Kontakt zur potentiellen Zielgruppe schaffen

Der Gründer von Obstraupe war in der StartUp Show 2 Minuten 2 Millionen wie es nach der Show weiterging erzählt er im Interview

Wie ist die Idee zu Obstraupe entstanden?
Wir drei Gründer habe eine Leidenschaft für Streuobstwiesen, für den Landschaftsobstbau. Die Schönheit unsere Landschaft wird von diesen großen Obstbäumen geprägt. Sie sind als ökologisch extrem wertvoller Lebensraum für tausende Tier- und Pflanzenarten stark gefährdet (Rote Liste). Gleichzeitig wird da eine enorme Menge an Obst produziert, das gefragt ist für die Verarbeitung zu Säften, Most, Cider und anderen Produkten. Das dramatische ist – obwohl soviele Produzenten das Obst kaufen würden, bleibt ca. 2/3 liegen, weil die händische Ernte so mühsam und zeitaufwändig ist.

Effiziente Erntetechnik ist kaum verbreitet: Geräte am Markt spießen die Früchte beim Aufsammeln auf und das Obst büßt dadurch an Qualität ein, andere motorbetriebene Obstsammelgeräte sind wiederum teuer und zu behäbig für die abwechslungsreichen Strukturen der Streuobstwiesen. Deshalb war zu Beginn die Idee, hier ein preiswertes, effizientes Gerät zu entwickeln, das Obst schonend aufsammelt. Streuobstbewirtschafter sollen mit einer rückenschonenden und effizienten Erntetechnik bei ihrer wertvollen Arbeit unterstützt werden, damit sich das Aufsammeln von Streuobst wieder auszahlt. Weil – nur was genutzt wird, bleibt erhalten.

Von der Idee bis zum Start was waren die größten Herausforderungen?
Wir haben aus purem Idealismus gestartet, haben uns naiv auf den Weg gemacht, weil wir noch nicht wussten, dass es nicht geht. Die Idee war, ein Gerät zu entwickeln, das für Streuobst angepasst ist. Das bedeutet höchste Flexibilität. Es muss leicht, robust und geländegängig sein, mit unterschiedlichen Obstgrößen, Graslängen und Bodenuntergründen zurecht kommen, es soll effizient sein, das Obst schonend aufsammeln, und technisch möglichst einfach sein, damit der Preis stimmt. Also eigentlich eine unmögliche Aufgabe. Und dementsprechend herausfordernd war auch die Entwicklung, mit sieben Prototypen bis zur Serienreife und unzähligen Variationen bei den Komponenten. Dass es doch ging haben wir unserem Technikgenie im Gründerteam zu verdanken, ohne ihn hätten wir das nicht geschafft.

Wer ist die Zielgruppe von Obstraupe?
Unsere Zielgruppe sind Bewirtschafter von Streuobstwiesen, mit großen Obstbäumen mit Obst für die Verarbeitung zu Saft, Cider oder anderen Produkten. Da geht es um eine Riesenmenge Obst, alleine im deutschsprachigen Raum produzieren 31 Mio Obstbäumen durchschnittlich 4,5 Mio t verwertbares Obst im Jahr (im Vergleich: der Konsum von Tafeläpfel und Apfelsaft entspricht im deutschsprachigen Raum „nur“ 2,9 Mio t pro Jahr). Diese Obstgärten sind großteils kleinstrukturiert. Und weil über 2/3 von dem Obst nicht genutzt wird, die händische Ernte ist einfach zu mühsam, liegt da ein enormes Potential brach. Mit unserem Produkt kann dieses Potential effizient und rückenschonend genutzt werden.

Neben Besitzern dieser Streuobstwiesen und Produzenten von Streuobst-Produkten adressieren wir auch Gemeinden, Obst- und Gartenbauvereine und Streuobst-Initiativen, weil die Obstraupe perfekt für eine Gemeinschaftsanschaffung geeignet ist.

Wie funktioniert die Obstraupe? Welche Vorteile bietet Obstraupe?
Die Obstraupe ist eines dieser Geräte, wo man sich fragt – und das gab es bisher noch nicht? Es sieht sehr einfach aus, lowtech und ist schnell verständlich. Hinter dem einfachen technischen Prinzip steht aber viel dahinter und wir haben das auch patentiert.

Die Obstraupe ermöglicht es, am Boden liegende Gegenstände schonend in eine austauschbare Kiste zu sammeln. Man kann damit Nüsse oder Obst, das baumreif in die Wiese fällt, aufsammeln. Eine Arbeit die im 21 Jahrhundert mehrheitlich noch mit der Hand gemacht wird, weil Erntetechnik sich kaum durchgesetzt hat. Die Geräte am Markt sind entweder teuer und unflexibel oder stechen das Obst beim Aufsammeln an, wodurch dieses nicht verkaufsfähig ist.

Die Obstraupe funktioniert ähnlich wie Obstsammelgeräte, die das Fünffache kosten, die Früchte vom Boden werden schonend in eine Kiste gesammelt. Der Sammelmechanismus wird angetrieben von einem handelsüblichen Akkuschrauber, da kann ein eigenes geeignetes Gerät verwendet werden oder wir verkaufen ein Akkuschrauberset im Paket mit der Obstraupe mit. Weil das Obst bei jeder Erntetechnik nachsortiert werden muss, fauliges Obst kommt nicht in die Obstpresse, verzichten wir bewusst auf einen Mechanismus, der den „Beifang“ (Laub, Gras etc.) bereits im Gerät aufwändig entfernen würde. Das wird auf einem Sortiertisch mit der Nachsortierung separat durchgeführt. Dadurch dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren, Obst schonend und effizient in eine Kiste zu sammeln, können wir ein extrem gutes Preis-Leistungsverhältnis anbieten. Die Obstraupe ist eine sogenannte frugale Innovation.

Wie ist das Feedback?
Jeder der die Obstraupe zum ersten Mal testet, strahlt über beide Ohren. Es ist so absurd einfach und gleichzeitig voll genial. Man hat im Nu eine Kiste voll und weiß intuitiv, wie lange das mit der Hand gedauert hätte. Den Akkuschrauberantrieb lieben die Leute, mit der feinen Ansteuerung, bequem vom Lenkgriff aus. Ebenso begeistert die Wendigkeit im Gelände und das niedrige Gewicht. Kinder geben die Obstraupe bei den Tests nicht mehr aus der Hand, das ist sehr schön zu sehen. Gleichzeitig sind viele, die das Gerät nur aus dem Fernsehstudio kennen, skeptisch, wie das im realen Einsatz funktioniert. Da brauchen wir noch viele Vorführungen und Referenzen durch unsere early adopter.

Sie waren mit Obstraupe in 2 Minuten 2 Millionen die Startup Show. Wie haben Sie sich auf die Show vorbereitet?
Wir haben uns im Gründerteam abgesprochen, mit welchem Ziel und welcher Forderung wir in die Show gehen. Auch den Pitch haben wir intern abgestimmt. Wir haben auch Coaching in Anspruch genommen, als Mitglied im Impact Hub in Wien haben wir da einen guten Zugang zu Experten.

Wie ist das Medien Echo nach der Show?
Das Interesse ist natürlich spürbar, die Zugriffe auf die Homepage haben sich seitdem verzehnfacht, zahlreiche Anfragen für Medienberichte – aber wir haben zum Glück noch genügend Zeit, uns um das Startup und unsere Kunden zu kümmern. Es gibt viel zu tun, bei der heurigen Obsternte sollen bereits viele Obstraupen zum Einsatz kommen.

Wie ist das Feedback der Kunden nach dem Auftritt in der Startup Sendung 2 Minuten 2 Millionen? Wie hat sich die Nachfrage entwickelt?
Das Feedback war durchwegs positiv, sowohl bei den Rückmeldungen aber es sind auch gleich nach der Ausstrahlung Bestellungen über unsere Homepage obstraupe.at reingekommen. Der beste Kundenkontakt ist aber mit der Obstraupe immer noch der persönliche, gerade weil es sich um eine neue Technik handelt, wo es noch keine Referenzen gibt. Wer die Obstraupe bei einer Vorführung im realen Einsatz erlebt hat, tut sich mit einer Kaufentscheidung leichter. Wir versuchen mit unseren Videos, diese realen Bedingungen möglichst gut darzustellen.

Welchen Investor hatten Sie im Auge?
Es war unter den Investoren keiner, wo wir uns gedacht hätten, ja das wäre genau die richtige Person für dieses Startup. Bei einem Investor muss es einfach passen, man gibt ja schließlich Firmenanteile her. Ein Investor oder eine Investorin macht dann Sinn, wenn dahinter Netzwerke und Insiderwissen stehen, welche das Startup auf die nächste Stufe heben können. Sonst ist man mit einem Kredit besser beraten. Das eigentliche Investment haben wir durch die Teilnahme bekommen: Die Potenzierung der Bekanntheit der Obstraupe.

Würden Sie anderen Startup Unternehmen die Teilnahme an der Sendung empfehlen?
Mich hat überrascht, wie authentisch das Format funktioniert. Den Teilnehmern wird enorm großer Gestaltungsspielraum gelassen, in der Art wie man das eigene Startup präsentieren möchte. Von dem her rate ich zur Teilnahme an der Sendung, wenn es jemanden reizt. Selbst wenn es nicht zu einem Investment kommt, erhöht sich die Bekanntheit und die Chance, dass die richtigen Personen anrufen steigt.

Obstraupe, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Die nächsten fünf Monate werden schon einmal spannend. Es geht jetzt drum, die erste limitierte Serie gut auf die Beine zu stellen und im Direktvertrieb zu verkaufen. Dann möchten wir skalieren, das Marktpotential ist groß. Händler mit ins Boot nehmen, da haben wir schon zahlreiche Anfragen, zuerst den deutschsprachigen Raum erobern und dann die weiteren Obstregionen Europas und darüber hinaus. Cider ist gerade ein großes Thema, da tut sich viel in der Szene, ähnlich wie bei Craftbier – viele kleine, innovative Produzenten. Die müssen natürlich auch zu ihrem Obst kommen. Einige Ideen für weitere ergänzende Produkte gibt es schon, aber zuerst soll die Obstraupe zeigen, was sie kann.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Zuerst braucht es ein Problem, etwas das mir richtig unter den Nägeln brennt, wo ich mich frage – warum tut da niemand was? Die Idee formt sich meist im Gehen, vorher muss ich das Problem verstehen und verinnerlichen. Ich kann angehenden Gründern nur empfehlen, möglichst schnell raus zu gehen, Kontakt zur potentiellen Zielgruppe schaffen, erste Prototypen testen, nicht entmutigen lassen und als Startup schlank bleiben. Nicht zu viel Eigenkapital investieren, Förderungen abholen und darauf vertrauen, dass gute Ideen die richtigen Leute für diese Ideen anziehen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei David Brunmayr für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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