Am Wochenende auch mal einen Ausflug ins Grüne machen

naturtrip Ausflüge und Urlaube mit öffentlichen Verkehrsmitteln kinderleicht planen

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen naturtrip doch kurz unseren Lesern vor!
Ich bin Hermann Weiß, hab mit Judith Kammerer naturtrip.org gegründet und wir machen Ausflüge und Urlaube mit Öffentlichen Verkehrsmitteln jetzt kinderleicht zu planen. Indem wir einfach nur zu solchen Ziele auf einer OpenStreetMap Karte routen, die mit Bus und Bahn und Rad schnell und einfach zu erreichen sind. Wir haben 3 Mitarbeiter, Sarah, Isabell und Andreas, die sich um Social Media, Redaktion, Content-Kooperationen und Business Development kümmern. Ich selber war bisher als Freelance-Texter unterwegs, Judith kommt vom Projektmanagement in internationalen NGOs.

Wie ist die Idee zu naturtrip entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die Idee hatten sicher schon tausend andere: Ich will nicht 10mal umsteigen, um zu einem Kanuverleih zu kommen, ich will einen Überblick, welche Kanuverleihe ich schnell erreichen kann, ohne viele Umstiege und mit einem kurzen Fußweg zum Verleih. Bei Google sehe ich auch eine Menge Kanuverleihe, aber da muss ich bei jedem checken, wie ich da mit Zug oder Bus hinkomme. Und ein 30 km entfernter Kanuverleih kann schneller erreichbar sein als ein 10 km entfernter. Ich wohne im Prenzlauer Berg, wenn ich paddeln will, kenn ich in Fürstenberg an der Havel einen Verleih, wo ich Bf. Gesundbrunnen einsteige, in Bf. Fürstenberg aussteige, paar Meter zum See runtergehe und dann lospaddeln kann. Und alles innerhalb einer Stunde. Die Idee war, im 21. Jahrhundert muss man solche Zufalls-Tipps doch systematisieren können auf einer interaktiven Karte. Ich hab dann im Freundeskreis rumgefragt, wer Lust hat, da als Mitgründer einzusteigen und die Judith hat dann schnell Feuer gefangen und gesagt, wir machen das. Dann zum Notar und GmbH gegründet und drei studentische Mitarbeiter eingestellt, die wir mittlerweile übernommen haben, weil sie so super sind.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die Entwickler zu finden, die sowas können, weil es für dieses Umkreis-Routing Millionen von Rechenschritten braucht, um im 30 min Umkreis alles abzusuchen, was Momenten mit Öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen ist. Henning hat dazu eine Masterarbeit an der Uni Potsdam geschrieben und dann als Spin Off seine Motion Intelligence GmbH gegründet, die genau das Umkreis-Routing macht, was wir brauchen. Weltweit können sowas nur eine Handvoll Entwickler. Und Henning hatte Lust, mit uns zu arbeiten.
Andere Herausforderung natürlich das Geld. Aber wir hatten Glück. Das Bundesumweltweltministerium fand die Idee so gut, dass sie uns als erstes Startup mit in das Förderprogramm der Nationalen Klimaschutz Initiative aufgenommen haben. Noch mehr Geld vom von der Deutschen Bahn, wir haben es in das Accelerator Programm der DB mindbox in den S-Bahn Bögen an Jannowitzbrückegeschaft. (direkt an der Spree, der schönste Co-Working Space von Berlin, definitiv). Hier haben wir auch super Coachings, tolle Kontakte und machen auch einige Projekte mit verschiedenen Abteilungen bei der DB zusammen, wie z.B. Station&Service, wo wir auf Tochscreens bei den neuen Info-Points an der Bahnhöfen dieser Republik als ein neues Service auftauchen sollen.

Wer ist die Zielgruppe von naturtrip?
Erst mal Menschen in Städten, und dann eher die Kreuzberger oder Prenzelberger dieser Welt, also für die das Auto längst kein Statursymbol ist und die auf ihr iPhone schauen, welches gerade das schlaueste Verkehrsmittel ist und dann munter mischen: Car-Sharing, eMioRollersharing, Fahrrad oder Öffis. In Berlin z.B. hat die Hälfte der Haushalte gar kein Auto, weitere 20 Prozent haben wahrscheinlich vergessen, wo ihr Auto steht, weil sie im Alltag eh alles mit dem Rad oder den Öffis machen. Aber für den Ausflug ins Grüne hat man dann doch lieber ein Auto zur Hand, weil es immer so umständlich ist zu planen, wo muss ich aussteigen, um zu einer Badestelle zu kommen. Und geht dann abends noch ein Bus oder Zug zurück. Alles super kompliziert herauszufinden, mit dem Auto ist es nun mal viel einfacher.

Wie funktioniert naturtrip?
Nicht jedes Ausflugsziel hat einen Bahnanschluss. Manche aber schon. Oder zumindest eine Bushaltestelle ganz in Nähe. Viele Ausflugsziele sind eigentlich sehr mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Wir zeigen auf einer interaktiven Karte nur solche Ziele, die gut zu erreichen sind. Das sind auch immer andere Ziele, je nachdem wie die Busse und die Züge gerade fahren. Ich geb als User nur ein „Badestelle in höchstens 90 Minuten“ oder „Kletterwald in höchstens 30 min“ und dann ploppen auf der Karte genau die Badestellen oder Kletterwälder auf, wo gerade ein Zug oder Bus hinfährt, der also gerade gut erreichbar ist. Ich muss also nicht das Ziel eingeben, bei Freizeit weiß ich das ja meistens nicht, so ich hinwill, nur was ich machen will. Baden, klettern, Biergarten. Wo das ist, ist ja ziemlich egal, Hauptsache es ist schön da und schnell ohne viel Umsteigen zu erreichen.

Welche Vorteile bietet naturtrip?
Mit naturtrip.org machen wir Ausflüge aber so einfach zu planen, dass man sogar als Familie aufs Auto verzichten kann, bei uns sieht man leicht die Ziele, die ohne Umsteigen zu erreichen sind. Aus 2 Stunden rumgoogeln machen wir 10 Sekunden naturtrip.org. Am Frühstückstisch Samstagmorgen Sonnenschein will ich nicht erst in hundert Blogs oder in Magazinen rausfinden, wo schöne Ausflugsziele sind und zu welchen von diesen Zielen ich gut ohne Auto hinkomme.
Natutrip.org ist für alle, die beim Wandern nicht immer einen Rundwanderweg zum Autoparkplatz nehmen wollen, sondern lieber von einem Bahnhof zu einem anderen Bahnhof wandern. So ein Auto ist ja dann oft ein Klotz am Bein. Und naturtrip ist natürlich für alle, die unterwegs im Biergarten nicht nur alkoholfreies Bier trinken wollen, im Zug darf man ja ruhig etwas betütelt sein. Als Autofahrer muss einer ja immer so nüchtern sein.

naturtrip, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In fünf Jahren haben wir naturtrip in fast ganz Europa ausgerollt, unsere Nachbarländer sind eh schon viel weiter, was Fahrplandaten als Open Data angeht, da können wir naturtrip recht schnell implementieren. Wir haben uns etabliert als Marke, die bei nachhaltigem Tourismus die Anreise mitdenke (der größte CO2 Footprint bei Freizeit/Urlaub entsteht nun mal bei der Anreise, und natürlich am meisten mit Flugzeug oder Auto). Wir können dann auch schnell ein schönes Hostel in den Abruzzen zeigen, wo man ganz einfach mit Zug oder Bus hinkommt und wohin man heute sogar mit einem billigen Supersparpreis Zug-Ticket hinkommt.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1. Rumprobieren, mit tausend Leuten reden, nicht wahnsinnig werden, viel Kaffee trinken, nicht verzetteln, nicht auf jeder Hochzeit tanzen, möglichst früh ein Produkt finden und rausfinden, wer dafür Geld ausgibt, nicht nur vor anderen Startups pitchen, sondern vor Kunden oder Geldgebern, weniger Kaffee trinken und am Wochenende auch mal einen Ausflug ins Grüne machen. Zum Runterkommen. Mit naturtriporg. Das waren jetzt eh mehr als drei Tipps.

Wir bedanken uns bei Hermann Weiß für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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