Nomen est omen: So funktioniert es mit der Namensfindung für das Start-up

Gründe zum Aufatmen haben Start-ups reichlich, sobald der Businessplan vorliegt, die wichtigen Versicherungen eingebunden sind und das Unternehmen kurz davorsteht, online zu gehen. Doch eine wichtige Frage stellt sich jedem Gründer eher früher als später: Wie nenne ich mein Unternehmen? Für das ich seit Kurzem oder bereits viele Jahre brenne?

Mit simplen Tipps gelingt es einem Start-up, schnell den passenden Namen zu finden

Falscher Name mit gravierenden Folgen

Zugegeben, ein passender Name, der das zukünftige Unternehmen vollumfänglich (re-)präsentiert, findet sich nicht ohne Weiteres sofort. Doch ein nicht durchdachter, „falscher“ Name hat für das Start-up schlimmstenfalls existenziell bedrohliche Folgen. Viele der am Deutschen Start-up Monitor beteiligten Gründer sahen sich gezwungen, den ursprünglich vorgesehenen Namen erneut umzuändern. Diese Maßnahme ist nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer und teilweise imageschädigend. Um diesen Fehler zu vermeiden, sollten Start-ups vorab prüfen, ob der gewünschte Name verfügbar, verständlich sowie einzigartig ist. Es ist festzustellen, ob ein Unternehmen mit einem ähnlichen oder gar identischen Namen existiert. Die ersten Recherchequellen für diesen Zweck sind die Seiten des Unternehmensregisters. Weiterhin sollten Gründer kontrollieren, ob ein Patent auf den Namen oder auf ein bestimmtes Produkt, welches das Start-up für sich nutzt, besteht.

Fantasievolle und beschreibende Worte kombinieren

Ein wichtiger Schritt für ein angehendes Start-up besteht darin, zu fragen, wofür die eigene Idee steht. Fantasievolle Namen heben die Einzigartigkeit eines Unternehmens hervor, während beschreibende Namen Fakten rational offenlegen. Für ein technikbasiertes kleines oder mittelständisches Unternehmen, das mit einer speziellen ERP Software arbeitet, bietet sich ein beschreibender Name eher an als ein fantasievoller, weil er die Fakten betont. Ein künstlerisches Start-up ist hingegen mit einem kreativen Namen besser beraten. Idealerweise findet das gesamte Team in einem gemeinsamen Brainstorming einen erfolgversprechenden Mix aus originellen und beschreibenden Aspekten.

Methoden und effektive Tools nutzen

Nicht nur mit einem Brainstorming lässt sich solch ein treffender Name ermitteln, wie ihn beispielsweise das Text-Start-up Anyline wählte. Der Selbstversuch im Team ist eine mögliche Variante. Manchmal helfen den Gründern begriffliche Paare oder Assoziationen nicht weiter. Funktioniert dieser Weg nicht, helfen möglicherweise eine webbasierte Software oder praktische Tools, um den passenden Namen zu generieren.

„Hipster Business“ ist eine Anwendung, die englische Wortpaare erstellt sowie mögliche Namen für das eigene geschäftliche Vorhaben liefert.
„Nameboy“ setzt auf Wortkombinationen aus ersten und zweiten Wörtern, welche die Anwendung gleichzeitig auf eine freie Domain überprüft.
„Schreiblabor“ hilft vor allem kreativen Gründern weiter, die nach einem fantasievollen Namen suchen.
„Wordoids“ wirkt als Übersetzer-Tool und schlägt für eingegebene Begriffe geeignete Übersetzungen vor.
„Visuwords“ stellt Wortkombinationen bildlich dar.
„The name inspector“ stellt wissenswerte, allgemeine Informationen rund um das Thema Markennamen bereit.
Alternativ helfen Designer-Plattformen wie „designenlassen.de“ Gründern dabei, anhand des entsprechenden Briefings einen passenden Namen zu erhalten.

Feedback von Freunden und Bekannten einholen, anschließend ruhen lassen

Namen, die in der engeren Auswahl landen, sollten von „Unbeteiligten“ kritisch überprüft werden. Freunde und Bekannte sind bei diesem Vorhaben geeignete und hervorragende Ansprechpartner. Sie sprechen den Namen laut aus, bewerten ihn und beschreiben, welche Assoziationen er bei ihnen hervorruft. Eventuell ruft der jetzige Name unverständliche Sinnbilder oder Missverständnisse hervor, welche die Gründer dank des ehrlichen Feedbacks optimieren. Anschließend empfiehlt es sich, in Ruhe eine oder mehrere Nächte zu schlafen, bevor die eigentliche Entscheidung stattfindet. Es lohnt sich nicht, sich permanent unter Druck zu setzen. Beim Namen gilt, diesen mit Bedacht auszuwählen. Wenn dies einige Tage länger dauert, ist das in Ordnung, solange der endgültige Name die Vision des Start-ups für andere logisch und präzise formuliert.

Abkürzungen und schriftliche Wirkung prüfen

Ein Firmenname wirkt auf Papier anders als in der direkten, gesprochenen Sprache. Für Gründer ist dies zu berücksichtigen, wenn sie den Namen für das Unternehmen vergeben. Ein akzentuierter Name hört sich im sprachlichen Gebrauch gut an, kann jedoch in der schriftlichen Sprache verwirrend oder unverständlich erscheinen. Gleiches gilt bei den möglichen Übersetzungen. Hat der favorisierte Namen in einer fremden Sprache eine andere, entgegengesetzte Bedeutung, sollte er nicht verwendet werden. Ein Kürzel kann entweder hilfreich oder schädigend sein. Ein abgekürzter Name passt in vielen Fällen zu einem stilvollen Logo, doch wird oftmals bereits von anderen Firmen gebraucht. Grundsätzlich gilt: Je kürzer und einprägsamer ein Name ausfällt, desto eher bleibt er im Gedächtnis der potenziellen Kunden und Geschäftspartner verankert.

Namen Start-up
Freunde und Bekannte beurteilen einen Start-up-Namen sachlich und objektiv. Es ist sinnvoll, sie um ein Feedback zu bitten. Pixabay.com © rawpixel (CC0 Creative Commons)

 

„Dont‘s“ und strategische Fehler beim Namen vermeiden

Strategische Fehler unterliegen dem jeweiligen Wettbewerb der Branche. Dennoch gibt es No-Gos oder strategische Fettnäpfchen, die Gründer kennen und umgehen sollten.

Der Name des Start-ups sollte den Tatsachen entsprechen, ohne leere Versprechungen abzugeben. So sollte ein Lebensmittelhersteller besser auf das „Bio“ im Namen verzichten, wenn er keine Bio-Produkte liefert.

Familiennamen sind bei einem Start-up mit Vorsicht zu behandeln. Ein solcher Name ist heute weder selten noch einzigartig. Weiter besteht die Gefahr, dass entfernte oder nahe Verwandte den Namen missbräuchlich verwenden oder etwaige Ansprüche stellen. Zudem steht die Imagefrage im Raum. Gründer, die ihr Unternehmen mit ihrem Familiennamen ausstatten, sind persönlich meist untrennbar mit dem Unternehmen verbunden. Ein gutes Beispiel ist das marode Unternehmen Schlecker, das die Öffentlichkeit sinnbildlich mit der Familie Schlecker verbindet. Ein negativer Skandal wirke sich somit auch persönlich auf die Gründer aus.

Technische Trends wirken sich negativ im Namen aus – sie können bereits morgen wieder „aus der Mode“ sein.

Ein Unternehmen ist dann erfolgreich, wenn es sich souverän und authentisch präsentiert. Dies gelingt auf den ersten Blick mit einem passenden Namen. Beispielsweise überzeugt ein regionaler Hersteller nicht, wenn er einen international ausgerichteten Namen trägt. Ein bekennender kultureller Anker muss nichts Schlechtes sein, im Gegenteil: Er spricht die Kunden direkt an und vermittelt unmissverständlich, worum es dem Start-up geht. Ein Ausspruch des Nachrichtensprechers Raimund Brichta bewährt sich zusammenhängend mit dem korrekten Start-up-Namen: Es sind Geschichten, welche beim Zuschauer ein Bild im Kopf erzeugen. Einem guten Namen mit Wiedererkennungswert gelingt dies problemlos.

Titelbild: Pixabay.com © mohamed_hassan (CC0 Creative Commons)

Autor: Marianne Schwarz

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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