ein paar Regeln:

  1. Seien Sie großzügig mit sich und den anderen. Das wird sich langfristig auszahlen.  
  2. Bleiben (oder werden) Sie authentisch. Das heißt, die Kommunikation muss Ihnen und Ihrem Startup entsprechen, nur dann sind Sie glaubwürdig. 
  3. Zeigen Sie Ihre Werte, wie Sie denken und handeln. 
  4. Bleiben Sie bei der Wahrheit. 
  5. Positiv bleiben, das heißt, Sie dürfen die schwierige Situation erklären, aber verzichten Sie auf Anklage Dritter und Beschuldigungen. 
  6. Bleiben Sie solidarisch und zeigen Sie Mitgefühl. Arroganz und Überheblichkeit sind vernichtend. 
  7. Verzichten Sie auf reine Zahlen, Daten, Fakten. Bringen Sie Emotionen und Service. 

Plus: Diese Regeln gelten übrigens in der aktuellen Lage für die interne wie die externe Kommunikation. 

Bild: pixabay

Autor Sereina Schmidt

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sereina Schmidt

Sereina Schmidt, zu 100 Prozent Kommunikationsprofi, liegt als Beraterin, Sparringspartnerin und Rednerin die Reputation ihrer Kunden am Herzen. Mit Übernahme des Familienunternehmens, einer traditionsreichen Kommunikationsagentur, entschied sie 2012 selbst Unternehmerin zu werden. Ihre Stärke ist die direkte, transparente und ehrliche Beratung und Unterstützung von Unternehmern. Im Moment arbeitet Sereina Schmidt an einem Buch zum Thema CEO-Reputation. www.schmidt.ch

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