Für Unternehmen ist die Krise ein Ritt auf der Rasierklinge

Das Corona-Virus hat die weltweite Wirtschaft fest im Griff. Das öffentliche Leben steht weitestgehend still. Für viele tausend kleine und mittelständische Unternehmen ist das eine existenzbedrohende Situation. Manche Gastronomiebetriebe, die bereits vor der Krise Probleme hatten, mussten bereits aufgeben. Die prominentesten Beispiele sind vermutlich die Systemgastronomie von Vapiano und die Steakhaus-Kette Maredo. Doch was können Unternehmen jetzt aktiv tun, um der Krise zu begegnen? Wir haben uns dazu mit Nico Peters, Geschäftsführer des Finanzportals COMPEON, unterhalten. Das Fintech ist eine Kreditplattform, über die Unternehmen Kredite – unter anderem auch bei Förderbanken wie der KfW und mithilfe von Bürgschaftsbanken – über Hausbanken und andere Finanzanbieter erhalten. 

Herr Peters, wie ist die aktuelle Situation bei den Unternehmen im Mittelstand?

Nico Peters: Natürlich machen sich Unternehmer Sorgen um die eigene Situation. Es ist eine Ausnahmesituation. Die Liquiditätsreserven werden kleiner, Einnahmen sinken, während die Verbindlichkeiten bestehen bleiben. Löhne müssen gezahlt werden, Mieten beglichen werden. Für Unternehmen ist die Krise ein Ritt auf der Rasierklinge. Deshalb spüren wir bei COMPEON natürlich auch das gestiegene Bedürfnis der Unternehmer, sich finanziell abzusichern. Hier haben wir aber eine gute Ausgangsbasis, da wir eine direkte Anbindung an Förderbanken wie die KfW und auch an Bürgschaftsbanken haben. 

Sie sprechen die Förderprogramme bereits an. Wie können Unternehmen diese Förderungen nutzen? Was gibt es dort? 

Nico Peters: Bei den angesprochenen Programmen handelt es sich um Förderkredite zu sehr günstigen Konditionen. Diese werden von Förderbanken wie der KfW oder auch den Landesförderbanken der jeweiligen Bundesländer bereitgestellt, müssen aber immer über eine Geschäftsbank angefragt werden. Das ist das Durchleitungsprinzip, das auch während der Corona-Krise weiterhin besteht. Man erhält die Förderkredite der KfW bei Berechtigung also über die Banken, Sparkassen und Volksbanken. Digitale Finanzplattformen können diesen Prozess beschleunigen. Wir haben beispielsweise eine direkte Anbindung sowohl an die meisten großen Förderbanken, aber auch an über 250 Geschäftsbanken, von denen viele als mögliche Durchleitungsbanken bereitstehen. So kann eine Zusage über uns als Mittler schneller gehen.

Welche Funktion haben Bürgschaftsbanken, die Sie ebenfalls angesprochen haben?

Nico Peters: Bürgschaftsbanken stellen Ausfallbürgschaften aus. Das heißt, sie sichern Kredite zusätzlich ab. Möchte ein Unternehmer einen Kredit bei einer Bank aufnehmen, hilft eine solche Bürgschaft ungemein, da sie das Risiko der Bank mindert. Oft können so Kredite bewerkstelligt werden, die normalerweise bankseitig abgelehnt würden. Gerade in der jetzigen Situation ist das extrem viel wert. Wir haben mit den Bürgschaftsbanken der Länder in den letzten Tagen einen Prozess für eine Expressbürgschaft aufgesetzt, um hier noch zielführender helfen zu können. 

Wenn Sie Unternehmen in der derzeitigen Krise 3 Tipps geben könnten: Welche wären das?

Nico Peters: Zunächst sollten sich Unternehmer kurzfristige finanzielle Hilfe suchen, wenn ihr Unternehmen bereits in Schieflage ist. Das geht natürlich über die Hausbank, aber auch über digitale Kreditplattformen. Diese Finanzexperten können auch dazu beraten, ob sich eine Anfrage bei einer Förderbank wie der KfW lohnt. Der zweite Tipp ist, dass auch Unternehmen, denen es trotz Krise noch gut geht, finanzielle Reserven aufbauen sollten. Das geht ebenfalls durch die Aufnahme von Fremdkapital als Kredit und sollte zu einem Zeitpunkt geschehen, an dem die Zahlen noch positiv sind.

Der dritte Tipp richtet sich an die Unternehmen, die durch die Krise sogar in gewisser Weise profitieren und so einen wichtigen Beitrag zum Durchstehen der Situation leisten – sprich an die Lieferdienste, Supermärkte, Apotheken, Kuriere, Lebensmittelproduzenten und alle, die im Homeoffice produktiv arbeiten: Investieren Sie in Lösungen und Hilfsmittel, um Ihre Produktion und Ihren Betrieb aufrecht zu erhalten und auszubauen. Dafür sollte man auch alternative Finanzgeber nutzen und Leasing und Mietkauf in Betracht ziehen.  

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Nico Peters für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Quelle COMPEON GmbH

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