Man sollte keine Angst davor haben, Verantwortung abzugeben

Next Kraftwerke vernetzt Erneuerbaren Energien und flexible Stromverbraucher in einem Virtuellen Kraftwerk

Stellen Sie sich und das Startup Next Kraftwerke doch kurz unseren Lesern vor!
Next Kraftwerke ist inzwischen rund acht Jahre alt und vielleicht schon gar kein richtiges Startup mehr. Mein Studienfreund Hendrik Sämisch und ich haben das Unternehmen 2009 gegründet, heute beschäftigen wir rund 140 Mitarbeiter in sieben Ländern. Durch den Einsatz von digitalen Technologien – Stichwort M2M -Kommunikation – vernetzen wir über 4000 Anlagen der Erneuerbaren Energien, Notstromaggregate und flexible Stromverbraucher in unserem Virtuellen Kraftwerk, um das Stromsystem stabil zu halten. Wir sind im Grunde ein großer Kraftwerksbetreiber, ohne ein einziges Kraftwerk selbst zu besitzen.

Wie ist die Idee zu Next Kraftwerke entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Hendrik und ich haben am Energiewirtschaftlichen Institut der Uni Köln im Rahmen unserer Doktorarbeiten gemeinsam an den Auswirkungen der Energiewende auf die Stromnetze und Strommärkte geforscht. Dabei ist uns schnell klar geworden, dass über eine digitale Vernetzung vieler kleiner, flexibler Einheiten – eben über ein Virtuelles Kraftwerk – eine große Frage der Energiewende beantwortet werden kann: Was tun, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht? Wir haben uns dann recht schnell entschieden, das Konzept des Virtuellen Kraftwerks aus der akademischen Welt in die Wirtschaftswelt zu überführen, dafür musste die Promotion dran glauben. Heute schalten wir den Schwarm aus vernetzten Anlagen in Sekunden hoch und herunter, um die Lücken in der Stromproduktion von Solar- und Windkraftanlagen zu füllen. Wer das selbst mal probieren möchte, kann sich hier versuchen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Wir hatten das Glück, recht schnell ein Exist-Gründerstipendium zu bekommen. Danach kamen die üblichen Businessplanwettbewerbe und zum Glück die ersten Investoren, die auch bis heute mit an Bord sind: Der High-Tech-Gründerfonds aus Bonn und Neuhaus Partner aus Hamburg. 2013 haben wir dann erstmals schwarze Zahlen geschrieben, seitdem wachsen wir hauptsächlich aus eigener Kraft. Herausforderungen gab es eine Menge: Der Aufbau der technischen Infrastruktur und unseres Trading Floors, die Erstellung von Abrechnungen für die Masse an Kunden, überhaupt Kunden zu finden, die regulatorische Zulassung unseres Virtuellen Kraftwerks, heute die Internationalisierung.

Wer ist die Zielgruppe von Next Kraftwerke?
Im Grunde kann bei uns jeder mitmachen, der eine Erneuerbare-Energien-Anlage mit einer Leistung über 100kW hat sowie sonstige kleine Stromproduzenten und gewerbliche Stromverbraucher, die über Flexibilität verfügen und ihr Verhalten kurzfristig anpassen können. Also Notstromaggregate und KWK-Anlagen auf Produzentenseite und Betreiber von variablen Verbrauchsprozessen auf Konsumentenseite, etwa im Bereich Kühlung, Kompression oder Pumpen. Für gewerbliche und industrielle Stromverbraucher bieten wir inzwischen auch variable Stromtarife an, die sich an der überschüssigen Einspeisung von Solar- und Windkraftanlagen orientieren. An guten Tagen ist die Energie dann nahezu kostenlos an den Strombörsen zu haben.

Wie funktioniert Next Kraftwerke?
Unsere Kernkompetenzen liegen in der automatisierten Steuerung von Kleinanlagen aus der Ferne über unser Leitsystem und im kurzfristigen Stromhandel. Wir wissen dank unseres Virtuellen Kraftwerks immer genau, wer in unserem Portfolio wieviel Strom produziert und verbraucht und wie sich die Preise für Strom und für kurzfristige Stromreserven gerade entwickeln. Dadurch können wir optimierte Einsatzpläne für alle beteiligten Einheiten errechnen und übermitteln.

Welche Vorteile bietet Next Kraftwerke?
Dank der angesprochenen optimierten Einsatzpläne für jede Anlage verringern Stromverbraucher in unserem Virtuellen Kraftwerk ihre Stromkosten und Stromproduzenten erzielen höhere Erlöse für ihre Stromproduktion. Wir teilen alle Erlöse aus den Optimierungen über ein Profit-Sharing-Modell mit unseren Kunden auf. Wir verdienen also nur Geld, wenn sie auch welches verdienen.

Next Kraftwerke, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir machen einfach immer weiter, das Ganze macht schließlich einen Riesenspaß. Wir arbeiten mit einem jungen Team daran, die Energiewende voranzubringen und es gibt viele Aufgaben aus den verschiedensten Bereichen, technisch natürlich, aber auch auf Handels- und Vertriebsseite. Ich hoffe, wir sind in fünf Jahren ein noch internationaleres Unternehmen als heute.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Man sollte keine Angst davor haben, Verantwortung abzugeben. Sonst wird Wachstum schwierig. Man sollte Dinge einfach mal ausprobieren, das ist ja gerade die Riesenchance für Startups gegenüber Konzernen. Und zugleich sollte man Dinge auch wieder weglassen, wenn sie nicht funktionieren, nicht aus Eitelkeit an Projekten und Ideen kleben. Frei nach Heinemann: Ich liebe meine Frau, nicht mein Geschäftsmodell.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Jan Aengenvoort für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Schreibe einen Kommentar

X