Null-8-17 Kreativagentur für Models und Schauspieler

Null-8-17: Agentur für Personen mit Charisma

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Null-8-17 doch kurz vor!
Wir, das sind Natalie Rehberger und Stella Tümmler, die Gründerinnen der Kreativ- und Castingagentur Null-8-17. Beide Filmemacherinnen aus dem Rhein-Main-Neckar Gebiet, sprich, um genau zu sein, aus Darmstadt und Mannheim (Hauptsitz). Beide aus der Filmbranche, beide gut vernetzt und beide mit einer Ideologie der Vielfalt in der Medien- und Modeindustrie, die sich vor allem im vergangenen Jahr derart verstärkte, dass der Wunsch mitzureden immer größer wurde. So haben wir beschlossen eine eigene Kreativagentur zu gründen, um dazu beizutragen, ein Umdenken in der Medien- und Modeindustrie herbeizuführen.
Durch unsere Tätigkeit im Film-, Foto- und damit verbunden Modebusiness, merkten wir schnell, dass sämtliche Medienbranchen und vor allem auch die Modebranche in ihren Kampagnen und öffentlichen Repräsentationen lediglich auf standardisierte Menschenbilder zurückgreifen und die tatsächliche Vielfalt des menschlichen Daseins dabei einfach übergangen, ja sogar fast ausradiert wird (was, wenn man an die hohe Nutzung von Retusche durch Photoshop in der Modebranche denkt, sogar ein ziemlich wahrer Ausdruck ist).
Wir bekamen immer stärker den Eindruck vermittelt, dass es nur bestimmte Stereotypen schaffen sollten groß und erfolgreich zu werden, ohne dass dies zwangsläufig etwas über das Können oder das Charisma einer Person aussagte, geschweige denn wirkliche Menschen „abbildete“. Wir sahen und sehen hier einen erheblichen Mangel, denn unserer Meinung nach braucht man Vielfältigkeit, um mögliche Kunden und Interessenten für ein Produkt zu finden. Die Gesellschaft besteht nicht nur aus diesen Null-8-15 Personen, die wir überall in der Werbung und anderen Medien sehen. Unsere Gesellschaft bewegt sich in Bahnen, die keine festgelegten Grenzen kennen!
In der letzten Zeit scheint allerdings eine Art Umdenken eingesetzt zu haben, was man zum Beispiel an Kampagnen von Dove, Esprit, Amazon oder auch H&M sehen kann, die erste Schritte tun, um ein vielfältigeres Bild von der Schönheit des Menschen zu zeichnen. Wir sahen hier schließlich unsere Chance genau an diesem Umdenken anzusetzen und daran mitzuarbeiten, veraltete Klischees zu durchbrechen.
Ebenfalls fiel uns auf, dass die Netzwerkförderung in der Rhein-Main-Neckar-Region zu kurz kam. Suchte man für ein Filmprojekt Teammitglieder, waren diese schwer aufzufinden und so erstickten oft wirklich gute Ideen bereits im Keim, weil man kein Team hatte, um es durchzuführen. So war unser Anliegen also, ein Netzwerk zu schaffen, welches durch unsere Agentur an Crewsuchende vermittelt werden kann und darüber hinaus dieses Netzwerk zu stärken und zu fördern. Dabei liegt es uns auch hier besonders am Herzen vor allem denjenigen Personen eine Chance zu geben, die auf den ersten Blick vielleicht keine Chance hätten. Wir sehen zweimal hin!
Wir verstehen uns somit nicht nur als reine Künstler- und Castingagentur, sondern als Vermittler, Förderer und Vernetzer. Deswegen finden wir den Begriff „Kreativagentur“ für uns auch passender. Wir fungieren nicht nur als Agenten für unsere Karteimitglieder, sondern setzten uns auch zum Ziel, durch Workshops, Seminare, Kreativgruppen und andere Serviceangebote unsere Mitglieder zu fördern und sie aktiv dabei zu unterstützen im doch sehr harten Medien- und Modebusiness Fuß zu fassen und dabei einen verlässlichen Partner an der Seite zu haben, der mit Rat und Tat zur Seite steht. Ein persönlicher Kontakt zu unseren Mitgliedern ist uns deshalb sehr wichtig.

Wie ist die Idee zu Null-8-17 entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Wir beide kennen uns bereits aus dem Studium, welches wir von 2007-2012 gemeinsam absolvierten und das uns zu engen Freundinnen und Projektpartnerinnen werden ließ. Schnell merkten wir, dass wir gleiche Ansichten vertraten und die gleiche Art zu denken hatten, weswegen wir unsere Zusammenarbeit auch nach dem Studium noch als Filmschaffende fortsetzten bzw. sogar intensivierten.
Wie bereits gesagt, stießen wir in unserem Beruf immer wieder auf Ratlosigkeit, wenn z.B. ein Model, das wirklich einen wahnsinnigen Ausdruck hatte und mit dem man wahnsinnig gerne zusammen arbeitete, erzählte, dass sie immer wieder Absagen bekommt, weil ihr z.B. 5cm an Körpergröße fehlen oder sie nicht in Kleidergröße 36 passt. Für uns ist diese Kurzsichtigkeit, diese Engstirnigkeit, die sich leider so stark im Denken eines jeden eingenistet zu haben scheint, einfach nicht nachvollziehbar. Vor allem die Modeindustrie möchte Frauen wie Dir und mir etwas vorführen, nutzt dafür aber Models, die in keiner Weise die alltägliche Frau repräsentieren und aber genau diese alltäglichen Frauen glauben machen will, dass das der Standard ist und alles was rausfällt automatisch „nicht gewünscht“ oder gar „schlecht“ ist. So etwas ist frustrierend und das fängt nicht erst in der Umkleidekabine an, wenn mal wieder nichts passt.
Als wir im vergangenen Sommer dann begangen eine Dokumentation mit einer Transgender-Frau zu drehen, fiel uns zunehmend auf, wie „als Randgruppen bezeichnete Gruppen“ in unserer Gesellschaft immer noch als „Ausnahme“, „anders“ oder auch „Außenseiter“ angesehen werden, nur weil man von diesen kaum etwas mitbekommt und deshalb kein Bewusstsein über diese Gruppen existiert.
So entstand der Gedanke sich gegen diese falsche Vorstellungen behaupten zu wollen und die Idee für „ Null-8-17 “ war geboren.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung ist sicherlich in erster Linie unsere leider sehr begrenzte Zeit. Da wir beide noch nebenher unseren Berufen und der Selbstständigkeit nachgehen müssen, muss man sich wirklich die restliche Zeit oft freiboxen, um immer dranzubleiben und voranzukommen.
Bisher haben wir noch keine Finanzierung in Anspruch genommen und finanzieren Räume und alle weiteren Unkosten aus unseren privaten Finanzen. Wir planen allerdings bei Gründerwettbewerben mit zu machen, Fördergelder zu beantragen und Unterstützung über Crowdfunding zu suchen.

Wer ist die Zielgruppe von Null-8-17?
Fotografen, Designer und Unternehmen, die ihre Marke mit Menschen unterschiedlichster Art präsentieren wollen.

Wen nehmen Sie in Ihre Agentur auf? Was sollte das Modell/Schauspieler mitbringen?
Unser Ziel ist es die Vielfalt des menschlichen Daseins zu betonen und deshalb gibt es bei uns kein Ausschlusskriterium. Dennoch wird nicht jeder „der aus dem Rahmen fällt“ automatisch einen Platz in unserer Kartei bekommen und umgedreht wenden wir uns auch nicht direkt von denjenigen ab, die den gängigen Standards dennoch entsprechen. Wir nehmen Menschen auf, die uns mit ihrem Talent und ihrer Ausstrahlung überzeugen. Wie schon gesagt haben wir keine besonderen Anforderungen an Größe, Aussehen, etc. möchten aber auch nicht als „Freakagentur“ abgestempelt werden. Bei uns findet ihr Menschen mit einer besonderen Ausstrahlung, die wandelbar sind und das was sie tun einfach drauf haben. Wir interessieren uns also erstmal für jeden!

Null-8-17, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In fünf Jahren hoffen wir gesamte Teams für Projekte aus einer Hand zusammenstellen zu können. Falls jemand beispielsweise einen Werbespot drehen möchte, muss das Team nicht erst gesucht werden – Regisseur, Kameramann, Cutter, Schauspieler, Grafiker, alle können über uns gebucht werden.
Außerdem hoffen wir auch selbst Auftrags-Castings für ausgewählte Projekte durchführen zu können, sollte das passende Gesicht bisher nicht in unserer Agentur vertreten sein.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Sich nicht entmutigen zu lassen, vor allem auch dann nicht, wenn man von anderen zu hören bekommt, dass die eigene Idee doch keine Zukunft hat. Wie oft haben wir gehört: „Und das hat Zukunft? Deutschland ist doch durchgecastet!“ Wir sind uns bewusst, dass da ein steiniger Weg vor uns liegt und dass es sicher erstmal nur langsam anlaufen wird, aber man darf deshalb nicht seine Zuversicht verlieren.
Wichtig ist auch sich Ziele und Etappen zu notieren und diese dann schrittweise, in kleinen Happen sozusagen, abzuarbeiten.
Für die einzelnen Themenbereich ist es auch nie verkehrt Spezialisten an seiner Seite zu haben (Buchhalter, Steuerberater, Anwälte, etc.), besonders um die ersten Formalien zu klären.
Und besonders wichtig: Startet nicht alleine! Sucht euch Partner! Für uns war es wirklich eine wahnsinnige Bereicherung zusammen an dieser Idee zu arbeiten. Wir haben uns gegenseitig motiviert und dem anderen in den Arsch getreten, um es mal ungalant auszudrücken, damit es vorangeht.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Stella Tümmler und Natalie Rehberger für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer ist 39 Jahre jung, Gründerin und leitende Redakteurin der StartupValleyNews. Ihre Karriere startete sie in verschiedenen internationalen Direktvertriebsunternehmen. Seit 2007 ist sie hauptberuflich als Journalistin tätig. Während dieser Zeit lernte sie die Startup-Szene kennen und schätzen, was Sie dazu bewogen hat mit StartupValleyNews ein internationales Startup Magazin aufzubauen!

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