Welche Vision steckt hinter der NOAH?

Marco Rodzynek und Jan Brandes Gründer der NOAH über die Unterschiede der Londoner Startup Szene zur Berliner Startup Szene

Stellen Sie sich doch kurz vor!
Marco: Ich komme ursprünglich aus Hamburg, wohne aber aktuell in Luzern, was für mich der ideale Ruhepol zwischen meinen ständigen Reisen ist. Nach vielen verschiedenen Stationen ist mein Leben inzwischen dem Internet gewidmet.

Jan: Nach unserer gemeinsamen Zeit im Investment-Banking, haben wir uns für NOAH zusammengefunden. Neben der Organisation der Konferenz, die am 2. und 3. November in London in die nächste Runde geht und die europäische Digital-Szene versammelt, beraten wir Internet-Unternehmen im Bereich Corporate Finance and machen einige Angel Investments.

Wie ist die Idee zur Noah-Konferenz entstanden?
Jan: Bevor wir mit der Veranstaltung begonnen haben, gab es keine nennenswerte Plattform, auf der sich Unternehmen vielen Finanzinvestoren gleichzeitig vorstellen konnten. Das wollten wir unbedingt ändern und beiden Seiten Mehrwert bieten. Deshalb lag unser Fokus auch von Beginn an darauf, eine sehr hohe Qualität zu bieten – sowohl was die Auswahl der Inhalte angeht als die der Speaker. Keiner geht hier ohne Neues erfahren und wertvolle Kontakte geknüpft zu haben. Selbst in den USA gibt es übrigens bis heute keine mit der NOAH-Konferenz vergleichbare Veranstaltung.

Was waren die größten Herausforderungen?
Marco: Die NOAH sollte sich von Anfang an von anderen Events abheben, groß und hochprofessionell wirken. Das ist natürlich eine Herausforderung, denn meist wächst so etwas über die Jahre hinweg und professionalisiert sich über die Zeit. Da unsere eigenen Ansprüche an die Konferenz sehr hoch waren, mussten wir gerade zu Beginn viel Energie in die Organisation, die Öffentlichkeitsarbeit und in die Aktivierung unserer Netzwerke stecken..

Kann man auch mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?
Jan: Man muss mit einer Idee starten, um sie nach und nach zu perfektionieren. Nichts ist von Beginn an perfekt.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Marco Rodzynek und Jan Brandes aus?
Jan: Einen normalen Tag gibt es fast gar nicht. Jeder Tag ist anders, je nachdem wo gerade die Prioritäten liegen. An einigen Tagen kümmern wir uns nur um die Konferenz und an anderen Tagen um unser M&A-Geschäft. Zudem sind wir viel unterwegs, was auch für Abwechslung sorgt.

Welche Vision steckt hinter der NOAH?
Marco: Mit der Berlin-Edition, die wir gemeinsam mit Axel Springer veranstalten, wollen wir eine einzigartige Diskussionsplattform für CEOs und Gründer der Old und New Economy bieten. Bei der NOAH London legen wir den Fokus in erster Linie darauf, eine elaborierte Plattform für die führenden Entrepreneure und Kapitalgeber zu bieten, sie zusammenzubringen und so die europäische Digitalwirtschaft zu fördern. Dieses Jahr sind erneut viele interessante und disruptive Youngsters auf unserer Bühne zu sehen – einige davon mit sehr spannenden und futuristischen Ansätzen. Mit Lilium und Volocopter geben sich beispielsweise die weltweiten Marktführer für Lufttaxis die Ehre.

Was erwartet die Teilnehmer auf den NOAH-Konferenzen?
Marco: In erster Linie vor allem eines: Qualität. Sowohl in Hinsicht auf unser Bühnen- als auch Rahmenprogramm setzen wir meiner Meinung nach Maßstäbe für europäische Digitalevents. Bei uns sitzen Entscheider im Publikum, die auf anderen Veranstaltungen Vorträge halten. Mit der NOAH Startup Stage erhalten darüber hinaus über 90 handverlesen Start-ups die Chance, in Pitches ihre disruptiven Geschäftsmodelle vor Publikum und Investoren zu präsentieren.

Jan: Außerdem bieten wir unseren Besuchern wirklichen Mehrwert. Bei der anstehenden NOAH London liegt unser Augenmerk besonders darauf, Investoren und Gründer zusammenzubringen, die wirklich die Absicht haben, Business zu machen. Um dieses Vorhaben für beide Seiten zu erleichtern, bieten wir beispielsweise ein Matchmaking-Tool an – so können sich Interessenten leicht miteinander vernetzen.

Wie wählen Sie die Speaker aus?
Marco: Hier kann ich meine Antwort von eben nur wiederholen: In erster Linie nach Qualität – allerdings ein bisschen differenzierter. Um auf der NOAH London auf der Bühne zu stehen, ist es entscheidend, wie groß und profitabel ein Unternehmen ist. Für Berlin ist das nicht unbedingt der entscheidende Faktor. Hier spricht nicht unbedingt der größte Player, sondern oft das innovative und disruptive Jungunternehmen.

Wie ist das Feedback der Teilnehmer?
Jan: Das Feedback der Teilnehmer ist durchgehend sehr positiv. Häufig werden unsere erstklassigen Speaker gelobt, andere wiederum schauen sich keinen einzigen Vortrag an, da sie komplett damit beschäftigt sind, Meetings abzuhalten. Das ist genau das, was ich mit Mehrwert meine – wir bringen die Leute zusammen und bieten spannende Kontakte, die ohne die NOAH wahrscheinlich nicht zustande kämen.

Wie hat sich die Startup-Szene in den letzten Jahren verändert? Was sind die Unterschiede der Londoner Startup Szene zur Berliner Startup Szene?
Marco: Ich halte das Londoner Start-up-Ökosystem generell für etwas hochwertiger. Dafür sind die Grundbedingungen in Berlin in Bezug auf Fixkosten, Nahverkehr und Unterstützung etwas besser. Berlin punktet außerdem mit immer mehr investitionsfreudigen Kapitalgebern und interessanten Start-ups. Beispielsweise im Bereich Internet of Things tut sich in dort einiges. In Bezug auf London wird interessant zu beobachten sein, wie sich der Brexit auf die Start-up-Szene auswirken wird.

Welches sind die größten Fehler junger Gründer?
Marco: Ein Unternehmen mit wenig “value add”, um ein zu schwaches Kernprodukt herum oder in einem zu kleinen Markt zu gründen. Auch sehen wir oft, dass zu lange gezögert wird, wenn es nötig ist, die Organisation mit Senior Hires zu stärken.

Wo sehen Sie sich in den nächsten fünf Jahren?
Jan: Natürlich ist es unser Ziel, mit den wachsenden Herausforderungen Schritt zu halten. Wir wollen die Konferenz durch Technologie weiterentwickeln und hier etwas ganz Neues kreieren. 2018 wird dafür ein entscheidendes Jahr.
In unseren Finance-Aktivitäten wollen wir fokussiert bleiben und eher wenige, aber dafür große Transaktionen machen.
Und wer weiß, vielleicht stemmen wir ja irgendwann auch mal einen Fund.

Welche 3 Tipps haben Sie für Gründer?
Marco: Erstens, kommt auf die NOAH-Konferenz. Und wenn ihr hingeht, macht es richtig:Klar kommen alle, um Kapitalgeber zu treffen, aber es ist genauso wichtig, sich mit erfolgreichen Gründern auszutauschen und hochwertige Service Provider zu treffen.
Darüber hinaus Fokus auf das Produkt: Es muss Mehrwert liefern und mindestens eine entscheidende Sache besser machen als die Wettbewerber. Das ist auch das Thema der NOAH-Konferenz in London.

Drittens, schnelle Skalierung: Wenn ein Unternehmen ein Produkt hat, das funktioniert, sollte es schnellstmöglich international skalieren, bevor es von einem besser finanzierten Unternehmen aus den USA oder Asien überflügelt wird. Es ist kein Zufall, dass es trotz einer digitalen Welt ohne physische Grenzen nur ganz wenige europäische Weltmarktführer gibt. Finanzierung ist dazu essentiell und nicht zuletzt deshalb machen wir die NOAH.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Marco Rodzynek und Jan Brandes für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Schreibe einen Kommentar

X