Nicht bei Null anfangen: Startup kaufen / verkaufen

Viele Menschen träumen von einem Leben, das sie selbstbestimmt nach ihren eigenen Vorstellungen und Idealen führen können. Einige streben daher die Selbstständigkeit an, anstatt weiter innerhalb der Grenzen des Angestelltendaseins zu verharren.

Anstelle des täglich grüßenden Murmeltieres, ist die Selbstständigkeit ein spannendes Abenteuer, bei dem sich Gründer selbst verwirklichen können. Eintönigkeit? Fehlanzeige! Wer wirklich erfolgreich mit einem Unternehmen sein will, muss dieses ständig neu erfinden und darf sich dem Neuen niemals verschließen. Gerade die sich immer weiterentwickelten technischen Möglichkeiten bedeuten stetigen Wandel und ungeahnte Möglichkeiten.

„Es war noch nie so einfach zu gründen!“

Diesen Satz hört man nicht nur im Silicon Valley, sondern mittlerweile auch in Berlin, Hamburg und Leipzig. Die Bilanz ist eindeutig und spricht eine klare Sprache: 338.000 Existenzgründungen zählte das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) alleine im vergangenen Jahr. Die Mehrzahl sind Gründungen mit dem vorrangigen Ziel, einen Nebenerwerb zu erwirtschaften. Nur wenige Projekte eignen sich tatsächlich zur vollständigen Sicherung eines Einkommens.

Mehr Pleiten als Gründungen

Für viele Startups ist ein erfolgreicher Exit in Form eines Verkaufs des Unternehmens oder der Anteile das Hauptziel. So manch einer möchte sogar irgendwann mal mit seiner Idee an die Börse. Viele Unternehmen scheitern aber schon weit vorher – der Exit ist in solch einem Fall dann eher die letzte Möglichkeit, die Reißleine zu ziehen, bevor man unsanft den Boden der Tatsachen berührt.

So zeigt das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) auch eine Zahl von 354.000 Pleiten im Gegensatz zu den 338.000 Existenzgründungen. Weiterhin verzeichnet das Institut knapp 580.000 Unternehmen, die momentan auf Nachfolgersuche sind.

Das Problem ist jedoch, dass Unternehmer an dieser Stelle oft schwer geeignete Nachfolger finden. Auch ist die Provision eines professionellen Maklers oft eine zu hohe Investition im Vergleich zum Verkaufserlös, der mit einem Kleinunternehmen und –projekt erzielt werden kann. Vermeintlich gescheiterte Ideen und Projekte werden deswegen oft einfach wieder verworfen, obwohl diese nicht selten ein hohes Potential bergen.

Startup Marktplätze nutzen

So bieten diverse Online-Marktplätze Plattformen, die Interessenten den Kauf und Verkauf von StartUps ermöglichen. Gestützt werden diese Onlinebörsen weiterführend durch toolbasierte Lösungen zur Preisfindung, Anzeigenerstellung und Durchführung des Kauf- bzw. Verkaufsprozesses.

Beispiel aus der Praxis

Bei Projektify haben wir vor einiger Zeit ein kleines Interview mit beiden Parteien einer erfolgreich übergebenen Firma geführt, deren Handel über unseren Marktplatz zustande kam. Der Onlineshop wurde von einem Gründerteam als GmbH gegründet und konnte in der Anfangszeit recht konstante Gewinne erwirtschaften. Als jedoch die Konkurrenz im Markt zunehmend stärker wurde, sahen sich die Gründer mit der Frage konfrontiert, ob die eigenen Ideen und Fähigkeiten ausreichen, um das StartUp langfristig am Markt zu halten. Die Kompetenzen beider Gründer lagen vornehmlich im technischen Bereich, wie beispielsweise der ausgeklügelten Programmierung des Shopsystems samt starken Alleinstellungsmerkmalen. Nach etlichen Gesprächen fand sich ein Käufer, der bereits seit mehr als 20 Jahren im stationären Handel mit den Produkten zu tun hatte, die über den Onlineshop vertrieben wurden. Dieser Käufer führt das Unternehmen bis heute erfolgreich weiter und konnte die Stellung am Markt nachhaltig festigen.

Win-win par excellence

Das Beispiel zeigt, dass der Verkauf einer bestehenden Idee im frühen Stadium für viele Gründer eine Lösung sein, einen sauberen Schnitt zu machen, das Feld zu räumen, Investitionskosten wieder reinzuholen und vielleicht sogar noch ein kleines Plus zu erwirtschaften. Die StartUp-Börsen im Web bieten dabei jene Plattform, die viele der 580.000 Unternehmen auf Nachfolgersuche (Zahl vom Institut für Mittelstandsforschung) dringend brauchen. Für “Neugründer” kann der Kauf eines dieser StartUps auf der anderen Seite eine gute Möglichkeit sein, nicht vollkommen bei Null starten zu müssen und ich womöglich dem gleichen Schicksal gegenüber zu sehen, wie die Vertragspartner.

Dominic Lindner

Dominic Lindner ist Vorstand des Projektify e.V. ,einem Marktplatz für den An- und Verkauf von Webprojekten. Dominic hat zwei Startups erfolgreich verkauft und möchte mit Projektify eine Bühne für die Gründerszene schaffen, um Webstartups den Exit zu erleichtern. Als Beitrag für die Gründerszene ist Projektify kostenlos. Neben dieser Tätigkeit schreibt Dominic eine Doktorarbeit an der FAU Erlangen-Nürnberg.

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